Thick as a Brick 2
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Informationen
Allgemeine Angaben
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| Label: |
EMI |
| Durchschnittswertung: |
10.5/15 (4 Rezensionen) |
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Besetzung
| Ian Anderson |
vocals, flute, acoustic guitar |
| John O'Hara |
keyboards |
| David Goodier |
bass |
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| Florian Opahle |
guitar |
| Scott Hammond |
drums |
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Gastmusiker
| Ryan O'Donnell |
additional vocals |
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| Pete Judge |
trumpet, flugelhorn, tenor horn, E-flat-tuba |
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Tracklist
| Disc 1 |
| 1. |
Pebbles Thrown
1. From A Pebble Thrown 3:04 2. Pebbles Instrumental 3:30 3. Might-have-beens 0:50
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| 2. |
Gerald the Banker
1. Upper Sixth Loan Shark 1:13 2. Banker Bets, Banker Wins 4:27
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| 3. |
Gerald goes homeless
1. Swing It Far 3:28 2. Adrift And Dumfounded 4:25
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| 4. |
Gerald the Military Man
1. Old School Song 3:06 2. Wootton Bassett Town 3:43
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| 5. |
Gerald the Chorister
1. Power And Spirit. 1:59 2. Give Till It Hurts 1:12
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| 6. |
Gerald: a most ordinary Man
1. Cosy Corner 1:24 2. Shunt And Shuffle 2:12
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| 7. |
A Change Of Horses
1. A Change Of Horses 8:04
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| 8. |
22 Mulberry Walk
1. Confessional 3:08 2. Kismet In Suburbia 4:17
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| 9. |
What-ifs, Maybes And Might-have-beens
1. What-ifs, Maybes And Might-have-beens 3:36
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| Gesamtlaufzeit | 53:38 |
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| Disc 2 |
| 1. |
Thick as a Brick 2 5.1 Surround Mix
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| 2. |
Thick as a Brick 2 Super Quality 24-bit Stereo Mix
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| 3. |
TAAB2 "The making of ..." Video
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| 4. |
The Lyric Reading Video
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| 5. |
Multilingual Lyric Translations PDF Files
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| 6. |
www.StCleve.com Web Pages PDF Files
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| 7. |
Interviews
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Rezensionen

"Was wurde eigentlich aus Gerald Bostock?"
Diese Frage verfolgt Ian Anderson (oder heißt der Jethro Tull?) seit vierzig Jahren, genauer gesagt, seit seinem Pseudo-Konzeptalbum "Thick as a Brick", einer Art musikalischem Mumpitz, der vorgibt, die Vertonung eines Gedichts des moralisch verlotterten Achtjährigen Gerald Bostock zu sein. Während man sich in England über Album und Tour köstlich amüsierte, kam das Konzept anderwärts nicht immer an: mag es an mangelnden Englischkenntnissen, mangelnden Kenntnissen der englischen Kultur, insbesondere des englischen Humors, mag es an der Trink- oder Ironiefestigkeit mancher Hörer gelegen haben. Und so verwandelte sich "Thick as a Brick" aus einem Konzeptalbum-Spoof über die Jahre zu einem Konzeptalbum und so wird Ian Anderson bis heute gefragt: "Was wurde eigentlich aus Gerald Bostock?"
Nun, Anderson kam damals derart frustriert von seiner TAAB-Tour zurück, dass er mit dem Album nichts mehr zu tun haben wollte. An eine Nachfolgescheibe war schon gar nicht zu denken. Nur dem ebenso unermüdlichen wie jahrelangen Einsatz einiger Freunde, darunter maßgeblich Derek Shulman (genau der: Ex-Gentle-Giant und neuerdings Manager von Yoso), ist es zu verdanken, dass die einleitende Frage nun beantwortet ist.
Oder auch nicht. Dazu aber später.
Dieser Tage ist also "Thick as a Brick 2" erschienen, und mancher Kenner aktueller Alben von ehemaligen Prog-Protagonisten mag sich in den letzten Wochen vor Angst unter der Bettdecke verkrochen haben. Eine durchaus verständliche Reaktion: Anlässlich der musikalischen Peinlichkeiten, mit denen ähnlich langjährige Kollegen in den letzten Jahren aufwarteten, musste man befürchten, dass sich eine weitere Band in die Abgründe des Fremdschämens schießt.
Doch es geschehen noch Zeichen und Wunder...
Was also wurde aus Gerald Bostock?
Als wüsste Ian Anderson das! Anders gesagt: Anderson wäre nicht Anderson, wenn er darauf eine einfache Antwort gäbe. Stattdessen adaptiert er für sein Konzeptalbum (diesmal ist es eins) die Idee des (wundervollen) Films "Mr. Nobody", indem er verschiedene mögliche Lebenswege Geralds aufweist: Als Banker, als Obdachloser, als Militär, als Leiter des Kirchenchors und als Gerald Normalverbraucher. Dies geschieht im ersten Teil des Albums ("Divergence"), dem in einem zweiten dann die "Convergence" gegenübersteht (psst!). Thema des Albums sind also die Kreuzwege, an denen man im Leben immer wieder steht und an denen kleine Entscheidungen große Wirkungen entfalten können.
Bei der musikalischen Umsetzung macht Anderson alles richtig: Obwohl "TAAB2" dankenswerter Weise ein eigenständiges Album (und in keiner Weise ein Abklatsch des Originals) ist, hat er es mit Referenzen in die Vergangenheit gespickt: Schon der Beginn ist ein Zitat aus dem Original, in der Folge werden immer wieder kurze Motive und Melodien aus dem Jahr 1972 aufscheinen, oft im neuen Kontext reinterpretiert und leicht verändert. Andere Anspielungen verweisen auf weitere Songs und Alben Jethro Tulls, schnell bemerkt sind solche an "Locomotive Breath", "A Passion Play" und "Heavy Horses", und es gibt sogar Reminiszenzen an die "Herr der Ringe"-Filmmusik.
Die Instrumentierung ist mit der des Vorgängers nahezu identisch, der auffallendste Unterschied ist sicher die deutliche Präsenz von John O'Haras Akkordeon. Und auch die Produktion sorgt für echtes "TAAB"-Feeling: Als Musiker passiert Steven Wilson mein Gesäß ja tangential, als Produzent dagegen macht er mir von mal zu Mal mehr Eindruck. Hier hat er den trockenen Sound des Originals perfekt getroffen und den Klang von Orgel, Gitarre, Schlagzeug und Bass so gestaltet, dass der Originalsound wiederzuerkennen ist, ohne dass "TAAB2" allzu vintage klingt.
Die Eigenständigkeit wiederum wird dadurch gewährleistet, dass "TAAB2" etwas stärker als sein Vorgänger songorientiert ist. Anderson präsentiert sich auch im fortgeschrittenen Alter noch als glänzender Songwriter und es gibt klar identifizierbare Dreieinhalbminüter, die sich problemlos aus dem Gesamtzusammenhang lösen lassen - aber eigentlich war das ja auch schon beim Vorgänger so. Darüber hinaus sind sie durch kurze Instrumentalpassagen so in das Album integriert, dass man andererseits nicht das Gefühl hat, einfach eine Handvoll Songs zu hören, denen man das Konzept im Nachhinein aufgeschwatzt hat (so wie das die Öffentlichkeit einst bei "Aqualung" gemacht hat). "TAAB2" ist ein gelungenes Konzeptalbum - auch musikalisch.
Ja, aber ist es denn auch ein echtes Progalbum? Bevor ich das beantworte, muss erstmal raus, dass es ein echtes Tull-Album ist. Ist ja schwer zu beurteilen: Vorgelegt wird es laut Cover von "Jethro Tull's Ian Anderson" - also eher ein Soloalbum? Absolut nicht: "TAAB2" klingt so sehr nach Jethro Tull wie es nicht mal die Jethro-Tull-Alben der letzten Jahre tun. Kein Wunder: Einige von Andersons Mitmusikern sind in den letzten Jahren ja bereits auch bei Tull mit von der Partie gewesen. Ebenfalls kein Wunder also: Wer die klassische Phase der Band liebt, kommt hier voll auf seine Kosten: Das sind die klassischen Tull-Riffs, die klassischen Tull-Melodien und die klassischen Tull-Sounds. Bleibt die Frage, warum Anderson das Album nicht mit seiner Stammband aufgenommen hat. Denn auch wenn Florian Opahle eine tolle Leistung abliefert und gerade weil Steven Wilson ihm den perfekten Martin-Barre-Sound verpasst hat, fragt man sich, wieso Barre hier nicht dabei ist.
Und ja, "TAAB2" ist ein Progalbum, jedenfalls in dem Maße, in dem auch "TAAB" eines war. Schon der Einstieg ist so proggig wie ich Tull seit "Budapest" nicht mehr gehört habe, Staccatoläufe, krumme Takte, unvorhersehbare Wendungen, "TAAB2" hat neben tollen Songs auch alles, was ein Progalbum haben muss. Es mag nicht auf Augenhöhe mit "A Passion Play" sein, aber hey, das ist mal eben das beste Album dieser Band! Es mag nicht den legendären Status des Originals erreichen - musikalisch mithalten kann es aber allemal. Und das ist mehr, als viele Bands aus dieser Zeit von ihren aktuellen Alben behaupten können.
Und der St. Cleve Chronicle? Den gibt es noch! Als Zeitung, beiliegend der aktuellen Ausgabe des englischen "Prog"-Magazins, heutzutage aber natürlich vor allem als Website: http://www.st-cleve.com/index.html.
Ach ja: Was wurde eigentlich aus Gerald Bostock? Nun… wer das wissen will, der sollte mal http://www.myspace.com/lechaosfactory aufsuchen. Aber vorsicht! Nicht erschrecken...
| Anspieltipp(s): |
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| Vergleichbar mit: |
"Thick as a Brick". Und wie! |
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| Veröffentlicht am: |
2.4.2012 |
| Letzte Änderung: |
25.4.2012 |
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In den 70er Jahren begab es sich, dass ein Schüler im Englisch-Leistungskurs eines deutschen Gymnasiums unaufgefordert Fotokopien an seine Klassenkameraden verteilte. Auch die Lehrerin wurde bedacht und starrte etwas verunsichert auf den ihr offenkundig unbekannten Text einer LP namens "Thick as a Brick". Auf die Mitteilung, dass es sich hier um einen dringend aufzuarbeitenden, hochwichtigen literarischen Stoff handele, reagierte sie einsilbig. Doch ehrlicherweise hätte der Schüler sein Anliegen auch besser in die Frage zusammengefasst: "Kann jemand der Menschheit endlich mal verraten, was dieses verworrene Zeug zu bedeuten hat? Von mir aus sogar unsere Englischlehrerin!"
Die Lehrerin konnte es aber nicht. Ein paar Tage später murmelte sie etwas von "aufgelösten Satzstrukturen" und kam auf das Thema vorsichtshalber nicht mehr zurück. Das literarische Rätsel von "Thick as a Brick" blieb für den Schüler und seine Kumpane, die mit ihm zusammen den vermeintlich raffinierten Plan zur ultimativen Kaperung von Unterrichtsinhalten ausgeheckt hatten, vorläufig ungelöst.
Wie sich die Zeiten ändern. Wer heute ein Exemplar der Special Edition von TAAB 2 erwirbt, bekommt neben der CD auch eine DVD, die nicht nur ein Video über die Entstehung des Albums enthält, sondern auch eine PDF-Version der fingierten St-Cleve-Homepage. Vor allem aber erhält er - ebenfalls als PDF - eine Übersetzung der TAAB 2-Lyrics in verschiedene Sprachen, darunter auch Deutsch. Der Gang zur Englisch-Lehrerin erübrigt sich also. Die Frage ist allerdings: Interessiert es wirklich jemanden, was aus dem 1972 erfundenen Poetik-Wunderkind Gerald Bostock im Laufe der letzten vier Jahrzehnte geworden sein könnte?
Vermutlich gibt es tatsächlich einige Jethro Tull-Fans, die das literarische Spiel des neuen Albums gerne mitspielen. Aber ich denke, den meisten (auch mir) ist die Sache doch eher gleichgültig. Das Original-Cover des 72er-TAAB-Albums war ein wunderbares Gimmick und als solches von unbestrittenem Rang für die Geschichte der Rock-LP-Verpackungen. Aber aus der Phase, wo man noch "The story of the hare who lost his spectacles" (von "A Passion Play") oder eben auch Teile des rätselhaften Gerald Bostock-Poems auswendig deklamieren konnte, sind die meisten vermutlich heraus (oder waren als Nachgeborene ohnehin nie drin).
Dass es auf der neuen Platte auch einige gesprochene Texte gibt, empfinde ich persönlich als überflüssig. Es bleibt die Musik und damit die Frage: Muss man unbedingt ein Album einspielen, auf dessen Veröffentlichung die meisten Prog-Kenner wohl eher mit Befürchtungen als mit Hoffnungen gestarrt haben dürften? TAAB 2 beweist: Man muss nicht, aber man kann. Denn die befürchtete und von anderen Prog-Dinos schon so oft und peinlich zelebrierte Selbstzerstörungskatastrophe bleibt aus. Nicht einmal die gegenüber früheren Zeiten ja schon seit langem suboptimale Stimmqualität von Ian Anderson fällt übermäßig negativ auf.
Der Hörer erhält also ein typisches Jethro Tull-Album, das von Ian Anderson solo als Band verantwortet wird - oder so ähnlich. Es ist ein ordentliches Album, das leider anfänglich etwas schwungvoller wirkt, als es dann aufs Ganze gesehen tatsächlich ist. Man kann es als angenehme Unterhaltung laufen lassen, sollte jemand darüber allerdings in ekstatische Zustände geraten, dann wüsste man mal wieder, mit wem man garantiert nicht auf einer Wellenlänge ist. Was mir gefällt, ist der starke Anteil akustischer Elemente im kompakten Soundbild. Es gibt keine Versuche mit aufgeschwemmten Klangspielereien über musikalische Löcher hinwegzutäuschen. Fast alles kann sich hören lassen, auch wenn das Überraschungspotenzial bei Null liegt. Die Platte ist ein umfassendes stilistisches Selbstzitat und enthält schon deshalb weit mehr erwartbare als unerwartete Wendungen. Dass es zusätzlich noch ein paar ganz besonders notengetreue Zitate aus einzelnen Tull-Klassikern gibt, erzeugt keinen großen künstlerischen Mehrwert - und war im Übrigen ja auch selbst schon wieder zu erwarten. Jedenfalls hätte man die Platte damit nicht retten können, wenn sie schlecht gewesen wäre, aber schlecht ist sie zum Glück nicht.
Fazit: Kein Grund für Jethro Tull-Freunde nicht zuzugreifen.
| Anspieltipp(s): |
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| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
3.4.2012 |
| Letzte Änderung: |
4.4.2012 |
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Oha - Thick as a Brick 2? ... als ich den Titel des Albums im Web las, dachte ich erst einmal, ich hätte mich verlesen... aber nein es ist wahr!
Und das schöne ist, es ist ein Klasse-Album. Warum dies unter "Jethro Tull's Ian Anderson" firmiert und die alten Mannen nicht dabei sind, entzieht sich meiner Kenntnis. Eigentlich interessiert es mich auch nicht so dringlich. Ian Anderson war immer der (musikalische) Kopf von JT. Und was der alte Meister noch kompositorisch und künstlerisch drauf hat, demonstriert er mit TAAB2 wirklich eindrucksvoll.
Ein progressives, anspruchsvolles Konzeptalbum in der Tradition von TAAB und Passionplay. Lange waren Anderson/Tull nicht mehr so ambitioniert. Zwar finden sich mehr klassische Songstrukturen auf dem Album als beim Teil1, aber faszinierende Instrumentalteile fehlen eben nicht! TAAB2 ist ein würdiger Nachfolger des Progmeilensteins.
Schön auch dass die verspielten, zarten Akustik-Story-Teller-Songs der alten Tage endlich mal wieder auftauchen. Dies schätzte ich immer sehr an den frühen Tull-Alben.
Das auch gesprochen wird, nun gut, das muss wohl bei TAAB2 so sein, versteht sich. Allerdings ist "The Hare Who Lost His Spectacles" unerreicht! Und dieses war ja sowieso auf "A Passionplay".
Spaß machen auch die intelligenten und nicht peinlichen Variationen/Anlehnungen an einige Tull-Klassiker, wie von Nik und Ralf schon beschrieben. Freut mich, dass das unterschätzte Album "A" auch auftaucht. Somit hat TAAB2 auch etwas von einer Tull-Retrospektive.
Das Anderson mit seinen Meisterwerken "TAAB" und "Passionplay" nicht immer die besten Erfahrungen machte, liegt in der Natur der Sache. Selten sind die besten Alben die wirklich erfolgreichen...
Fazit: Gut, dass Ian Anderson sich auf seine Tugenden besonnen hat. Ich freu mich jedenfalls riesig auf die Tour und wenn im letzten Titel das Originalthema nochmal zitiert wird, verneige ich mich und sage "Hut ab, Herr Anderson!"
"... So you ride yourselves over the fields and You make all your animal deals
and Your wise men dont know how it feels to be thick as a brick!"
1. Nachtrag: Die Webseite www.StCleve.com gibt es wirklich, sehr amüsante Lektüre :-)
2. Nachtrag: Auch live fand ich TAAB eine feine Sache!
Gestern abend in Mainz habe ich zum ersten Mal "Thick as a brick 1" live erlebt und war (wie auch der Großteil des Publikums) begeistert. Die Show beginnt; die Musiker laufen alle in den gleichen Hausmeisteroutfits über die Bühne, richten die letzten Kabel, Notenblätter, Gitarren; schon wird klar das wird kein typisches Rockkonzert. Inszeniert hatten Ian Anderson und seine Mannen, TAAB 1+2 in einer gelungen Mischung aus Rockkonzert, Musical und Theaterstück. Amüsante (mit typisch britischem Humor des Herrn Anderson, oft von ihm selbst gespielt) oder malerische Videoeinspielungen und theaterartige Einlagen garnierten die Show. Gerade in Teil 1 war ich wirklich ergriffen; herrvoragende musikalische Leistung aller Musiker - allen voran Keyborder und Gitarrist. Und natürlich der Meister himself, der mit Mandoline und Flöte immer noch über die Bühne fegte, flötete, was das Zeug hält, und den augenzwinkernden Harlekin gab. Unterhaltsame Einlagen z.b. "die Prostata-Vorsorge-Untersuchung..." waren für mich passende Einlagen, die fiktive Geschichte des Gerald Bostock illustrierten. Stimmlich schafft Anderson nicht mehr alle Lagen aus TAAB1, so machte er aus der Not eine Tugend und hatte sich als Co-Sänger Ryan O’Donnells geholt, der wohl auch schon in einer Umsetzung von The Who‘s "Quadrophenia" sang. Anderson hatte das im Vorfeld gerechtfertigt, er könne nicht gleichzeitig Flöte spielen und singen. Das war wohl nicht allein der Grund, wie man bei manchen Gesangsparts von Anderson hörte, aber diese kleine Eitelkeit sei ihm bei dieser tollen Inszenierung und Umsetzung verziehn. Ryan O’Donnells (Sänger) spazierte quasi als erwachsener Gerald Bostock in Musicalmanier über die Bühne und übernahm überwiegend die Gesangsparts von TAAB1. Er orientierte sich am Gesang des jungen Anderson und machte seine Sache gut. Er hatte aber nicht ganz diese prägnante Artikulation von Anderson, diese typisch britische Betonung der Konsonanten. Das vermisste ich ein wenig.
Musikalisch war der Abend aber absolut überzeugend und die langen Instrumentalparts sind eh das wichtige an TAAB1. Nach der Pause dann Teil 2. Ich brauchte dann 2 Stücke um mich auf TAAB2 einzulassen. Im direkten Vergleich hat natürlich Teil1 die Nase vorn. Aber das gab sich. Schöne Arbeit am Arkordeon vom Keyboarder und auch der kleine Longtrack und viele weitere Songs kamen klasse. Anderson sang hier wieder mehr, die Gesangsparts sind nicht so schwierig von den Lagen, aber es blieb ein Zusammenspiel beider Sänger und ich fand das gut so. Teil 2 überzeute mich tatsächlich ebenso. Standing Ovations nach dem Konzert. Zugabe gabs keine. Habe ich aber nicht wirklich vermisst, denn das einzige was gepasst hätte wäre "A Passionplay" gewesen und das war natürlich nicht zu erwarten. Insgesamt eine perfekte Umsetzung der beiden Konzeptalben in einer ausgeklügelten Show. Musikalisch klasse gemacht - gesanglich mit kleinen Abstrichen. Wer ein typisches Rockkonzert erwartet hatte, wurde möglicherweise nicht ganz zufriedengestellt.
| Anspieltipp(s): |
Diesmal wieder: Ganz anhören! |
| Vergleichbar mit: |
TAAB, Passionplay, A, Heavy Horses, Aqualung, Budapest ... |
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| Veröffentlicht am: |
4.4.2012 |
| Letzte Änderung: |
24.5.2012 |
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An "Thick As A Brick 2" sind schon eine ganze Menge Dinge überraschend: Das Album kam recht unerwartet und wurde gerade mal ein paar Monate vor Veröffentlichung angekündigt. Es firmiert unter dem Namen von Ian Anderson. Es heißt "Thick As A Brick 2" und Donnerwetter, das Konzept kann sogar sinnvoll fortgesetzt werden. Und aus dem St. Cleve's Chronicle ist ein Newsportal im WWW geworden. Und vor allem ist es ein durchaus hörbares Album geworden. Ian Anderson ist sogar, was natürlich ebenfalls überrascht, so gut bei Stimme wie seit "Under Wraps" nicht mehr.
Natürlich freut man sich auch über eine ganze Anzahl alter Tull-Referenzen. Da wäre beispielsweise die offenkundig in der Tradtion von "Cold Wind To Valhalla"/"Salamander" stehende, spöttelnde Akustiknummer "Give Till It Hurts", die Akkordeoneinsätze in "Pebbles Instrumental" (remember "Warchild"?) oder der moderne, geschmackvolle Rocksound nach Maßgabe von "Broadsword & The Beast" oder "Crest Of A Knave" in "Banker Bets, Banker Wins". Natürlich auch die Zitate aus "Thick As A Brick" selbst, die ich hier aber wohl kaum herausheben muss. Jedenfalls, in solchen Momenten kann "Thick As A Brick 2" uns alten (?) Tull-Fans am meisten Freude bereiten.
Trotzdem hat "Thick As A Brick 2" einen entscheidenden Makel: Es ist kein Jethro-Tull-Album. Das meine ich jetzt noch nicht mal in Bezug auf den vorne drauf stehenden Namen, sondern vor allem musikalisch. Denn an vielen Stellen fehlt ganz einfach der kreative Input, der seinerzeit von den ganzen genialen Musikern in den Reihen der Band (Barre, Hammond-Hammond, Glascock, Barlow, Evan, Palmer, Pegg, Vettese) hörbar auf die jeweiligen Alben übertragen wurde. So klingen dann die meisten der Stücke auf "Thick As A Brick 2" irgendwie unfertig und vom Arrangement her stark ausbaufähig. Noch etwas schwerer wiegt dann die fast zwingend damit einhergehende Tatsache, dass sich auf dem Album stellenweise auch kein Zusammenhang zwischen den Nummern einstellen will und die Nummern recht beliebig nebeneinander stehen. Auch hier scheint es so, als ob sich aus dem zugrunde liegenden Material mit dem Geist und der Belegschaft der 70er ein wesentlich besseres und flüssigeres Werk hätte machen lassen.
Insofern bin ich dann, bei aller Überraschung, unterm Strich doch ein wenig enttäuscht von "Thick As A Brick 2". Das sollte jetzt nicht völlig falsch verstanden werden, denn im Grunde genommen wird hier ganz formidables Material geboten. Jedoch wirkt es auf mich so, als ob hier bei entsprechender Aufbereitung definitiv mehr drin gewesen wäre. Den wahnwitzigen Fluss und die schwelgerische Romantik des Vorgängers vermisse ich jedenfalls, und "Thick As A Brick 2" wird unterm Strich leider zu seinem eigenen "What If, Maybe And Might Have Been".
| Anspieltipp(s): |
Banker Bets, Banker Wins; Old School Song; Give Till It Hurts |
| Vergleichbar mit: |
dem Soundgewand von "J-Tull Dot Com" |
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| Veröffentlicht am: |
22.6.2012 |
| Letzte Änderung: |
21.6.2012 |
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