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Peter Michael Hamel

Nada

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1977
Besonderheiten/Stil: instrumental; Ambient; Elektronische Musik; Moderne Klassik
Label: Wergo
Durchschnittswertung: 13/15 (1 Rezension)

Besetzung

Peter Michael Hamel Piano, Prepared Piano, Synthesizers, Electric Organ

Gastmusiker

Ulrich Kraus Synthesizer (auf Nada)
Anatol Arkus Drone (auf Nada)

Tracklist

Disc 1
1. Nada 6:20
2. Silence 5:15
3. Slow Motion 5:00
4. Beyond the Wall of Sleep 23:40
Gesamtlaufzeit40:15


Rezensionen


Von: Michael Hirle @


Nada - nichts. Wer Peter Michael Hamels Buch "Durch Musik zum Selbst" kennt, weiß dass dieses Nichts, nicht Leere sondern Fülle bedeutet. "Alles" ist genauso wenig greifbar und benennbar, wie das "Nichts". Mittels Klänge kann man diesen besonderen Zustand heraufbeschwören, der das Nada erahnen lässt. Was sich jetzt wie eine Meditations- oder Yogaübung anhört, stellt sich dem Zuhörer schon beim konzentrierten Zuhören als erlebbarer Zustand ein. Hören, das bewusste Einlassen auf eine Sache, ist auch hier der Schlüssel zum ungetrübten Genuss des vierten Solo-Albums von Peter Michael Hamel. Kochen, Bügeln, in einem Buch schmökern würde die Musik zu sehr an die Oberfläche heben und sie wäre belanglose Berieselung.

Zwei Türme ragen auf "Nada" heraus: Das Titelstück "Nada" und die Schlussnummer "Beyond the Wall of Sleep". Zwischen diesen beiden Säulen ruhen zwei Piano-Nummern. Moderne Klassik, wie sie gerne bei "musica viva" auf BR-alpha läuft würde bei "Silence" am ehesten eine Schublade sein. Ein präpariertes Klavier fungiert als reines Rhythmusinstrument. Asiatische und afrikanische Schlaginstrumente kommen einem da in den Sinn. "Silence" beginnt wie ein sanfter Regen. Ein verhaltenes Tröpfeln, das auf ein Fensterbrett trifft oder von Blättern perlt...obwohl das Stück "Silence" heißt, erweckt es doch so etwas wie eine innere Unruhe.

Anders "Slow Motion". Kennt jemand Mobys "God Moving Over The Face Of The Waters" vom "Everything is Wrong" Album? Dies könnte die Vorlage sein. Ein hypnotisch perlendes Pianostück... man meint wirklich zu schweben und die Welt um sich herum paradoxerweise in Zeitlupe wahrzunehmen. Faszinierend!

Eingefasst werden die "natürlichen" Pianostücke von den elektronischen Stücken "Nada" und "Beyond the Wall of Sleep". "Nada" könnte klanglich auch den frühen Scheiben von Klaus Schulze, Tangerine Dream und Ash-Ra Tempel entwachsen sein. Aber der Geist ist ein anderer. Warum das so ist, erklären kann ich es nicht. Man könnte dieses Stück trotz aller Ähnlichkeit, keinen der Genannten zuordnen, so eigen ist es. 4 Synthesizer treffen aufeinander und bilden eine Spirale die den Hörer immer tiefer in sein (Unter-)Bewusstsein zieht. 4 Klang-Schleifen die sich zu einem Teppich knüpfen. Hypnotisch und trotz aller Bewegung (pulsierend, pluckernd, wabernd) seltsam schleichend. Paradox bewegend. Melodisch nein, harmonisch ja.

"Beyond the Wall of Sleep" lässt sich aus zwei Richtungen inspirieren. Der Westlichen: der Titel, stammte von einer Geschichte von H.P.Lovecraft. In dieser trifft ein Patient einer Nervenheilanstalt nach einem Experiment, nach überwinden "der Mauer des Schlafes" auf seinen Licht-Bruder. Der Östlichen: vom indischen Bhairawi Raga. Also ein ganz schöner Brocken, der da auf den Hörer wartet? Na ganz so schlimm ist es nicht, denn die fast 24 Minuten vergehen, im wahrsten Sinne, wie im Flug. Ähnlich wie bei einem Raga, wo der/die/das Drone allgegenwärtig ist, legen sich dann nach und nach immer mehr Schichten. Hier wird die Zwiebel nicht geschält, sondern zusammengesetzt. Die Sounds ähneln wieder sehr dem Titelstück. Überhaupt wirkt es wie sein "Licht-Bruder". Weniger "beweglich" dafür flächiger...so als würde man "Nada" in der falschen Umdrehung abspielen. Ab der Mitte setzt dann wieder der Sequenzer ein und es pluck-wabert wie zu besten Tangerine Dream Zeiten. Darüber legen sich dann dissonante Orgelflächen, welche auf die ebenfalls sehr hörenswerten Orgelkompositionen Hamels verweisen. Das Stück schwillt an und fällt dann wieder in sich zusammen, im Aufrichten bildet sich dann so etwas wie eine Melodie, leicht orientalisch baut sich das Stück wieder auf, nur um kurz darauf völlig im Klangnirwana zu verschwinden.

Sagte ich schon faszinierend? Was anderes fällt mir dazu eigentlich nicht ein...wie will man einen Klanggeformten Zustand schon in Worte fassen? Selbst hören...und selbst Worte finden!

Anspieltipp(s): Alles
Vergleichbar mit: Klaus Schulze, frühe Tangerine Dream
Veröffentlicht am: 21.6.2012
Letzte Änderung: 21.6.2012
Wertung: 13/15
Faszinierend!

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