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Flying Colors

Flying Colors

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Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2012
Besonderheiten/Stil: Blues; HardRock; Melodic Rock / AOR; Rock / Pop / Mainstream
Label: Music Theories Recordings
Durchschnittswertung: 9.5/15 (4 Rezensionen)

Besetzung

Steve Morse guitar
Dave LaRue bass
Neal Morse keyboards, vocals
Casey McPherson vocals, keyboards, rhythm guitar
Mike Portnoy drums

Gastmusiker

Orla Murphy viola (6)
Brian Moritz additional keyboards (7)
Bill Evans string rendering, additional arrangements, post engineering

Tracklist

Disc 1
1. Blue Ocean 7:05
2. Shoulda Coulda Woulda 4:32
3. Kayla 5:20
4. The Storm 4:53
5. Forever In A Daze 3:56
6. Love Is What I'm Waiting For 3:36
7. Everything Changes 6:55
8. Better Than Walking Away 4:57
9. All Falls Down 3:22
10. Fool In My Heart 3:48
11. Infinite Fire 12:02
Gesamtlaufzeit60:26


Rezensionen


Von: Thomas Kohlruß @ (Rezension 1 von 4)


Manchmal darf man sich etwas wünschen. Als Leser dieser Seiten darf man zum Beispiel Rezensionswünsche äußern, die – wenn möglich – auch von uns erfüllt werden. Dazu muss natürlich zunächst mal ein Rezensent das gewünschte Album besitzen, dann muss er Zeit haben, es zu besprechen und nicht zuletzt sollte die Musik natürlich zum Fokus dieser Seiten passen, also Progressive Rock (oder wenigstens nah dran) sein. Bei allem Wohlwollen verwundert dann mancher Wunsch denn doch. So war zum Beispiel in letzter Zeit das Album von Flying Colors ein sehr häufig gewünschtes... ob das auch so gewesen wäre, wenn hier Dave Portnoy, Mike Morse, Casey Morse, Neal LaRue und Steve McPherson musiziert hätten? Wahrscheinlich nicht, aber die Namen Mike Portnoy, Dave LaRue, Steve Morse und nicht zuletzt Neal Morse wecken wohl doch gewisse Erwartungen. Die einzige Unbekannte hier ist vielleicht Casey McPherson. Aber bitte, wir sind ja nicht so...

Auch Bill Evans, seines Zeichens Musikproduzent, durfte sich was wünschen, nämlich „eine Gruppe virtuoser Musiker, die zusammen mit einem Pop-Sänger neumodische Musik mit altmodischen Mitteln (Tugenden) machen“. Voilà, Flying Colors waren geboren. Dem Vernehmen nach waren vor allem Neal Morse und Mike Portnoy gleich Feuer und Flamme, aber auch Steve Morse und Dave LaRue, langjährige musikalische Weggefährten, waren gleich dabei. Dass man mit Casey McPherson einen zwar jungen, aber nicht mehr ganz unerfahrenen Sänger gewinnen konnte, sollte sich als Glücksgriff erweisen.

Flying Colors machen keinen Prog und wollen das sicherlich auch gar nicht. Wenn es nicht die diversen Leser-Nachfragen gegeben hätte und eben die Musiker eine einschlägige musikalische Vergangenheit hätten, dann wäre dieses Album sicherlich niemals auf diesen Seiten erschienen. Was nun nicht heißt, dass es schlecht ist. Nur wer Prog von den Herren in diesem Fall erwartet, wird leider enttäuscht. Flying Colors ist ein hervorragendes, unverschämt groovendes Melodic Rock-Album der besseren Art (vielleicht DAS Rock-Album des Jahres, aber da höre ich nicht mehr genug aus der Richtung, um das wirklich beurteilen zu können). Die Musik flutscht federleicht aus den Boxen, Schmalz, Kitsch und Pathos lassen die Herren größtenteils links liegen (Die Pflichtballade „Everything Changes“ mal ausgenommen). Ansonsten wird mit großer Spielfreude gerockt, gebluest, gepopt (das musikalische!), dass es eine Freude ist. Schmissige Keyboardsoli und Flächen werden von grandiosen Gitarrensoli umkreist und von fluffigem Bassspiel getragen, flotte Melodiebögen und griffige Hooklines inklusive. Portnoy groovt ganz ungewohnt lässig dazu. Dave LaRue lässt die tiefen Saiten funky tanzen und der geheime Star des Albums ist Gitarrist Steve Morse, der völlig losgelöst, alle Register zieht.

Und Casey McPherson erweist sich als variabler, hoch emotionaler Sänger, der das Ganze hervorragend abrundet. Manchmal wählt er durchaus eigenwillige Gesangslinien, was den einen oder anderen Song vor der Banalität bewahrt bzw. einen Alternative Rock-Anstrich verleiht.

Flying Colors nehmen gerne mal eine Anleihe bei den Beatles, lassen es unverschämt alternative rockig-nu metalig krachen und haben gegen Ende dann doch noch einen richtiggehenden Progsong im Gepäck, der auf keinem Transatlantic-Album unangenehm auffallen würde („Infinite Fire“).

Also: Eigentlich kein Prog hier, aber wer kraftvolle, verspielte, melodische Rockmusik mit dem All-American-Gefühl, aber immerhin ohne den ganz großen Kitsch und Stadion-Pathos mag, der ist genau richtig. Frühe Boston, Journey, Electric Light Orchestra, Styx und vielleicht so ein bisschen Subsignal (um doch noch eine Prog-Referenz ins Spiel zu bringen) sind die Nachbarn.

Anspieltipp(s): Blue Ocean, Forever In A Daze, All Falls Down
Vergleichbar mit: siehe Vergleichsuniversum im Text
Veröffentlicht am: 26.6.2012
Letzte Änderung: 27.6.2012
Wertung: keine kein Prog, keine Wertung, aber ein tolles Rock-Album

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Von: Jörg Schumann @ (Rezension 2 von 4)


Chapeau! Da kann ich nur beipflichten: ein tolles Album! Die Diskussion, ob es sich hier nun um Prog handelt oder nicht, rückt für mich bei dem Spass, den das Album macht, in den Hintergrund. Das Meiste auf "Flying Colors" ist sicher kein Prog. Handkehrum finden sich auf den Bärte-Alben der Morse Ära durchaus Stücke, die so anders nicht waren, als einige straighte Nummern hier. Die Morse-Soloalben waren kaum proggier und stehen dennoch auf den BBS. Und der Schluss von "Shoulda Coulda Woulda" ist virtuoser und "cheffiger" als manch anderes, das sich progressiv nennt. Egal, ich will hier nicht von Definitionen reden.

"Flying Colors" ist Spielfreude, ist Spassmach-Mucke, die perfekt in den Sommer passt. Jedes Stück ist anders. Die Protagonisten spielen hervorragend zusammen, der Sound ist fett und sauber. Speziell erwähnen möchte ich noch, dass Flying Colors NICHT nach Neal Morse klingt. Was ja sonst bei seinen Projekten stets der Fall ist. Diesmal drückt er nicht alle an die Wand.

Er singt kaum und die Keyboards sind ebenfalls eher dezent im Hintergrund zu finden. Genausowenig ist der Drummer (sofort) als Mike Portnoy zu erkennen. Der Bass ist prägnant, die Gitarren rotzig. So bleibt schliesslich derjenige hervorzuheben, den es auch hervorzuheben gilt: den Sänger.

Variabel, überzeugend, passend. Der Mann fühlt sich in verschiedenen Stilen wohl, kann sowohl rocken, wie sanft balladieren.

Ein grösstenteils sehr rockiges Album, das einen Abstecher Wert ist.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 2.7.2012
Letzte Änderung: 2.7.2012
Wertung: keine

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Von: Christian Rode @ (Rezension 3 von 4)


Vox populi, vox dei! Die Leser wissen eben doch am besten, was sie lesen und hören wollen... Nicht von ungefähr erfreut sich dieses Album in Prog- und Metalkreisen (und hoffentlich auch darüber hinaus) einer so großen Beliebtheit. Hier sind Meister ihres Faches am Werk, die brilliant ihre Instrumente bedienen, so frischweg musizieren, dass es einfach Laune macht, und dabei doch dem Prog-Hörer zeigen, wo der Barthel seinen Most holt!

Was die Morse-“Brüder-im-Geiste“ mit energischer Verstärkung als Flying Colors kreieren geht dabei ganz klar über das hinaus, was gemeinhin als „Prog“ bezeichnet wird. Es ist lebendiger, druckvoller Artrock im besten Wortsinne. Die Mischung ruht auf einer satten AOR-Basis und wird durch allerlei stilistische Eskapaden in Richtung Sinfonik, Metal, Funk, Bluesrock, Pop etc. bestimmt, die aber unter einem gemeinsamen Dach stehen, das durch die überragenden instrumentellen Fähigkeiten der Musiker (inkl. sahnigem Gesang!) zusammengehalten wird.

Was hier v.a. Steve Morse leistet, ist schlichtweg genial. Der Mann ist ein Gitarrengott und kann einfach alles. Das wusste man schon seit Dixie-Dregs-Zeiten und auch, wenn man Deep Purple mal live gesehen hat. Aber hier setzt er das Tüpfelchen auf dem i. Während Neal Morse eher hintergründig seine Tasten bedient, abgesehen vom Finale, wo er auch mal richtig aufdrehen darf, trägt gerade Steve Morse im Ensemble der Spitzenmusiker zu dem besonderen Genuss bei.

Bevor ich hier aber zu überschwänglich werde, doch etwas zum Abdämpfen der Erwartungen: Die Kompositionen und auch die Melodien erreichen nicht immer das Niveau, das in Stücken wie Blue Ocean (das Beste!), Love is what I'm waiting for, Fool in my Heart oder Infinite Fire zu hören ist. Zu nah ist manchesmal die Nähe zum leicht austauschbaren amerikanischen AOR wie u.a. in The Storm oder Forever in a Daze. Dies fällt allerdings nicht zu negativ ins Gewicht, weil es die Band mit kleinen Schlenkern und Überraschungen instrumentaler Art immer wieder heraushaut. Dies gilt selbst für die ruhigeren, etwas pompös-sülzigen Stücke, v.a. das etwas zu lange Everything Changes.

Immer wieder werden bei aller Eigenständigkeit der Musik auch Assoziationen wach, die der musikalischen Einordnung dienlich sein mögen: Spock's Beard, Deep Purple, Boston, Queen, E.L.O., v.a. aber Toto kommen mir in den Sinn, weil diese ebenfalls mit einer Riege von grandiosen Instrumentalisten hochintelligenten Artrock auf Melodic-Basis fabrizieren.

DAS Sommeralbum 2012 für den Melodic-Progger!

Anspieltipp(s): Blue Ocean, All falls down, Better than walking away, The Storm
Vergleichbar mit: Toto, Spock's Beard, Deep Purple, Boston, Queen, E.L.O.
Veröffentlicht am: 5.7.2012
Letzte Änderung: 5.7.2012
Wertung: 10/15

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Von: Jürgen Wissing @ (Rezension 4 von 4)


Flying Colors werden werbetechnisch als neue Prog-Supergroup präsentiert. Diesem Anspruch können die Herren Morse, Portnoy & Co. nach meiner Ansicht wohl kaum genügen, denn dafür fehlt es vor allem an kreativ-progressiven Dimensionen in vielen Songs des Albums.

Bescheinigt werden kann aber, dass die Truppe einen unterhaltsamen und recht abwechslungsreichen Erstling abgeliefert hat, der stilistisch mit unkomplexem, geschmeidigem und melodiösem Material aufwartet.

Die Scheibe ist professionell produziert, die Songs werden technisch sehr sauber inszeniert und sind für ein breites Publikum geeignet, da größtenteils ohne Tiefgang. Steve Morse (Lead Gitarre) und Mike Portnoy (Drums) sind mit kernigen Songteilen positiv präsent und Neal Morse’s Gesang und Kompositionsstil (Infinite Fire) stehen der Band gut.

Nicht zu übersehen und auch nicht zu verschweigen ist eine Reihe von eher simplen, übermäßig eingängigen und damit leider nicht gerade wertvollen Songs, von denen manche reichlich „klebrig süß“ ausfallen. Wer sich kritisch mit der Gesamtperformance in punkto Songwriting auseinander setzt, muss hier schon deutliche Abzüge in der Bewertung vornehmen.

Aber es soll ja auch schon vorgekommen sein, dass man gern mal eine knappe Stunde Musik „für nebenbei“ hört – und da schneidet Flying Colors nicht so schlecht ab. Insgesamt ein ordentliches Album, das aber nichts mit den progressiven Großtaten der Bands, aus denen die bereits erwähnten Bandmitglieder stammen, gemein hat.

Anspieltipp(s): Infinite Fire, Everything Changes, Kayla,
Vergleichbar mit: "etwas von Vielem": von Queen bis Spocks Beard
Veröffentlicht am: 30.8.2012
Letzte Änderung: 30.8.2012
Wertung: 9/15

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