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Amon Düül II

Tanz der Lemminge

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1971
Besonderheiten/Stil: Krautrock
Label: United Artists / Revisited Records
Durchschnittswertung: 11/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Chris Karrer Guitars, violin, Vocals
Lothar Meid Basses
Peter Leopold Percussion, Drums
Karl-Heinz Hausmann Keyboards
John Weinzierl Bass, Guitar
Falk U. Rogner Bass, Keyboards

Gastmusiker

Renate Knaup-Kroetenschwanz Vocals
Alois Gromer Sitar
Rolf Zacher Vocals
Jim Jackson Organ, Choir-Organ, Piano

Tracklist

Disc 1
1. Syntelman's March of the Roaring Twenties: 15:50
2. Restless Skylight-Transistor-Child/Landing 19:33
3. The Marilyn Monroe Memorial Church 18:09
4. Chewing Gum Telegram 2:45
5. Stumbling over Melted Moonlight 4:38
6. Toxicological Whispering 7:48
Gesamtlaufzeit68:43


Rezensionen


Von: Andreas Pläschke @ (Rezension 1 von 2)


Die dritte DoLP/CD der deutschen Krautrocklegende. Die DoLP besteht eigentlich aus 2 Teilen, da die 2. LP den Soundtrack zu dem Film "Chamsin" enthält, der 1970 entstanden ist (in einer anderen Besetzung).

Jede der LP-Seiten ist recht unterschiedlich, zeichnet doch immer ein anderes Mitglied der Band für die Songs verantwortlich. Seite 1 stammt vom Gitarristen Chris Karrer, entsprechend steht die akkustische Gitarre im Vordergrund. Hier wird schon seine Vorliebe für spanische oder orientalische Musik erkennbar, die er heutzutage auf seinen Soloplatten auslebt.

Seite 2 ist überwiegend John Weinzierl (ebenfalls Gitarre) und deutlich härter, eben mehr die klassischen E-Gitarrenriffs. Das Ganze erinnert teilweise an Hawkwind, oder anderen Spacerockbands mit seinen schweren Bass/Gitarrenriffs.

Seite 3 gehört dagegen dem Elektroniker der Band Falk U Rogner, entsprechend ruhige, fast meditative Soundmalereien, die mich oft an UMMAGUMMA von Pink Floyd erinnern (besonders an die Livescheibe)

Seite 4 enthält dagegen die kürzeren Tracks.

Tja, was soll man zu Amon Düül II sagen. Man nehme die Improvisationen der Grateful Dead, mische deutsche Elektronik, englischen Gesang mit starkem Dialekt, die Unbeschwertheit von GONG und eben den typisch teutonischen Ernst und Bombast hinzu, und heraus kommt Krautrock in reinster Güte, und ich meine das Wort "Krautrock" keinesfalls ironisch oder beleidigend. Dies ist eine der besten deutschen Bands, die es leider nie ganz geschafft haben, weil zu der Zeit deutsche Bands hierzulande einfach keine Chance hatten. In England oder Frankreich sah das schon ganz anders aus, nicht umsonst zählten sie dort neben CAN oder auch FAUST zu den einflußreichsten Bands. Und gerade in ihrer Frühphase zeichneten sie sich durch lange Improviasationen aus, die sie später leider einstellten. Wer also mal deutsche Musik der 1. Generation hören will, sollte sich diese CD unbedingt antun (oder auch andere aus ihrer Frühzeit). Für mich ist dies neben YETI und MADE IN GERMANY die Platte von Amon Düül II.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 19.4.2002
Letzte Änderung: 19.4.2002
Wertung: 10/15
Syntelman's march of the roaring seventies, Restless-skylight-transistor-child

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 2 von 2)


In den frühen 70ern waren die Zeiten noch anders. Gleich zwei Doppel-LPs veröffentlichten Amon Düül II zu Beginn des Jahrzehnts, "Yeti" 1970 und 1971 "Tanz der Lemminge". Nur wenige Jahre später, insbesondere nach der Ölkrise, wäre so etwas ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Keine Plattenfirma hätte einer durchgeknallten Dillettantentruppe zwei solch umfangreiche Projekte finanziert. In der Tat wurde das dritte Doppelalbum der Düüls 1975 - "Made In Germany" - zu einer Einzel-LP zusammengestutzt (auch wegen des der Plattenfirma teilweise brisant erscheinenden Inhalts).

Aber Anfang des Jahrzehnts wurde noch investiert, man richtete sich nicht so sehr nach Verkaufszahlen, sondern nach Publikumsgunst, individuellem Charakter und Experimentierfreude. Man liess die Gruppen machen, achtete drauf, dass das Ganze nicht allzu wüst wurde, einigermassen ordentlich produziert war und veröffentlichte es (wenn auch oft in niedrigen Auflagen). United Artists hatte 1971 gleich drei der bekanntesten Krautrockbands unter Vertrag: Can, Embryo und eben Amon Düül II. Die zweiten Düül waren damals davon wohl die Bekanntesten. Im Pop-Poll des Musik Express wurde die Gruppe 1970 zur besten Band der Kategorie "Underground" gewählt und "Yeti" 1971 zum Album des (zurückligenden) Jahres. Auch im Ausland kamen die Münchner gut an, so dass die Gruppe sich mit breiter Brust an die Produktion ihres dritten Albums machen konnte. Der britische New Musical Express sollte "Tanz der Lemminge" später als "das beste Glanzlicht des Deutschen Rock" bezeichen.

Mit Shrat (der sein eigenes Projekt Sameti gestartet hatte) und Renate Knaup (die aus irgendeinem Grund pausierte) waren zwei Gründungsmitglieder von Amon Düül nicht bei den Aufnahmen dabei (Henriette Krötenschwanz Knaup hat allerdings doch einen kurzen Gesangsauftritt in "Riding On A Cloud"). Dafür waren der Bassist Lothar Meid (vorher kurz bei Embryo) und der Elektronispezialist und Toningenieur Karl-Heinz Hausmann in die Gruppe gekommen. Als Gast ist zudem Jimmy Jackson (damals bei Embryo) an allerlei Tasteninstrumenten zu hören (er ersetzt damit Falk Rogner in den ersten beiden Stücken). "Tanz der Lemminge" ist daher das wohl tastenlastigste Album der Düüls, was sich in verschiedenen Passagen voller verzerrter, schriller und jaulender Orgelklänge und etwas, das wie Mellotronchöre klingt (auf dem Cover steht "Choir-Organ"), äussert.

Andreas hat den unterschiedlichen Charakter der ehemaligen LP-Seiten weiter oben schon beschrieben. Insbesondere zwischen den ersten beiden langen Nummern und der Filmmusik zu Chamsin (Tracks 3-6) bestehen deutliche unterschiede. Sind "Syntelman's March Of The Roaring Seventies" und "Restless Skylight-Transistor-Child" Düül-typische Aneinanderreihungen von allerlei Rock-, Folk- und Psychedelikfragmenten, die allerdings ein durchaus stimmiges und bizarres Ganzes ergeben, versehen mit seltsamem, allerdings ziemlich akzentbelastetem Gesang, ist "The Marilyn Monro-Memorial-Church" eine beeindruckende psychedelisch-freie Klangimprovisation, die eine durchgehende, hypnotisch-surreale Atmosphäre erzeugt. Die restlichen Nummern von Chamsin sind dagegen kürzere, nicht minder intensive, psychedelische Rocker. Vergleiche mit Pink Floyd sind hier durchaus angebracht, insbesondere - wie Andreas schon angemerkt hat mit "Ummagumma".

Der Film "Chamsin" war übrigens eine von Maria Schell produzierte israelisch-deutsche Gemeinschaftsarbeit, eine moderne, im Israel der späten 60er Jahre spielende Adaption von Schillers "Die Braut von Messina". Im Gegensatz zum schrägen Soundtrack der Düüls ist der Film heutzutage wohl weitestgehend in Vergessenheit geraten.

"Tanz der Lemminge" ist meine Lieblingsscheibe von Amon Düül II und ich sehe sie als das Meisterwerk der Gruppe an, insbesondere "The Marilyn Monro-Memorial-Church". Das Album ist gut produziert, steckt voller skuriler und klanglich beeindruckender Ideen und vom gelegentlichen Dilettantismus der ersten beiden LPs ist - bis auf einige der Gesangseinlagen - nicht mehr viel zu hören. So abwechslungsreich, eigenartig und einfallsreich waren Amon Düül II vorher nicht und sollten es auch nicht mehr werden. Kurz: Für Krautrock-Liebhaber ist dieses Album ein Muss!

Das bis dato neueste CD-Reissue von Revisited Records ist wie immer vorbildlich aufgemacht. Die CD steckt in einem dreiteiligen Digipack, das zudem diverse Bandfotos aus der Entstehungszeit des Albums ziert. Im Beiheft gibt es weitere Bilder und zwei, vielleicht eine Spur zu pathetisch ausgefallene Texte von Michael Fuchs-Gamböck zu Amon Düül II im Allgemeinen und "Tanz der Lemminge" im Besonderen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 29.10.2006
Letzte Änderung: 6.8.2015
Wertung: 12/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Amon Düül II

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1969 Phallus Dei 10.67 3
1970 Yeti 11.00 3
1972 Carnival in Babylon 9.00 2
1972 Wolf City 10.00 2
1973 Vive la Trance 9.00 2
1973 Live in London 11.00 1
1974 Hi-Jack 8.00 1
1975 Made In Germany 9.00 3
1976 Pyragony X 5.00 1
1977 Almost Alive 6.50 2
1978 Only Human 5.00 2
1981 Vortex 8.33 3
1995 Nada Moonshine # 9.00 1
1996 Kobe (Reconstructions) 11.50 2
2000 Manana 9.00 1
2003 Amon Düül II play Phallus Dei (DVD) - 2
2010 Bee As Such 7.00 1
2014 Düülirium 10.00 1

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