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Yes

Going For The One

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1977
Besonderheiten/Stil: Klassischer Prog
Label: Atlantic Records
Durchschnittswertung: 10.29/15 (7 Rezensionen)

Besetzung

Jon Anderson Gesang
Steve Howe Gitarre, Gesang
Chris Squire Bass, Gesang
Rick Wakeman Keyboards
Alan White Schlagzeug

Tracklist

Disc 1
1. Going For The One 5:30
2. Turn Of The Century 7:58
3. Parallels 5:52
4. Wonderous Stories 3:45
5. Awaken 15:38
Gesamtlaufzeit38:43


Rezensionen


Von: Udo Gerhards (Rezension 1 von 7)


Nach einer längeren Pause, in der alle Bandmitglieder ihre ersten Solo-Alben verwirklichten, kehrten "Yes" mit dieser Veröffentlichung ins zunehmend von der Punk-Hysterie bestimmte Licht der Öffentlichkeit zurück. Und mit ihnen kehrte Rick Wakeman zurück, der statt Patrick Moraz plötzlich wieder als Keyboarder an Bord war.

Dem veränderten Zeitgeist wollten "Yes" mit konziserer, zugänglicherer Musik Rechnung tragen, zumindest hieß es so im Vorfeld der Veröffentlichung. Viel daraus geworden ist nicht: statt eines Roger-Dean-Fantasy-Covers ein modernistischeres Hipgnosis-Cover, und das erste Stück - "Going For The One" -, gibt sich mit straighterem Rhythmus und Rock-Anleihen Mühe (übrigens fand ich immer, das Jon Anderson Stimme auf diesem Stück besonders strahlt. Und Steve Howes neckische Slide-Gitarre hört sich ein bißchen so an, als ob er sich über die Pop-Bestrebungen lustig machen wolle...).

Aber schon die zweite Nummer, das achtminütige ruhige, wunderschöne "Turn Of The Century" mit seinen polyphonen Klassik-Anleihen und schönem Zusammenspiel zwischen Gitarre, Piano, Baß und geschmackvoller Percussion von Alan White und seinem Bombast-Sound paßt nicht mehr ganz in dieses Schema.

"Parallels" ist ein bewegter, zwei Minuten zu langer Chris-Squire-Rocker mit dominanten Baß-Riffs und netter Gitarrenarbeit. Aber dieses Stück schlachtet Rick Wakeman gnadenlos: wer um Himmels Willen hat ihm erlaubt, hier die ganze Zeit auf einer Kirchenorgel mit vollem Register zu blasen? Die Faust paßt besser auf's Auge. Ich denke, hier merkt man, daß "Yes" selbst, und nicht mehr Eddie Offord für die Produktion verantwortlich waren.

"Wondrous Stories" paßt wieder besser ins Konzept und war wohl auch die Single zur Platte: eine nette ruhige, kleine Nummer, die höchstens durch Howes federleichte Gitarre am Schluß bemerkenswert ist.

Den Abschluß bildet das fünfzehnminütige "Awaken", für viele "Yes"-Fans ihr bester einzelner Song. Nach etwas Klavier-Gefrickel von Wakeman, einem ruhigen Gesangsintro mit schwebenden Sounds und sanftem Synthie übernehmen druckvoller Baß und Gitarre das Kommando, darüber mehrstimmiger Gesang in verschiedenen Linien, danach ein fast kirmesmäßiger, aber druckvoller Teil mit aufsteigenden Vocals und Orgelgedudel, der zum ruhigen Mittelteil führt: Harfegeplinge, sanfte Percussion, leichte Pfeifenorgel. So schwebt das ganze ein paar Minuten vor sich hin, Baß und Gitarre mischen sich hinzu, die Orgel wird immer bestimmender und plötzlich finden wir uns im Bombast-Overkill des Schlußteils inklusive Frauenchor. Es fängt ja gar nicht so arg an, aber dann: "Also, wenn ich mit dem fetten Orgelbaß dazugehe, fängt Dein Gitarren Solo an, dann kommt da wieder Gesang dazu, dann nehmen wir ein bißchen Spannung raus mit einer fiddeligen Orgelkadenz, und dann schmeißen wir alles rein was wir haben, mal schauen, ob ich auch nicht irgendwo noch ne dritte Hand für nen Synthie finde, wir bieten dem Chor eine Extra-Vergütung damit er ordentlich laut singt, und Du fiedelst die ganze Zeit mit der Gitarre obendrüber weiter, ja? Und den Schluß machen wir dann ein bißchen Chill-Out-mäßig." Schon geil, irgendwie.

"Awaken" ist in seinem bombastischen Überschwang schon ganz nett, aber zur Klasse der anderen großen "Yes"-Epen fehlt etwas: Delikatheit. Alles wirkt etwas aufgesetzter, bemühter als früher. Dennoch ist "Going For The One" für jemanden, der "Yes'" klassische Phase mag, durchaus lohnenswert, wenn auch verzichtbar. Und besser als das nachfolgende Desaster "Tormato" allemal.

Anspieltipp(s): Turn Of The Century
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 6.6.2002
Letzte Änderung: 6.6.2002
Wertung: 8/15

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Von: Jörg Schumann @ (Rezension 2 von 7)


Nach der genialen Trilogie von "Close to the edge" bis "Relayer" lag die Messlatte natürlich sehr hoch. Und so fällt "Going for the one" im Vergleich auch ziemlich schwach aus. Trotzdem enthält es mit "Awaken" ein Juwel, wie es YES selten geschaffen haben.

Das Titelstück aus der Feder von Jon Anderson ist relativ bescheiden. Einfach gestrickt und weder kompositorisch noch intrumententechnisch besonders anspruchsvoll. Es fehlt auch das gewisse etwas, das einen berührt. Einzig der Refrain mit walkendem Bass und seinen an- und absteigenden Linien von "listen in time" bis "taken so high" ist packend.

"Turn of the century" erinnert da schon eher an `gute, alte Zeiten`. Ein stilles Intro, akustische Gitarre und sphärischer keyboardteppich untermalen Andersons eindringliche Stimme, steigert sich über ein Piano-interlude in ein schönes Gitarrensolo, um wieder still davonfliessend mit akustischer Gitarre zu enden.

"Parallels" von Chris Squire gehört eher in die rockig-straighte e-Gitarren-frickel-Ecke. Eher ein untypisches Yes-Stück, welches man in dieser Art vorher auch noch nicht gehört hat. Für meinen Geschmack eher enttäuschend. Auf den 80er-Jahre-Alben hat es einige solcher Nummern (v.a. auf Big Generator). Dort klingt das ganze aber druckvoller und passt für mich besser in den damaligen Yes-Ära-Kontext.

"Wonderous stories" ist eine blasse Ballade mit einer zugegebenermassen netten, eingängigen Refrainmelodie. Damit ist aber auch schon alles gesagt und über alles weitere schweigt des Rezensenten Höflichkeit.

Wäre das Album jetzt zu Ende, es wäre das bis dahin schlechteste YES-Album. Durch "Awaken" hangelt sich "going for the one" noch etwas nach oben.

Die Diskrepanz zum Rest des Albums ist frapant. "Awaken" scheint noch aus der alten "CloseTalesRelayer"-Ära zu stammen. Nicht nur, dass es durch seine Länge von fast 16 Minuten wieder den Umfang eines Opus erhält. Auch die gesamte Songstruktur ist den drei `grossen` Platten ähnlich. Majestisch wiegend beginnt das Stück mit treibendem Schlagzeug- und Gitarrenspiel, beschwörend singt Anderson sein "awaken gentle mass touching", dann leitet ein kurzes Tastenspiel in das grandiose Thema über, welches auch im Finale dem Zuhörer hymnisch-monumental eine Gänsehaut über den Rücken schickt.

In einem ruhigen Mittelteil, von hellem, monotonem 2-Ton-Glockenklang dominiert, über dem eine Orgel leise soliert, baut das Stück dann Spannung auf. Einige Register kommen dazu. Was dann ab 10:40 folgt ist wirklich allererste Sahne. Eine von Frauenchor begleitete Klimax-Akkordfolge von Orgel, Bass und Gitarre. Einmal ein kurzes Gitarrensolo, dann ein Orgellauf der rechten Hand, das Schlagzeug fegt über die Becken, das ganze endet in schrill wimmernden Gitarrentönen. Zum Schluss ein ruhiges, sphärisches Ausspiel. Auf "Keys to ascension" ist "awaken" ebenfalls zu finden. Dort fehlt zwar der Frauenchor, das Stück ist aber noch bombastischer.

Wegen "Awaken" sollte man sich "Going for the one" zulegen. Eine billige Flomarkt-LP reicht. Der Rest der Platte ist von einigen interessanten parts abgesehen eher belanglos. Wer`s klanglich reifer wünscht kaufe sich "Keys to ascension (part one)".

Anspieltipp(s): Awaken (Note : 14)
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 3.8.2002
Letzte Änderung: 24.9.2012
Wertung: 9/15

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 3 von 7)


Nach einer Reihe unbestrittener Prog-Klassiker begannen Yes auf "Going for the One" erstmals zu schwächeln. Schon der Titelsong ist eigentlich nur ein simpler Rocker, immerhin holt Steve Howe mit seinem originellen Gitarrenspiel wieder einiges raus. "Turn of the Century" ist dagegen grandios und zeigt Yes von einer ganz anderen Seite: überwiegend akustisch, filigran, mit einem Alan White, der hier noch nicht zum bloßen Bumm-Tschak-Klopfer mutiert ist. Das folgende "Parallels" klingt für mich dann aber fast wie ein Vorläufer von "Big Generator".

"Wondrous Stories" ist eine nette, leicht folkig angehauchte Ballade. Für mich das erste, was ich jemals von Yes gehört habe, es lief damals ab und zu im Radio. Mit "Awaken" folgt dann der Bombast-Overkill. Die Klasse früherer Yes-Epen erreicht es zwar nicht, für eine 1977er Prog-Veröffentlichung ist es durchaus bemerkenswert.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 9.5.2004
Letzte Änderung: 9.5.2004
Wertung: 8/15

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 4 von 7)


Eigentlich bedeutet "Going fo the One" ja einen heftigen Bruch in der musikalischen Entwicklung der Band: Nach Jahren sind erstmals wieder mehr als nur eine Handvoll Songs auf einem Yes-Album. Davon ist auch noch die Mehrzahl eher poppig, wie das Rock'n'Roll-nahe Titelstück, das von Squires Soloalbum "Fish out of Water" übriggebliebene "Parallels" und das aus Andersons Renaissance-Phase (vgl. "Madrigal" vom Nachfolger) stammende "Wonderous Stories". Zudem fehlen die langen Instrumentalpassagen, die die beiden Vorgängeralben deutlich dominiert hatten. Selbst "Awaken", das natürlich nicht Yes' bestes, aber vermutlich ihr authentischstes und sicher eines ihrer atmosphärischsten ist, ist deutlich einfacher strukturiert als alles, was man auf "Relayer" zu hören bekam. Es basiert harmonisch letztlich weitgehend auf dem Quintenzirkel und melodisch auf einer Figur dreier Töne und ihrer Umkehrungen. Dazu kommt, dass man die Texte der Songs jetzt plötzlich versteht, was dem Album nicht unbedingt guttut. "Going for the one" dreht sich immerhin um Sport. Das Cover, das wohl den Gegensatz vom naturhaft nackten Menschen zu der (von ihm geschaffenen) unnatürlichen, kalt-metallischen Umwelt thematisiert, stammt unverständlicherweise nicht von Roger Dean (was hätte wohl besser zu dieser Musik gepaßt?) sondern von Hipgnosis, und es ist zu diesem Zeitpunkt eines ihrer schlechtesten. Den Tiefpunkt ihrer Coverkunst würden Hipgnosis allerdings erst mit dem Cover für Yes' nächstes Album erreichen.

Andererseits muß man sagen, dass seit "Close to the Edge" jedes Yes Album einen starken Bruch mit der bisherigen Tradition bedeutete, allein was den Sound angeht: Das warme "Close to the Edge" wurde von recht trockenen "Tales" gefolgt, dann kam das kalt-metallische "Relayer". War "Close to the edge" noch ein sehr positives und halbwegs verdauliches Album, wurde "Tales" zu einer Tour de Force an der Grenze des damals Möglichen, und "Relayer" derart aggressiv, jazzig und experimentell, dass man es einer Band wie Yes heute noch kaum zutraut. Vor diesem Hintergrund wirkt die Rückkehr von "Going for the one" zur leichtverdaulichen allumfassenden Yes-Harmonie dann doch nicht mehr so radikal.

"Going for the One" wurde von Rhino Records remastert und 2003 mit den folgenden Bonustracks wiederveröffentlicht:
1. Montreux's Theme (Howe/Squire/Anderson/White), 2:38
2. Vevey (Revisited) (Anderson/Wakeman), 4:46
3. Amazing Grace (Trad. Arr. Squire), 2:36
4. Going for the One (Rehearsal), 5:10
5. Parallels (Rehearsal), 6:21
6. Turn of the Century (Rehearsal), 6:58
7. Eastern Number (Early Version of Awaken), 12:16

Die ersten drei dieser Bonustracks waren bereits vorher, auf der Compilation "YesYears" erschienen, "Vevey" allerdings in einem etwas anderen Cut. "Going for the One" ist eine Instrumentalversion, gespielt nur von Howe, Squire und White, da ein Keyboarder fehlt, ist diese Aufnahme wohl im November 1976 entstanden. "Parallels" ist der späteren Version deutlich näher als dieses. Die frühe Version von "Turn of the Century" wird von Howes E-Gitarre und Squires kräftigem Bass dominiert und ist damit deutlich rockiger als das Original. Sie beginnt (und endet) mit Gitarrenläufen, die ein paar Jahre später auch auf "Surface Tension" vom "Steve Howe Album" (1979) zu hören sein würden, und für die letztgültige Version von "Turn of the Century" gestrichen wurden. Ein Mittelteil (ab 2:53) ist mit Abschnitten von "Silently Falling" von Chris Squires Solo-Album "Fish out of Water" nahezu identisch. Die enge Verwandtschaft mit diesen Solostücken zeigt, wie Yes damals gearbeitet haben - und darin sehe ich den Sinn solcher Bonustracks. Einzelne Ideen wurden in verschiedenen Kombinationen aneinandergehängt, bis man die Richtige gefunden hatte. Manches bleib dabei auf der Strecke und wurde auf Solo-Alben oder auf späteren Yes-Alben verwertet. "Eastern Number" markiert einen Zwischenstand zwischen "High Vibration", einem zweieinhalbminütigen Stück, das Yes auf der 1976er Tour gespielt hatten, und dem fertigen "Awaken". Das Stück kommt noch weitgehend ohne Keyboards aus, nur im stillen Mittelteil sind sie zu hören und sie klingen auch völlig anders auf auf der endgültigen Version. Kürzer als "Awaken" ist "Eastern Number" aber eigentlich nur, weil ebendieser Mittelteil noch nicht seine endgültige Länge hat. Interessant ist auch, dass man hört, wie die Texte Andersons zustandekamen: Er hatte einige Wörter, die an bestimmten Stellen platziert wurden, weil sie ihm dorthin zu gehören schienen, die Zwischenräume wurden mit Blabla, Vokalen und Halbwörtern gefüllt, die häufig schon klangliche Ähnlichkeiten zum fertigen Text aufwiesen.

Alles in Allem eine hervorragende Wiederveröffentlichung mit sinnvollem Bonusmaterial, an der sich andere Bands durchaus orientieren können.

Anspieltipp(s): "Wonderous Stories", "Turn of the Century"
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 27.5.2007
Letzte Änderung: 27.5.2007
Wertung: 9/15

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Von: Gün Schote @ (Rezension 5 von 7)


Jeder Tag, an dem ich "Going for the One" höre, ist für mich der 7.7.77 – ehrenhalber. Relayer war das für Popmusik geradezu futuristische Meisterwerk. Der Nachfolger ist eine 180° Wende und bringt Yes an das ätherische Ende der progressiven Skala. Dies lag nicht zuletzt an der Rückkehr Wakemans, wenn man Moraz glauben schenken darf¹, der für "Awaken" vor Wakemans Comeback ein avantgardistisches Arrangement ausgearbeitet hatte. Nun ist's wie's ist und es ist opulent; trotzdem hätte ich das Album auch gerne mit Moraz gehört.

Das Titelstück ist der bodenständigste Yessong seit Jahren und erinnert an das rock'n'rollige All Good People. Der Rest des Albums sind mal mehr ("Turn of the Century"), mal weniger ("Parallels") entrückte Stücke. Aber was schreibe ich? Jeder Leser der BBS wird das Album kennen. Man schrieb das Jahr 1977, das Jahr in dem der/die/das Punk endgültig seinen kommerziellen Durchbruch erlebte. Und was machen Yes? Sie kommen mit einem aufgeblasenem Album zurück, das dem Punk mit jeder Note mitteilt, er möge sich das (erstmals seit Fragile nicht von Dean gestaltete) FOC dorthin schieben, wohin die Sonne nicht scheint. Bravo! Viva la art!

Wer die Atlantic-Remasters besitzt, muss nicht zwangsläufig alle Rhinos nachkaufen. Im Falle von "Going for the One" ergibt dies jedoch nicht zuletzt wegen des "Turn of the Century"-Demos Sinn. Alan White spielt darauf Schlagzeug und zusammen mit Howes E-Gitarre wird aus einem verträumten Stück ein rockiges.

"Relayer" ist das spannendere Album, die Musik darauf ist die gewagtere, die "wertvollere" und wildere. Doch "Going for the One" zaubert mit Sicherheit nicht weniger Lächeln auf das Gesicht eines Yesfans. High vibration go on.

__________

¹ Und das darf man.

Anspieltipp(s): Awaken
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 7.8.2011
Letzte Änderung: 23.3.2013
Wertung: 13/15

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Von: Horst Straske @ (Rezension 6 von 7)


"Going For The One" zeigt Yes zu Beginn reichlich entschlackt, um dann im überbordenden Pathos auszuklingen. Die stilistische Bandbreite zwischen dem griffigen Rock´n´Roll-Sound des Titelsongs und erstem Yes-AOR mit "Parallels" sowie dem Epos "Awaken" ist schon beträchtlich, wobei im Jahr 1977 die musikalischen Gegensätze noch nicht unüberwindbar waren, sondern in Form von balladesken Artrockperlen wie "Turn Of The Century" sowie "Wonderous Stories" in harmonischer Manier angenehm überbrückt werden konnten. "Awaken" markiert den Abschied vom ätherisch-symphonischen Überschwang der 70er Jahre und glänzt noch einmal mit verschachteltem Bombast. Selten standen die filigranen Gitarreneinsätze von Steve Howe in einem solch perfekten Einklang mit Rick Wakemans pompösen Tasteneinlagen, die im wunderbaren Instrumentalteil einen weihevollen Anstrich in Form von schwelgerischen Kirchenorgelsequenzen erhalten. Allein diese wohl dosierte und zartgliedrig-elegante Klangkathedrale steht für den unbestrittenen Zauber einer zu Ende gegangenen Ära.

Ganz im Sinne einer andächtigen Prozession wird der Hörer - begleitet von zwei wirklich passablen Rocknummern und zwei vortrefflich atmosphärischen Progballaden - in ehrfürchtiger Demut zum glanzvollen Vermächtnis einer innovativen Formation geleitet. Mit profanem Songwriting hat solch ein Epos keinerlei Gemeinsamkeiten mehr, sondern stilisiert sich selbst zu einer Form von sakral klingendem Überschwang empor.

Anspieltipp(s): Wonderous Stories, Awaken
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 9.12.2011
Letzte Änderung: 8.12.2011
Wertung: 12/15

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Von: Ralf J. Günther @ (Rezension 7 von 7)


"Going for the One" wird in Rezensionen eher selten unter die ganz großen Yes-Alben gerechnet, obwohl man annehmen darf, dass es viele Yesfans sehr wohl dazu zählen. Dass die Platte so vollkommen anders klingt als ihr Vorgänger "Relayer" (und natürlich auch anders als TfTO und "Close to the Edge") eignet sich per se ja auch kaum als Vorwurf. In den 80er Jahren wurden viele Progbands zwar zu Pop-Wendehälsen, hier darf man aber noch mit Recht von willkommener künstlerischer Wandlungsfähigkeit sprechen. Dass das Album sehr viel sanfter daherkommt als Relayer wäre im Übrigen ja auch nur dann ein berechtigter Vorwurf, wenn sanft immer so viel bedeuten würde wie "seicht". Aber "Going for the One" hat es durchaus in sich.

Sanft? Eine häufige Kritik am Titelstück besteht darin, dass es sich um einen allzu gewöhnlichen Rock-Kracher handele. Andere hingegen - wie der Rezensent des 70er-Jahre-Rockmagazins "Sounds" - fanden es bei der Veröffentlichung damals eher positiv, dass die Band endlich mal nach purem "Rock´n´Roll" klänge. Zwar benutzt "Going for the One" die üblichen Blues-Schemata meist nur in Bruchstücken, sein harmonischer Ablauf entspricht weder einem durchschnittlichen Hardrockstück noch gar einer punkigen Drei-Akkorde-Orgie. Aber schon das Anzählen "One, two, one, two, three, four..." scheint alle krummtaktigen Progrockkonventionen hinwegblasen zu wollen - bestätigt durch das anschließende hämmernde Riffing. Taktwechsel kommen natürlich trotzdem vor, dafür aber auch die Worte "Rockin´ Rollin´". Mit einem Wort: Yeah und Amen.

Aber wenn man ehrlich ist: Richtig, d.h. völlig konventionell und doch zugleich überzeugend rocken, das konnten Yes gar nicht - oder zumindest nur sehr viel schlechter als die wahren Experten in diesem Metier. Deshalb funktioniert "Going for the One" in meinen Ohren auch bloß deshalb, weil es sich eben nicht um Rock´n´Roll, sondern ganz klar um Prog´n´Roll handelt, in dem eine gute Portion Yes-Pathos so nebenbei noch mitgeschleppt wird. Unter diesem Gesichtspunkt gehört das Stück sogar zu den originellsten der Band - nicht zu den komplexesten, nicht zu den wüstesten, nicht zu den gewagtesten, aber zu denen, die eine kreative Idee geschickt umsetzen. Die Zeile "The truth of sport plays rings around you", die in den letzten vier Jahrzehnten Tag für Tag zutreffender geworden ist, verdient noch einen Extrapunkt - unter ausdrücklicher Missachtung dessen, was der Dichter uns damit "eigentlich" sagen wollte (denn das ist mir wurscht).

Folgt "Turn of the Century". Wäre ich ein englischer Muttersprachler - ob ich mir das überhaupt anhören könnte? Der Text um den steinekloppenden und töpfernden Pygmalion (hier heißt er Roan) und seine dahinschwindende Lady ist wirklich grauenvoll. Vielleicht ist es auch eine ganz geniale Hommage an Oscar Wilde (nicht Shaw), eventuell beides, wenn das geht, aber auf jeden Fall grauenvoll und daher für deutsche Ohren dankenswerterweise hinter einem fremdsprachigen Schleier verborgen, der es erst möglich macht, die Musik zu genießen. Letztere erscheint mir ganz wundervoll. Denn eigentlich ist es Steve Howe, der hier mit seiner Gitarre die Geschichte erzählt, erst akustisch, dann auch elektrisch. Jon Anderson singt bloß dazu, so sollte man das sehen. Das letzte Wort oder besser den letzten Gedanken in diesem feinen, wenn auch zwischendurch mit etwas Bombast angereichertem Gespinst hat daher logischerweise wieder Howe - er formuliert zu Ende, was es zu sagen gab, und ich nippe dazu immer bestätigend an einer höchst imaginären, aber auch höchst nachdenklichen Tasse feinsten Tees und sehe sehr viel wissender aus als ich bin.

In Stück drei, "Parallels", das auch nicht viel weniger rockig ist als das Titelstück, verstößt Rick Wakeman gegen den elfeinhalbten Zusatz zur geheiligten Progrock-Magna-Carta. Dieser Artikel besagt, dass der Keyboarder namens Rick Wakeman in dem Stück namens "Parallels" keine Kirchenorgel hätte benutzen dürfen. Die Großen des Reichs schlugen in jenen mystischen Zeiten bestätigend auf ihre Schilde, als dieser Artikel von König Analysis dem Krummtaktigen unter Androhung peinlicher Strafen verkündet wurde und das Volk sich demütig im Staube wälzte. Leider war ich damals abwesend. Also her mit der Orgel. Denn ich bin ja nicht so schizoid, dass ich eine Kirchenorgel ausgerechnet aus dem Reiche des Bombasts verbannen müsste.

"Wonderous Stories" - eine Yes-Single. Einige Jahre später brachte ein anderes Stück, nämlich "Owner of a lonley heart" der Band ihren einzigen großen, bis heute immer mal wieder zu hörenden Single-Hit. "Wonderous Stories" kennt hingegen kaum noch ein Non-Progger. Es ist nur eine Ballade, wie man so sagt. Aber bei diesem Wort denke ich mittlerweile schon fast automatisch an zähes ESC- oder DSDS-Gewinsel. Damit hat das Yes-Stück nun gar nichts zu tun, handelt es sich doch um ein melodisch höchst gewinnendes, angenehm schwirrend und wirrend, plickernd-pluckernd begleitetes Lied. Ein bisschen geheimnisvoll klingt das Ganze, wobei dem Geheimnis auf "Going for the One" allerdings durchgängig mit jeder Menge Hall vor allem auf der Stimme nachgeholfen wurde.

"Awaken" - mir ist nicht ganz klar, woher die manchmal zu hörende Auffassung stammt, dass dies eigentlich ein simples, nur eben ein bisschen aufgedonnertes Stück Musik sei. Ich bin kein Musikwissenschaftler, aber was man zum Beispiel in einer ausführlichen Analyse von John R. Palmer dazu findet, weist eher auf eine große Fülle raffinierter musikalischer Vorgehensweisen hin. Nun kann man auch raffiniert scheitern, und es hätte wenig Sinn, den Leser bloß nach Aktenlage vor motivischer Arbeit oder Harmonielehre stramm stehen zu lassen. Entscheidend ist aufm Gehörgang. Da nimmt sich "Awaken" zweifellos auf eine andere Art und Weise beeindruckend aus als etwa Relayer, zum Glück, denn Relayer gabs ja schon. Majestätisch - das Wort fällt wohl jedem ein, der sich von dem 16-Minüter angesprochen fühlt. Der Hörer steht am Schluss überdies nicht mit lauter losen Enden da, sondern wird nach langer Wanderung würdevoll und gesammelt verabschiedet. Ein Album das zu Ende ist, klingt aus. Wobei es keinen Zacken in der Krone kostet, wenn man zugibt, dass es natürlich auch Gründe geben könnte, gerade "Awaken" als allzu pompös zu empfinden. Minderheitenschutz gehört auch zur Prog-Demokratie.

Ein ziemlich außergewöhnliches Album.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 20.5.2013
Letzte Änderung: 22.5.2013
Wertung: 13/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Yes

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1969 Yes 8.20 5
1970 Time And A Word 9.25 4
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1972 Fragile 11.50 4
1972 Close To The Edge 13.88 10
1973 Yessongs 12.67 3
1973 Tales From Topographic Oceans 13.00 7
1974 Relayer 14.38 8
1975 Yesterdays - 2
1975 Yessongs (VHS/DVD) 11.00 2
1978 Tormato 7.00 7
1980 Drama 11.57 7
1980 Yesshows 10.00 3
1981 Classic Yes 12.00 2
1983 90125 8.00 7
1985 9012 Live - The Solos 5.00 3
1987 Big Generator 6.67 6
1991 Union 6.00 7
1991 YesYears 13.00 2
1991 Owner Of A Lonely Heart - 1
1992 Union Tour Live (DVD) 7.00 1
1992 Yesstory - 1
1993 Highlights - The Very Best of Yes - 1
1993 Symphonic Music of Yes 2.00 1
1994 Yes Active - Talk (CD-ROM) 8.00 1
1994 Talk 6.17 6
1996 Live in Philadelphia 1979 (DVD) 4.00 1
1996 Keys to Ascension (VHS/DVD) 7.00 1
1996 Keys To Ascension 8.00 4
1997 Keys To Ascension 2 10.50 4
1997 Open Your Eyes 4.17 6
1997 Something's coming - the BBC Recordings 1969-1970 9.00 2
1998 Yes, Friends and Relatives 3.00 2
1999 Musikladen live (DVD) 6.00 1
1999 The Ladder 6.00 7
2000 House of Yes - Live from House of Blues (DVD) 8.00 2
2000 The Best of Yes - 2
2000 Masterworks 8.00 1
2000 House Of Yes - Live From House Of Blues 6.00 2
2001 Live 1975 At Q.P.R. Vol. 1 (DVD) 13.00 2
2001 Live 1975 At Q.P.R. Vol. 2 (DVD) 14.00 1
2001 Keystudio 9.00 2
2001 Magnification 8.00 9
2002 In a Word: Yes (1969- ) 12.50 2
2002 Extended Versions - 2
2002 Symphonic Live (DVD) 10.00 3
2002 Yes today - 1
2003 Yes Remixes 2.00 1
2003 Greatest Video Hits (DVD) 3.00 1
2003 YesSpeak (DVD) 9.67 3
2003 YesYears (DVD) 10.00 1
2004 The ultimate Yes 10.00 2
2004 Yes Acoustic (DVD) 6.00 2
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2005 Inside Yes Plus Friends and Family (DVD) 11.00 1
2005 The Word is Live 11.00 1
2005 Songs From Tsongas - Yes 35th Anniversary Concert (DVD) 10.50 2
2006 Essentially Yes - 1
2006 9012Live (DVD) 10.00 2
2007 Yes. Classic Artists. Their definitive fully authorised Story in a 2 Disc deluxe Set - 1
2007 Live at Montreux 2003 (DVD) 9.00 1
2007 Live at Montreux 2003 - 1
2008 The New Director's Cut 9.00 1
2009 Rock Of The 70's 7.00 1
2009 The Lost Broadcasts 7.00 1
2010 Keys to Ascension (2CD + DVD Box Set) 10.00 1
2010 Live in Chile 1994 10.00 1
2011 In The Present - Live From Lyon 9.00 2
2011 Live on Air - 1
2011 Fly from here 8.67 6
2011 The Revealing Science Of God 7.00 1
2011 Union Live (DVD) 11.00 1
2012 Yessongs - 40th Anniversary Special Edition (Blu-Ray) - 1
2013 The Studio Albums 1969-1987 - 1
2014 Heaven & Earth 5.17 7
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