Civilization Phaze III
|
|
Informationen
Allgemeine Angaben
|
|
| Label: |
Zappa Records |
| Durchschnittswertung: |
13/15 (1 Rezension) |
|
Besetzung
| Frank Zappa |
composer, conductor, producer, compiler, editor, voice (1967), synclavier |
| Spider Barbour |
voice (1967) |
| All-Night John |
voice (1967) |
| Euclid James "Motorhead" Sherwood (a.k.a. Larry Fanoga) |
voice (1967) |
| Roy Estrada |
voice (1967) |
| Louis "The Turkey" Cuneo |
voice (1967) |
| Monica |
voice (1967) |
| Gilly Townley |
voice (1967) |
| Unknown Girl #1 |
voice (1967) |
| Unknown Girl #2 |
voice (1967) |
| Moon Unit Zappa |
voice (1991) |
| Michael Rappaport |
voice (1991) |
| Ali N. Askin |
voice (1991) |
| Catherine Milliken |
voice (1991), oboe, english horn, baritone oboe, didjeridoo (Ensemble Modern) |
| Walt Fowler |
voice (1991) |
| Todd Yvega |
voice (1991) |
| Michael Svoboda |
voice (1991), bass trombone, alp horn, didjeridoo, conch (Ensemble Modern) |
| Michael Gross |
voice (1991), trumpet, fleugel horn (Ensemble Modern) |
| William Formann |
voice (1991), trumpet, fleugel horn (Ensemble Modern) |
| Uwe Dierksen |
voice (1991), trombone, pygmy trombone (Ensemble Modern) |
|
| Stefan Dohr |
voice (1991), french horn (Ensemble Modern) |
| Daryl Smith |
voice (1991), tuba (Ensemble Modern) |
| Franck Ollu |
voice (1991), french horn (Ensemble Modern) |
| Hermann Kretzschmar |
voice (1991), piano, celeste (Ensemble Modern) |
| Dweezil Zappa |
voice (1991) |
| Dietmar Weisner |
piccolo, flute, alto flute, bass flute (Ensemble Modern) |
| Roland Diry |
clarinet (Ensemble Modern) |
| Wolfgang Styri |
tenor sax, bass clarinet, contrabass clarinet (Ensemble Modern) |
| Veit Scholz |
bassoon, contabassoon (Ensemble Modern) |
| Peter Rundel |
violin 1 (Ensemble Modern) |
| Mathias Tacke |
violin 2 (Ensemble Modern) |
| Hilary Sturt |
viola (Ensemble Modern) |
| Friedemann Dähn |
cello (Ensemble Modern) |
| Thomas Fichter |
contrabass, electric bass (Ensemble Modern) |
| Detlef Tewes |
mandolin (Ensemble Modern) |
| Jürgen Ruck |
guitar, banjo (Ensemble Modern) |
| Ueli Wiget |
harp (Ensemble Modern) |
| Rumi Ogawa-Helferich |
cymbalom, percussion (Ensemble Modern) |
| Rainer Römer |
musical saw, percussion (Ensemble Modern) |
| Andreas Böttger |
marimba, percussion (Ensemble Modern) |
|
Tracklist
| Disc 1 |
| 1. |
"This is Phaze III"
|
0:48
|
| 2. |
Put a Motor In Yourself
|
5:14
|
| 3. |
"Oh-Umm"
|
0:50
|
| 4. |
They Made Me Eat It
|
1:48
|
| 5. |
Reagan at Bitburg
|
5:39
|
| 6. |
"A Very Nice Body"
|
1:00
|
| 7. |
Navanax
|
1:40
|
| 8. |
"How the Pigs' Music Works"
|
1:49
|
| 9. |
Xmas Values
|
5:31
|
| 10. |
"Dark Water!"
|
0:23
|
| 11. |
Amnerika
|
3:04
|
| 12. |
"Have You Ever Heard Their Band?"
|
0:38
|
| 13. |
Religious Superstition
|
0:43
|
| 14. |
"Saliva Can Only Take So Much"
|
0:28
|
| 15. |
Buffalo Voice
|
5:12
|
| 16. |
"Someplace Else Right Now"
|
0:33
|
| 17. |
Get a Life
|
2:21
|
| 18. |
"A Kayak (On Snow)"
|
0:29
|
| 19. |
N-Lite
1. Negative Light 2. Venice Summerged 3. The New World Order 4. The Lifestyle You Deserve 5. Creationism 6. He Is Risen
|
18:00
|
| Gesamtlaufzeit | 56:10 |
|
| Disc 2 |
| 1. |
"I Wish Motorhead Would Come Back"
|
0:14
|
| 2. |
Secular Humanism
|
2:41
|
| 3. |
"Attack! Attack! Attack!"
|
1:25
|
| 4. |
I Was In A Drum
|
3:38
|
| 5. |
"A Different Octave"
|
0:58
|
| 6. |
"This Ain´t CNN"
|
3:21
|
| 7. |
"The Pigs´ Music"
|
1:18
|
| 8. |
A Pig With Wings
|
2:52
|
| 9. |
"Tis Is All Wrong"
|
1:43
|
| 10. |
Hot & Putrid
|
0:29
|
| 11. |
"Flowing Inside-Out"
|
0:46
|
| 12. |
"I Had A Dream About That"
|
0:28
|
| 13. |
Gross Man
|
2:55
|
| 14. |
"A Tunnel Into Muck"
|
0:21
|
| 15. |
Why Not?
|
2:19
|
| 16. |
"Put A Little Motor In ´Em"
|
0:51
|
| 17. |
You´re Just Insultin´ Me, Aren´t You!"
|
2:13
|
| 18. |
"Cold Light Generation"
|
0:44
|
| 19. |
Dio Fa
|
8:19
|
| 20. |
"That Would Be The End Of That"
|
0:36
|
| 21. |
Beat The Reaper
|
15:23
|
| 22. |
Waffenspiel
|
4:05
|
| Gesamtlaufzeit | 57:39 |
|
Rezensionen

"Civilization Phaze III" ist Frank Zappas musikalisches Vermächtnis. An diesem Werk hat er bis kurz vor seinem Krebs-Tod 1993 gearbeitet, an manchen Stücken daraus etliche Jahre lang. Im Prinzip geht die Arbeit daran sogar noch früher zurück, da er damit einen mit "Lumpy Gravy" und "We're Only In It For The Money" 1967/68 begonnenen Zyklus abschliesst. (Darauf könnte auch der Titel "Phaze III" deuten; auf dem Cover von "Lumpy Gravy" fragt Zappa nämlich in einer Sprechblase: 'Is this Phase 2 of We're Only In It For The Money?'). Veröffentlicht wurde es postum 1994.
"Civilization Phaze III" ist wie "Lumpy Gravy" eine Kombination aus Sprachaufnahmen und Musik. Im Booklet wird das ganze als "opera-pantomine" inklusive Libretto und choreographischen Anweisungen bezeichnet. Ich glaube aber nicht, dass das Ganze jemals wirklich als Bühnenwerk gedacht war. Dafür sind die Anweisung in Zappa-manier zu bizarr und zynisch. Wahrscheinlich ging es dem Meister eher darum, die abstrakte Musik und die teils kruden Dialoge in einen grösseren konzeptionellen Zusammenhang zu stellen und mit seiner teils recht bitteren Kritik an zeitgenössischen Verhältnissen in den Bühnenanweisungen in Beziehung zu setzen.
Die Sprachaufnahmen stammen zum grössten Teil noch aus dem Jahr 1967. Damals waren die "Mothers Of Invention" für einige Monate im Studio, um Aufnahmen für verschiedene Alben zu machen. Während dieser Zeit hatte Zappa in einem Piano im Studio zwei Mikrophone untergebracht, die Dämpfer beschwert und alle, die zufällig im Studio waren, eingeladen, den Kopf ins Klavier zu stecken und über alle möglichen Themen zu sprechen, teils von Zappa über das Talkback-System mit Stichworten versorgt. Aus diesen Dialogen entwickelte sich schon in der zweiten Hälfte von "Lumpy Gravy" eine angedeutete Geschichte über "Pigs" und "Ponies", vor denen die Charaktere in das Innere des Pianos geflüchtet seien. Allerdings konnte Zappa zur damaligen Zeit mangels vorhandener Editing-Möglichkeiten die Dialoge nicht so bearbeiten, wie er es sich vorstellte, da "Editing" damals noch viel damit zu tun hatte, wie gut man mit einigen Metern Tonband und einer Schere umgehen konnte. Und dies ist gerade bei solchen Aufnahmen tödlich, die durch die im Klavierinneren ständig mitschwingenden Saiten eine sehr surreale Atmosphäre haben. Mit den digitalen Möglichkeiten der 90er konnte Zappa die Charaktere wieder zum Leben erwecken und die Geschichte der 'Piano People' fortspinnen. Dazu kommen noch einige neue Bewohner: während der Vorbereitungen zum "Yellow Shark"-Projekt verbrachte das Frankfurter Ensemble Modern zwei Wochen bei Zappa zuhause, und zusammen mit weiteren Neulingen (darunter Zappas Tochter Moon und der Schauspieler Michael Rappaport) wurden einige Mitglieder des Ensembles in einen Flügel gesteckt und bei ihren improvisierten Dialogen in ähnlicher Weise aufgenommen.
Diese bearbeiteten Dialog-Aufnahmen wechseln sich ab mit Musik, die zum allergrössten Teil aus dem sogenannten Synclavier stammt. Das Synclavier war eine Art professionelle, sündhaft teure Keyboard-Workstation, die seit Ende der Siebziger entwickelt wurde. In der späteren Ausbaustufe, die Zappa benutzte, enthielt sie neben verschiedenen Synthese-Arten auch einen - auch für heutige Verhältnisse - sehr leistungsfähigen Sampler und einen Sequenzer mit der Möglichkeit der direkten Aufnahme auf Harddisk. Diese Maschine entwickelte sich in Zappas späten Jahren zu seinem liebsten Spielzeug, da es ihm damit möglich war, beliebig komplexe Partituren unter voller Kontrolle aller musikalischen Parameter zu realisieren, ohne auf lästige und inkompetente Musiker angewiesen zu sein...
Und in der Tat: Zappas Umgang mit dem Synclavier ist einfach beeindruckend. Klar, obwohl er im Laufe der Zeit tausende hervorragende Instrumentalsamples gesammelt hatte, hört man immer noch, dass die Musik synthetisch generiert ist, denn sie klingt einfach zu perfekt: glasklar aufgenommen, immer absolut exakt ausgeführt. Aber sie klingt nie leblos oder maschinell, denn dem stehen die absolut verspielten Linien und die enorme Detailfreude und die ständigen Nuancen der Bearbeitung entgegen, die die Musik sehr lebendig und natürlich klingen lassen. Kaum wiederholende Patterns kommen vor, die Noten sind sehr natürlich akzentuiert und phrasiert, ständig bewegen sich Noten und Instrumente im Stereo-Bild. Und dennoch gibt es hier Kompositionen, die kein menschliches Orchester in ihrer schieren Komplexität der Rhythmik und des Zusammenspiels so ausführen könnte. Man kann hören, dass es Jahre gedauert haben muss, diese Stücke zu realisieren.
Im Booklet wird angegeben, dass die komplette Musik des erstes Akts (CD 1) und ca. 70% des zweiten Aktes (CD 2) aus dem Synclavier stammen, die restlichen 30% vom Ensemble Modern. Manche Kommentatoren meinen, Zappas Meisterschaft mit dem Synclavier mache es ununterscheidbar, welche Passagen synthetisch, welche 'live' gespielt seien. Ich persönlich glaube, dass auch im zweiten Akt die kompletten eigentlichen Stücke vom Synclavier stammen. Allerdings läuft auf der zweiten CD an vielen Dialogstellen im Hintergrund Musik, die sich so anhört, als ob es von Zappa gesteuerte Halbimprovisationen des Ensemble Modern wären.
Und welche Art von Musik erwartet den Hörer? Nun, in "Civilization Phaze III" gibt sich Zappa kompromisslos. Hier finden sich keine Rock'n'Roll-Parodien und jazzigen Soloexkursionen mehr, sondern der moderne klassische Komponist Zappa beansprucht das volle Rampenlicht. Nur der erste 'Song' "Put a Motor In Yourself" erinnert dank fast herkömmlicher Schlagzeug-Instrumentierung noch an soetwas wie Pop-Musik, aber ansonsten herrschen schräge Neutöne vor: komplexe zerissene Linien, unheimliches Zusammenspiel von verschiedenen Instrumenten und Percussion, eine generell düstere und unwirkliche Atmosphäre wird aufgebaut. Aber lasst Euch davon nicht abschrecken: ich glaube nicht, dass Zappa vorhatte, dass man diese Musik nur geniessen und verstehen kann, wenn man Musiktheorie studiert hat. Sicher könnte man bei sorgfältiger Analyse auch theoretisch einiges zu den Skalen und Rhythmen erarbeiten, die er benutzt, aber Zappas Massstab für Musik war
If it sounds GOOD to YOU, it's bitchen; and if it sounds BAD to YOU, it's shitty.
Man muss sich einfach darauf einlassen können, die normale Pop-/Rock-Ästhetik und die dadurch erzeugten Hörgewohnheiten mal knapp zwei Stunden zu vergessen und dieses Werk und seinen bestimmten Sound auf sich einwirken zu lassen. Auf mich jedenfalls hat "Civilization Phaze III" sehr stimulierend gewirkt und auch mein Verständnis von Kunst beeinflusst (keine Angst, dazu gehe ich jetzt nicht ins Detail...). Auf jeden Fall hat es mich immer wieder dazu zurück gezogen, habe ich mir die CD immer wieder intensiv angehört, jedesmal neues entdeckend. Und sicher nicht zufällig hat Zappa folgenden Dialog an den Schluss des Werkes gestellt:
Spider: We can get our strength up by making some music. John: That's right. Monica: Yeah... yeah. John: But the thing is, you know what? Spider: What? John: We don't even understand our own music. Spider: It doesn't, does it matter whether we understand it? At least it'll give us... strength. John: I know but maybe we could get into it more if we understood it. Spider: We'd get more strength from it if we understood it? John: Yeah. Spider: No, I don't think so, because - see I think, I think our strength comes from our uncertainty. If we understood it we'd be bored with it and then we couldn't gather any strength from it. John: Like if we knew about our music one of us might talk and then that would be the end of that.
Eigentlich müsste die Rezension jetzt wohl aufhören.
Aber es gibt es hier einfach viele sehr schöne Momente, an denen sich der "normale" Musikhörer festhalten kann und auf die ich noch hinweisen will... Wie z.B. das schon erwähnte "Put A Motor In Yourself", aber auch "Reagan In Bitburg", eine sarkastische Abrechnung mit Reagans und Kohls Kranzniederlegung auf einem SS-Friedhof (1984/85?), mit burlesken Bläserfiguren (Posaunen-Glissandos... Für Zappa ein seit Stravinsky todsicheres Zeichen für ein "Humor Something" in Musik, danach ein absurder burlesker Tanz der Nazi-Pigs und -Ponies). "Navanax" erinnert vom Sound her ein bisschen an recht freien Jazz. Besonders grandios finde ich "Amnerika", ein kleines Stück, das aus scheibar zerissenen Fetzen und Bestandteilen eine einfach nur anrührende, wunderschöne Melodie entstehen lässt, wenn man nur ein bisschen hinhört. Genial.
Ab dem langen Zentralstück "N-Lite" und vor allem in der zweiten CD wird die Musik passend zu den düsteren Bühnenanweisungen immer seltsamer und dunkler. Verrückte Wissenschaftler quälen Versuchstiere, Venedig versinkt im Schlamm, christliche Fundamentalisten werden von Jesus mit einer "Holy Hand Grenade" ins Jenseits befördert, Yuppies tanzen avantgardistischen Müll, fliegende Schweine tauchen auf. "Dio Fa" illustriert mit düsterem Oberton-Kehl-Gesang den Tod des Pig Papstes, in "Beat The Reaper" versuchen die Tänzer - natürlich vergeblich -, mit bizarren, angeblichen lebensverlängernden Ritualen wie Aerobic etc. dem Sensenmann von der Schippe zu springen. All dies geschrieben und inszeniert von einem Mann, der schon seit einigen Jahren seine Krebs-Diagnose kannte und wusste, dass ihm nur noch wenige Monate bleiben würden.
Die Dialoge enthalten krude pseudowissenschaftliche Exkurse, generellen Unsinn, aber das ganze mit einigen immer wiederkehrenden Motiven und Themen wie Motoren, Pigs, Ponies und zuwenig Platz und Freiheit für das Individuum. Aber da Zappa sowohl gesprochenes Wort als auch Soundeffekte, Bandbearbeitung etc. immer als gleichberechtigte musikalische Zutaten betrachtet hat, kann man diese sicher auch einfach als "pure Musik" mit eigener Melodie und Harmonik betrachten. Dafür spricht auch, dass gerade im zweiten Akt Musik und Dialog immer stärker verschmelzen.
Das allerletzte Gänsehaut-Stück, "Waffenspiel", besteht nur noch aus Geräuschen: eine Auto-Tür schlägt zu (der Sensenmann war doch da), Hunde bellen und im Hintergrund hört man beständige Gewehrschüsse aus verschiedenen Richtungen, schliesslich immer lauter werdendes, dann verklingendes Flugzeuggeräusch. Die zugehörige Bühnenanweisung endet mit dem Satz:
Act Two ends with a large model of a crop-dusting plane, spraying the audience with a toxic substance.
Welch bitterer Abschied.
Oder doch nicht? Nach und nach verstummen die Gewehrschüsse; die vorher übertünchten Naturgeräusche werden hörbar, und - wenn man ganz genau hinhört - man kann Menschen im Hintergrund hantieren hören, und Musik spielt, ganz, ganz leise in der Ferne.
| Anspieltipp(s): |
Amnerika, N-Lite |
| Vergleichbar mit: |
|
|
| Veröffentlicht am: |
9.6.2002 |
| Letzte Änderung: |
21.12.2003 |
|
|
|
Zum Seitenanfang
Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Frank Zappa
Zum Seitenanfang
|