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Martin Archer

In stereo gravity

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2008
Besonderheiten/Stil: Elektronische Musik; Jazz; RIO / Avant
Label: Discus Music
Durchschnittswertung: 13/15 (1 Rezension)

Besetzung

Martin Archer Woodwinds, Organ, Violin, Electronics

Gastmusiker

Julie Tippetts Voice
Chris Cuttler Drum loops
Charlie Collins Drums, Percussion
Terry Todd Bass
Dave Kane Double Bass
Karl D'Silva Guitar
James Archer Guitar
UTT Turntables

Tracklist

Disc 1
1. All the wars were lost 3:33
2. Picofarad 8:42
3. Yamba of you wana use 6:22
4. Nach Schriesheim (whatever you want) 9:30
5. Severed me 13:31
6. Spun sugar barbed wire 4:45
7. In the mornings out there 6:14
8. Army of Briars 7:17
Gesamtlaufzeit59:54
Disc 2
1. Few hammer 4:56
2. I'm like hello 6:00
3. Stockhausen ascent! 5:45
4. Twirly light 4:39
5. A daredevil in the forest 16:11
6. Dot demi 5:25
7. Birds edge 5:53
8. In stereo gravity / All the wars were lost (reprise) 8:47
Gesamtlaufzeit57:36


Rezensionen


Von: Achim Breiling @


Martin Archer wurde in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts in Sheffield geboren und lebt offenbar immer noch dort. Als Jugendlicher begann er Saxophon zu spielen (später auch Violine) und seit den mittleren 70er Jahren betätigt er sich in musikalischer Hinsicht vornehmlich in den Bereichen Jazz, Free-Rock, Elektronik und freier Klangimprovisation. Ende der 80er Jahre gründete er das Label Discus, bei dem seither die meisten Alben seiner verschiedenen Projekte erschienen sind.

Neben verschiedenen Bandprojekten (Combat Astronomy z.B., oder das Orchestra of the Upper Atmosphere) betätigt sich Archer auch solistisch (oder besser: veröffentlicht Alben unter seinem Namen - er rekrutiert nämlich meist allerlei Gastmusiker). Sein erstes Soloalbum war das 1988 erschienene "Wild Pathway Favourites", das derzeit neueste (aber bestimmt nicht letzte) Solowerk des Briten ist das hier rezensierte "In stereo gravity". Das Album kommt als platzsparendes, aber sehr hübsch gestaltetes Pappklappteil, in dem zwei gut gefüllte CDs untergebracht sind. Archer selbst bezeichnet die auf "In stereo gravity" zu findende Musik als "a wide range of everything I like" und in der Tat wird hier viel Abwechslung geboten. Recht komplex und avantgardistisch-freiformatig geht es aber immer zu.

Seit den 90er Jahren setzt Archer verstärkt elektronische Klänge bzw. Klangbearbeitung in seiner Musik ein. Auch auf "In stereo gravity" gibt es sehr viel verfremdeten Klang, bearbeitet Sprachsamples und elektronische Soundkreationen zu hören, vermengt mit unbearbeitetem Instrumentalklang. Stilistisch klar festlegbar ist das Ergebnis kaum. Eine Art von elektro-akustische, progressive, zu guten Teilen improvisierte Musik ist das, die mal ein deutliches Jazzgepräge aufweist, sich mal eher in freieren Rockgefilden aufhält, mal eher elektronisch-tonmalend aus den Boxen gleitet, mal in modernen Klassikgefilde gerät, immer aber sehr farbig, wenn auch recht kantig und free und meist klar rhythmisch gefügt dahin gleitet.

Der Charakter der Musik ändert sich von Stück zu Stück. Elektronisch-krautiger Free-Spacerock, freiformatige Klangexperimente, eher nach moderner Klassik klingende Exkurse (versehen meist mit allerlei abgefahrenen Stimmeinlagen), komplexe Klangcollagen, treibend-druckvoller Elektrorock, fast entspannte Elektronik-Stimmvermengungen, retro-canterburyartiger Avant-Jazzrock, bizarrer Kraut-Elektropop (doch, man höre "Nach Schriesheim"), RIO-artige Improvisationen, sperrige Ambient-Postrock-Gemenge, Free-Brass-Jazziges oder mächtige Klang-Krach-Gebirge dringen hier auf den Hörer ein, der bald gar nicht mehr weiss wie ihm geschieht. Das alles ist übrigens exzellent produziert und vorgetragen und kommt sehr druckvoll und dynamisch aus den Boxen.

"In stereo gravity" ist ein beeindruckender, durchweg atemberaubender Trip durch Martin Archers Klangkosmos, den sich Avantprogger, die wirklich progressive Klänge schätzten, keine Aversionen gegen freies Improvisieren und elektronische Grenzgänge zwischen Lärm und kantigem Wohlklang haben, die sollten dieses kurzweilige, aber sicher sehr anspruchsvolle Album nicht verpassen!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 24.3.2013
Letzte Änderung: 25.3.2013
Wertung: 13/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Martin Archer

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1995 Ghost lily cascade 12.00 1
2000 Winter Pilgrim Arriving 13.00 1
2003 English Commonflowers 12.00 1
2004 Heritage and Ringtones 13.00 1
2013 Blue Meat, Black Diesel & Engine Room Favourites - 1
2015 Bad Tidings From Slackwater Drag 11.00 1
2016 Story Tellers 12.00 1
2018 Safety Signal From A Target Town 12.00 1

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