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Leitfaden: Nordamerik. symphonischer Prog der 70er Jahre
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24297 Rezensionen zu 16607 Alben von 6473 Bands.
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Cathedral

Stained Glass Stories

(Siehe auch: Leitfaden "Nordamerik. symphonischer Prog der 70er Jahre")
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1978
Besonderheiten/Stil: Klassischer Prog
Label:
Durchschnittswertung: 10.75/15 (4 Rezensionen)

Besetzung

Mercury Caronia IV Schlagzeug, Percussion
Fred Callen Bass, Bass Pedale, Gesang
Paul Seal Lead Gesang, Percussion, Bass Pedale
Tom Doncourt Keyboards, Glockenspiel, Percussion
Rudy Perrone elektrische und akustische Gitarren, Gesang

Tracklist

Disc 1
1. Introspect 12:39
2. Gong 7:00
3. The Crossing 5:59
4. Days & Changes 8:39
5. The Search 11:24
Gesamtlaufzeit45:41


Rezensionen


Von: Udo Gerhards (Rezension 1 von 4)


Die USA waren in den Siebzigern seltsamerweise nicht gerade eine Prog-Hochburg; von Ausnahmen wie den AOR-angehauchten "Kansas" oder den melodisch-komplexen "Happy The Man" abgesehen gab es kaum bekanntere 70s-Prog-Bands, die nennenswerten Erfolg vorweisen konnten. Aber es gab eine Menge kleinere Bands, die mühsam eine oder zwei Aufnahmen finanzieren konnten, die dann nicht selten ohne grossartigen Plattenvertrag selbst herausgebracht wurden, um anschliessend in der Versenkung zu verschwinden, überrollt von Punk und Disco.

Aber gottseidank gibt es da noch Greg Walker vom amerikanischen Label/Mailorder "Syn-Phonic", der es sich zur Aufgabe gemacht hat, solche verborgenen Schätze zu heben. Eine seiner ersten Entdeckungen waren die hier besprochenen "Cathedral" (nicht zu verwechseln mit den 90er-Jahre US-Neoproggern gleichen Namens!), die 1978 ihr erstes und einziges Album aufnahmen.

"Cathedral" spielen komplexe, abwechslungsreiche, instrumental anspruchsvolle, fast ausufernde Prog-Nummern, die fest im symphonischen Progressive Rock der Hochzeit des Genres verankert sind: wenn das Mellotron dramatisch schwillt - sei es mit Chor- oder Streichersound - oder ein schräges Gitarren-Arpeggio kurz vorbei zieht, dann lauert sicher nicht immer der "Crimson King"... Wenn die Basspedale brummen und bombastische Orgelteppiche liegen, dann müssen es nicht Gabriels "Genesis" sein...

Aber der Haupteinfluss der Band scheinen mir "Yes" zu sein: viele Passagen der grandiosen Prog-Tour-De-Force "Introspect", aber auch z.B. von "Days & Changes" würden auch glatt auf "Tales From Topographic Oceans" durchgehen. Das liegt sicher nicht zuletzt am dominanten Rickenbacker Bass von Fred Callen, aber auch kompositorisch liegt der Vergleich nahe: Percussion-Passagen, bombastische Mellotron-Spotlights, knackig-rockige Zwischenspiele. Keyboarder Tom Doncourt bedient hauptsächlich Orgel und Mellotron, und Gitarrist Rudy Perrone klingt wie eine angehme Kreuzung aus Steve Howe und Steve Hackett. Klar arrangieren "Cathedral" nicht ganz so raffiniert wie "Yes" (hier fehlt definitiv noch ein MiniMoog...) und schreiben nicht ganz so unwiderstehliche Melodien, aber dafür klingen sie direkter und knackiger, und das Mellotron wird offensiver eingesetzt (dies ist ja immer ein Quell der Freude für den Fan des Siebziger Jahre Prog...). In der Tat: wenn der Mellotron-Chor jault und über fettem Schlagzeug der Rickenbacker klirrt, dann muss ich mich doch unwillkürlich fragen, ob denn die schwedischen Kult-Progger "Änglagård" vor der Aufnahme ihres Debuts "Hybris" diese Platte nicht gekannt haben müssen...

Noch ein Wort zu Sänger Paul Seal: dieser passt weder in die "Vor dem Stimmbruch"-Schiene a la Jon Anderson noch in die expressive Gabriel-Schule; er hat eine eher volle, in mittleren Lagen angesiedelte Stimme, die sehr amerikanisch aber nicht unangenehm klingt. Dennoch liegt hier das vielleicht grösste Defizit gegenüber den "grossen" klassischen Bands: wirklich auffällig gut ist er nämlich auch nicht. Ansonsten ist "Cathedral" mit "Stained Glass Stories" aber ein kleines Meisterwerk des Siebziger Jahre Sounds gelungen, das die Obskurität keinesfalls verdient hat.

Anspieltipp(s): Introspect
Vergleichbar mit: Yes a la "Tales From Topographic Oceans", Änglagård
Veröffentlicht am: 19.4.2002
Letzte Änderung: 19.4.2002
Wertung: 11/15

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Von: Horst Straske @ (Rezension 2 von 4)


Mit dem Album "Stained Glass Stories" liegt neben Mirthrandirs "For You The Old Women" eine der herausragenden Veröffentlichungen des komplexen amerikanischen Progressive Rocks vor. Im direkten Vergleich zu den ebenfalls hervorragenden Landsleuten Starcastle und Babylon frönten Cathedral dem hochkomplexen Artrock bzw. Progressive Rock der frühen 70er Jahren, wie man ihn auf den Yes -Alben "Close To The Edge" und "Tales From Topographic Oceans" vorfindet. Somit waren Cathedral selbst schon im Jahre 1978 als eine Retro-Band zu bezeichnen, welche das Rad der Zeit um mindestens 5 Jahre zurückgedreht hatte. Kommerziell gesehen war dieses Unterfangen natürlich absolut tödlich.

Trotz der Nähe zu Yes liegt hier keinesfalls eine Kopie vor. Es werden die von Udo bereits erwähnten Elemente in Form von Rickenbacker und Mellotron aufgegriffen, wobei sie jedoch noch erheblich intensiviert werden. Selten habe solch einen vordergründigen Bass und solche magischen Mellotron-Töne gehört.

Leider sagt mir der Gesang von Paul Seal weniger zu. Obwohl er zwar eine relativ gute Stimme besitzt, wirkt er auf mich eher wie ein Fremdkörper und bildet keine Einheit mit der übrigen Band. Stellenweise klingt sein Gesang auch übertrieben gepresst. Da wäre ein bisschen Zurückhaltung wirklich ratsam gewesen.

Der absolute Höhepunkt des Albums ist für mich somit der instrumentale Titel "Gong". Auch der Eröffnungstitel "Introspect" ist einfach unglaublich. Stellenweise wirkt das Gebotene auf mich jedoch ein wenig ungestüm und überladen. Da wäre weniger wirklich mehr gewesen.

Am Ende noch eine kurze Anmerkung zu Udos Vergleich mit den Schweden Änglagård und der Vermutung, dass man Cathedral gekannt haben muss. Mir sind die Schweden auch neben Yes gleich als Vergleich in den Sinn gekommen. In einem Interview des deutschen Fanzines "Carpe Diem" aus dem Jahr 1993 findet man die Bestätigung für diese Vermutung. Gitarrist Tord Lindmann gab darin als Einflüsse aus den 70er Jahren Bands wie Yezda Urfa und Cathedral an. An anderer Stelle wiederholt er, dass man von "disharmonischen Bands wie King Crimson und Cathedral beeinflusst war".

Anspieltipp(s): Introspect, Gong
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 12.5.2002
Letzte Änderung: 12.5.2002
Wertung: 11/15

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Von: Andreas Pläschke @ (Rezension 3 von 4)


Wenn Udo eine CD mit Yes' "Tales from topographic oceans" vergleicht, kriege ich RIESENOHREN, immerhin ist dieses Yes-Werk einer meiner Alltime-Favoriten. Also habe ich mir diese CD bei Gelegenheit auch zugelegt.

Und siehe da, der Vergleich hinkt nicht, es wird im Midtempobereich gefrickelt, dass es eine Lust ist, ohne Yes' "esoterische Abgehobenheit" zu erreichen - Amis haben immer noch eine Portion Bodenhaftung, die diese CD auch für Freunde "konventionelleren" Progs hörbar macht.

Schon im Opener "Introspect" gibt es Taktwechsel, percussive Teile, schwellende Hammondsounds, knackigen Rickenbacker und einen Leadgesang, der mich stark an Gentle Giant erinnert. In "the crossing" kreuzen sie mal eben symphonischen Prog mit Stellen, die direkt von Jethro Tull/Steeleye Span in ihrer Folkrockzeit stammen könnten. Aber immer wird klar, hier wird komplexer Prog gemacht. Alle anderen Stile haben sich dem unterzuordnen.

Der letzte Titel beginnt fast schon filigran mit Mellotron, Chören und dezenten Gitarrentönen und bietet lange Instrumentalpassagen, die nicht ganz so verzwirbelt sind wie z.B. beim Opener.

Um es kurz zu halten - Prog in bester Spielkultur, kam damals leider etwas zu spät, um groß zu werden - lohnt aber allemal einer Entdeckung heute. Wer also die genannte YES-Platte (Seite 2, 4) mag, sollte der CD ein oder zwei Ohren gönnen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 4.10.2006
Letzte Änderung: 21.4.2013
Wertung: 10/15
Introspect, The crossing

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Von: Jörg Schumann @ (Rezension 4 von 4)


Yes! "Stained Glass Stories" ist in der Tat ein Leckerbissen des klassischen Prog, den man sich als Liebhaber dieser Stilrichtung nicht entgehen lassen sollte.

Ja! Man hört Yes an jeder Ecke, will sagen in jeder Kurve, der Platte heraus. Aber das macht überhaupt nichts. Sondern macht einfach nur richtig Spass.

Der omnipräsente knackig-knarzende Bass, das herrliche Mellotron im Speziellen und siebzigertypische Tastensounds im Allgemeinen, die zwirblige Howe-Gitarre, das geschäftig-kraftvolle und virtuose Drumming, der etwas eigenwillige, expressive Gesang: all das lässt einen mitunter an ein verschollenes Album irgendwo zwischen Tales From Topographic Oceans und Relayer denken.

Der Ton macht zwar die Musik, doch wenn die Komposition dürftig ist, nützt auch der beste Sound nichts. Aber auch hier machen die Amerikaner alles richtig. Die fünf Stücke enthalten alles, was es braucht. Melodiöse Parts, Raum für instrumentale Einschübe und Soli, Tempiwechsel, Krummtakte, Ecken und Kanten.

Introspective wirbelt zuerst aggressiv und treibend durchs Zimmer, es folgt ein kurzes ruhiges Interludium, bevor der Bass wieder zu scharren beginnt und ein an das Ende von Marillions Grendel erinnernder Groove im 9/8-Takt anschliesst. Es folgt wieder ein ruhiges Zwischenspiel, dann ein schnellerer Part im 12/8-Takt, schliesslich beschliesst eine acoustic guitar das Stück ruhig.

Der Beginn von Gong erinnert kurz an Sound Chaser. Es folgt ein sperriger Insrumentalpart in einem kaum aufzudröselnden Krummtakt (11/8 gefolgt von 10/8, wenn ich richtig mitgezählt habe), dann viel gezupfte und angequietschte Gitarre über warmen Bass und gefühlvoller Schlagarbeit.

The Crossing wird von einem kurzen Chorgesang eingeleitet, dann beginnt die Leadstimme und ich warte jeden Moment auf den Einsatz der Tull-Flöte. Es folgen unkonventionelle Gesangslinien, dann ein ebenso ungewöhnliches Gitarrensolo.

Auch die nächsten beiden Titel sind abwechslungsreich arrangiert, spannend aufgebaut und verbreiten Yes-feeling, ohne platt zu wirken. Denn Cathedral haben ihrem Sound eine eigene Note verpasst. Das Vorbild lässt sich zwar nicht verleugnen, die Art und Weise, wie sie diesem nacheifern, ist aber völlig gelungen und sehr kompetent. Liebhaber klassischen Progs können hier bedenkenlos zugreifen.

Anspieltipp(s): Introspective, Gong
Vergleichbar mit: Yes
Veröffentlicht am: 6.2.2016
Letzte Änderung: 6.2.2016
Wertung: 11/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Cathedral

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2008 The Bridge 11.00 2

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