SUCHE
Erweiterte Suche
NEUER LESESTOFF
Prog 50. Progressive Rock Around the World in Fifty Years (22.11.2017)
ARCHIV
NEUE REZENSIONEN
22.11.2017
Maat Lander - Seasons of Space - Book #1
Alan Simon - Songwriter
Wings Of Destiny - Kings Of Terror
Lifesigns - Cardington
Damn the Machine - Damn the Machine
King Crimson - Live in Chicago
French TV - Operation: Mockingbird
21.11.2017
French TV - Operation: Mockingbird
Peter Hammill - From the Trees
Orpheus Nine - Transcendental Circus
20.11.2017
Jeffrey Biegel - Manhattan Intermezzo
Badger - One live Badger
Various Artists - AMIGA Electronics
19.11.2017
Taylor's Universe - Almost Perfected
Hans-Hasso Stamer - Digital Life
French TV - Ambassadors of Good Health and Clean Living
Cluster - Cluster & Farnbauer Live in Vienna
ARCHIV
STATISTIK
24106 Rezensionen zu 16473 Alben von 6405 Bands.
SITE MAP
STARTSEITE

Dream Theater

Metropolis Pt. II - Scenes From a Memory

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1999
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; Progmetal
Label: Eastwest Records
Durchschnittswertung: 12/15 (7 Rezensionen)

Besetzung

Mike Portnoy Drums
John Petrucci Gitarre
John Myung Bass
James LaBrie Vocals
Jordan Rudess Keyboards

Tracklist

Disc 1
1. Regression 2:12
2. Overture 1928 3:31
3. Strange Deja Vu 5:12
4. Through My Words 1:02
5. Fatal Tragedy 6:49
6. Beyond this Life 11:22
7. Through her Eyes 5:29
8. Home 12:53
9. The Dance of Eternity 6:13
10. One Last Time 3:46
11. The Spirit Carries On 6:38
12. Finally Free 12:03
Gesamtlaufzeit77:10


Rezensionen


Von: Daniel Bosen (Rezension 1 von 7)


-77:06 Klick klack, klick klack, klick klack ... Ahem (räusper), hat da jemand aus versehen das Metronom mit aufgenommen oder so?

-76:56 Ach so, nein dies soll wohl das Instrument des Hypnotiseurs sein, der mich da ins Delirium schicken möchte.

-76:11 Endlich, die Musik geht los, oha! LaBrie kann auch schön warme Töne in mittleren Tonlagen fabrizieren, gut zu wissen.

-75:00 Jetzt wird es klar Metropolis Part II liegt vor mir, ein Teil des Beginns von Met. I und die Typischen Maschienengewehrartigen unisono Salven in leicht modifizierter Form (endlich wieder, und zwar knackiger als je zuvor!) hämmern sich in meine unvorbereiteten Ohren. Was folgt ist eine kleine Ouvertüre aus bekannten Met. I Themen, vermischt mit einigen Leitthemen des nachfolgenden Meisterwerks. Schon bei den Met. I Versatzstücken wird klar, das dies ein ganz neuer DT Sound wird, da sie nicht eins-zu-eins nachgespielt werden, sondern leicht gedehnt und wesentlich getragener daherkommen.

-71:18 James LaBrie setzt wieder ein, und wie! Zwar immer noch im oberen drittel der Noten Skala, aber ohne die extrem hohen Töne, die einem in älteren Werken regelmässig die Schuhe ausgezogen haben (ich war nie ein JLB Fan). Schon zu diesem frühen Zeitpunkt ist Falling Into Infinity vergeben und vergessen!

-66:20 Naja, die erste Heulbojen Attacke, aber durchaus noch erträglich, vor allem, da sie gefolgt wird von einer wunderschönen Gesang-Piano Passage, bei der JLB in einer bis dato ungehörten Ausdrucksstärke und Wärme singt, das es tatsächlich Gänsehaut erzeugt.

-64:25 Langsam merke ich, was so anders ist als sonst: DT goes bombast! Geil, Geil, Geil.

-61:22 Jaaaaaaaaaaaaaa! Die erste Monster Instrumental Sektion, ein wahrer Killer, so wie man ihn nur von DT kennt, perfektes Mannschaftsspiel, bei gelegentlichen Gitarre- oder Keyboardsoli, nur mit mehr Schmackes als sonst, bei gleichbleibender Komplexität.

-59:10 PE-TRU-TSCHI! PE-TRU-TSCHI! PE-TRU-TSCHI!

-58:29 Break, Hypnotiseur, noch ein Break - wer zum Teufel hat Kurt Cobain hier reingelassen? Unglaublich, dieses Intro-Riff klingt dermassen nach Nirvana, das man glauben mag KC sei aus selbigen zurückgekehrt. Wer aber meint, das DT jetzt auf Grunge macht, der wird seine Meinung spätestens beim double-bass Gewitter von Mike P. ändern, welches direkt aus "3 minute warning" stammen könnte, hier aber auch wirklich passt! (An alle d-bass Hasser: keine Sorge, im Laufe der Platte übertreibt er es nicht damit). Ein weiterer Killer-Song.

-55:54 Was nun, bisschen viel Drogen geschluckt?

-55:10 Ha, zum Glück holt uns Mr Cobain wieder zurück auf den Boden der Tatsachen! Es folgt eine leicht hektische Phase, bei der mir ein paar Passagen nicht so dolle gefallen (Wohlgemerkt, das sind gerade mal 10-15 Sekunden!)

-53:30 Puh, überstanden, da ist mir dieser Drogen-Effekt ja doch lieber. Diesmal mit cooler Mitsing Passage.

-51:54 Hier werden viele DT-Fans wohl erstmal schlucken müssen. Jordan Rudess packt einen seiner von "Rudess Morgenstein Project" und "Liquid Tension Experiment" her bekannten, ungewöhnlichen Lead-Sounds aus. Muss man sich erstmal dran gewöhnen, aber danach kommt das klasse. Auf jeden Fall sticht dieses Solo hervor.

-51:08 Im Anschluss folgt die wohl groovigste Passage aller DT Platten. Normalerweise verlaufen die InstruMentals ja so, dass die ganze Band mehr oder weniger komplex ummenand spielt. Das erste mal das DT es anders gemacht hat, war der Mittelteil von "Trial of Tears" vom FII Album. Es gab das erste Mal eine strikte Trennung von Begleitinstrumenten, die im Hintergrund vor sich hernudeln, und dem dominanten Soloinstrument. Was bei ToT aber nur ansatzweise klappt, und mich nicht unbedingt mitgerissen hat, gelingt hier vollends. In Anlehnung an das bekannte 12-Takte-Blues-Schema wird hier ein Monster-Groove erzeugt, über dem John und Jordan ihre Kapriolen drehen.

-49:14 Hey, Zappa!

-48:14 Was war nochmal dieses "Awake"? Ein stümperhafter Versuch irgendeiner Anfängerband?

-47:16 Es wird wieder etwas leiser,nach dem anstrengenden letzten Teil war das auch nötig. Eine holde Maid jodelt etwas und das Klavier setzt ein. Wunderschönes Stück, wieder mit dem "neuen" LaBrie. Auch die singende Gitarre kann überzeugen.

-41:43 der erste fade-out der Platte!

-40:50 Sitar? Och nein, das muss doch nun wirklich nicht sein.

-40:24 DOCH muss doch sein, denn es hört sich NICHT nach George Harrison an! Und JPs Heavy-Gitarre Sound hört sich auf dieser Platte so geil an, das es eine Wonne ist.

-33:57 Ein Sitar Solo?? Also ich muss schon sagen, so wenig klischeehaft hat die Sitar noch in keinem westlichen Stück Musikgut geklungen. Wieder ein Wahnsinns Song, bei dem ich während ich ihn höre, genauso wie bei allen anderen Stücken auf dieser Platte denke, das dies der Beste sei. Übrigens die Sitar ist nur ein Produkt von Jordans K2500, und keine Echte!

-28:37 WOAH, jetzt geht es ja erst richtig ab! Met. I wird nach Strich und Faden auseinandergenommen, zerrupft, gestaucht, gedehnt und rückwärts gespielt, so als ob die Musiker endgültige Rache nehmen wollten an einem Stück, das sie wohl jeden Tag auf allen Touren seit "Images and Words" bis zum Erbrechen spielen mussten. BÖSE. Zwischen den alten Fragmenten schummeln sich dann immer wieder neue Kompositionen, die schliesslich Überhand gewinnen und den Rest des Instrumentals dominieren. Dies erinnert - wahrscheinlich wenig zufällig - an die Struktur des Textes der gesammten Platte, der auch immer zwischen zwei Zeiten hin- und herspringt. Und ähnlich wie der hier karikierte Teil von "Images And Words" markiert dies auch den Höhepunkt der Platte (was allerding nicht heisst, das es ab jetzt bergab mit der Musik geht!), inclusive Multipler-Orgasmus Garantie - krass, krank und sicher nicht für jedermanns Ohren.

-25:29 JOHN-MEI-JUNG! JOHN-MEI-JUNG! JOHN-MEI-JUNG!

-22:22 Genau in dem Moment (nagut, bei vielen sicherlich weit nach dem Moment) in dem man denkt: "Ich halte es nicht mehr aus, GNADE!" Springt JR mit breiten, wohltuenden Piano-Akkorden ein, die die zum zerreissen angezogene Spannung auflösen, und einen glücklich und erschöpft in einem Klangteppich auffangen.

-15:46 Petrucci stimmt eins seiner wundervollsten Soli an (jeder der mir IRGENDWAS von wegen Technik show-off erzählen will, möge mir bitte vor die Tür folgen, da können wir das dann anständig ausdiskutieren... :-))

-12:00 Unser Hypnotiseur lässt uns wieder erwachen. Streicher, Kirchenglocken, Schritte, wegfahrendes Fahrzeug, Donnergrollen und wieder Jordans unvergleichliches Piano leuten das letzte Stück ein. Und was für eins, anfangend mit leisem Bombast steigert es sich zu einer Intensität, die schon fast beängstigend ist. Bei diesem Stück ist lautes hören ein Muss!

-04:33 Ähnlich wie Terry Bozzio auf dem letzten Stück von "Age of Impact", dreht Mike P. ab hier völlig ab. Aber, man glaubt es kaum, wesentlich dezenter als ersterer. Was allerdings nicht heissen soll, das es weniger gekonnt oder einfallsreich ist.

-02:10 Überraschung!

-00:00 IaW und ACoS? Also ich glaube ich werde mich erst in Hypnose versetzen lassen müssen, um mich erinnern zu können was das war.

Ich denke an dieser Stelle ist recht klar, dass dieses Album mich VÖLLIG weggeblasen hat. Das liegt vor allem daran, das Dreamtheater es geschafft hat, sich einerseits treu zu bleiben, und andererseits einen neuen Gesamtsound zu entwickeln. Dieser hat meines Erachtens zwei Väter. Einerseits natürlich Jordan Rudess, als neues Band Mitglied. Ihm ist der Bombast zu verdanken. Er schafft es mit seinen Keyboards ein unglaublich solides und, wie gesagt, recht bombastisches Fundament zu schaffen. Diese Komponente ist absolut neu für DT. Eine andere Komponente ist der Gesang. Es ist wirklich wenig Gesang vorhanden, auch für DT-Verhältnisse. Ich schätze mal 70% der CD-Laufzeit ist Instrumental. Desweiteren ist die Abwesenheit allzu hoher Gesangs-Passagen (bis auf wenige Ausnahmen) ein absoluter Fortschritt im Sinne der Hörbarkeit. Nicht vergessen will ich auch die Grundzüge der Story. Das ganze ist eigentlich nichts anderes als ein Krimi, also wenn das mal nicht Neu ist. Wir schon oben erwähnt springt die Erzählung zwischen verschiedenen Zeitebenen (der Mord um den es geht ist in den zwanziger-Jahren begangen worden), und im letzten Stück wird dann erst der wahre Täter entlarvt, so wie sich das gehört. Mir bleibt nur eins zu sagen: KAUFEN, KAUFEN, KAUFEN.

Anspieltipp(s): Vorne Anfangen, hinten wieder aufhören
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 11.6.2002
Letzte Änderung: 11.6.2002
Wertung: 15/15

Zum Seitenanfang

Von: Christoph Scholtes @ (Rezension 2 von 7)


Wie schreibt man eine Rezension über ein Album, das man selbst als eines der Besten Alben dieses ausklingenden Jahrtausends erachtet, ohne 2 Seiten lang andauernd Wortfetzten wie "das Beste Album dieses Jahrtausends..." (ups!), "bessageht´snimmer", "nüchzutoppen" oder sonstige Lobhudeleien zu verbraten? Mal sehen...

Eins steht (für mich) fest wie die Glocke in der Erde, Dream Theater haben mit "Metropolis Pt.2 - Scenes from a Memory" in kompositorischer wie musikalischer Hinsicht ihr Meisterstück abgeliefert. Das 77 minütige Konzeptalbum, welches das Thema, des doch inzwischen schon 7 Jahre und 3 Studioalben alten "Metropolis Pt.1" in Form einer Art Schauspiel wiederaufgreift bzw. fortführt, zieht den Hörer durch seine verwinkelte Past/Present-Story und deren geniale musikalische Umsetzung so in seinen Bann, daß selbst Queensryches "Operation Mindcrime" vor Neid ganz blaß wird.

Das Rezept? Rückbesinnung auf alte Tugenden! Sprich: ProgRockMetal der ganz besonderen Art. Dieser wird in diesem Fall jedoch nie durch das Konzept des Albums eingeengt, sondern unterstreicht es kraftvoll. Die gelungene Kombination dieser ProgRockMetal-Parts mit ruhigen balladesken sowie einigen ungewohnt bombastischen Abschnitten zeigt die kompositorische Reife, die in diesem Werk steckt und läßt einen (mich jedenfalls) das Gesamtopus mit einigem Respekt betrachten. Ob es an (Gar-nicht-soooooo)Neuzugang Jordan Rudess oder am Anti-Kommerz-Konzept des Albums liegt vermag ich nicht zu sagen, aber es fest steht, daß Jordan Rudess, schon durch seine Mitarbeit beim LTE, viel frischen Wind in Sache gebracht hat. Viellicht lags auch daran, daß man sich dieses mal keinen Starproduzenten ins Haus geholt hat, sondern Mike Portnoy und John Petrucci die Sache selbst in die Hand genommen haben.

Fazit: "Scenes from a memory" ist definitiv ein Pflichtkauf!

Bemerkung: Auf eine detaillierte Besprechung der musikalischen bzw. inhaltlichen Merkmale habe ich verzichtet, weil ich denke, daß dies die Wirkung des Albums auf den (Erst)-Hörer in entscheidender Weise schmälert. Um die Worte Daniel B.´s zu benutzen (sinngemäß):"Lehnt Euch zurück und genießt das Album bei einem Glas Wein...". Achja, vergeßt das Booklet nicht! Sonst könntet ihr beim Nachverfolgen der Story einige Probleme bekommen. Na denn, Prosit!

Anspieltipp(s): Vorne Anfangen, erst hinten wieder aufhören
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 13.6.2002
Letzte Änderung: 13.6.2002
Wertung: 15/15

Zum Seitenanfang

Von: Jörg Schumann @ (Rezension 3 von 7)


Was soll man zu diesem Album noch Neues sagen? Die Standpunkte beider Fraktionen (DT-Vergötterer und DT-Hasser)wurden lang und breit dargelegt, sogar minutiös wenn nicht gar sekundiös wurde die Platte auseinander genommen, was in mir fast den Eindruck erweckt, da hat jemand einzelne Samples beschrieben. Der Anfang mit Metronom oder Wanduhr ist schon so alt und platt wie das die Instrumente stimmende Orchester, aber es gibt immer wieder Bands, die glauben, damit dem Hörer den ultimativen Kick ankündigen zu müssen. Dass der in den folgenden 77 Minuten nicht folgt, ist bereits bei Stück Nr.3 klar. Zwar findet sich wieder perfekt-synchrones Instrumentalgewitter, die Stimme (ob nun besser als je zuvor sei dahingestellt, da sie meines Erachtens nie einen wirklich wichtigen Platz in der Musik von DT einnahm) ist kraftlos und bald nervend.

Track 6 ist billig, und double bass alleine ist auch nicht immer Garant für coolness. Mir wirkt das ganze Stück irgendwie zu konstruiert und hektisch, dann werden wieder gesuchte Pausen eingesetzt um nachher das Gefrickel kraftvoller erscheinen zu lassen. Dazu schreit sich LaBrie durch den Titel. Man höre sich nur mal die Stelle ab 4:01 an: Gnade!

Ob Mr. Rudess besonders gut ist oder nicht sollen andere beurteilen, ich habe jedoch das Gefühl, dass mit Kevin Moore ein wichtiger kompositorischer Einfluss nach dem ausgezeichneten Album "Awake" weggefallen ist, den die Band bis heute nicht ersetzen konnte. So finden sich auf "Scenes from a memory" Plagiate der eigenen früheren Werke, alles ist schon mal dagewesen und für die fraglos tolle Technik und Virtuosität der Musiker alleine lohnt sich dieses Album wirklich nicht.

Bester Moment von Mpt2 ist the dance of eternity (v.a. ab 2:30), dann folgt wieder der alte Trott.

Unter dem Strich ist Mpt2 für mich ein enttäuschendes Album, dem ich nicht mehr als eine 6 verpassen kann. Mit Ausnahme von "falling into infinity" sind alle früheren Platten origineller, witziger, ehrlicher, kurz: besser.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 31.7.2002
Letzte Änderung: 19.9.2003
Wertung: 6/15

Zum Seitenanfang

Von: Thomas Schüßler @ (Rezension 4 von 7)


Also ich bin nun wahrlich niemand, der besonders auf Prog-Metal steht. Auch mit Dream Theater habe ich mich von jeher sehr schwer getan, die Platten haben mir nie sonderlich zugesagt. Aber zum Glück hat man Freunde, die nie müde werden, einen zu missionieren.

Und so wagte ich denn noch einen Versuch mit dieser Scheibe, ob sich denn im Vergleich zu den anderen Platten irgendwas geändert habe. Und siehe da: es hatte. Was ich zu hören bekam (und was bereits ausführlich besprochen wurde) hat mich schlichtweg umgehauen. Das hätte ich den Jungs einfach nicht mehr zugetraut. Und leider haben sie mit ihrer neuesten Scheibe ("Six Degrees...") wieder zu alter "Stärke" (Achtung: Ironie!) zurückgefunden.

Einziger Wermutstropfen: "Through her eyes" mit dieser unsäglichen Frauenstimme gefällt mir an dieser ansonsten perfekten Platte leider überhaupt nicht.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 8.5.2003
Letzte Änderung: 8.5.2003
Wertung: 14/15

Zum Seitenanfang

Von: Thorsten Gürntke @ (Rezension 5 von 7)


JA - Dream Theater sind zurück. Nach den Glamour Ausflügen des letzten Albums legen die Amis hier ihr Meisterwerk ab! Schon das Äußere erinnert an alte Tage: Das alte Logo und dazu ein brilliantes Coverartwork.

Anfangs munkelte man ja, daß Metropolis Pt.2 nun endlich auf dem neuen Album zu hören sein wird. Die Überraschung perfekt gemacht haben die Jungs aber damit, daß man ein ganzes Konzeptalbum mit der Story verarbeitet hat. Wer meinte, "A Change Of Seasons" sei ein großartiges Stück Musik, der MUSS hier zuschlagen. Ungeheuerlich.

Aufgeteilt in neun Szenen wird der Hörer durch alle Extreme gezogen. Nicholas ist der Erzähler der Story. Er wird in einen Hypnosezustand versetzt und erzählt nun seine Geschichte. Immer wieder schwankt der Hörer durch Vergangenheit und Gegenwart. So lesen sich die Lyrics wie ein guter Roman. Die Musik baut dazu passend die Spannungsbögen. Gar harmonisch, im nächsten Moment heftig rockend, stellenweise gar punkig thrashig. Ich möchte hier nicht zuviel erzählen, aber am Ende wird Nicholas von seiner Vergangenheit eingeholt.

Im Verlauf des gesamten Albums tauchen Szenen aus Metropolis Pt.1 auf. Aber immer wieder geschickt umarrangiert und harmonisch in das Gesamtbild eingebaut. "Overture 1928" ist ein Schnelldurchlauf durch Pt.1. Ach ja, nochwas ist neu. Jordan Rudess bedient die Tasten. Und dass er der beste Ersatz für Kevin Moore ist zeigt sich an den brillianten Keyboardarrangements, die sein Vorgänger nicht annähernd erreichen konnte.

Fazit: Die Götter müssen verrückt sein... naja, jedenfalls haben Dream Theater mit diesem Album den Thron auf dem Prog-Olymp zurückerobert. Was dem Album fehlt ist jedoch die Langzeitwirkung. Von daher einige Punkte Abzug.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 9.5.2003
Letzte Änderung: 8.1.2004
Wertung: 11/15

Zum Seitenanfang

Von: Markus Wierschem @ (Rezension 6 von 7)


I. Einleitung Metropolis. Metropolis. Allein der Name, einmal ausgesprochen, birgt in sich eine Magie, der man sich nur schwerlich entzieht. Metropolis – Erinnerungen werden wach, an Fritz Langs Stummfilmmeisterwerk (1927), an amerikanische Großstadt- und Heldenmythen, und, für den Eingeweihten, an zwei musikalische Monumente. Das erste erschien 1992, hieß "Images & Words" und gilt gemeinhin als das Album, das dem noch keine Dekade alten Genre des Progressive Metal zu seiner über lange Jahre dominierenden Form verhelfen sollte. Ganz nebenbei machte es die Band dahinter, Dream Theater, auch über der Grenzen der Szene hinaus bekannt. Fast jeder Song dieses Albums wurde zu einem Klassiker – darunter auch ein formvollendetes Stück namens "Metropolis pt.1: The Miracle and the Sleeper", das von einzelnen Kritikern schon mal überschwänglich als "bestes Stück aller Zeiten" abgefeiert wurde. Die Lyrics, enigmatisch, sprachen von einer Frau, von Kindheit und Alter, einer Stadt, die ein lebendes Wesen zu sein schien und drei Tänzen – Tod, Trug und Liebe, dem ewigen ...

Erst sieben Jahre später sollten die New Yorker diesen Faden wieder aufnehmen, und damit einen weiteren Meilenstein des Genres schaffen: "Metropolis pt. 2: Scenes from a Memory". Es gibt wohl kaum jemand innerhalb der Szene, der dieses Album nicht kennt. Noch einmal sieben Jahre nach seinem Erscheinen möchte ich jetzt einen Blick auf dieses Album werfen, dass wie kaum ein zweites Album immer wieder neue Liebhaber für diese Spielart der Musik begeistert und gewonnen haben dürfte (so übrigens auch den Autor dieser Zeilen).

II. Review Gerade weil "Metropolis" so bekannt ist, erscheint es schwierig, hier, in einer siebten Rezension, noch etwas Neues zu erzählen. Abgesehen von seiner historischen Dimension möchte ich daher versuchen, das Werk in seiner Gesamtkonzeption in Musik, Struktur und literarischem Inhalt zu begreifen. Klar ist, Metropolis ist ein geradezu prototypisches Konzeptalbum, musikalisch wie inhaltlich gesehen. Vom wagnerschen Leitmotiv, dass musikalisch wie lyrisch immer wieder in verschiedenen Themen zur Anwendung kommt, über das Erzählen einer stringenten Geschichte bis hin zum Artwork, das einerseits Szenen aus der Mystery/Crime-Story (ein Selbstmordbrief, ein Zeitungsausschnitt) aufgreift und andererseits in geradezu symbolischer Form die Thematik dieses Albums in seinem Coverbild vereint, sind alle Merkmale eines klassischen Konzeptwerks vorhanden.

Klar ist aber auch: Wenn man all diese Zutaten in einen musikalischen Zauberkessel wirft und umrührt, kommt noch lange kein gelungenes Album heraus. Vor allem die Struktur gewinnt gegenüber einem normalen Album noch einmal immens an Bedeutung, und hier scheint es mir, als bedienten sich Dream Theater geradezu archetypischer und, das ist die Überraschung, literarischer Formen, nämlich der aristotelischen Dramenkonzeption , die hier nicht nur die Story, sondern auch die Musik strukturiert und harmonisiert.

Allein die äußere Form der Lyrics verweist bereits auf die Tradition des Theaters. Die Dramatis Personae führt 5 Charaktere auf – Nicholas, Victoria Page, Senator Edward Barnes (genannt "The Miracle"), sein Bruder Julian Barnes (genannt "The Sleeper") und einen Hypnotiseur. In den Lyrics tauchen diese Charaktere immer wieder als Sprecher auf. Der Schauplatz ist die fiktive Stadt Metropolis. Die Handlung, strukturiert durch zwei Akte und neun Szenen, wird dadurch kompliziert, dass ein Teil in der Gegenwart und ein anderer im Jahre 1928 angesiedelt ist.

Diese zeitliche Asynchronizität sowie die Zweiakt-Struktur mag auf den ersten Blick gegen ein klassisches Dramenkonzept sprechen, verlangt dieses doch eigentlich fünf Akte sowie eine Einheit von Raum, Zeit und Handlung. Dennoch möchte ich im Folgenden das Experiment versuchen und, stets das Freytagsche Dramendreieck ("Die Technik des Dramas", 1863) im Hinterkopf, "Metropolis pt.2" auf diese Strukturen hin untersuchen. Überlegungen zur Handlung habe ich dabei in kursiver, Überlegungen zur Musik in Standardschrift dargestellt.

II.1 EXPOSITION: Regression – Overture 1928 – Strange Dejà Vu

Im "Hier und Jetzt" lässt Protagonist Nicholas, ein junger Familienvater sich, geplagt durch seltsame Träume und Visionen einer jungen Frau, von einem Hypnotiseur in Trance versetzen, um die psychologische Ursache für diese Träume zu finden. Auf der Reise durch sein Unbewusstes kommt er einem Verbrechen auf die Spur, dass sich in den späten Zwanzigern ereignete ...

Das Ticken einer Uhr, die beruhigende Stimme des Hypnotiseurs sind das erste, das der Hörer vernimmt, dann gleitet beides in weite Ferne, Nicholas und mit ihm der Hörer fallen in eine Trance, ein Gospelchor markiert den Übergang, begleitet von warmen Akustikklängen und dem warmen Gesang von James LaBrie. Das Gefühl von Ruhe, Frieden, Geborgenheit, das im Text angesprochen wird, ist hier auch musikalisch deutlich fühlbar. Nicholas' Geist begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit und begegnet dort seiner "Freundin", Victoria, die auch als handlungsanstoßender Impuls fungiert. Die Ouvertüre leitet ein mit sphärischen Synthies und Metropolis-Reminiszenzen, sich immer weiter steigernden Drums und Powerchords, bis die Spannung explodiert und Gitarre und Keyboard in das eigentliche Stück führen. Hier werfen Dream Theater ihre Fäden aus: quasi alle Leitmotive (z. B. Home, Finally Free) werden eingeführt und der Hörer bekommt den ersten Ohrenschmaus geboten. Die Ouvertüre entwickelt sich absolut schlüssig aus sich selbst heraus und der Hörer bekommt zum ersten Mal die Vorahnung von etwas Großem.

In "Strange Dejà Vu" werden textlich Nicholas' ambivalente Gefühle gegenüber seiner Erfahrung deutlich, die er einerseits als Alptraum, andererseits aber auch als anziehend und wichtig empfindet: Hier warten die unvollendeten Kapitel eines anderen Lebens. In einem Haus, das ihm seltsam bekannt erscheint sieht er ein Mädchen in einem Spiegel. In ihren Augen erblickt er die Schatten einer unerzählten Geschichte. Konfrontiert mit dem Gefühl des dejà vu ringt Nicholas' Geist darum, das Verborgene an die Oberfläche zu befördern ...

Musikalisch liegt zwischen der Ouvertüre und Strange Dejà Vu nur eine kurze Pause, die letzten Akkorde bilden auch die Basis für den Auftakt dieses Stücks. Weniger melodisch hat man es hier mit einem härteren Metalbrett zu tun, das reduzierter und wesentlich kühler daherkommt. James LaBrie zeigt sich hier von seiner aggressiven, giftigeren Seite. Mit der Aufnahme des Metropolis-Themas in Brücke und Refrain vollzieht das Stück einen ersten Stimmungswechsel, nur um unmittelbar danach mit einem ordentlichen Temposchub in einen Rockkracher umzuschwenken und sich dann wieder auf das Ohrwurm-Thema zurückzuziehen. Dann wird das Tempo noch weiter zurückgenommen, und ruhige Piano-Akkorde erklingen ...

II.2 STEIGENDE HANDLUNG: Through My Words – Fatal Tragedy – Beyond this Life

... die in "Through my Words" überleiten. Hier zeigt sich LaBrie wieder von seiner gefühlvollen Seite, nur begleitet von Rudess auf dem Piano. "Fatal Tragedy", das sich nahtlos anschließt, ist ein weiterer Kracher, gibt sich aber dramatischer als "Strange Dejà Vu". Die Spannung ergibt sich vor allem aus der geschickten, mit Chören und den Klängen einer Akustikgitarre unterlegten Verzögerung zwischen den harten, treibenden Riffs der Strophen und einem weiteren Ohrwurmrefrain. Nach zwei Durchläufen lassen Dream Theater zum ersten Mal die Zügel fallen und rocken und frickeln los, was das Zeug hält. Rudess und Petrucci liefern sich ein erstes denkwürdiges Duell und laufen in einem jener Unisono-Läufe zusammen, die später so charakteristisch für ihr Zusammenspiel wurden.

Auf der Handlungsebene trifft Nicholas nun einen alten Mann, in der Traumdeutung wie in der "Heldenreise" Erzählungen häufig ein Symbol für den Lehrer oder Führer. Dieser erzählt ihm von der Tragödie eines Mädchens, das vor langer Zeit an diesem Ort ermordet wurde. Doch als Nicholas nach mehr Antworten sucht, lässt der Mann ihn stehen, mit dem Versprechen, dass sich die Wahrheit in der Zukunft enthüllen werde (Erregendes Moment). "Beyond this Life" wechselt dann die Perspektive und gibt einen Zeitungsartikel aus dem Jahr 1928 wieder, der vom Mord an der jungen Frau berichtet. Ein "Zeuge" hört Schreie, läuft herbei und findet eine Frau tot auf der Erde liegend. Der Mörder steht neben ihr, nervös, die Waffe noch in der Hand, mit der er sich kurz darauf selbst richtet. Rätsel werfen vor allem ein Rasiermesser auf, das auf dem Boden gefunden wird, sowie ein Abschiedsbrief, der darauf schließen lässt, dass es sich bei der Tat um einen Mord aus krankhafter Liebe handelte ...

Musikalisch erreicht das Album hier einen ersten Höhepunkt. Was Tempo und Härte angeht legt die Band eine Schippe drauf, das Stück lebt von dem schnellen Wechsel aus psychedelischer Atmosphäre, Metalbrecher und baladesken Zwischenspielen. Etwa ab der Hälfte des Stücks wird dann lustvoll losgerockt. In bester Rock'n'Roll-Manier groovt und frickelt die Band los, dass es eine wahre Freude ist und der Körper unweigerlich in Bewegung gerät. Großartig! Der Ausklang ist dann wieder sehr harmonisch – und bietet eine dringend benötigte Verschnaufpause.

II.3 KLIMAX: Through her Eyes / Home

Warme, transzendente Keyboardteppiche, klare, gefühlvolle Petruci-Gitarre und Gospelgesang von Gastsängerin Theresa Thomason umschmeicheln das Ohr. Dann setzen Piano und Akustikgitarre ein. LaBrie hört man einmal mehr von seiner ruhigen, melodischen Seite, Petrucci steuert ein paar wunderschöne Melodiephrasen auf der E-Gitarre bei, die sich unweigerlich ins Gedächtnis brennen. Eine einfache, schöne Pop-Ballade, die sich dennoch perfekt in das Ganz einfügt. Inhaltlich verarbeitet das Stück die Trauer Nicholas über den Tod jener Frau, die ihm auf so merkwürdige Art verbunden scheint. Gleichzeitig lernt er sein eigenes Leben dadurch viel besser kennen und das wertschätzen, was er durch ihre Augen sieht. Doch die Harmonie hält nicht lange ...

Es geht auf den dramatischen Höhepunkt zu. Geradezu hypnotisch baut sich eine scheinbar endlose Spannung über fremdartige Sitarklänge, Bass und sparsame Rhythmik auf, die sich immer weiter steigert bis sie in krachenden Gitarren und orientalischem Flair kulminiert und dann in einen Stampfrhythmus übergleitet. Der Suspense wird nie ganz losgelassen, sondern hält den Hörer konstant in seinem Bann, wozu der merklich zerrüttete Gesang LaBries einen starken Beitrag leistet. Zwischendurch klingt es wieder wie Echos aus Metropolis 1 herüber, und etwa ab der siebten Minute schwingt sich das Stück nochmals höher. Sounds aus einem Casino mischen sich mit Samples einer stöhnenden Frau ... das Stück gerät zur orgiastischen Trance. Der Chorus wird ein letztes Mal aufgenommen, die letzten Sekunden gehören aber wieder Petrucci und Rudess.

Zum ersten Mal im Verlauf der Story wird der Hörer hier mit den Gedanken Julians (The Sleeper) und Edwards (The Miracle) konfrontiert. Das Leben des ersteren ist eine Scharade, er sehnt sich, verfolgt von "seinen Dämonen" zurück nach seinem Zuhause. Es wird klar, dass niemand anders als er der mutmaßliche Mörder aus "Beyond this Life" sein muss. Sein Bruder dagegen sehnt sich vor allem nach der Liebe Victorias, die eigentlich mit Julian liiert ist, sich ihm aber in Verzweiflung über dessen Exzesse anvertraut hat. Zwar wiegt der Verrat an seinem eigenen Fleisch und Blut schwer auf seinen Schultern, doch die Versuchung ist größer ... Währenddessen sucht Nicholas weiter nach der Wahrheit, wohl wissend dass in dieser Geschichte der Schlüssel zu seinem eigenen Wesen verborgen liegt ...

Dramentheoretisch ist hier der Höhepunkt der Handlung und gleichzeitige Wendepunkt erreicht. Der Konflikt in Nicholas' Seele spiegelt sich wieder im Konflikt zweier Brüder, die um die Liebe derselben Frau ringen. Mit der Rückkehr des Schlafenden nach Metropolis schließlich wird sich die Handlung entscheiden ...

II.4 FALLENDE HANDLUNG: The Dance of Eternity – One Last Time – The Spirit Carries On

Musikalisch wird's jetzt vertrackt. Richtig vertrackt. Auch für DT-Verhältnisse. Was die New Yorker in den nächsten 6 Minuten an den Instrumenten abziehen geht auch auf keine Kuhhaut mehr. Der Tanz der Ewigkeit hat begonnen, doch im Gegensatz zu vielen anderen Frickelbands offenbaren DT hier auch ihren Sinn für Humor. Gerade Rudess ist ja für seine witzigen und auflockernden Einsprengsel bekannt, aber wer zum ersten Mal sein Ragtime-Solo im Kontext dieses Stücks vernimmt, dürfte nur zu einem Schluss kommen: Hier sind offenbar Wahnsinnige am Werk. Ansonsten sollte man sich zurücklehnen, die Takt- und Tempowechsel zählen und der Dekonstruktion von Metropolis I lauschen, das im musikalischen Äquivalent eines Escher-Bildes neu entsteht. Für geistige Schäden wird keine Haftung übernommen.

Das nun erklingende, getragene Piano ist danach eine wahre Wohltat. Zunächst ruhig und fließend gewinnt "One Last Time" mit dem mehrstimmigen Ende des Chorus an Dramatik und Fahrt. Zum Schluss wird erneut das bekannte Metropolis-Thema aufgenommen, kurz fühlt man sich Tschaikowsky erinnert

Für Nicholas macht der Mord an Victoria weiter keinen Sinn. Er fragt sich, ob sie letztendlich vielleicht doch dem reichen Edward (The Miracle) den Laufpass gegeben haben könnte. In den Lyrics werden weiter Victorias Gedanken geschildert, die sich ein letztes Mal (mit Edward?) niederlegen will. In der Gegenwart durchbricht Nicholas endlich die letzten Barrieren seines Unbewussten und versteht, was es eigentlich mit Victoria auf sich hat ... "The Spirit Carries On" – die Seele lebt fort – das ist die Antwort auf Nicholas Fragen und Suchen. Ihm wird klar, dass die Seele unsterblich ist und schließt seinen Frieden mit der Frau, die der andere Teil seiner Seele ist. Von innerer Ruhe erfüllt macht er sich auf die Reise zurück.

"The Spirit Carries On" beginnt erneut mit Rudess Piano und gefühlvollen Vocals von LaBrie. Spätestens wenn Akustikgitarre und das relaxte Schlagzeug hinzukommen kann man sich der Stimmung dieses Songs nicht mehr entziehen – und bei Petruccis Solo stehen mir noch heute regelmäßig die Tränen in den Augen. Diese Klänge treffen tief ins Herz. Auch ohne Gospelchor im Hintergrund ist dieser Song ein absoluter Höhepunkt auf jedem Dream-Theater-Konzert.

Im Handlungskontext des Albums erfüllt dieses Stück die Funktion des "retardierenden Moments" – es zögert die letztendliche Auflösung noch einmal hinaus. So ist es nicht schwer, den Frieden Nicholas' hier mitzuempfinden. Ja, eigentlich könnte das Album jetzt vorbei sein, wären nicht noch ein paar letzte, ungeklärte Fragen ...

II.5 KATASTROPHE: Finally Free

Geleitet von den Worten des Hypnotiseurs gelangt der Hörer mit Nicholas zusammen zurück in die Gegenwart. Man begibt sich auf den Heimweg ... doch dann wird dem Hörer klar, was in jener schicksalhaften Mordnacht wirklich geschah, und wer Victoria Page tatsächlich ermordet hat.

Finally Free, la grande finale. Dream Theater ziehen hier nochmals alle Register ihres Könnens. Was dieses Stück an Intensität und Dramatik aufbaut ist wohl kaum noch zu toppen. Angefangen beim orchestralen Intro über das unterschwellig bedrohliche Piano bis zu den verhängnisvollen Schüssen und dem Läuten der Glocken ... Ausklang, aber keine Erlösung erfolgt schließlich über die dramatischen Melodielinien von Gitarre und Keyboard und den irrsinnigen Schlagzeug-Rausch, in den Portnoy hinüber gleitet.

Und dann ... die letzte, fatale Überraschung und Katastrophe lässt den verstörten Hörer geschockt im Rauschen eines Plattenspielers zurück.

III. Schlussbetrachtung und Wertung Wie kaum ein anderes Konzeptalbum findet Metropolis eine Ausgewogenheit zwischen Inhalt und Musik, ohne das der eine oder andere Teil zu dominant würde. So stehen Handlung und Musik als gleichwertige Partner nebeneinander – die Handlungs-Höhepunkte sind meist auch die musikalischen. Geschickt werden Momente der Spannung mit solchen der Entspannung immer wieder verwoben, und jedes Mal wenn man denkt, es ginge nicht mehr besser setzen die New Yorker nochmals einen drauf.

"Metropolis pt.2" versammelt einige exquisite Einzelkompositionen, die zweifelsohne zum Besten gehören, was der Progmetal als Genre zu bieten hat. Über die gesamte Spielzeit gibt es keine Aussetzer. Die Melodien sind allesamt von oberster Güte – einmal gehört brennen sie sich unweigerlich ins Gedächtnis, so dass man sie wohl nie mehr vergisst. Weiter ist die Performance der Musiker vom allerfeinsten, strotzt nur so vor Genialität, Einfallsreichtum und der technischen Brillanz, für das Traumtheater im Positiven wie Negativen bekannt sind. Vor allem Petrucci – noch nicht an Shredding-Seuche erkrankt – und Rudess harmonieren exzellent und liefern hier eine ihrer wohl besten Leistungen überhaupt. Dabei liegt die Stärke des Albums jedoch hier nicht so sehr in immer größerem instrumentalem Wahnsinn, sondern in der perfekten Balance aus Gefühl und Gefrickel, Härte und Melodie, Chaos und Ordnung, der perfekten Fusion aus großer Spieltechnik und großen Kompositionen. Dabei ist es gespickt mit musikalischen Querverweisen, natürlich auf Metropolis 1, aber auch der Einfluss von Queensrÿches Operation: Mindcrime ist absolut spürbar. Auf die vielen kleinen Selbstverweise in den Lyrics gehe ich gar nicht erst noch ein – doch hier findet sich mancher Hinweis, bei dem Mann später denkt: "Klar, da hätte ich eigentlich drauf kommen müssen!" Nicht zuletzt jedoch ist die Wirkung, die Metropolis auf mich und viele andere Hörer auch nach sieben Jahren immer noch hat aber auch der formvollendeten Struktur zu verdanken, die einerseits durch die Leitmotivik, andererseits durch Elemente des klassischen Dramas bestimmt wird, wie ich in dieser viel zu langen Rezension skizziert habe. Es überrascht kaum, dass Metropolis 2005 auch in einer Bühnenversion seine Aufführung fand.

Metropolis. Das ist das Meisterwerk des klassischen Progmetal, und vielleicht eines der besten und musikalisch beeindruckendsten Alben aller Zeiten.

Anspieltipp(s): Vorne anfangen, hinten aufhören, vorne wieder anfangen.
Vergleichbar mit: Operation: Mindcrime
Veröffentlicht am: 31.7.2006
Letzte Änderung: 21.3.2013
Wertung: 15/15
Der Höhepunkt eines Genres.

Zum Seitenanfang

Von: Marc Colling @ (Rezension 7 von 7)


Dieses Konzeptalbum kann man lieben....oder hassen. Die Meinungen darüber gehen auseinander, auch in internationalen Foren wird kontrovers diskutiert. Und das bis heute, 18 Jahre nach Erscheinen der CD.

Da es bereits einige Rezensionen auf den BBS gibt die sich mit dem Konzept des Albums befassen, möchte ich es kurz machen. „Scenes from a memory“ kann auch mich nicht überzeugen. Die Gründe sind u.a. die dauernden Motiv- und Tempowechsel in den Songs die leider zu oft absolut keinen Sinn machen. Beispiel: BEYOND THIS LIFE. Das ist hart an der Schmerzgrenze. Dabei hab ich mit solchen Wechseln grundsätzlich keine Probleme, denn genau deshalb höre ich ja auch Prog. Auch die oft übertrieben dargestellten solistischen Ausflüge machen mir meine Laune kaputt. Das geht meist so nach dem Motto schneller, weiter, höher. Und klingt dann manchmal arg konstruiert. Dass Portnoy mit seiner Doublebass auf Dauer nervt trägt auch nichts zum besseren Verständnis bei. Und dass man den Bass von Myung oft nur in den Hintergrund mischt, ist ja wirklich nichts Neues bei Dream Theater.

Sicher sind alle Mitglieder der Band begnadete Musiker, das wurde ja alles auch schon millionenfach gesagt. Aber reicht das alleine um einem Album 15/15 zu geben? Sicher nicht, da braucht es auch Melodien die faszinieren. Und Mut zu Ungewöhnlichem. Wo befindet sich aber hier ein „Space Dye Vest“? Oder „Caught in a web“? Oder „Pull me under“? Wieviel Punkte müsste dann erst ein „Awake“ bekommen?

Man findet hier vor allem hymnische Muster mit schnell gespielten Soli. Besonders sticht diese Egomanie auf THE DANCE OF ETERNITY hervor. In diesem Instrumental darf jeder mal ran und sich richtig austoben. Das darin eingebaute Honky Tonk Piano erinnert mich mit Grauen an kurze Songs von Emerson, Lake an Palmer......daraus hätte man als Dream Theater doch etwas lernen müssen! Stattdessen haut man auf die Felle und drischt auf die Saiten ein wie ein Berserker, nur leider zu oft völlig sinnfrei.

Dennoch sind einige Passagen gelungen und man kann das Album nicht einfach ignorieren. Dazu ist es dann doch zu wichtig in der Diskographie der Band. Es hat seine Anhänger gefunden, denn es gibt natürlich Fans die es einfach lieben, wenn unendlich soliert wird. Besonders Petrucci gibt diesen Menschen das, was sie wollen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 17.1.2017
Letzte Änderung: 17.1.2017
Wertung: 8/15
wird meines Erachtens einfach überschätzt

Zum Seitenanfang

Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Dream Theater

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1986 Majesty - the official 1986 Demo 9.00 1
1989 When Dream And Day Unite 11.00 3
1992 Another day (Single) - 1
1992 Images and Words 12.00 4
1993 Live at the Marquee 7.00 1
1994 Lie (Single) - 1
1994 The silent man (Single) - 1
1994 Awake 12.33 3
1995 A Change Of Seasons 9.50 2
1997 Falling Into Infinity 6.00 2
1997 Hollow years (Single) - 1
1998 Once In a LIVEtime 7.67 3
2000 Through her eyes (Single) - 1
2001 Metropolis 2000: Scenes From New York 11.00 1
2001 Live Scenes From New York 10.00 1
2002 Six degrees of inner turbulence 6.00 3
2003 Train of thought 9.67 6
2003 The Number of the Beast (Official bootleg) 8.00 2
2003 Master of Puppets (Official Bootleg) 10.00 2
2004 When dream and day reunite (Official bootleg) 11.00 1
2004 Live at Budokan (DVD) 12.00 1
2004 Live at Budokan 10.50 2
2005 Octavarium 10.29 7
2005 Dark Side of the Moon (Official bootleg) 9.00 2
2006 Score - 20th Anniversary World Tour 7.00 1
2006 Made in Japan (Official bootleg) 10.00 1
2006 Score - 20th Anniversary World Tour (DVD) 12.00 1
2007 Systematic Chaos 8.00 4
2008 Chaos in motion 2007-2008 10.00 1
2009 Uncovered 2003-2005 (Official bootleg) 8.00 1
2009 Black Clouds & Silver Linings 10.00 2
2011 A Dramatic Turn of Events 11.80 5
2013 Dream Theater 8.67 3
2013 Live at Luna Park 13.00 1
2016 The Astonishing 8.50 3

Zum Seitenanfang

© 1999-2017; Das Copyright aller Texte liegt bei den jeweiligen Autoren; Haftungsausschluss
Site Map - Startseite - FAQ - Reviews - Leitfaden - Lesestoff - Kontakt - Links
RSS | Impressum