Selling England by the Pound
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Informationen
Allgemeine Angaben
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| Label: |
Virgin |
| Durchschnittswertung: |
12.6/15 (5 Rezensionen) |
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Besetzung
| Phil Collins |
Drums,percussion,vocal |
| Michael Rutherford |
12-string,bass,electric sitar |
| Stephen Hackett |
Electric guitar,nylon guitar |
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| Tony Banks |
Keyboards,12-string |
| Peter Gabriel |
Vocals,flute,oboe,percussion |
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Tracklist
| Disc 1 |
| 1. |
Dancing with the moonlit knight
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8.02
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| 2. |
I know what I like (In your wardrobe)
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4.07
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| 3. |
Firth of fifth
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9.38
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| 4. |
More fool me
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3.10
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| 5. |
The battle of Epping Forest
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11.44
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| 6. |
After the ordeal
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4.13
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| 7. |
The cinema show
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11.05
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| 8. |
Aisle of plenty
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1.33
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| Gesamtlaufzeit | 53:32 |
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Rezensionen

Benannt nach einem Wahlkampfspruch aus jener Zeit, präsentiert "Selling England by the Pound" Genesis auf dem Höhepunkt ihres Schaffens. Textliche und musikalische Vielschichtigkeit, Verspieltheit und englischer Humor von "The Battle of Epping Forest" konkurrieren hier mit der fast epischen Ernsthaftigkeit von "Firth of Fifth" und dem kämpferischen Abwechslungsreichtum von "Dancing with the Moonlig Knight". Vielleicht das Beste was Banks je komponierte, "Firth of Fifth", beinhaltet neben beeindruckendem Pianothema auch ein majestätisch schönes Gitarrensolo von Hackett. Auf "The Cinema Show", noch einem Genesis-Klassiker, erklingen einige für Tony Banks typische Keyboardpassagen, die nicht immer zusammenhängend wirken. Der Singlehit "I know what I like" sollte, wie ich meine, als humorvolle Abwechslung im Gesamtbild dieses Albums gesehen werden.
Peter Gabriel treibt seine Wortspielereien auf "Selling England by the pound" bis zum Exzess. Auf "Aisle of Plenty" werden sogar einige Supermarkt-Angebote aufgezählt. Ähnliche Zustände werden Gabriel zu der selbstironischen Bemerkung veranlaßt haben, nach mehreren Interviews und den damit verbundenen Erklärungsversuchen beginne er seine Texte langsam zu verstehen.
Die Studioaufnahmen wurden von ermüdenden bandinternen Diskussionen begleitet, wessen Songs schließlich öffentlichkeitstauglich seien, und welche man fallenlassen sollte. Und so mochte Tony Banks die ellenlangen Sprechgesang-Exkursionen von Gabriel auf "The Battle of Epping Forest" gar nicht, Gabriel konnte das Keyboardsolo von "The Cinema Show" nicht ausstehen und das instrumentale Stück von Hackett "After the ordeal" wollte, bis auf Hackett selbst, eigentlich niemand auf der Platte haben. Letzten Endes wurde kaum etwas weggelassen, was leider auch zum überflüssigen Song "More fool me", mit schwachbrüstigem Gesang von Collins führte.
Mir gefällt an diesem Album vor allem das technisch perfekte Schlagzeugspiel von Phil Collins, sowie der klanglich und musikalisch hervorragende Gesamteindruck. Die Band wirkt sehr homogen und aufeinander eingespielt, und trotz der durchkomponierten Stücke scheint manchmal einiges an jazz-rock-ähnlicher Leichtigkeit aufzukommen, was aber bei den einstudierten Solo- oder Unisonoparts von Genesis natürlich nichts mit Improvisation zu tun hat. Da werden wohl auch die mutigen "Selling England..."/Canterbury-Vergleiche ihren Ursprung haben.
Insgesamt eine klassische Genesis-Platte, die mindestens drei unvergeßliche Progmeisterwerke bietet, gleichzeitig für viele das Beste, was diese Band je gemacht hat.
| Anspieltipp(s): |
Firth of fifth,Dancing with the moonlit knight,Cinema Show |
| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
15.6.2002 |
| Letzte Änderung: |
15.6.2002 |
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Progherz was willst Du mehr : alleine in Dancing with the moonlit knight stecken soviele Ideen, findet sich eine solche Vielfalt und Abwechslung wie sonst auf einer ganzen Platte nicht. Genesis haben hier sämtliche Ingredienzien, die man sich nur wünschen kann, reinverbacken und ein Monsterstück geschaffen, welches mit supper`s ready in einem Atemzug zu nennen ist. Man kann sich eigentlich immer nur wiederholen : Komposition erstklassig, Instrumente bzw. Musiker virtuos und gefühlvoll, Stimme begnadet, Zusammenspiel stimmig und organisch, Progfaktor hoch. Selbst der irgendwie nicht so ganz zum Gesamtbild passende Schluss stört mich ehrlich gesagt nicht gross. Zu "I know what I like" wurde bereits alles gesagt. "Firth of fifth" ist ein weiteres Schmuckstück, das ebenfalls auf den Progolymp gehört. "More fool me" ist dann wie ein kaltes Glas Wasser, das einem ins Gesicht geschüttet wird. Grässlich ! Stilbruch ! Was sollte das denn ? "The battle of epping forest" ist ein ebenfalls sehr abwechslungsreiches Stück mit anspruchsvollen Tempi- bzw. Metrikwechseln. Mal 7/8, dann 6/8, 3/4 und 4/4. Steht für mich auf einer Stufe mit "Dancing" und "Firth".
"After the ordeal" ist eine ganze Ecke simpler und schafft es bei weitem nicht, das hohe Niveau der vorherigen Werke zu erreichen, aber bei aller Prügel, die es gekriegt hat möchte ich doch erwähnen, dass mir die Flöte ab 3:20 immer eine leichte Gänsehaut über den Rücken schickt. "Cinema show" schwenkt dann wieder auf die anspruchsvollere Schiene ein, obwohl es nicht ganz die Qualität der übrigen longtracks erreicht. Die einzelnen Keyboardsoli finde ich zum Teil etwas gar einfach gestrickt und langweilig. Aber Bombast und Grandezza hat das Teil und auch viel Power und Vorwärtsdrang.
Für die drei "Aussetzer" gibts einen Abzug, der Rest gehört in die Progruhmeshallen.
| Anspieltipp(s): |
firth of fifth |
| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
22.5.2003 |
| Letzte Änderung: |
12.8.2003 |
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Nun, da werde ich doch auch mal meinen Senf zu einer meiner absoluten Lieblingsplatten dazugeben.
Aufgrund dessen, dass fast alles schon gesagt wurde, beschränke ich mich auf ein paar Anmerkungen zu den einzelnen Songs:
- Dancing With The Moonlit Knight Einer der stärksten Genesis-Nummern überhaupt. Ich finde das "Geklimper" als Outro nicht störend, obwohl das Stück auch ohne leben könnte.
- I Know What I Like (In Your Wardrobe) Erster zaghafter Versuch, einen möglichen Hit zu schreiben. Bestimmt einer der schwächeren Momente des Albums, und auf etlichen Tourneen als Zugabe "totgenudelt" - ich persönlich kann's einfach nicht mehr hören.
- Firth Of Fifth Auch bei mir eines der allerersten "frühen" Genesis-Stücke, die mir zu Gehör kamen. Offenbarung! Auch wenn ich inzwischen finde, dass die Studioversion etwas "zahm" klingt, live kommt vor allem die Dymanik während des Gitarrensolos (der Em/Bm/Am/B "Übergang") wesentlich besser rüber. Ach: das Piano-Intro ist ein Killer. Taktarten gefällig? 2/4 - 4/4 - 13/16 - 15/16. Ähm... ja.
- More Fool Me Mhm, musste das sein? Hunde stupst man mit der Nase rein. *g* Im Ernst: Eine ziemlich belanglose Nummer aus der Feder von Rutherford und Collins.
- The Battle Of Epping Forest Ein ziemlich anstrenges Stück Musik - aber ich mag es sehr. Zu bemängelt wäre vielleicht die Länge, aber Gabriel musste ja seine 342 Zeilen Text unterbringen... ;)
- After The Ordeal Das scheint ja nicht sehr populär zu sein. Naja, überlebenswichtig ist es für mich beileibe auch nicht, aber schlecht finde es nicht. Eine "klassisch" angehauchte Komposition von Hackett (erster Teil) und Rutherford (zweiter Teil), die es übrigens auch mal in einer viel schnelleren Version gab (siehe die "In The Beginning" Bootlegs). Nebenbei: Tony Banks konnte das Stück nie leiden, unter der Begründung, dass er die Tonart D-Dur komisch klänge (oder so). Mhm!
- The Cinema Show Und ein weiterer Über-Klassiker. Hier gilt vergleichbares wie bei "Firth Of Fifth": Ich bevorzugte die Live-Version (vor allem die von der 1976er Tour mit Bill Bruford). Hier klingt der Instrumentalteil noch ziemlich saft- und kraftlos. Dennoch eines der unverzichtbaren Musikstücke für mich. Das Keyboardsolo macht Laune und ist (relativ!) leicht zu lernen.
- Aisle Of Plenty Ist quasi das Outro zu Cinema Show. Hier wird eine Akkordsequenz aus "Dancing..." wieder aufgegriffen, und schließt somit den Kreis des Albums.
Tja, was bleibt? Viel Licht, ein wenig Schatten. Und grundsätzlich höre ich nur selten die Studioversionen, weil's live einfach besser klingt. Dennoch ein Meisterwerk - wer es nicht kennt, sollte sich nicht ernsthaft als "Proggie" bezeichnen dürfen.
| Anspieltipp(s): |
Fifth Of Fifth |
| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
19.7.2003 |
| Letzte Änderung: |
19.7.2003 |
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Selling England by the Pound ist für mich "die" Genesis-Platte schlechthin. Wer will, kann zwar in Songs wie "I Know what I like" die finsteren Vorboten des noch finsteren Popgedudels sehen (bzw. hören), mit der die Band ihren späteren Massenerfolg einleitete. Aber es handelt sich dabei doch eigentlich nur um marginale Einsprengsel in einer Reihe wirklich majestätisch schöner Stücke.
Warum ich diese Platte allen anderen Genesis-Veröffentlichungen vorziehe, ist leicht erklärt. Es ist für mich das einzige Album der Band, in der ihre Musik wirklich voll im Fluss ist. Genesis sind nicht die Meister wilder Verwicklung und hochkomplexer Steigerung. Ihre Neigung zu "lyrischen" Passagen und ihre Methode, Longtracks aus Einzelteilen zu organisieren, führt nach meinem Geschmack leider oft zu Stockungen, bei denen die Musik arg an Fahrt verliert, und es oft minutenlang nicht richtig weitergeht.
Selling England by the Pound entgeht diesem Problem - zumindest nach meinem Geschmack - durch eine gewisse Leichtigkeit, durch einen Fluss eben, der Stücke wie Firth of Fifth oder Cinema Show mit ihren langen Instrumentalpassagen zu einem echten Genuss macht.
Was ich für Foxtrot gesagt habe, gilt auch für dieses Album: Die Neuedition ist ideal für alle, die das (zwingend notwendige) Kennenlernen noch vor sich haben. Die Bonus-DVD wartet neben den obligatorischen Interviews zu Hintergründen und Entstehungsgeschichte des Albums wieder mit Konzert- bzw. TV-Aufnahmen auf, diesmal aus dem Jahr 1973. Wer also endlich mal sehen will, wie es aussah, wenn Peter Gabriel als Pril-Blume auftrat - hier kriegt er es als Bonusmaterial zu einem Meilenstein der Proggeschichte bequem mitgeliefert.
| Anspieltipp(s): |
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| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
28.4.2009 |
| Letzte Änderung: |
7.3.2012 |
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“Selling England by the Pound”! Das beste Genesis-Album? Also ich weiß nicht…
"Dancing with the Moonlit Knight" beginnt a capella – ein ebenso gewagter wie grandioser Einstieg in das Album. Die Melodie, zu der bald Gitarre und Piano hinzutreten, ist stark, und der Song steigert sich in einer perfekt getimten Klimax bis hin zum Fortissimo.
Es beginnt ein Instrumentalteil, und sein vorwärts treibenes Riff wird bald zum Vehikel für eine Reihe solistischer Gitarrenideen, die allerdings ein wenig unzusammenhängend sind. Wer mal gelesen hat, dass Genesis keine besonders fantasievollen Solisten waren, der kann das hier am lebenden Objekt nachvollziehen. Der Song gewinnt kaum an Ruhe, wenn der Gesang wiederkehrt, bekanntes Material wird erweitert und variiert, dann kehrt das Riff wieder, diesmal aber dient es weniger als Basis für Improvisationen, es wird vielmehr von Tony Banks an der Hand genommen und ein paar mal kräftig von seinem neuen Mellotron M400 herumgeschleudert.
Der bis dahin gut funktionierende Song verliert nun leider vollkommen seinen Zusammenhang. Genesis haben es wunderbar hinbekommen, den Knoten zu schürzen, wirken aber nun völlig planlos, wenn es darum geht, was sie damit anfangen sollen. Und so schrumpft "Dancing with the Moonlit Knight" in der Folge einfach irgendwie dahin. Zweieinhalb Minuten lang folgen noch ein paar schöne Ideen, die aber letztlich nirgends mehr hinführen. Man wartet bis zum Ende vergeblich darauf, was Genesis mit dem Song eigentlich vorhaben. Es ist ein bisschen wie bei "Can-Utility and the Coastliners": Der Song ist eigentlich vorbei, was dann folgt, ist eine Reihe neuer Ideen, die ich im Kopf aber einfach nicht verbunden bekomme.
"I Know What I Like (In Your Wardrobe)" finde ich doof. Ganz einfach. Rhythmisch ist das fad, das Riff ist langweilig, Gabriel singt uninspiriert. Kein Wunder, dass das die Single wurde. Jaja, ich weiß, hier geht es um einen faulen Sack, der keinerlei Impuls verspürt, sich für Höheres zu interessieren, und das drückt der Song auch aus, aber das Problem ist halt, dass er das sehr gut hinkriegt. Fad, fad. Ein Ende hat er auch nicht. Das einzig spannende ist das Rasenmähergeräusch, weil es mit einem Mellotron erzeugt wurde. Das war's dann aber auch schon. Kuckuck!
Jetzt aber! "Firth of Fifth"! Nach dem enttäuschenden Einstieg lassen Genesis nicht nur ihren besten Song, sondern gleichzeitig mal eben eines der Heiligtümer unseres Genres vom Stapel. "Firth of Fifth", “Close to the Edge”, “Starless”, besser wird unser Genre nur sehr, sehr selten.
Das Stück beginnt mit jener Pianoeinleitung, von der mittlerweile jeder zu sagen weiß, dass sie 13/16- und 15/16-Takte enthält. Überraschend einfach ist sie aber zu spielen, hat man sie mal im Ohr, denn meist werden, typisch Genesis, einfach Akkorde in ihre Bestandteile aufgelöst. Dennoch ist ihr Effekt immens, weitaus weniger wegen ihrer rhythmischen Komplexität, sondern vielmehr wegen ihres Reichtums an überraschenden Harmoniewechseln. Ich kenne kaum eine bessere Einleitung in einen Progsong.
Was dann folgt, ist pure Seligkeit für den Progfan. Peter Gabriel trägt eine getragene, wohldosiert pathetische Melodie vor, die ihresgleichen im Werk der Band bis heute sucht. Diese Gesangspassagen leiden allenfalls unter dem reichlich dämlichen Text, den Banks und Rutherford ihnen verpasst haben. Schafe und so. Aber darüber sieht man hoffentlich hinweg. Zwei Strophen, einer Bridge und einer kurzen Reprise der Strophe folgt nach einer simplen, aber wirkungsvollen Piano-Überleitung ein idyllisierendes Flötensolo, das Elemente des späteren Gitarrensolos vorwegnimmt. Danach tritt das Piano wieder in den Vordergrund, ein wenig zu bieder ist das Arrangement hier vorübergehend, aber schnell übernimmt das Mellotron für eine Reprise der Einleitung. Es folgt eines der großartigsten Gitarrensoli der Proggeschichte, und ein Beispiel dafür, dass Regeln Ausnahmen haben. Am Ende kehrt die Strophe zurück – das Stück hat gar keinen Refrain, sehe ich das richtig? – und Schluss. Ein richtiger diesmal. Herrlich. Gleich noch mal hören. Oder doch die Version von Steve Hackett, die ist nämlich besser.
Es folgt "More Fool Me", einer von nur zwei Songs aus der Gabriel-Ära, die Phil Collins singt. Der Song dreht sich um einen Mann, der seine Liebe verloren hat. Er ist einfacher gehalten als der Rest der Stücke auf der Platte, und er ist auch einfacher arrangiert: Nur Gesang und akustische Gitarre. Das Stück mag hier keiner? Ach Leute! Das ist der beste Song auf der Platte. Na, der zweitbeste. In jedem Fall ist "More Fool Me" eine wirklich großartige Folk/Pop-Ballade. Die Klimax ("And you'd be the one who was laughing") ist einfach unbezahlbar. Ja aber, Phil Collins hat doch Genesis kaputtgemacht! Hat er nicht. Man höre sich nur mal die großartigen Alben dieser Band aus den Achtzigern jenseits greinender Progseligkeit an. Schade nur, dass Collins zu jener Zeit gesanglich noch lange nicht die Reife hatte, mit der er in den Achtzigern auftrumpfen konnte. Trotzdem großartig!
"The Battle of Epping Forest" wurde angeregt von Nachrichten über Jugendgangs, die sich, sagen wir, uneins über die Grenzen ihrer Territorien waren. Wenn Menschen sich nur irgendwelche Grenzen ausdenken können, über die sie sich dann streiten können…. Egal. Der Song beginnt mit einer der schwächeren Melodien Genesis’, vorgetragen in einem 7/8-Takt. Aber die Band macht geschickt Gebrauch von dem vorantreibenden Charakter dieses Metrums. Kaum hat der Song angefangen, sind auch schon 3 Minuten rum und neues musikalisches Material wird vorgestellt. Gabriel übernimmt hier mal wieder verschiedene Rollen, was dem Song guttut, weil es ihm jenen Abwechslungsreichtum verleiht, den die Musik bis dahin irgendwie nicht aufbringen kann. Nach vier Minuten aber steigen dann auch die Instrumentalisten in die Maskerade ein und untermalen Figuren wie Mick the Prick, Bob the Knob und den Reverend mit je unterschiedlichen Sounds und Rhythmen.
Der Song verbindet in seinem weiteren Verlauf zahllose Ideen, die allerdings ein wenig linear hinter- und zwischen einander gesetzt werden. Was ihm dadurch vollkommen abgeht, ist ein Spannungsbogen, eine Klimax, die in ähnlicher Weise wie bei „Dancing with the Moonlit Knight“ oder „Firth of Fifth“ den Hörer bei der Stange hält. Und so dauert "The Battle of Epping Forest" irgendwie so vor sich hin, ohne dass so recht klar wird, worauf das Ganze musikalisch hinauswill.
Es folgt "After the Ordeal", das in großen Teilen auf Steve Hackett zurückgeht. Das Stück besteht ziemlich genau hälftig aus zwei Abschnitten: Der erste ist etwas schneller, ein blasses Stück auf der Akustischen, hinterlegt mit einer pompösen, und dadurch ziemlich unpassenden Pianobegleitung. Der zweite Teil ist besser, passen die hier auf der E-Gitarre vorgetragenen getragenen Melodien doch weitaus besser zu dem nun von der ganzen Band gespielten gravitätischen Samtvorhang. Dieser Teil ist allerdings harmonisch noch weniger interessant als der erste, und so taten Genesis gut daran, das Stück auf der Bühne auszulassen.
"The Cinema Show" besteht aus zwei Teilen. Der erste ein sanftes Gesangsstück, das mit einer Strophe/Refrain-Struktur und einer Zwölfseitigen beginnt. Im weitesten Sinne angelehnt an T. S. Eliots „The Waste Land“ dreht sich der Text um Romeo und Julia, die sich fürs Kino fertigmachen, wobei Romeo ziemlich scharf auf Julia wird. Oder so ähnlich. Wie auch immer: Nach einer kurzen Bridge, zu der sich die ganze Band einfindet, kehrt der akustische Teil wieder und Gabriel spielt ein lyrisches Flötensolo. Noch einmal die Bridge, und der erste Teil des Songs ist beendet.
Der zweite Teil des Songs beginnt nach ziemlich genau sechs Minuten mit einem recht harschen Schnitt. Er besteht dann im Grunde aus einem viereinhalbminütigen Keyboardsolo von Tony Banks zu einem 7/8-Takt der Band. Mit Ausnahme einer schönen sehnsuchtsvollen Melodie trägt dieser Teil jedoch nichts Substanzielles mehr zu "The Cinema Show" bei. Hier zeigt sich, dass Regeln nicht nur Ausnahmen haben. "The Cinema Show" endet schließlich nach viel zu langer Zeit mit einem Gitarrenmotiv aus “Dancing with the Moonlit Knight”. Dieses wird aber rhythmisch uminterpretiert, eine schöne Idee und eine gut funktionierende Überleitung zu "Aisle of Plenty".
"Aisle of Plenty" ist eine Art kurze Reprise eines Teils von "Dancing with the Moonlit Knight", und greift auch im Text die Themen des Eingangsstückes wieder auf. Naja, soweit man das sagen kann, bei Texten, an denen man durchaus mit Recht kritisieren kann, dass die Lust am Wortspiel ihren Gehalt schon mal in den Hintergrund drängt. Trotzdem, die kurze Reprise verleiht dem Album eine geschlossene Form, etwas, das Genesis später auf „A Trick of the Tail“ und „Duke“ wiederholen werden.
Ich weiß, es wird sehr geliebt, aber ich sehe in “Selling England by the Pound” ein Album mit Licht und Schatten. Wenn es mal leuchtet, ist es in der Lage, sehr hell zu leuchten – „Firth of Fifth“ ist sicherlich einer der ganz großen Songs, die unser Genre je hervorgebracht hat. Jenseits davon kann aber nichts dieses Niveau halten, vieles ist im Vergleich zu anderen Werken der Band Mittelmaß, einiges, wie „I know what I like“ oder „After the Ordeal“, ist nah am Ausfall. Die ziemlich durchsichtigen Ausstopfungen etwa von "Dancing with the Moonlit Knight" und "Cinema Show" haben zudem einen ziemlich schalen Beigeschmack - „After the Ordeal“ ist sogar als Ganzes ein Füller (niemand wollte es so richtig auf dem Album haben). Über die gesamte Strecke gesehen können sich Genesis auch nur selten von jener etwas biederen ländlichen Englishness freimachen, die ihren Stil nun vier Alben lang geprägt hatte. Der Band ist zugute zu halten, dass ihnen das bewusst war: Mit ihrem nächsten Album holten sie zu einem Befreiungsschlag aus, der in den 70ern seinesgleichen sucht: Mit „The Lamb lies down on Broadway“ wandten sie sich vom ländlichen England (mit seinem Hogweed, dem Father Thames, und dem Epping Forest) ab und dem urbanen Amerika zu, widergespiegelt in ihrer Abkehr vom lyrisch-akustischen Prog. Den Hang zu Füllern bewahrten sie sich allerdings. Aber das steht nun wirklich auf einer anderen Seite.
| Anspieltipp(s): |
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| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
16.5.2013 |
| Letzte Änderung: |
22.5.2013 |
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