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Martin Archer & Bo Meson

Echoic Enchantment

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2015
Besonderheiten/Stil: Moderne Klassik; RIO / Avant; sonstiges
Label: Discus Music
Durchschnittswertung: 12/15 (1 Rezension)

Besetzung

Martin Archer Clarinet, Organ, Glockenspiel, Electronics, Music Arrangement
Bo Meson Vocals, Text Arrangement, Electronic Treatments

Gastmusiker

Peter Fairclough Percussion
Steve Dinsdale Percussion
Johnny Hunter Percussion
Walt Shaw Percussion
Philip Thomas Prepared Piano
Simon H Fell Double Bass
Paul Schatzberger Violin
Aby Vulliamy Viola
Angela Rosenfeld Cello
Julie Archer Voice
Liz Searle Voice
Wolfgang Seel Voice

Tracklist

Disc 1
1. Echoic Enchantment

1. - 4:36
2. - 4:56
3. - 3:01
4. - 6:19
5. - 6:32
6. - 3:23
7. - 8:12
8. - 5:30
9. - 8:09
10. - 4:49

Gesamtlaufzeit55:27


Rezensionen


Von: Achim Breiling @


Bo Meson ist ein britischer Stimmkünstler, der in seinen Werken vornehmlich allerlei Text zu Gehör bringt, musikalisch begleitet oft (aber nicht immer) von seiner Formation Meson. Das Ergebnis sind Mischwerke aus Poetik, Metaphysik, Elektronik und improvisiertem Klang, ein klein wenig vielleicht vergleichbar mit den Hervorbringungen von Joseph Smalkowski alias Copernicus (allerdings deutlich weniger exaltiert). Irgendwann zu Beginn des zweiten Jahrzehnts des neuen Jahrtausends wurde Martin Archer (Multiinstrumentalist, Komponist und Klangkünstler) auf Meson aufmerksam und man beschloss ein gemeinsames Album herzustellen. “Echoic Enchantment” war im Frühjahr 2015 vollendet und wurde wenig später auf Archers Discus-Label veröffentlicht.

“Echoic Enchantment“ war offenbar ursprünglich eine Textkunstwerk Mesons, welches von einer Formation namens O.D.D. (wohl auch ein Projekt Mesons) aufgeführt wurde. Davon beeindruckt entschied Archer das Stück in Ton zu setzten und daraus eine eigene musikalische Kreation zu schaffen. Das Ergebnis ist nun auf “Echoic Enchantment“ zu hören. Das Stück fließt als durchgehende, gut 55 Minuten lange Suite dahin, wurde aber ansteuerbar in 10 titellose Teile geteilt.

Wer hier nun einen expressiven, mit Musik unterlegten Gedichtvortrag a la Pholas Daktylus (siehe "Concerto Delle Menti") erwartet, der liegt falsch. Es sind erstaunlich selten Stimmen zu hören und wenn sie erklingen, tragen sie eher emotionslos ihren Text vor. Eher handelt es sich bei “Echoic Enchantment“ um ein großangelegtes Musikstück, vorgetragen von einem gar nicht so kleinen Ensemble, in das ab und zu rezitierende menschliche Lautäußerungen eingewoben wurden. Worum es in textlicher Hinsicht geht? Schwer zu sagen. Eher handelt sich um Fragmente von Text, die zudem über- und durcheinander gemischt wurden. Es ist daher nicht wirklich einfach dem Ganzen einen Sinn zu entnehmen (es geht wohl um Regen und Türen), der aber vermutlich durchaus vorhanden ist. Da der Rezensent kein Texthörer ist, sieht er aber die Stimmen eher als weiteren Klang an, der die Musik durchaus gewinnbringend bereichert.

Im Zentrum der langen Komposition stehen aber die vier Perkussionisten, dann recht prominent Kontrabass (oft gestrichen), Piano und das Streichtrio. Dazu kommen allerlei Füll- und Hintergrundklänge bzw. Effekte von Orgel und Elektronik und bisweilen Archers Klarinette. “Echoic Enchantment“ wirkt (oder ist) daher (wie) ein zeitgenössisches, eher dissonantes Ensemblestück, ein sich Genrezuweisungen weitestgehend verweigerndes Werk, das aber sehr abwechslungsreich, druckvoll, dicht und dynamisch aus den Boxen kommt. Archer dazu: “My idea has been to make a work whose format is contemporary classical, but produced sonically as if it were a rock album“.

Auch wenn die meisten musikkonsumierenden Zeitgenossen hier wenig Rock hören werden, ist doch eher der Rockhörer, genauer der Proghörer, noch genauer der Avantproghörer das Ziel dieser Musik. Klassikpuristen werden ob des Schlagzeugs und der Elektronikverfremdungen wohl eher die Nase rümpfen. Daher sei dieses beeindruckende Gemenge aus Spuren von Jazz und Rock, schräger Kammermusik und freierem Klangbasteln musikalischen Grenzgängern und Abenteurern empfohlen, die ansonsten auch gerne Progressiv-Elektronisches und angeschrägten Avantrock konsumieren, oder Vermischungen von beidem.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 28.8.2015
Letzte Änderung: 26.3.2016
Wertung: 12/15

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