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Leitfaden: Italienischer Prog der 70er Jahre
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24279 Rezensionen zu 16594 Alben von 6469 Bands.
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Picchio Dal Pozzo

Picchio Dal Pozzo

(Siehe auch: Leitfaden "Italienischer Prog der 70er Jahre")
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1976
Besonderheiten/Stil: Canterbury
Label: Vinyl Magic
Durchschnittswertung: 12/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Andrea Beccari Bass, Horn, Percussion, Gesang
Aldo de Scalzi Keyboards, Percussion, Gesang
Paolo Griguolo Gitarre, Percussion, Gesang
Giorgio Karaghiosoff Blasinstrumente, Percussion, Gesang

Gastmusiker

Fabio Canini Drums (5 & 6), Percussion (3.1, 5, 7)
Renzo Cochis Soundeffekte (4, 6)
Vittorio De Scalzi Flöte (3.2, 8)
Leonardo Lagorio Sax (5, 7)
Gerry Marangolo E-Gitarre (7)
Carlo Pascucci Drums (5, 7)
Ciro Perrino Percussion, Xylo-Marimba (3)

Tracklist

Disc 1
1. Merta 3:17
2. Cocomelastico 4:24
3. Seppia

1. Sottotitolo
2. Frescofresco
3. Rusf

10:16
4. Bofonchia 0:52
5. Napier 7:22
6. La Floricoltura die Tschincinnata 4:23
7. La Bolla 4:29
8. Off 4:48
Gesamtlaufzeit39:51


Rezensionen


Von: Sal Pichireddu @ (Rezension 1 von 3)


Canterbury liegt in Italien. Ja, doch, ehrlich, gleich hinter Genua muss es liegen. Wer nun an meinem geographischen Verstand zweifelt, der möge doch bitte einmal dem Debütalbum der Genueser Formation Picchio Dal Pozzo (etwa "Specht aus dem Brunnen" (!)) sein Gehör schenken. Schon die ersten Takte identifiziert man sofort mit jener Art von Musik, für die Canterbury berühmt geworden ist. Freilich ist Picchio Dal Pozzo kein weiterer Spin-Off der legendären Wilde Flowers, aus dessen Konkursmasse sich ja bekanntermaßen rund ein halbes Dutzend der einflussreichsten und bedeutensten Canterbury- Bands, allen voran Soft Machine und Caravan bildeten - Picchio Dal Pozzo ist vielmehr die erstaunliche musikalische Entwicklung des aus dem New Trolls- Umfeld stammenden Keyboarders Aldo De Scalzi (Bruder des NT- Kopfes Vittorio).

Das Album "Picchio Dal Pozzo", das übrigens einem gewissen "Roberto Viatti" gewidmet ist (was natürlich eine italienische Verballhornung von Robert Wyatt ist) ist fernab von jeglichen kommerziellen Zugeständnissen (was man vom Brüderherz und seinem Werk nicht immer sagen konnte). Aldo De Scalzi entwickelt, zusammen mit seinen Mitstreitern (u.a. in einer "Nebenrolle" eben auch sein Bruder & New Trolls- Missetäter Vittorio an der Flöte) kompromisslosen Canterbury, irgendwo im Grenzgebiet zwischen Rock, Prog und Jazz. Erstaunlich ist hierbei nicht die Genauigkeit, in der die Italiener die englischen Vorgaben imitieren können, erstaunlich ist, dass sich der italienische Prog Mitte der 70er immer mehr von seinen eigenen, spezifisch italienischen Wurzeln entfernte und nun Strömungen aufnahm, denen er sich vorher weitgehend entzogen hatte.

Das Album selbst kann man als weitgehend gelungen betrachten. Keiner wird bei einem Canterbury- Album substanziell etwas neuartiges erwarten können. Es liegt dann schon im Auge des Betrachters, pardon, im Ohr des Hörers, ob man mit den vorliegenden Improvisationen und Modulationen etwas anfangen kann, bemerkenswert sind die Nonsens- Texte, die immer wieder in die hauptsächlich instrumentalen Kompositionen eingestreut werden und den typischen Canterbury- Verfremdungseffekt noch steigern können, recht originell sind die zum Teil 4-stimmigen Chöre, die etwa auf 'La floricoltura di Tschincinnata' ("die Blumenkoltur (sic!) aus Tschincinnata (Cincinnati ?!)" (sic!!)) mit viel Humor den Wohlklang kirchlicher Kanongesänge mit schrägen Jazz-Elementen koppeln.

Das Debütalbum Picchio Dal Pozzo kann man bedenkenlos allen Canterbury- Fans empfehlen. Wer allerdings spezifischen Italo- Prog erwartet, der wird von dem Album enttäuscht sein. Paradoxerweise ist Picchio Dal Pozzo dennoch ein Beweis für die Ausnahmestellung der italienischen Szene in den 70ern.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: Soft Machine, Matching Mole, Hatfield & the North, Caravan
Veröffentlicht am: 16.7.2002
Letzte Änderung: 21.6.2013
Wertung: 11/15

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 2 von 3)


In der Tat, mit dem üblichen klassischen italienischen Prog hat die Formation aus Genua nichts am Hut. Zwar gab es in der Italo-Szene der 70er auch andere Bands, die sich stärker an angelsächsischen Vorbildern orientierten, aber während diese dann eher symphonischem Prog nacheiferten, ließen sich Picchio dal Pozzo von der weniger bekannten Canterbury-Szene inspirieren.

Das Ergebnis braucht sich hinter den Urvätern der Szene nicht zu verstecken. Beeindruckend, wie die Band es schafft, von locker fließenden Jams im besten Caravan-Stil zu schrägen Bläsersätzen und wieder zurück zu wechseln. Ein paar hübsche Stimmeinsätze sorgen für eine humoristische bis surreale Komponente. Nur das abschließende Off geht etwas in die Richtung des lyrischen Italoprog der 70er.

Klar, hier wird kein neuer Stil erfunden. Aber Picchio dal Pozzo adaptieren den Canterbury-Stil auf ihre ganz eigene Weise und liefern mit ihrem titellosen Debüt ein höchst eigenständiges Werk ab, das jedem Liebhaber dieser Richtung progressiver Rockmusik zu empfehlen ist.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 7.8.2006
Letzte Änderung: 23.10.2006
Wertung: 12/15

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Von: Horst Straske @ (Rezension 3 von 3)


Im unklar definierten Genre des Canterbury beheimatet exerzieren Picchio dal Pozzo auf ihrem Debütalbum in luftigen Jazzrockharmonien ein glasklar strukturiertes Klangbild, das zwischen entspannter Geschmeidigkeit und einem bisweilen avantgardistisch angehauchten Entdeckungsreichtum pendelt. In einer zartgliedrigen Ornamentik aus relaxten Bläsereinsätzen, behutsamer Percussion und zurückhaltender Elektronik entfalten die Kompositionen eine ebenso hypnotische wie auch unaufdringliche Eleganz, die den Hörer erst auf leisen Sohlen umgarnt, ehe mit dem Titel "Seppia" in einer nahzu atemberaubenden Dynamik der unbestrittene Höhepunkt des Albums gesetzt wird.

Die anfangs noch ätherisch-schwebenden Klangflächen werden hier im weiteren Verlauf von bizarren Tonfolgen getragen und von einem präzisen Drive vorangetrieben. Eine pulsierende Elektronik, abstrakte Jazzstrukturen und freie Soundfolgen geben sich hier vor allem im Mittelteil ein denkwürdiges Stelldichein, ehe im zweiten Teil wieder zum relaxten Ursprung zurückgekehrt wird.

Auch im weiteren Verlauf zeichnet sich das Album mit einem wohl disziplinierten Jazzrock aus, der sowohl von ätherisch-relaxten als auch flirrend-schroffen Passagen bereichert wird. Im unerwartet sanften Wohlklang von "Off" findet ein hervorragendes Album seinen Abschluss, das in einem ausgewogenen Jazzrock zwischen fast schon esoterischer Behutsamkeit und avangardistischem Erfindungsreichtum hin- und her pendelt. Mit der pauschalen Kategorisierung "Canterbury" wird man dem musikalischen Inhalt eigentlich nur am Rande gerecht.

Anspieltipp(s): Seppia
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 8.12.2009
Letzte Änderung: 8.12.2009
Wertung: 13/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Picchio Dal Pozzo

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1980 Abbiamo Tutti I Suoi Problemi 12.50 2
2001 Camere Zimmer Rooms 12.50 2
2004 Pic_nic@Valdapozzo 12.00 1
2010 A_live 11.00 2

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