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Five-Storey Ensemble

Night en Face

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: instrumental; Moderne Klassik; RIO / Avant
Label: AltrOck
Durchschnittswertung: 12/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Vitaly Appow Fagott, Sopransaxophon, Bass
Olga Podgaiskaya Klavier
Olga Polakova Flöte
Anastasiya Mosse Violine
Ilona Ies' Cello
Vyacheslav Plesko Kontrabass
Nikolay Siamitka Percussion (4)
Altona Sukliyan Oboe (5)
Vladimir Pashkevich Klarinette (7)
Andrey Verishka Marimba, Vibraphon (1,2,6,7)
Ekaterina Maretskaya Klavier (3)

Tracklist

Disc 1
1. Night Across the Street 4:43
2. The Respectable Booksellers 4:40
3. Makaó 2:11
4. Postmonition 3:34
5. Rearrive 5:58
6. The Road Away From... 6:15
7. Woods Are Worried From Boredom 6:31
8. Jupiter 5:05
Gesamtlaufzeit38:57


Rezensionen


Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 1 von 2)


Vier Jahre nach dem großartigen Debüt Not That City erschien Mitte 2017 endlich Night en Face, das zweite Album der weißrussischen Formation Five-Storey Ensemble, Nachfolgeband der 2011 aufgelösten Rational Diet. Die Besetzung hat sich in dieser Zeit etwas verändert, man könnte auch sagen: verschlankt. Die Stammbesetzung hat sich zum Sextett verkleinert und damit fast halbiert; Gitarre, Akkordeon und (weitgehend) Schlagzeug sind ebenso passé wie der Gesang, das neue Album ist komplett instrumental.

Schaut man sich die Instrumente der verbliebenen Besetzung an, kann man konstatieren, dass sich das Five-Storey Ensemble im Prinzip zu einem klassischen Ensemble gewandelt hat. Typische Instrumente der Rockmusik sind nicht mehr vorhanden (gut, der Bass noch), stattdessen werden praktisch nur noch Instrumente der klassischen Musik eingesetzt. Und schrieb ich zum Debüt der Band noch, es sei „eine Melange aus Kammermusik und slawischer Folklore“, so bietet Night en Face moderne Klassik pur.

Als das Five-Storey Ensemble gegründet wurde, hieß es ja, es wollte weg von „excessive complexity“ und „meaningless improvisation“, und dieser Maxime folgt auch Night en Face. Die Stücke sind relativ kurz, meist um die fünf, sechs Minuten, und wirken wieder äußerst diszipliniert, streng durchkomponiert. Der schwermütige, bisweilen sakrale Charakter des Debüts fehlt dabei diesmal weitgehend. Die Stücke, die fast alle von Olga Podgaiskaya stammen (nur Nr. 4 und 5 sind von Vitaly Appov) zeigen sich als reich instrumentierte kammermusikalische Kompositionen, die bei allen krummen Windungen doch nicht völlig unnahbar sind, bisweilen sogar richtiggehend lyrisch und dennoch ohne jeden Kitschfaktor daherkommen (der Anfang von Rearrive etwa), gelegentlich aber durchaus auch in fast freiformatige Gefilde vordringen können; etwa das seltsame Knarzen am Ende von Woods are worried from boredom, das einen scharfen Kontrast zum impressionistisch zarten Auftakt des Stücks bildet. Hm, solche Stellen können gerne öfter vorkommen. An typischen RIO im Stil von Univers Zéro erinnert eigentlich nur noch das dynamische, mit reichlich Schlagwerk versehene Postmonition.

Persönlich bedauere ich etwas den Wegfall es Gesangs und des Einflusses slawischer Folklore, beides hatte für mich das Besondere am Debüt des Five-Storey Ensemble ausgemacht. Großartige Musik bekommt man freilich auch auf Night en Face geboten, man muss sich eben darüber im Klaren sein, dass diese Musik jetzt noch weiter von jeglicher Art Rock entfernt ist.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 11.7.2017
Letzte Änderung: 11.7.2017
Wertung: 12/15

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 2 von 2)


Endlich ein zweites Album der Rational-Diet-Nachfolger Five-Storey Ensemble! Lange genug hat's gedauert - vier endlose Jahre mussten wir auf diese Scheibe warten.

Und Jochen hat Recht, das Five-Storey Ensemble hat sich zu einem Neoklassik-Ensemble gewandelt. Super! Ich stehe sehr darauf, wenn eine Band in der Lage ist, allein mit ihren Instrumenten jene Atmosphären zu erzeugen, für die weniger Begabte einen gigantischen produktionstechnischen Aufwand betreiben müssen. Das Five-Storey Ensemble, nun fast komplett vom Stromnetz getrennt (Vitaly Appow spielt offenbar an Stellen noch einen waagrechten Bass), ist genau auf dieses Können angewiesen - und beherrscht es perfekt. Düsternis, Verspieltheit, Neugier, Melancholie - die elf Musiker wissen all diese und noch mehr Stimmungen ausschließlich mit ihren Instrumenten klanglich auszudrücken. Beeindruckt schon sehr, wenn das jemand kann.

Wobei man nicht vergessen darf, dass es sich beim Five-Storey Ensemble um ein Neoklassik-Ensemble handelt. Dass klassische Musiker so etwas beherrschen, sollte demnach nicht überraschen. Es ist halt nur immer so verdammt schwer, sich nach so einer Scheibe wieder auf ein Album von Steven Wilson, oder Crippled Black Phoenix einzulassen. Da liegen Welten dazwischen, nicht nur musikalisch, auch was das Können angeht.

Aber da ich nun einmal im Herzen der Rockmusik verhaftet bin, sind es Sücke wie "The Road Away From..." und vor allem "Postmonition", die bei aller kammeriger Grundeinstellung Spuren von so etwas wie Rockmusik enthalten. Progressive Rock, genauer: RIO. Wo Jochen sich mehr seltsames Knarzen wünscht (zu Recht, denn Knarzen ist geil), sind es für mich vor allem diese RIOtischen Sachen, von denen ich gern mehr hätte. So gesehen, hat das Five-Storey Ensemble wohl das perfekte Album aufgenommen: Für die Knarzfraktion ist was dabei, für die Rio-Fraktion auch, und die Neoklassikfans, die's gern anregend haben, werden das Album sowieso lieben.

Tolle Scheibe!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 14.6.2018
Letzte Änderung: 14.6.2018
Wertung: 12/15
Große Empfehlo-Scheibe

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Five-Storey Ensemble

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2013 Not That City 12.00 3

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