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Kim Seviour

Recovery Is Learning

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: ArtPop; Melodic Rock / AOR; Rock / Pop / Mainstream
Label: White Star Records
Durchschnittswertung: keine Wertung (1 Rezension)

Besetzung

Kim Seviour vocals
John Mitchell guitar, bass , piano, synthesizer
Graham Brown drums

Gastmusiker

Liam Holmes keyboards on "Fabergé"

Tracklist

Disc 1
1. Chiasma 4:25
2. Call To Action 4:33
3. Connect 4:34
4. Fabergé 5:02
5. Mother Wisdom 5:08
6. The Dive 5:05
7. Where She Sleeps 3:32
8. Recovery Is Learning 4:39
9. Morning Of The Soul 5:09
Gesamtlaufzeit42:07


Rezensionen


Von: Peter Meyer @


Wenn sogar Kate Bush hier in den Besprechungen auftaucht, ist das mehr als eine Eintrittskarte für die ehemalige Touchstone-Sängerin Kim Seviour. Die hat das Etikett "Art&Progressive Rock" erhalten, zumindest von den Leuten, die ihre Platte unters Volk bringen sollen. Mit Prog ist außer dem schillernden Namen John (nicht Joni!) Mitchell allerdings nicht viel, da muss schon mal vorgewarnt werden. Ich betreibe nun keine biestige Verteidigung der Prog-Grenzanlagen, die Übergänge sind eh europäisch offen und fließend, fließender geht´s nicht. MelodicArtPopRock passt eher, womöglich mit suspektem Schielen auf größere Zielgruppen, und, ja, Airplay. Der Mainstream droht. Aber warum nicht?

2015 kehrte die hübsche Kim der Band Touchstone den Rücken; es heißt, gesundheitliche Gründe, das chronic fatigue syndrome, hätten sie zu dem Schritt veranlasst. Gut tat sie - was waren schon für schlimme Sachen über Touchstone zu lesen: „Billige, berechnende und darüberhinaus noch klebrige [Igitt!] Bombastplage voller dekorativer Unkonzentriertheiten“. Das ist rhetorisch brillant, aber vernichtend formuliert, wer mag sich jetzt noch herantrauen, an Touchstone?

Seit Ende Juli 2017 liegt also Kim Seviour´s erstes Soloalbum vor, das sie mit Hilfe von John Mitchell realisieren konnte, und, Freunde, traut euch ran! Mitchell wurde mit den Bands It Bites, Kino, Arena und noch ein paar anderen bekannt, ein Progger, wie er im Buche steht; er betätigte sich hier als Multi-Instrumentalist und Produzent. Kim singt und John macht „alles andere“, wie der Klappentext verrät. Nicht ganz, ein Keyboarder und ein Schlagzeuger sind auch noch dabei. Recovery Is Learning, was ich mal frei übersetze mit „Erholung ist ein Lernprozess“, rief schon kurz nach Veröffentlichung laut Information des Labels „incredible reactions“ hervor und konnte in den einschlägigen Fachmagazinen zuhause in England wohlwollende Kritiken einheimsen. Verständlich, Kim hat eine schöne Stimme, einen volltönenden (Mezzo)Sopran, nicht so quäkig wie Kates.

Das Cover lädt dazu ein, es genauer anzuschauen. Die Sängerin ist abgebildet, und sie behält den Betrachter fest im Blick, als kunstvolle Tuschezeichung mit violetten Haaren und einer Art Mundschutz. Ist dieser vielleicht ein Hinweis auf die „Recovery“, die „Health Issues“ wegen denen der Rückzug von der Band vollzogen wurde? Kann man spekulieren. Und das Artwork ist allemal besser als der alberne Fantasykram auf den Touchstone-Alben.

Die Texte sind sehr persönlich und handeln von Kims Problemen und Rückschlägen der vergangenen Jahre, alle Songs wurden von Seviour (Text) und Mitchell (Musik) gemeinsam geschrieben.

Akustisch besticht zunächst einmal die kristallklare Produktion, da hat Mr. Mitchell ganze Arbeit geleistet. Der Sound ist kraftvoll, die Melodien reichhaltig; in den ruhigen Passagen, etwa den Strophen, bestellt die engagiert/emotionale Sängerin fast allein das Feld, bevor sie wieder mit eleganter Hingabe in vielfältige und illustre Klanglandschaften eingebettet wird; die Musiker bewegen sich keinesfalls auf ausgetretenen Pfaden. Der Metal ist stark zurückgefahren, „recovert“ sozusagen, und findet sich hauptsächlich in ein paar satten Intros (Chiasma, Call to Action, The Dive) und Zwischenteilen einiger Songs. Der Focus liegt auf der klaren, variablen und ausdrucksstarken Stimme, es ist immer Platz für ein ansprechendes Gitarrensolo zwischendurch (Chiasma, Faberge, Mother Wisdom, The Dive, Morning of the Soul).

Fabergé wird mit einer gezügelten, unverzerrten Gitarrenbegleitung (clean guitar) eröffnet, bevor die Vocals selbstreflektierende Textzeilen offenbaren: “I’m sorry if I lied / In trying to disguise myself / Protect myself / Please / Please forgive me.” Das ist sehr emotional vorgetragen. Der Song bekommt im Verlauf des immer robusteren, schwelgerischen Klanggefüges einen eindeutigen Renaissance-Appeal. Nicht wegen der präzisen Vocals. An Annie kommt, vor allem im Oktavumfang, so schnell nichts heran. Es sind Arrangement und vor allem die Harmoniefolgen, die auf die spätsiebziger Songs der britischen Klassikprogger verweisen.

Das Schema mit ruhigem Beginn und stetiger Steigerung wird vorwiegend beibehalten, mal dynamischer, mal zurückhaltender. Auf Piano- oder Gitarrenintros werden Strophen aufgebaut, die Refrains sind dann symphonisch angelegt und von Mitchells Gitarrenriffs begleitet.

Desweiteren hervorzuheben und kennzeichnend für das Gesamtwerk sind das schnelle The Dive, Opening Track und Single-Auskopplung Chiasma mit explosiver Energie, bissiger Tiefe und einem dichten Arrangement, auf dem die verletzliche Seviour thront wie die Prinzessin auf der Erbse - Connect mit dem munter machenden Stakkato, an dem sich Gitarre und Bass abarbeiten. Vorübergehend wird aus dem 4/4- in einen 6/8-Takt und einen sphärischen Mittelteil gewechselt, Kims Gesang kommt wirksam zur Geltung.

Die Reihenfolge der insgesamt zuversichtlichen Songs ist sicherlich von Bedeutung, wurde aber etwas ungeschickt gewählt, weil die starken Tracks vorne sind und dem Album bei den Balladen Where She Sleeps, Recovery Is Learning und dem Beginn von Morning of the Soul langsam der Saft, zumindest aber ein wenig der Gitarrenstrom ausgeht.

Fazit: Guter Tip für Prog-Hörer, die sich bei Rock mit Pop-Elementen nicht angewidert abwenden.

Anspieltipp(s): Chiasma, Connect, Fabergé
Vergleichbar mit: Renaissance ab "Northern Lights"
Veröffentlicht am: 2.9.2017
Letzte Änderung: 3.9.2017
Wertung: keine als Pop/Rock-Album 11/15

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