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Moebius Story Leidecker

Familiar

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: instrumental; Elektronische Musik
Label: bureau b
Durchschnittswertung: 11/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Dieter Moebius
Tim Story
Jon Leidecker

Tracklist

Disc 1
1. Wrong 4.20
2. Zucken 5.54
3. Familiar 7.41
4. We need you in our Soups 4.38
5. Block Bow 5.53
6. Vexed 15.26
Gesamtlaufzeit43:52


Rezensionen


Von: Siggy Zielinski @ (Rezension 1 von 2)


„Familiar“ ist nach Snowghost Pieces bereits das zweite Album des Elektronik-Trios Moebius Story Leidecker.

Alle die Aufnahmen, die man auf „Snowghost Pieces“ und „Familiar“ bestaunen darf, sind während eines Treffens zwischen Tim Story, Jon Leidecker und Dieter Moebius entstanden, das 2012 in einem malerisch in Glacier National Park (Montana, USA) gelegenen Studio „Snowghost“ von Brett Allen stattfand. Die Initiative für das interkontinentale Treffen ging von Jon Leidecker aus, der Teil eines locker organisierten Musiker-Kollektivs ist.

Der Titel und damit auch das Artwork kamen auf einem unerwarteten Weg zustande. Während die anderen bei den Ausflügen die Schönheit von Rocky Mountains bewunderten, entdeckte Dieter Moebius einen weggeworfenen Markierstift auf dem Boden. Der von Menschen verursachte Abfall kam allen natürlich bekannt (auf Englisch: familiar) vor.

Für einen großen Teil der Musik auf „Familiar“ könnte man glatt die Beschreibungen zu Snowghost Pieces wiederverwenden. Die inmitten der urwüchsigen Natur entstandene elektronische Musik lässt sich vom Aufbau her in mehreren Stücken mit einem ziemlich durchgedrehten Uhrwerk vergleichen, in dem zahlreiche Zahnrädchen und Hämmerchen entweder zu der Entstehung von einem bunten und quicklebendigen Ganzen beitragen, oder durch ihre überraschenden und scheinbar störenden Klänge der Musik einen anarchistischen und experimentellen Anstrich verleihen. Dabei werden die melodischen Akzente auch nicht völlig vernachlässigt.

(Durch das perkussive Element und die Charakteristik vieler Klänge ist mein Gesamteindruck nicht unbedingt immer rein elektronisch, sondern vielmehr elektroakustisch. Ich könnte mir auch ein Perkussion-Ensemble vorstellen, das diese Musik interpretiert).

Neben den auf die oben beschriebene Art gestalteten „Wrong“, „Zucken“, „Block Bow“ und „Familiar“ kommt in „We need you in our Soups“ eine entspannte Version der „Uhrwerk-Musik“ zum Einsatz, die verstärkt eine melodisch-melancholische Komponente zur Geltung kommen lässt.

In dem Longtrack „Vexed“ trifft die dichte „Puzzlestein-Musik“ auf die finster, oder melancholisch eingefärbten Melodiefragmente. Diese können speziell in dem zweiten, viel entspannteren Teil schon mal durch E-Piano, Cello- oder Gitarrenklänge vermittelt werden. Wie an anderen Stellen des Albums auch, kann der aufmerksame Hörer in „Vexed“ stellenweise wohltuende Pianoklänge ausmachen.

Eine geile Scheibe für Freunde von ungewöhnlicher elektronischer Musik!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 3.10.2017
Letzte Änderung: 3.10.2017
Wertung: 11/15

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 2 von 2)


In Zeiten, in denen Musiker über Kontinente hinweg zusammenarbeiten können ohne sich dabei zu begegnen, mutet das Vorgehen der Herren Moebius, Story und Leidecker schon fast wie ein Anachronismus an. Einfach mal sich für ein paar Tage in ein Studio zurückziehen, noch dazu in einer abgelegenen Gegend in den Bergen Montanas… das ist ja so was von letztes Jahrhundert!

Jedenfalls entstand auf diese Weise die Musik, von der ein Teil bereits vor einigen Jahren den Weg auf Snowghost Pieces und ein weiterer Teil im Herbst 2017 auf Familiar fand. Von daher ist es kaum überraschend, dass beide Alben im Grunde genommen recht ähnlich klingen. Dennoch hat Familiar einen etwas anderen Charakter. Tim Story schreibt, es enthalte „etliche der ruhelosesten und abstraktesten musikalischen Arbeiten“ aus jenen Tagen, und das kann man so stehen lassen. Die Musik, die mancher vielleicht gar nicht als solche bezeichnen würde, besteht nun fast nur noch auch allerlei perkussiven Sounds, die oft gar nicht so elektronisch klingen. Ein permanentes Durcheinander plingender, plongender, rasselnder, krusselnder und klappernder Geräusche.

Zu all den perkussiven Geräuschen gesellen sich weitere Klänge, die sich schon eher als elektronisch erzeugt klassifizieren lassen. Da zischt, quietscht, ziept und fiept es immerzu, wobei diese Klänge meist etwas im Hintergrund gehalten sind. Das alles wird bunt zusammengewürfelt, als hätte ein Kind seine Bauklötzchen durcheinander geworfen, und vereint sich auf seltsame Weise doch zu einem stimmigen Ganzen; als wirklich „abstrakt“ würde ich diese Klänge daher nicht bezeichnen, auch wenn sich allenfalls in Ansätzen so etwas wie eine melodische Struktur entwickelt; in den impressionistischen Einwürfen des Klaviers im abschließenden Vexed etwa.

Familiar ist ein gelungenes und originelles Elektronik-Album in der Tradition der Klänge aus dem Weserbergland. Man kann es wohl als das Vermächtnis des Mitte 2015 verstorbenen Dieter Moebius betrachten.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 4.11.2017
Letzte Änderung: 4.11.2017
Wertung: 11/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Moebius Story Leidecker

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2014 Snowghost Pieces 11.00 1

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