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Markus Stauss Artgenossen

Treasures of Light

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: improvisiert; instrumental; Jazz; Jazzrock / Fusion; RIO / Avant; sonstiges
Label: Fazzul Music
Durchschnittswertung: 11.67/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Richard Koch trumpet
John King electric guitar
Damien Campion bass, electric bass
Remy Sträuli drums
Markus Stauss tenor & soprano sax, flute

Tracklist

Disc 1
1. Artgenossen 7:51
2. Meditations 10:12
3. Lost & Found 7:09
4. Roundtrip 10:01
5. Bijou 1:56
Gesamtlaufzeit37:09
Disc 2
1. En Route 9:06
2. Neues Licht 12:10
3. More Patterns 9:56
4. Zeit Los 5:50
Gesamtlaufzeit37:02


Rezensionen


Von: Volkmar Mantei @ (Rezension 1 von 3)


Markus Stauss ist ein alter Hase im lauten Geschäft, ein persönlich eher stiller Mann mit ausgeprägtem Sinn für deftiges Gebläse. Wie viele eigene Projekte seit dem Trio Infernal (1984 „Zwischenspiel“) der Saxophonist, der an zahllosen Bands und Orchestern beteiligt war, immer wieder ins Leben rief: etwa Ulterior Lux, Spaltklang oder Tank Zappa Grappa in Varese?, ist kaum zu zählen (aber auf seiner Webseite nachzulesen). Immer wieder aktivierte er sein Baby Überfall, von dem es etliche Alben gibt, seit 1986. Damals hieß es noch „…in alle Ewigkeit“. Erst 2013 legte das Bandprojekt wieder ein fabelhaftes Album vor. Doch damit ist jetzt Schluss, wie Markus Stauss meint.

Das neue Projekt heißt in Kurzform Stauss Art, in Langform Markus Stauss Artgenossen. Und gleich das Debüt ist ein Doppelalbum, 2 CDs mit jeweils um 37 Minuten Spielzeit. Was? Das hätte doch auf eine CD gepasst! Ja, aber das wäre nicht so spaßig, nicht so konzentriert und organisiert.

Die Band arbeitet rein instrumental und es geht rau zur Sache. Hier wird Rohholz bearbeitet. Das ist weniger lyrischer Schöngeist als vielmehr kraftvolle, rasante Ausarbeitung kerniger Ideen. Die Gitarre darf punkig kratzen, der Trompeter bläst mit Wucht und das Saxophon donnert mit Verve. Das Schlagzeug poltert wild (unser allerliebster Remy!), lediglich der Bassmann hält den Boden fett und warm.

Die Kompositionen sind so etwas wie die No Wave-Antwort auf Jazzrock, 1982 trifft auf 1972, es geht radikal und laut zur Sache, Feinarbeit ist nicht im Geiste des Erfinders. Und die Chose macht Spaß. Es rockt und rollt wie verrückt und bei aller Jazzlastigkeit steht das Fundament der Songs stets tief und fest im knackfrischen Rock verankert. Gut zu hören, wie Markus Stauss seinen Leuten zuruft: wenn Du ab jetzt dein Solo spielst, dann dreh ordentlich auf, mach Krach, donnere, poltere, wühle alles auf, mache es radikal, ich will Noise, es soll schräg und kantig sein, brutal meinetwegen.

Und weil die Herren, die den Fünfer komplett machen, die Pubertät in der Tat bereits abgeschlossen haben und per se nicht mehr so auf wilden Krach aus sind, machen sie alles mit ausgeprägt lässigem Sinn für schwarzen Humor. So werden selbst dezent leise Passagen, wenn es eher jazzbetont zugeht und: Ha, jetzt, der Bassist solistisch aktiv und urplötzlich aus dem punkverseuchten Artrock Freejazz wird, ein erlesen radikales Basssolo und schließlich Duo-Solo mit dem Saxophon ins Freie stößt, unglaublich lebhaft dargestellt. Besonders schön ist die technisch meisterhafte Arbeit des Trompeters Richard Koch, was für ein begnadeter Handwerker! Sein Spiel ist die Krönung dieses Schaffens. Aus Jazz-Sicht.

Der Chef des Ganzen nimmt sich solistisch nicht zurück. Mit innerer Ruhe, handwerklicher Gelassenheit und einem ausgeprägten solistischen Sinn ackert der Jazzer sich free und freundlich in das herzhaft rumpelnde Rockgeschehen ein. Seine Soli stehen oft frei da, die Band nimmt sich zurück, baut den Rahmen sanft aus, während sein Saxophon die Töne wie von selbst findet.

Und dann: Damien Campion – von wegen: lediglich. Hört euch in „Roundtrip“ mal sein Solo an. Heavy Punk Jazz Metal könnte man das nennen, wenn diese Worte nicht alle schon abgenudelt und schlapp geworden wären. Wie das Gros der Musikszene, die aus dem Blues und Folk erwachsen ist, was zu Jazz und Rock wurde und heute so vielseitig (und oft belanglos) die Welt betäubt.

„Treasures of Light“ will aufwecken. Es brüllt uns an: so geht das! Es werde Lärm! Macht die Fenster auf, schmeißt den Muff raus, tanzt im Garten, küsst die Schweine in der Suhle, klettert auf Bäume, kneift euch in den Arm, hackt Holz, springt über die Hecke, schreit den Keller an. Macht was! So wie wir!

Anspieltipp(s): Roundtrip, More Patterns
Vergleichbar mit: Überfall
Veröffentlicht am: 28.10.2017
Letzte Änderung: 27.10.2017
Wertung: 11/15

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 2 von 3)


Nachdem die zuletzt bei mir gelandeten Alben aus dem Hause Stauss überwiegend freiformartige Klangimprovisationen enthielten, war es jetzt wohl an der Zeit, mal wieder die Sau rauszulassen. Im Quintett mit dem Meister selbst an Saxophon und Flöte, verstärkt um Trompete, Gitarre, Bass und Schlagzeug, knallt man der geschätzten Hörerschaft einen derb-dreckigen Jazzrock um die Ohren, einen, bei dem das "Jazz" ebenso groß geschrieben wir wie das "Rock", und bei dem "derb" und "dreckig" am größten geschrieben werden.

Gitarrist John King macht mir dabei besondere Freude. Seine messerscharfen, ebenso kernigen wie kantigen Einwürfe zerfressen mir schier das Hirn. Da kommen immer mal Erinnerungen an John Zorns Simulacrum-Trio hoch, dessen Gitarrist Matt Hollenberg wohl eine Art Bruder im Geiste ist. Dazu wird das Gebläse gerne in verschlungenen Linien getrötet, wobei bisweilen auch quietschende, kreischende, knurrende und würgende Geräusche damit erzeugt werden. Hin und wieder setzt Trompeter Richard Koch eine Art Dämpfer ein, der einen geradezu Slapstick-artigen Charakter in die Musik bringt. So eine Art Avant-Version vom „Väter der Klamotte“-Soundtrack… Der donnernde Bass und das variable Schlagzeug runden die Musik ab.

Das Quintett wechselt mühelos zwischen halbwegs normalem Jazz, freejazzigen Passagen und kantigem Avant-Rock, was bisweilen recht abrupt geschieht, aber stets passend wirkt. Dabei legen sie trotz aller Lust am Lärm kein Höllentempo vor, nehmen im Gegenteil mehr als einmal das Tempo stark zurück, um die Bläser quälend langsam vor sich hin knurzen zu lassen. Was immer „knurzen“ bedeuten mag, aber es klingt nun mal so. Und bald darauf legen sie wieder los, werden die Hörner kräftig durchgepustet und in die Saiten geschreddert. Einfach schön. Na, einfach nicht, aber schön. Jedenfalls für Jazzcore-Liebhaber.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 6.11.2017
Letzte Änderung: 6.11.2017
Wertung: 12/15

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 3 von 3)


Wow!

Krass!

Was Ihr nicht mitbekommt: Wir diskutieren hier hinter den Kulissen der BBS immer mal wieder und gerade mal wieder, und heiß, was Prog ist, oder treffender, wo dieser seine Grenzen hat. Gar nicht so einfach bei einem Genre, das ohnehin schon eher ein Schnittmengengenre ist, zwischen Rock, Jazz, Klassik, spätestens seit den 80ern auch Metal, und Weißgottnichtwasnochallem. Noch dazu ist es eine Art Metagenre, weniger durch einen wiedererkennbaren Sound geprägt als vielmehr durch musikalische, kompositorische Features. Prog kann immerhin verkleidet als Folk, Metal, Rock, Pop, ja sogar als Klassik daherkommen, und ist doch immer Prog.

Und Markus Stauss und seine Artgenossen verkomplizieren das auch noch…

Herrlich! Denn wir sind schließlich Progfans, wir mögen's kompliziert. Behaupten wir jedenfalls gern. Also, das hier ist kompliziert. Die Artgenossen bewegen sich bewusst im Grenzbereich von allem Möglichen: Jazz, Jazzrock/Fusion, Rock, Prog, Avant, und als würde das nicht reichen, wird auch noch improvisiert. Nicht nur. Und Väter der Klamotte, das ergänzt Jochen ganz zu Recht.

Die Musiker, allesamt gestandene Herren, lassen dabei immer wieder ihren inneren Punk raus: aggro, wütend, Krach, monströse Beiträge von John King und Damien Campion bleiben dabei besonders im Ohr, diese Jungs sind echte Fräsen. Die Bläser bleiben demgegenüber öfter auf der zivilisierten Seite, knurzen, farzen und schnärzen zwischendurch aber ebenfalls los. Was zur Hölle erzeugt dieses Brubbeln in "En Route" ab etwa 5:30? Eine Trompete? Krank. Auf "Neues Licht" wird sogar gegurgelt. Wisster? So wie Kinder nach dem Zähneputzen gurgeln, bevor sie merken, dass sie dabei gar keinen Ton erzeugen müssen. Gäbe es das Wort "niärc" nicht bereits, man müsste es erfinden, um die Musiker der fünf Freunde zu beschreiben.

Und dann wieder schlägt die Musik Haken, oder biegt doch zumindest recht zügig um ihre Kurven: Dann erklingt wieder harter, kurz sogar überraschend straighter Rock, oder sanfter, kurz sogar überraschend klassischer Jazz.

"Treasures of Light" ist also defi ein Grenzgängeralbum. Die Musiker haben hier Grenzgänge versucht, die Musik bewegt sich von Grenze zu Grenze, und für uns, klassischen Prog gewöhnte Hörer ist sie erst Recht ein Gang an unsere Grenzen. Herrlich!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: den besten Alben von/mit Stauss
Veröffentlicht am: 14.11.2017
Letzte Änderung: 14.11.2017
Wertung: 12/15
Ein Album im Grenzbereich zwischen Knurzcore und Schnärzcore

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