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Solaris

NOAB - Solaris Archive 2

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2005 (Aufnahmen von 1982)
Besonderheiten/Stil: instrumental; live; Klassischer Prog
Label: Periferic Records
Durchschnittswertung: 11/15 (1 Rezension)

Besetzung

István Cziglán Guitars
Bogdán Csaba Guitars
Róbert Erdész Keyboards
Attila Kollár Flute, Sax
Gábor Kisszabó Bass
Vilmos Tóth Drums, Percussion
Ferenc Raus Drums, Percussion

Tracklist

Disc 1
1. NOAB 21:48
2. Szep, uj vilog 3:58
3. Marrakech 7:45
4. Toatelle 5:54
5. Ujjaszuletes-2 11:09
6. Dr. Mabuse ezR szame   (Bonustrack) 5:31
Gesamtlaufzeit56:05


Rezensionen


Von: Achim Breiling @


Im Jahre 2000 erschien mit "Back to the roots... - Solaris Archive 1" ein Archivalbum mit Liveaufnahmen aus den Anfangstagen der ungarischen Progformation (Mitschnitte aus dem Jahre 1980), dessen Titel andeutete, dass da weitere Teile geplant waren. In der Tat ist im Beiheft nämlicher CD zu lesen (der Text ist in Englisch verfasst), dass man im Rahmen des 20-jährigen Bandjubiläums (wir befinden uns wie gesagt im Jahre 2000 – die Band wurde 1980 gegründet) eine dreiteilige Serie mit bisher unveröffentlichten Aufnahmen plane (oder, eigentlich erweckt man den Eindruck, dass die anderen beiden Teile gleichzeitig mit "Back to the roots... - Solaris Archive 1" erscheinen), wobei Teil 1 die Anfangstage der Band, also das Jahr 1980 abdeckt. Hinten auf dem Einlegeblatt sind dann auch die Cover der drei Alben abgebildet: "Back to the roots" in blau (und einer Marsianermaske), "NOAB" in grün (und zwei Masken), und "Los Angeles 2026" in rot (drei Masken).

Offenbar gab es dann aber Probleme, denn das hier rezensierte "NOAB - Solaris Archive 2" erschien erst 2005, während Teil drei bisher (Herbst 2017) nicht veröffentlicht wurde. Wann die auf "NOAB" zu hörende Musik aufgenommen wurde ist etwas unklar. Der umfangreiche Beihefttext ist hier nur in Ungarisch vorhanden, und ein Produktionsjahr ist nirgends zu finden. Im Text tauchen vornehmlich die Jahreszahlen 1980, 1982 und 1984 auf, wobei 1982 eindeutig in der Mehrheit ist. Fand das hier festgehaltene Konzert daher im Jahre 1982 statt? Die ersten 5 Nummern stammen vermutlich von ein und demselben Konzert, und haben exzellente Klangqualität. Die Stücke gehen ineinander über, bzw. werden von Ansagen in der Landesprache getrennt. Zwischen Track 5 und dem abschließenden "Dr. Mabuse ezR szame" gibt es dann allerdings fast zwei Minuten Pause. Der Klang ist deutlich schlechter, was wohl der Grund dafür ist, dass die anderswo mitgeschnittene Nummer als "absolute Bonus" bezeichnet wird.

Nehmen wir also einmal an, dass "NOAB" Konzertmaterial aus dem Jahre 1982 enthält, Stücke also, die wie die von Teil 1 noch vor dem erst 1984 erschienen Debütalbum (siehe "Marsbéli Krónikák") entstanden sind. Die hier zu hörende Besetzung ist auch weitestgehend identisch zu der auf "Back to the roots" (die im Weltweiten Netz als erstes klassisches Lineup der Band genannt wird), während die Marschroniken mit einer stark veränderten Band entstanden sind.

Einen ausladenden, komplex-verschachtelten Instrumentalprog haben Solaris hier im Angebot, der meist von Attila Kollers Querflöte dominiert wird. Dazu kommen allerlei elektronisches Wabern, Hupen und Solieren von den Tasten, die sich umtanzenden und duellierenden doppelt besetzten E-Gitarren, und natürlich die Rhythmusabteilung. Das Ganze wird schwungvoll vorgetragen, schwebend-mächtig bis deftig-rockend, mal mit jazzig-rockigem Charakter, mal klassisch-progressiv wuselnd, mal elektronisch-symphonisch hallend. Bisweilen erinnert die Musik ein wenig an die Spät-70er-Werke von Pink Floyd (in "Ujjaszuletes-2" z.B.), doch entwickelt die Band (noch deutlicher als auf der ersten Archivscheibe) alles in allem einen durchaus eigenen Stil, geprägt vom originellen Gemenge aus Flöte, Doppel-Gitarren und voluminösem Tastenwerk.

Nach den 80er-Jahren klingt die Musik kaum, wobei der recht fette Sound und auch das eine oder andere Keyboardtimbre schon andeuten, dass wir uns nicht mehr in den 70ern befinden. Ein paar Sequenzermuster und einige der von Erdez verwendeten Synthesizerklänge gemahnen auch an den Spät-70er-Früh-80er-Sound von Tangerine Dream. Höhepunkt des Albums ist natürlich das ausladende Titelstück, eine sehr farbige Progsuite, die jedem Longtrack-Adepten sehr viel Spaß machen sollte. Aber auch die kürzeren Nummern haben hohe Qualität, insbesondere das jazzig-verspielte "Marakech". In "Toatelle" ist Attila zudem am Saxophon zu hören (begleite von allerlei satten Tastenschüben), was den jazzigen Charakter der ansonsten symphonisch-progressiven Musik noch verstärkt.

"NOAB" ist somit ein sehr unterhaltsames Tondokument aus den frühen Tagen von Solaris, dessen musikalische Qualität den späteren Studiowerken ebenbürtig ist, oder diese sogar noch übertrifft. Progressiver und rockiger als "Marsbéli Krónikák" ist das hier zu Hörende meist, wenn auch weniger atmosphärisch. Kurzum, wer klassischen Prog mit eher ungeschliffener Liveatmosphäre schätzt, der sollte sich die beiden Solaris-Archivscheiben zulegen, so er sie noch irgendwo auftreiben kann.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 1.11.2017
Letzte Änderung: 9.6.2018
Wertung: 11/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Solaris

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1984 Marsbéli Krónikák 10.50 2
1990 1990 8.50 2
1995 Live in Los Angeles 11.00 1
1999 Nostradamus Book of Prophecies 6.50 2
2000 Back to the roots... - Solaris Archive 1 9.00 1

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