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Major Parkinson

Blackbox

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: ArtPop; Gothic; Independent / Alternative; Moderne Electronica; New Artrock; Postrock; Psychedelic
Label: Karisma Records
Durchschnittswertung: 12.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Jon Ivar Kollbotn Gesang, Klavier
Sondre Rafoss Skollevoll Gitarre, Gesang, Synthesizer
Øystein Bech-Eriksen Gitarre
Claudia Cox Violine, Gesang
Lars Christian Bjørknes Klavier, Synthesizer, Keyboard, Programmierung, Gesang
Eivind Gammersvik Bass, Gesang
Sondre Sagstad Veland Schlagzeug, Percussion, Gesang

Gastmusiker

Linn Frøkedal Gesang
Carmen Boveda Cello
Jonas Flemsæter Hamre Saxofon
Joar Lemme Posaune
Gunleik Gisletveit Tuba
Logan Arndt Horn
Andreas Hesselberg Hatzikiriakidis Trompete
Nataniel Hjønnevåg Xylofon
Thomas Rolland Pfeifen
Megan Kovacs Gesang
Thea Meidell Sjule Chor
Idunn Strøm Myklebust Chor
Frida Ekerhovd Chor
Kaja Linder Henriksen Chor
Ann Christin Jenssen Chor
Kristine Norebø Chor
Signe Wiger Chor
Kine Granum Chor
Malene Moen Sætre Chor
Solveig Foldnes Dybsland Chor

Tracklist

Disc 1
1. Lover, Lower Me Down! 4:47
2. Night Hitcher 5:46
3. Before The Helmets 1:26
4. Isabel - A Report To An Academy 9:41
5. Scenes From Edison's Black Maria 1:46
6. Madeleine Crumbles 5:06
7. Baseball 10:20
8. Strawberry Suicide 2:57
9. Blackbox 5:48
Gesamtlaufzeit47:37


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @ (Rezension 1 von 2)


In der Systemtheorie ist eine "Blackbox" bekanntermaßen ein Bauteil, dessen innerer Aufbau nicht von Interesse ist und dessen Bedeutung alleine aus In- und Output besteht. Wenn ich das so benannte neue Album von Major Parkinson in dieser Rezension als eine solche Blackbox behandeln würde, dann könnte ich auf eine genauere Beschreibung der Musik auf dieser Platte pfeifen und stattdessen einfach die Wertung hinknallen - fertig! In diesem Fall bin dann allerdings ich die Blackbox mit "Blackbox" als Input und der Note als Output, und so weit will ich es dann doch nicht kommen lassen. Stattdessen sei vorab die Bermerkung gestattet, dass "Blackbox" offenbar von langer Hand vorbereitet wurde, denn die Single "Madeleine Crumbles" wurde bereits vor gut einem Jahr veröffentlicht, fügt sich auf dem Album aber klanglich wie kompositorisch nahtlos ein. Vorstellbar ist natürlich auch, dass Major Parkinson binnen einen Jahres ein ganzes Album um "Madeleine Crumbles" herum aus dem Boden gestampft hätten, aber das mag ich dann doch nicht glauben.

Nun also zur Musik: Es scheint, dass Major Parkinson einmal mehr mit der eigenen (und der fremden) Vergangenheit brechen. An die auf den ersten beiden Alben noch so präsenten Versatzstücke aus Rockabilly, Surfrock, Doo-Wop und anderen Stilen der 50er und 60er Jahre erinnert kaum noch etwas (allenfalls einige Twist-Passagen im Longtrack "Baseball" fallen in diese Rubrik), und überhaupt hat sich das Klangbild der Band doch deutlich gewandelt. Die übliche Rock-Instrumentierung aus Gitarre und Bass wird weitestgehend zurückgedrängt und bekommt höchstens solistisch wie beispielsweise mit dem Twang-Part am Ende von "Lover, Lower Me Down!" gehobene Aufmerksamkeit. Stattdessen besteht das Rückgrat der Songs auf "Blackbox" nunmehr überwiegend aus massiver Elektronik, die mit Loops und Sequenzen eine finstere, morbide Stimmung erzeugen. Den bunten Gegenpart hierzu bilden dagegen Klaviereinsätze sowie das Heer an Gastmusikern, das allerdings mit den Orchestermomenten kaum auf Bombast aus ist, sondern eher für burleske, teils Kirmes-artige Töne sorgt, zeitweilig aber auch anstelle der Rock-Instrumentierung tritt, indem beispielsweise in "Isabel - A Report To An Academy" das Cello gemeinsam mit dem Klavier rifft.

Ein Gegensatz findet sich auch noch im Gesang: Linn Frøkedals kühle Chanson-Stimme à la Nancy Sinatra steht dem bekannten Organ von Jon Ivar Kollbotn gegenüber, der sich hier allerdings überwiegend auf Sprechgesang in tiefen Lagen verlegt und mit dieser Grabesstimme fraglos zur Elektro-Atmosphäre beiträgt. Hiermit wird deutlich, dass sich auch diesmal wieder einiges in den Songs tut und trotz der depressiven, unterkühlten Grundstimmung des Albums genug Platz für aberwitzige Einwürfe und Klangexperimente ist. Folglich findet sich auch in den Kompositionen wieder ein interessanter Gegensatz aus Eingängigkeit und Komplexität, denn selbst in den Longtracks ("Isabel", "Baseball") werden zu verschiedenen Zeiten immer wieder vorübergehend mal liedhafte Formen angewandt. Fix ist das aber jeweils nicht, denn jederzeit kann ein Refrain zu einem wilden Instrumentalpart (unter kunstvoller Verarbeitung der Melodien) eskalieren oder eine Strophe melodisch ("Blackbox") oder von Arrangement und Begleitung her ("Isabel") völlig variiert werden. Und auch vor purem Krach wie am Ende von "Isabel" ist man auf "Blackbox" nicht sicher.

Auch sonst fallen noch genügend spannende, höchst eigenwillige Details auf. So gibt es allerlei krumme Takte (11/8 in "Lover, Lower Me Down", 10/4 in "Night Hitcher"), vor allem aber wieder eine schöne thematische Gestaltung (die Melodie von "Lover, Lower Me Down" wird in "Isabel" und "Baseball" aufgegriffen, die Klavierballade "Before The Helmets" nimmt "Madeleine Crumbles" vorweg) und auch noch ein ganzer Haufen lustiger Selbst- und Fremdzitate. So wirkt "Lover, Lower Me Down" wie eine böse Variante von "Ecophobia" (und das darin vorgestellte Thema scheint der Zwilling von "Twilight Cinema" zu sein), "Blackbox" setzt ähnlich wie "Heart Machine" auf Industrial-Sounds, das Hauptmotiv von "Madeleine Crumbles" ist so neckisch und penetrant wie das von "Heart Of Hickory". Mit Bezügen auf andere Bands wird's sogar noch abgedrehter: In "Isabel" taucht die verräterische Formulierung von einer "fly on a windshield" auf, und "Baseball" greift dann gleich direkt das markante Arpeggio aus "Carpet Crawlers" auf, zudem gibt's im selben Song noch diesen bekannten Galopp aus "Knights Of Cydonia" (samt passenden Trompetensoli).

Man merkt: Major Parkinson haben sich für "Blackbox" richtig ins Zeug gelegt, und größtenteils (lediglich die Klavierballade "Strawberry Suicide" wirkt etwas konturarm) geht diese Rechnung auf - es ist wieder mal ein kompromissloses Album herausgekommen, das eingängige Momente mit außerordentlicher Schroffheit abwechselt, die "Twilight Cinema" und Vorgänger wie übertriebenen Wohlklang erscheinen lässt. Freilich hat dieses Vorgehen den Nachteil, dass "Blackbox" im Ganzen dann doch nicht so leicht zu schlucken ist, teils gar monolithisch wirkt - aber umgekehrt kann man sich dafür eben umso länger mit diesem Album beschäftigen. Als Blackbox sollte man "Blackbox" dabei allerdings besser nicht auffassen.

Anspieltipp(s): Night Hitcher, Isabel - A Report To An Academy, Madeleine Crumbles
Vergleichbar mit: diesmal eher Liserstille und Leprous - und "The Lamb Lies Down On Broadway"
Veröffentlicht am: 10.11.2017
Letzte Änderung: 11.11.2017
Wertung: 13/15
Anders als "Twilight Cinema", aber trotzdem oder gerade deswegen beinahe gleichauf

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Von: Peter Meyer @ (Rezension 2 von 2)


Ein Geschätzter Kollege der BBS schrieb einmal sinngemäß: „Die Elemente des musikalischen Baukastens anders und spannend anzuordnen - das ist progressiv!“ Genau diesen Satz spiegelt die Musik auf „Blackbox“ wieder. Interessant ist sie auf alle Fälle für den Parkinson-Ersthörer. Für jemanden, der mit der Musik der sieben Norweger noch keine Vorstellungen verbindet (somit keine bestimmten Erwartungen an eine neue Veröffentlichung hat und nicht enttäuscht werden kann). Aus dieser Perspektive betrachtet, kann der Inhalt dieser schwarzen Kiste, wenn überhaupt, nur angenehm überraschen.

Zunächst einmal zu den visuellen Qualitäten. Das wie ein Klappaltar zu öffnende Cover ist in herbstlich trüben Tönen gehalten. Darin erscheint neben einem wolkenverhangenen Nachthimmel und einer langen Treppe, die aus einem dunklen Verlies ins gleißende Licht führt, das Antlitz einer Person als schwarzes Loch. Surrealistisch, obwohl Magritte, der im Text von Isabel neben einigen anderen weltbewegenden Malern genannt wird, wohl nicht so weit gegangen wäre. Das ist also schon mal furchteinflößend. Handelt es sich etwa um Death-Metal? Wüstes Geschrei?? SikTh??? Weit gefehlt! Schon die ersten Takte von Lover, Lower Me Down weisen darauf hin, was den Hörer in den kommenden knapp 48 Minuten erwartet: Melodien von erhabener Schönheit in einer abgründigen Klanglandschaft. Die Leere, die das Cover suggeriert, wird mit profunder musikalischer Kreativität gefüllt.

Es gibt, wie in einem Baukasten mit vielen verschiedenen Elementen - um beim obigen Bild zu bleiben - viele sehr unterschiedliche Teile, hier als musikalische Gegensätze verpaart: Finsternis/Helligkeit, Herzlichkeit/Abweisung, Schlichtheit/Komplexität - eine Partitur der Kontraste. Ein zentrales Kontrastpaar sind der knurrig/angehauchte Sprechgesang in tiefsten Lagen von Jon Ivar Kollbotn einerseits und die warme, lichtsetzende Folkstimme von Linn Frøkedal andererseits.

Night Hitcher ist so ein Arrangement: Erbarmungslos krummtaktig in 5/4 gehalten, wird die gleichermaßen paranoide wie klaustrophobische Atmosphäre von Kollbotns unheilvollen Vocals, schmatzigem Bass-Synthesizer und subversiven Keyboardflächen gehalten, bevor Linn Frøkedals Stimme und der zehnköpfige „Female Choir by Volve Vokal“ Weite und Zuversicht erzeugen. Das Ergebnis ist eine suggestive Glanztat, die nicht mehr aus dem Ohr geht. Klassiker!

Isabel: A Report to an Academy ist ein Stück, das sich etwa anhört, wie sich eine Gothic Novel liest. Hier werden philosophische Dimensionen offenbar, der schwer fassbare Text zitiert Platon, Nietsche, Russell und Heidegger. Gemäß oben beschriebener Verhältnisse werden der schwermütigen Klanginszenierung heitere folkloristische Extravaganzen und kinderliedhafte Melodien mit infantilen Abzählreimen entgegengesetzt. Eine der witzigen Ideen besteht darin, eine Schreibmaschine als Percussioninstrument zu zweckentfremden. Nach 9 Minuten endet dieser Abschnitt in einer kontrolliert gesteuerten Kakophonie.

Ein weiteres Highlight stellt Baseball als einer von zwei Longtracks dar (der andere ist Isabel). Wie generell auf dem Album legen Major Parkinson Wert auf die Unterstützung akustischer Klangerzeuger (u.a. Bratsche und Cello) für die Melodieführung; so drückt eine sonore Posaune Baseball (und Blackbox) den charakteristischen Stempel auf. Mit ausgefeilten Instrumentierungen und einer gute Portion Virtuosität der Musiker werden die verschiedenen Parts verschachtelt: Kollbotns berauschend grobschlächtiger Gesang, übermütige Piano-Passagen, folkloristische Streicher, bedeutungsschwere Chöre, wohlklingende Vokalarrangements, bedrohliche kadenzhafte Einschübe, Two-Step-Beat hinter Posaunensolo und nicht zuletzt tanzbare Segmente mit Synthesizergrooves und Whistle-Einlage voller Verspieltheit, die Ideen scheinen gar nicht auszugehen.

Auch Blackbox, der Titeltrack, weist ähnliche Vielgestaltigkeit und vergleichbare Stilelemente (v.a. mächtige Chöre und Posaunenklänge) auf, ist im Vergleich aber elektronischer inszeniert.

Der Klang von „Blackbox“ (diesmal über Referenzkopfhörer genossen) ist bestechend, die Musik stellt sich durch ihre ungewöhnliche Rezeptur als sehr eigenständig dar, aufgrund der dargebotenen ambivalenten Atmosphäre, dem Einsatz von Orchesterinstrumenten und Frauenstimmen, sind gewisse Ähnlichkeiten zu der ebenfalls norwegischen Formation White Willow vorhanden.

Anspieltipp(s): Night Hitcher, Baseball
Vergleichbar mit: „Storm Season“ ("Sally Left"!) von White Willow
Veröffentlicht am: 16.11.2017
Letzte Änderung: 16.11.2017
Wertung: 12/15
ohne die beiden Füller "Before the Helmets" und "Strawberry Suicide" wären es mehr

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Major Parkinson

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2008 Major Parkinson 10.00 1
2010 Songs From A Solitary Home 12.00 1
2014 Twilight Cinema 13.00 1

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