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Irmler/Oesterhelt

Die Gesänge des Maldoror

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: mit Orchester; Konzeptalbum; Krautrock; Moderne Klassik
Label: Klangbad
Durchschnittswertung: 11/15 (1 Rezension)

Besetzung

Hans-Joachim Irmler Orgel, Analog Synthesizer, Stimme
Carl Friedrich Oesterhelt Piano, Hammond Orgel, Analog Synthesizer, Schlagwerk

Gastmusiker

Joerg Widmoser Violine
Winfried Zrenner Violine
Andreas Höricht Viola
Thomas Wollenweber Violoncello
Salewski Schlagzeug, Schlagwerk
Schorsch Kamerun Stimme
Stadtkapelle Scheer

Tracklist

Disc 1
1. Erster Gesang 11:36
2. Zweiter Gesang 3:33
3. Dritter Gesang 6:48
4. Vierter Gesang 7:30
5. Fünfter Gesang 5:38
6. Sechster Gesang 7:13
Gesamtlaufzeit42:18


Rezensionen


Von: Jochen Rindfrey @


Die Gesänge des Maldoror ist das einzige vollendete Werk des französischen Dichters Isidore Lucien Ducasse, der es unter dem Pseudonym Lautréamont schrieb. Das Werk erschien erstmals 1874, vier Jahre nach dem frühen Tod des Dichters (er wurde nur 24 Jahre alt). Es gilt als eines der radikalsten Werke der abendländischen Literatur und einer der wichtigsten Einflüsse auf den Surrealismus. Lautréamont beschreibt darin, wie der gefallene Engel Maldoror der Menschheit ihre Schlechtigkeit vor Augen führen will, indem er sie an Schlechtigkeit zu übertreffen versucht. Dies wird in sechs Gesängen ziemlich drastisch geschildert.

Dieses Werk wählten also Faust-Elektroniker Hans-Joachim Irmler und der Münchner Komponist Carl Friedrich Oesterhelt für ihre zweite Zusammenarbeit (die erste erschien 2016 unter dem Titel Formen), wofür man sich um das Modern String Quartet, die Stadtkapelle Scheer, den Schlagzeuger Salewski (mehr Name ist nicht) sowie als Sprecher Schorsch Kamerun, Frontmann der Punkband Die Goldenen Zitronen, verstärkte. Letzterer kommt dabei nur im dritten Gesang zum Einsatz, ansonsten gibt es allenfalls dezente, textlose Stimmeinsätze zu hören.

Zur Musik! Die den sechs Gesänge entsprechenden Stücke zeigen sich von recht unterschiedlicher musikalischer Natur, wobei sich durchweg Einflüsse von Krautrock wie von moderner Klassik zeigen. Im ersten Gesang steht das Streichquartett im Zentrum der Musik, wechselt von elegischen Klängen zu kräftigem Geschrubbe, das gelegentlich mit leichten Dissonanzen angereichert wird. Dazu lässt Irmler die Orgel kräftig röhren, leichte Verfremdung sorgt für einen typisch krautigen Sound. Krautrock trifft (gemäßigt) moderne Klassik, ein starker Auftakt, der seine Höhepunkte in den Momenten erreicht, wenn Oesterhelt dissonant auf die Tasten des Klaviers hämmert. Da wird es auch mal richtig avantgardistisch.

Der kurze zweite Teil, im wesentlichen nur mit Klavier, Schlagzeug und Orgel instrumentiert, zeigt sich dezent jazzig. Die verzerrt wabernde Orgel sorgt wieder für den krautigen Touch.

Langsam mäandernde Streicher und textlose Stimmeinsätze bilden die Grundlage des dritten Teils, in dessen Schlussteil ein paar Zeilen aus der literarischen Vorlage rezitiert werden. Ebenso langsam fließt der vierte Teil dahin, der zwischen Einsätzen des Streichquartetts und formfreien elektronischen Klängen wechselt. Letztere klingen dabei schon ein wenig nach den frühesten Hervorbringungen der „Kosmischen Musik“. In der zweiten Hälfte treten Klavier und Schlagzeug dazu.

Der fünfte Teil taucht dann komplett in krautig-psychedelische Klangwelten ab. Mächtig röhrt und wabert die verzerrte Orgel, lässt die Musik dunkel und morbide wirken, bevor in der zweiten Hälfte das Streichquartett übernimmt. Im sechsten Teil hört man dann auch etwas von der Stadtkapelle Scheer, die einen Walzerrhythmus vorlegt, über dem sich das Streichquartett dissonant austobt. Im weiteren Verlauf wird das durch die wieder krautig wabernde Orgel und freie elektronische Klänge abgelöst. Klingt reichlich bizarr.

Ob diese Musik nun der literarischen Vorlage gerecht wird, soll hier nicht entschieden werden. Das zweite Werk des Duos Irmler/Oesterhelt bietet jedenfalls eine faszinierende Kombination von experimentellem Krautrock und moderner Klassik, von freier Improvisation und strukturierten Klängen. Garantiert abseits jeglicher Prog-Klischees. Reinhörmöglichkeit auf Bandcamp.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 26.12.2017
Letzte Änderung: 26.12.2017
Wertung: 11/15

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