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Pingvinorkestern

Push

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2014
Besonderheiten/Stil: ArtPop; Folk; Jazz; RetroProg; sonstiges
Label: Eigenproduktion
Durchschnittswertung: 12/15 (1 Rezension)

Besetzung

Susanne "Suz" Johansson Gesang, Violine, Ukulele, Flöte, Melodica, Percussion
Mats "Lödder" Fredriksson Gesang, Gitarre, Ukulele, Percussion
Micke Wall Gitarre, Ukulele, Percussion
Shiny Mac Gesang, Bass, Percussion
Stefan Dernbrant Vibraphon, Xylophon, Querflöte, Ukulele, Melodica, Percussion

Tracklist

Disc 1
1. Madam Else's Genuine Flea Circus 3:33
2. Who Are You? 4:08
3. As Hard As They Come 5:22
4. You Got A Light, Mac? 3:19
5. In Too Deep 6:10
6. Alfred The Clown And His Highly Trained Poodles 3:45
7. Mood Swings 5:18
8. No, But I've Got A Dark Brown Overcoat 2:08
9. A Postcard From Copenhagen 3:27
10. The First Light 5:32
11. Creepy 1:44
12. Me & The Wave 7:18
Gesamtlaufzeit51:44


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Pinguine sind höchst kuriose Tiere. Ihr eigenartiger Körperbau, der auf Beine zu verzichten scheint und die Füße direkt am Rumpf verortet, bedingt einen merkwürdig watschelnden, aber aufrechten Gang, wozu auch die kurzen Flügel beitragen, die natürlich nicht zum Flug befähigen, sondern stattdessen hier zum Halten des Gleichgewichts benötigt werden. Dazu kommen noch die spitzen Schnäbel und die markante weiß-schwarze Farbgebung des Gefieders, die immer wieder mal mit einem Frack oder einer Ordenstracht verglichen wird. Menschlicherseits sind diese Antarktisbewohner damit mal knuffige Sympathieträger, mal Symbole für eher sinistre Absichten.

Kommen wir also zum Pingvinorkestern aus Malmö, das zu seiner Namensgebung ungefähr solche Gedanken gemacht haben muss, als es um den Klang der zu erzeugenden Musik ging. Aber auch der Begriff "Orchester" ist nicht unpassend gewählt, denn dieses Quintett musiziert überwiegend nicht mit Rock-Konventionen. So gibt es kein Schlagzeug, aber jede Menge Percussion einschließlich Xylophon und Vibraphon, dazu noch Violine, Flöte, Querflöte, Melodica und jede Menge Ukulelen. Vergleichsweise konventionell mutet da schon der kühle Chanson-Gesang von Susanne Johansson an, der in einigen der Stücke zu hören ist, was die instrumentale Seite der Musik aber natürlich kaum beeinflusst.

Entsprechend gibt es auf dem 2014 veröffentlichten Debütalbum "Push" ein Sammelsurium an kuriosen Sounds und Wendungen. Schwungvoll ausgefallen ist beispielsweise der Opener "Madame Else's Genuine Flea Circus" mit gemeinsamem Riffing von Melodica und Fuzz-Gitarre, worüber ein Motiv auf dem Xylophon gelegt wird. Später kommt noch Kuhglocken-Percussion dazu, und über weiteres Schlagwerk wird zwischenzeitlich die Intensität drastisch gesteigert, ehe ein paar warme Retroprog-Harmonien für einen wehmütigen Abschluss sorgen. Eine eher jazzige Richtung schlagen indes "You Got A Light, Mac" und "No, But I've Got A Dark Brown Overcoat" mit schrägen Akkorden und Bass-Rhythmik an, was melodisch jeweils an die James-Bond-Melodie erinnert.

Mit Gesang wird es nochmals etwas pikanter, zumal teils auch die Gegensätze verstärkt werden. So hat "As Hard As They Come" eigentlich ein folkiges Balladen-Arrangement, dazu noch Harmoniegesang und eine eher bräsige, aber der ohne mit der Wimper zu zucken gesungene Text handelt von Mord und Totschlag. In "In Too Deep" beißt sich ein Tango-artiger Rhythmus zur Strophe mit einem postrockigen Zwischenspiel in der Mitte (solche zittrigen Sounds erzeugt man wohl leicht mit der Ukulele). Umgekehrt irritieren "Mood Swings" und "The First Light" mit hypnotischen Motiven, dazu ist der Gesang von Johansson jeweils bis zur Emotionslosigkeit abgekühlt ("Mood Swings" allerdings wird bis zum Ende hin geradezu rasend, während "The First Light" hingegen nicht aus dem Quark kommt). Im witzigen "Creepy" wiederum darf die Dame relativ frei solieren, und zudem gibt es auch hier ein schickes jazziges Vibraphonsolo.

Sonst noch zu vermerken: Das Instrumental "Alfred The Clown And His Highly Trained Poodles" kontrastiert bei seinem Polka-Rhythmus Balkan-Schärfe mit gediegenen Hoedown-/Square-Dance-Momenten und verbindet somit West und Ost. Hingegen ist "A Postcard From Copenhagen" bedächtig-getragen ausgefallen und bringt maritime Stimmungen ein, allerdings fehlt hier letztlich sowas wie der "Deckel drauf". Das abschließende "Me & The Wave" bringt einmal mehr etwas Hypnotik ins Spiel, diesmal über ein harmonisch einförmiges A-Gitarren-Motiv, lässt aber ebenso auch wieder ein paar Retroprog-Momente anklingen und schafft zudem mit seinem Rauschen-plus-Samples-Outro (zu hören sind u.a. Churchills "Blut, Schweiß und Tränen"-Rede und die wohlbekannte Superman-Sichtungsmeldung) noch einen memorablen Ausklang.

Fazit also: Das Pingvinorkestern (wobei, die schwedische Sprache mal wieder: "...orkester" wäre die unbestimmte Form, "...orkestern" die bestimmte, also sind Artikel vor dem Namen eigentlich überflüssig...) versteht sich auf "Push" einerseits auf ein höchst originelles klangliches Idiom und komponiert andererseits sogar noch ganz gut ins Ohr gehende Songs und Instrumentals, deren burlesker Charakter nur allzu gut mit dem Bandnamen in Einklang steht. So ist "Push" dann ebenso ungewöhnlich wie unterhaltsam.

Anspieltipp(s): Madame Else's Genuine Flea Circus, Mood Swings, Alfred The Clown And His Highly Trained Poodles
Vergleichbar mit: Camembert, Kebnekajse, Cardiacs - jeweils ohne Rock. Und der James-Bond-Soundtrack!
Veröffentlicht am: 30.12.2017
Letzte Änderung: 30.12.2017
Wertung: 12/15

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