SUCHE
Erweiterte Suche
NEUER LESESTOFF
Script for Fugazi (27.5.2018)
ARCHIV
NEUE REZENSIONEN
27.5.2018
String Driven Thing - The Machine That Cried
26.5.2018
Black Moon Circle - Psychedelic Spacelord
25.5.2018
Fuchs - Station Songs
Sleep in Heads - On the Air
24.5.2018
Sleeping Pandora - From Above
Datashock - Kräuter der Provinz
23.5.2018
Yuka & Chronoship - Ship
JPL - Rétrospections Volume III
22.5.2018
Pink Floyd - Wish You Were Here
Judge Smith - The Garden Of Fifi Chamoix
21.5.2018
Sairen - Neige Nuit
M.A.L. - My Sixteen Little Planets
Alan Simon - Big Bang
20.5.2018
cosmic ground - cosmic ground IV
Tyndall - Durch die Zeiten
19.5.2018
Senogul - III
Tyndall - Reflexionen
ARCHIV
STATISTIK
24646 Rezensionen zu 16864 Alben von 6565 Bands.
SITE MAP
STARTSEITE

Scardust

Sands of Time

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: mit Orchester; Konzeptalbum; Progmetal
Label: self-released
Durchschnittswertung: 10/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Noa Gruman vocals
Yadin Moyal guitars
Alex Nicola keyboards
Yanai Avnet bass
Yoav Weinberg drums

Gastmusiker

Scardust Choir Basses: Jonathan Wolf, Ray Livnat, Yarden Gruman, Amit Fortus, Erez Tovi, Guy Moshkovitz, Yanai Avnet. Tenors: Elad Peretz, Baruch (Bam) Gruman, Ben Saada, Ray Livnat, Chen Sharon, Dima Fridrich, Yan Ben Yosef, Adar Elmackias. Altos: Rakefet Ann Ben
Strings Quartet Violin I: Rinat Gruman, Violin II: Idith Gruman, Viola: Yaacov Avnet, Cello: Telalit Charsky
Kobi Farhi (Orphaned Land) vocals on "Out of Strong Came Sweetness"
Jake E. (Amaranthe) vocals on "Blades"

Tracklist

Disc 1
1. Sands Of Time

1. Act-I Overture 4:37
2. Act-II Eyes Of Agony 3:26
3. Act-III Dials 8:08
4. Act-IV Hourglass 5:42
5. Act-V Sands Of Time 5:40

2. Arrowhead 5:07
3. Out of Strong Came Sweetnes 5:32
4. Queen of Insanity 4:39
5. Blades 4:24
6. Gift Divine 6:26
Gesamtlaufzeit53:41


Rezensionen


Von: Peter Meyer @ (Rezension 1 von 2)


Und noch `ne Kapelle! Scardust, Narbenstaub. Na, denn. Es kommt so wahnsinnig viel auf den Markt. Besonders auf den außerordentlich gesättigten Progmetal-Markt. Ähnlich wie in der Werbung, wo jeder durch noch mehr Radau versucht, im allgemeinen Lärm überhaupt noch wahrgenommen zu werden, schreit es auch im vorliegenden Genre geradezu danach, sich vom durchschnittlichen Einerlei abzugenzen. Technisch, durch Komplexität (Beispiel: Tree of Life), anarchistische Kompromisslosigkeit (SikTh) oder Andersartigkeit (The Rabbit Hole, Orphaned Land). Gerade lag mir der Release von Subterranean Masquerade vor, wo mittels schwer verdaulicher Nahost-Folk-Attacken Eigenständigkeit geschaffen werden soll.

Scardust sind mit ihrer Melange aus Symphonik, Chorpassagen und stählernem Progmetal andersartig, wobei sie technisch auch einiges auf den Boden der Tatsachen bringen. Die ersten fünf Stücke bilden einen 26-minütigen Longtrack und sind in „Acts“ unterteilt.

Es beginnt wie ein modernes Streichquartett, die Ouvertüre (Sands of Time, Act I). Dann demonstrieren herbe Gitarrenakkorde, worum es im Folgenden gehen wird: Um den Versuch, Klassikambitionen mit Progmetal in Einklang zu bringen. Das klappt zum Beispiel bei der Kombination aus Soloeinlagen und Hintergrundchor ganz gut. In den freundlichen Passagen klingen die Israelis stellenweise wunderbar nach Renaissance. Schwieriger wird die Balance mit verzerrtem Deathmetalzeugs, die Attribute liegen eben weit auseinander. Was auch schon bei Anneke van Giersbergens Vuur zu bemängeln war: Das Nebeneinander von Kopfstimme und hartem Gitarrenriffing.

Sängerin Noa Gruman hat eine ausgesprochen kräftige Stimme. Die muss sie auch haben, um gegen das unbarmherzige Restkollektiv an Klangerzeugern anzukommen. Es werden die Namen von an die 40 Musikern gezählt, darunter die Gastsänger Kobi Farhi und Jake E. und vermutlich der gesamte Gruman-Clan. Der Chor ist ist mal mehr klassisch orientiert, mal klingt er nach dem Musical „Hair“ oder wie Gotthilf Fischer und seine Schmetterbrigaden, aber das geht in Ordnung. Die blonde, langmähnige Vokalamazone, die schon von Kindesbeinen an zum Mikrofon gegriffen hat, holt alles aus sich heraus und gibt den Songbird über vier Oktaven, bevor sie sich an gutturalem Gesang versucht oder der „Scream Queen“ eine neue Bedeutung verleiht. Das ist technisch bemerkenswert, aber die Songs erscheinen als Vehikel, die das außerordentliche Spektrum dieser ungewöhnlichen Sängerin präsentieren sollen. Und die Gegenpole passen nicht so recht zusammen.

Die Stellen, bei denen man mit den Augen zu rollen beginnt, halten sich zum Glück in Grenzen. Intensives Augenrollen verursacht fast der gesamte Act II, Eyes of Agony. Der startet mit einer Pianofigur, die dem Stück zunächst so etwas wie eine Struktur verleihen kann. Erstmal nicht schlecht. Danach wird es wüst, sowohl gesangstechnisch als auch instrumental. Der Bassist spielt schnelle Arpeggien, dann wird kräftig gegrowlt, auch dieses Metier beherrscht die Dame mühelos. Leider geht die Struktur komplett baden, unmotiviert hektische Teile und ebenso unmotiviert friedfertige wechseln mit einer verblüffenden Wahllosigkeit. Der Track ist ein gutes Beispiel für die Richtungslosigkeit dieser Death-Metal-Oper in den weniger gelungenen Passagen.

Aber wie gesagt, es gibt Songs, die stilistisch einheitlich sind, bzw. bei denen sich die dunklen und die hellen Elemente besser ineinanderfügen, wie etwa das hervorragende, verträumte Gift Divine, das (wenn deren Chefköche Frauenstimmen einsetzen) an Avantasia oder Ayreon erinnernde Blades und der Titelsong Sands of Time, Act V. Auch Dials hat trotz Grunzerei (die man hier noch als klanggestalterische Fußnote auffassen kann) handfeste Qualitäten; eine eingängige Hookline, konstruktive Dynamik, anspruchsvolle Soli. Gut sind das Frage- und Antwortspiel zwischen Lead Vocals und Chor und die Idee, eine Kathedral Organ das Bild bereichern zu lassen.

Die zum Teil übergangslosen Stücke dieses Konzeptalbums, manchmal aber auch einzelne Songteile, bewegen sich tatsächlich im Punktespektrum zwischen 12 und 4 (Queen of Insanity macht seinem Titel alle dubiose Ehre, und der Bandname verändert sich vorübergehend in „Scaredust“), weswegen eine uneingeschränkte Empfehlung nicht ausgesprochen werden kann.

Anspieltipp(s): Gift Divine
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 23.1.2018
Letzte Änderung: 23.1.2018
Wertung: 8/15
Fans sehr dunkler Metallsortierungen werden noch was drauflegen

Zum Seitenanfang

Von: Nik Brückner @ (Rezension 2 von 2)


Scardusts "Sands of Time" ist letzten Sommer erschienen, seither will ich Euch diese Scheibe schon empfehlen. Aber ich komme erst jetzt dazu, was mich in die missliche Lage bringt, meinem geschätzten Kollegen Peter widersprechen zu müssen. Aber das macht nichts, anderswo werden wir schon wieder einer Meinung sein.

Scardust ist ein sehr interessantes Projekt: Es begann 2013 unter dem Namen "Somnia" als Duo, als Orr Didi und Noa Grumann eine Rockoper mit dem Titel "Gates of Dawn" schrieben. Die Oper wurde für ein komplettes Symphonieorchester, einen Chor und eine Metalband arrangiert. Ein Demo in Studioqualität entstand, aus technischen Gründen aber wurde das Album noch nicht professionell aufgenommen und veröffentlicht (eine Single namens "Betrayal" ist im YouTube-Kanal von Somnia zu finden).

Später schlossen sich Drummer Yoav Weinberg und Bassist Yanai Avnet dem Projekt an, und Somnia beschlossen, "Gates of Dawn" bis auf weiteres auf Eis zu legen. Stattdessen sollte ein vollständig neues Projekt für die Band entstehen. Orr Didi übernahm die Verantwortung für Komposition, Arrangements und Texte, spielt aber nicht in der Band. Er ist der Meister im Hintergrund.

Im Sommer 2014 begann die Band in lokalen Clubs zu spielen - mit einem Chor von vier Sängerinnen in schwarzen Kapuzenumhängen. Und hier wird's schwierig, denn normalerweise mag ich sowas überhaupt nicht. Die meiste Musik, die aus dieser Richtung kommt, finde ich prätentiös, übertrieben pathetisch, und daher hohl und lächerlich. Sängerinnen in schwarzen Kapuzenumhängen? "Opern"sängerinchen im lilanen Samtkleid? Orchester, die mit simplen Powerchords erniedrigt werden? Growlende Ritter?

Kurz: Nightwish?!?

Ich weiß noch, wie ich unwillkürlich lachen musste beim Lingua Mortis Orchestra, einem Projekt der Band Rage mit gleich zwei (!) Orchestern, dem Orqestra Barcelona Filharmonica und dem Inspector Symphony Orchestra - wovon wohl nur sehr naive Hörer beeindruckt sein können. Qool. Powermetal mit Faust inne Luft, nee, aus dem Alter bin ich raus.

Der Punkt ist: Die von "Somnia" in Scardust umbenannten - äh - Scardust haben so viel mehr drauf als vergleichbare Bands. Es braucht einiges, um mich so ein Album hören zu lassen, und diese Band bringt das mit. Denn ich finde das Genre ja nicht deshalb schlecht, weil es ist, was es ist, ich finde viele Alben aus diesem Genre schlecht, weil sie, nun ja, weil sie schlecht sind. Und das ist Scardust bei weitem nicht - ganz im Gegenteil. Der Unterschied: Die können wirklich was, allen voran Orr Didi, dessen kreativem Kopf dieses Album entsprungen ist. Folk (v. a. "Act 5 - Sands Of Time"), Metal, Klassik, Prog, all das beherrscht die Band perfekt. Und hier sind denn auch die Klassikeinflüsse mal echte Klassikeinflüsse, und nicht bloß die üblichen blöden Filmmusikklischees oder die klebrige Streichersoße. Hervorragend!

Auch die Verbindung dieser ja recht diversen Stile funktioniert hervorragend - und das ausgerechnet in "Act II, Eyes of Agony", das bei Peter so intensives Augenrollen verursacht hat. Hier kann man nämlich gut erkennen, wie Orr Didi die Songs komponiert: Die einleitende Pianofigur leitet des Stück nämlich nicht bloß ein, sie bildet auch die Basis für spätere Gitarrenriffs und Melodieführungen, und sie kehrt in Teilen auch in Soli wieder. Das ist ziemlich raffiniert gemacht und sowas überzeugt mich immer sofort. Ganz unabhängig davon, in welche stilbedingte Klanggestalt die Musik dann gegossen wird. Hier ist es eben Powermetal, ja, das schaff ich schon, wenn mein Gehirn was zum Arbeiten kriegt. Und das kriegt es, auch bei den straighterern Stücken wie "Arrowhead" oder "Out of Strong Came Sweetnes" (das ich allerdings, es sei erwähnt, für das schwächste des Albums halte).

Der Höhepunkt von "Sands of Time" ist - natürlich - "Queen of Insanity", eine dissonante Frickelorgie, wie man sie in diesem Bombastgenre selten findet. Hier steckt der Prog des Albums, hier und in vielen anderen Passagen, die das Album auch für Progfans hörbar machen, die dem Powermetal normalerweise abgeneigt sind. Klasse Scheibe! Ich freu mich schon auf "Gates of Dawn"...

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 1.2.2018
Letzte Änderung: 1.2.2018
Wertung: 12/15

Zum Seitenanfang

© 1999-2018; Das Copyright aller Texte liegt bei den jeweiligen Autoren; Datenschutzerklärung - Haftungsausschluss
Site Map - Startseite - FAQ - Reviews - Leitfaden - Lesestoff - Kontakt - Links
RSS | Impressum