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Solefald

Neonism

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1998
Besonderheiten/Stil: Progmetal; Psychedelic
Label: Avantgarde Music
Durchschnittswertung: 7/15 (1 Rezension)

Besetzung

Cornelius Jakhelln Gesang, Gitarre, Bass
Lars Are "Lazare" Nedland Gesang, Keyboards, Schlagzeug

Tracklist

Disc 1
1. Proprietors Of Red 6:35
2. Speed Increased To Scaffold 8:27
3. CK II Chanel No. 6 3:33
4. Fluorescent (The Total Orchestra) 6:35
5. A Motion Picture 1:55
6. Omnipolis 5:36
7. Backpacka Baba 5:22
8. Third Person Plural 4:02
9. 04.34 PM 3:23
10. The New Timelessness 6:01
11. Cosmophony   (Bonustrack der Neuausgaben) 4:26
Gesamtlaufzeit55:55


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


"Neonism" wird als Zweitwerk von Solefald gerne der Ruf angehängt, das radikalste Album des Duos zu sein. Diese Reputation dürfte wohl vor allem auf diversen Crossover-Momenten fußen, mit denen Cornelius und Lazare damals - im Nachhinein offenbar erfolglos - versuchten, der norwegischen Black-Metal-Szene, wie man so schön sagt, ans Bein zu pinkeln. Leugnen lässt sich diese musikalische Tatsache jedenfalls nicht: "Proprietors Of Red" bietet Zirkusorgel und kanon-artig arrangierten Rap-Gesang zu Reggae-Rhythmen und "Speed Increased To Scaffold" kontrastiert Bossa mit Black-Metal-Raserei und weiterem Rap, diesmal auf Französisch und mit Elektro-Begleitung. Rap ist ebenfalls das Thema in "Backpacka Baba", hier allerdings eher als Stimmgewirr denn klar artikuliert, und eine gewisse Frankophilie demonstriert auch "Omnipolis", diesmal per Megafon verfremdet. Nach heutigem Maßstab gar nicht so außergewöhnlich sind dagegen die orientalischen Flöten in "Third Person Plural" und der Punk in "The New Timelessness" - einige der vermeintlichen Tabubrüche haben sich also mittlerweile längst normalisiert.

All das liest sich, als wäre "Neonism" ein unterhaltsames Album, das aus seiner Konfrontation Spannung zieht. Bestätigen kann ich diesen Eindruck allerdings nicht, und das hat relativ profane Gründe. Erstens sind diese stilistischen Versatzstücke in den Songs auf "Neonism" selten mehr als bloße Einwürfe, die mal kurz ein bisschen Verwirrung stiften - mehr nicht. Zweitens, und das wäre wohl der wichtigere Punkt, sind sie eingebettet in Musik, die der auf dem Debütalbum "The Linear Scaffold" gleicht: Überwiegend mittelschnellem Metal mit üppiger, teils ins Psychedelische driftender Keyboardbegleitung und überwiegend stakkatohaftem Klargesang, der zu sich reihenden Melodien Unmengen von Text zu bewältigen zu haben scheint. Unterbrochen wird das natürlich immer wieder für rasende Black-Metal-Passagen mit entsprechendem Gekeife - alles wie gehabt also.

Ein weiterer größerer Mangel von "Neonism" liegt in der Produktion. Die ist relativ matschig ausgefallen und nimmt dadurch gerade den ausladenderen oder extremeren Passagen ganz schön viel von ihrer Schärfe. So könnte eben der Gegensatz aus Raserei und langsamen Grooves in "Fluorescent (The Total Orchestra)" durchaus spannend sein, aber die geradezu in sich zusammengesunkene Dynamik lässt es eher nach einem lahmen Hü-Hott klingen. Das hängt wiederum aber auch damit zusammen, dass diesen Ideen oftmals nicht der recht Raum zur Entfaltung gewährt wird. Im selben Song beispielsweise bekommen gegen Ende beide Elemente mehr Platz und können sich dabei - unter durchaus achtbarer Herausarbeitung des Konflikts zwischen hymnisch-sinfonischen Elementen und schrägen Disharmonien - einigermaßen effektvoll gegenseitig anfeinden.

Davon abgesehen ist es im Übrigen aber offenbar so, dass "Neonism" überhaupt eher in konventionellen Kategorien punkten kann. So ist beispielsweise am Ende von "Omnipolis" die Abfolge von schwelgerischen Sounds und anschließender Aggression spannend, "New Age Timelessness" kann mit komplexer Rhythmik, sich in Richtung BM-Exzess zuschnürenden Passagen und diesen abgehobenen Cardiacs-Harmonien gefallen, und das formal gewöhnliche "CKII Chanell No. 6" bleibt zuvorderst durch bizarre Texte ("Survival of the fittest suits me fine / The truth as it was told to me by Calvin Klein") in Erinnerung. Alles in allem bleibt "Neonism" damit in der Rückschau überraschenderweise ein vergleichsweise "normales" Album, dessen Rezeption vermutlich einzig und alleine aus der damaligen Gesamtsituation zu erklären wäre. Eine wirklich überzeugende Platte ist es als Ganzes jedenfalls nicht.

Anspieltipp(s): Omnipolis, The New Timelessness
Vergleichbar mit: "The Chaos Path" von Arcturus war auch nicht weniger provokant
Veröffentlicht am: 16.2.2018
Letzte Änderung: 16.2.2018
Wertung: 7/15
Schwacher Sound, mittelmäßige Songs

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Solefald

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1997 The Linear Scaffold 9.00 1
2001 Pills Against The Ageless Ills 10.00 1

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