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Tyndall

Sonnenlicht

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1980 (CD-Reissue 2018, bureau b)
Besonderheiten/Stil: instrumental; Elektronische Musik; Krautrock
Label: Sky Records
Durchschnittswertung: 10/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Jürgen Krehan Synthesizer, Electronics, Organ, E-Piano
Rudolf Langer Synthesizer, Electronics, Organ, E-Piano

Tracklist

Disc 1
1. Südwind 4:53
2. Sonnenlicht 6:58
3. Wolkenlos 8:18
4. Regen fällt 7:21
5. Windig 5:48
6. Veränderlich 4:17
7. Trotzdem 6:18
Gesamtlaufzeit43:53


Rezensionen


Von: Achim Breiling @ (Rezension 1 von 2)


Nach dem Tyndall-Effekt, der entsteht wenn Licht, insbesondere Sonnenlicht, an kleinen Schwebeteilchen gestreut wird (z.B. in Nebelschwaden), haben die beiden Elektronikbastler Jürgen Krehan und Rudolf Langer ihr 1980 entstandenes Duo-Projekt benannt. Die beiden hatten sich wohl Ende 1979 kennen gelernt, und dann begonnen gemeinsam Musik herzustellen. Dieselbe weckte offenbar das Interesse von Sky Records, wo 1980 mit "Sonnenlicht" das erste Album des Duos veröffentlicht wurde, dem bis 1983 noch drei weitere folgten: "Traumland" (1981), "Reflexionen" (1982) und "Durch die Zeiten" ‎(1983). 1983 ging man dann getrennter Wege.

Krehan war danach als Nik Tyndall, später auch unter dem Pseudonym Akiro Tenere, solistisch tätig, und bewegte sich dabei zunehmend in New-Age-Gefilde. Langer war noch in einem Duo namens Lepre aktiv, hat dann aber offenbar das Musikmachen (oder das Veröffentlichen von Tonträgern) aufgegeben.

"Sonnenlicht" war bisher, wie auch die anderen LPs des Duos, nicht auf digitalem Tonträger zu haben. 2018 haben bureau B nun Abhilfe geschaffen, und das Album (zusammen mit dem Zweitling "Traumland") auf CD und LP wieder veröffentlicht (obwohl die LP-Versionen nie sonderlich selten waren).

Eine eher beschwingt dahin dümpelnde DIY-Elektronik ist auf "Sonnenlicht" zu hören, versehen mit einem gewissen primitiven Charme, ganz so wie ähnliche Erstlingswerke der deutschen Elektroniker der ersten und zweiten Generation (von Georg Deuter, Adelbert von Deyen, Rüdiger Lorenz oder Rolf Trostel z.B.). Eher warm und gutgelaunt wabert, schreitet, blubbert und wogt die Musik voran, und bietet eigentlich genau die Musik, die man auf einem Elektronikalbum mit einem solchen Cover (und einem solchen Titel) vom Ende der 70er- bzw. Anfang der 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts erwarten würde.

Auch wenn sich das Duo später in Berlin niederliess, ist hier kaum kosmisches Wabern im Geiste der Berliner Elektronikschule vorzufinden. Eher erinnert die Musik an die Hervorbringungen aus dem Weserbergland (an die späteren Scheiben von Cluster, an Harmonia oder das einzige Album von Liliental), bietet repetitive, eher unbeschwerte impressionistische Klangbilder (es geht wohl meist ums Wetter), die getragen bis munter aus den Boxen plätschern. Allerlei sich durcheinander bewegende Synthesizermuster, oft begleitet von einer String-Machine, erklingen hier, ergänzt um hallende E-Piano-Klänge, luftiges Orgeln und getragene bis munterer voran treibende Sequenzerlinien. Zudem hatte das Duo einen damals hochmodernen CR-78-Drumcomputer von Roland zur Verfügung, mit dem einige der Nummern mit (für heutige Ohren) schön primitiven perkussiven Mustern unterlegt wurden (man höre z.B. "Wolkenlos").

Vom Charakter her erinnert mich die Musik an die frühen Soloscheiben von Bo Hansson, sind hier doch ähnlich verspielte, etwas dilettantische, aber alles in allem vergleichbar farbige und gutgelaunte Klänge zu finden. Natürlich hat "Sonnenlicht" einen ganz anderen, viel elektronischeren Sound, aber die Stimmung ist doch ähnlich. Dabei vermeiden es Krehan und Langer aber durchweg ins Seichte oder Belanglose abzugleiten.

"Sonnenlicht" ist somit eine nette Sammlungsergänzung für den Elektronikadepten, der auch die etwas schlichteren, wenig experimentellen (oder progressiven) Hervorbringungen des Genres schätzt. Viel krautiges Flair verströmt die Scheibe allemal, und das unbeschwerte Tonbasteln des Duos ist durchaus sympathisch. Nett!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 24.2.2018
Letzte Änderung: 13.5.2018
Wertung: 10/15

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 2 von 2)


Da hat das Hamburger Label Bureau B mal wieder eine Lücke geschlossen: die vier LPs des in Berlin ansässigen Elektronik-Duos Tyndall erscheinen 2018 erstmals auf CD (auch auf LP und als Download). Die ersten beiden kamen Ende Februar, Nr. 3 und 4 sind für Anfang Mai geplant.

Wo andere Musiker der Elektronik-Szene, gerade der Berliner Schule, gerne ausladende Stücke schufen - eines pro LP-Seite war damals nicht ungewöhnlich - folgen Tyndall auf ihrem Debüt der Devise kurz & knackig. Was hier immer noch Laufzeiten um die sechs, sieben Minuten bedeutet.

Die typischen Sequenzerpatterns der Berliner Elektronik sind freilich auch hier praktisch durchweg zu finden, anstelle bedeutungsschwangerer Klangmonolithen zeigen die Stücke auf Sonnenlicht sich eher flott und beschwingt, von geradezu heiterer Stimmung. Da mag der veränderte musikalische Zeitgeist der beginnenden 80er Jahre eine Rolle gespielt haben, poppige Trivialitäten werden jedoch durchweg vermieden. Die Melodien weisen tatsächlich häufig Parallelen zu den Klängen aus dem Weserbergland auf; ein Stück wie Windig oder Trotzdem könnte, denkt man sich die Sequenzen weg, auch von einem Cluster-Album der Mitt-70er stammen.

Sonnenlicht bietet somit unterhaltsame, farbig arrangierte Elektronik, die jedem Genreliebhaber zusagen sollte. Schön, dass diese Musik endlich, nach bald vierzig Jahren, den Weg auch auf digitalen Tonträger gefunden hat.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 14.3.2018
Letzte Änderung: 19.5.2018
Wertung: 10/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Tyndall

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1981 Traumland 10.50 2
1982 Reflexionen 9.00 2
1983 Durch die Zeiten 8.00 2

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