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Brainticket

Zürich/Lausanne

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2018 (Aufnahmen von 1983/84)
Besonderheiten/Stil: improvisiert; instrumental; live; Elektronische Musik; Jazz; Krautrock
Label: Purple Pyramid
Durchschnittswertung: 11/15 (1 Rezension)

Besetzung

Joël Vandroogenbroeck Electronics, Synthesizer, Keyboards, Flute
Hans Deyssenroth Electronics, Keyboards (CD1)
Willi Seefeld Electronics, Keyboards (CD1)
Bruno Spoerri Lyricon, Electronics
Markus Fürst Perkussion, Drums (CD2)

Tracklist

Disc 1
1. Flight in the Rings of Saturn 28:22
2. Seventh Dance to Relativities / For Papa 25:01
3. Dark Star 8:16
Gesamtlaufzeit61:39
Disc 2
1. Bali Loop 16:58
2. Matter Matters 7:03
3. Markus' Interlude 7:18
4. DoubLinn 9:45
5. Black Sand 12:52
Gesamtlaufzeit53:56


Rezensionen


Von: Achim Breiling @


Bruno Spoerri aus Zürich war und ist eine der Schweizer Leitfiguren was Jazz und Elektronik anbelangt. Zuerst Hobby-Jazz-Saxophonist (hauptberuflich war er als Psychologe und Berufsberater tätig), wand er sich in den späten 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts auch elektronischen Klangquellen zu. Irgendwann Anfang der 70er-Jahre traf er erstmals auf Joël Vandroogenbroeck, und war Zeuge der Entstehung von Brainticket. 10 Jahre später, Vandroogenbroeck war aus Italien in den süddeutschen/nordschweizer Raum zurückgekehrt, bildeten die beiden ein Duo. Gleichzeitig reformierte Vandroogenbroeck Brainticket, unter anderem zusammen mit Hans Deyssenroth, dem Erfinder des europäischen Computerjazz.

Brainticket (mit und ohne Spöoerri), bzw. Spoerri und Vandroogenbroeck, gaben diverse Konzerte, vor allem in der ersten Hälfte der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts. Einige davon wurden sogar mitgeschnitten. Die Bänder wanderten dann aber in diverse Archive, und wurden meistenteils vergessen. Vor einigen Jahren erschien allerdings eine Spoerri/Vandroogenbroeck-CD mit Duo-Liveaufnahmen aus jener Zeit ("Double Brain"). Nun gibt es Nachschlag.

Wie Spoerri im Beiheft des hier rezensierten Albums darlegt, stieß jemand namens Tom Schneeberger 2013 in einem der oben erwähnten Archive auf mehrere Tonbänder, die mit "Spoerri, Lausanne 1984" beschriftet waren. Schneeberger kontaktierte Spoerri, und die Dinge nahmen ihren Lauf. Nach etwas klanglicher Aufbereitung und Abmischung war das Material in so anhörlichem Zustand, dass eine Tonträgerveröffentlichung angedacht wurde. Ergänzt um eine aus dem Jahre 1983 stammenden, ebenso gut klingenden Mitschnitt von Brainticket (der offenbar von Spoerri selbst gemacht wurde), erschien das Ganze dann Anfang 2018 bei Purple Pyramid auf einer Doppel-CD.

Zweierlei ist hier also zu hören. Ein 1983 in Zürich entstandener Konzertmitschnitt von Brainticket (aufgenommen übrigens bei einem Auftritt im Rahmen einer Veranstaltung namens "Symposium Computer und Musik"), damals das Trio Vandroogenbroeck-Deyssenroth-Seefeldt (das auch auf den beiden 80er-Jahre-LPs der Band zu hören ist), ergänzt um Spoerri als Gast, auf CD1. Der zweite Silberling bietet dann das Lausanne-Konzert von Vandroogenbroeck/Spoerri aus dem Jahre 1984, wobei die beiden noch von Markus Fürst perkussiv unterstützt wurden.

In musikalischer Hinsicht bewegt sich das auf CD1 Gebotene in ähnlichen Gefilden wie die auf "Adventure" oder "Voyage" zu findende Musik. Allerlei elektronische, live durchaus kantig erklingende Elektronikmuster bewegen sich hier umeinander, ergänzt um jazzig-funkige E-Piano- bzw. Clavinetlinien, programmierte Perkussion, diverse Geräusch- bzw. Sample-Einlagen (oder prozessierte Sprach- und Klangfetzen), und bisweilen Sax-ähnliche Einlagen von Spoerris Lyricon. Computerjazz. Etwas arg in die Länge gezogen sind die beiden ersten Nummern, passiert da – vor allem im zweiten Stück – nicht immer furchtbar viel, bzw. wirken die klangformenden Tätigkeiten der Beteiligten bisweilen etwas ziellos. Das abschließende "Dark Star" ist dagegen ein äußerst spannendes, sich sperrig voran arbeitendes Elektronik-Perkussion-Gemenge.

Auf der zweiten CD ist Ähnliches zu finden, allerdings kommt dieses etwas abwechslungsreicher, kurzweilige und experimenteller daher. Recht frei und klangmalend sind die drei Protagonisten hier zu Gange, wieder an allerlei elektronischen Klagerzeugern, ergänzt um Flöten- und Lyriconsounds, und nun auch durch einen echten Perkussionisten, der bisweilen für Gamelan-Atmosphäre sorgt (man höre "Bali Loop"). Dazu kommen noch diverse Sounds und Musikfragemente vom Band. Im abschließenden "Black Sand" wird schließlich eine ausladende Version der gleichnamigen Nummer vom Brainticket-Erstling zum besten gegeben, wobei mir die originalgetreuen repetitiven Orgellinien und die Stimmeinlagen vom Band zu kommen scheinen. Kommt trotzdem gut.

"Zürich/Lausanne" ist eine hochinteressante Archivscheibe mit progressivem Computerjazz bzw. krautig-freiformatiger Experimentalelektronik mit kantigem Jazzeinschlag, die nicht nur Brainticket/Vandroogenbroeck-Adepten sehr zusagen sollte. Jeder Krautrock-Elektronik-Liebhaber sollte mit dieser Musik etwas anfangen können. Eine tolle Entdeckung!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 24.2.2018
Letzte Änderung: 3.3.2018
Wertung: 11/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Brainticket

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1971 Cottonwoodhill 10.50 4
1972 Psychonaut 5.50 2
1973 Celestial Ocean 9.50 2
1980 Adventure 10.00 1
1982 Voyage 10.00 1
2000 Alchemic Universe 8.00 1
2011 Live in Rome 1973 9.00 1
2015 Past, Present & Future 10.00 1

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