SUCHE
Erweiterte Suche
NEUE REZENSIONEN
19.6.2018
The Soft Machine Legacy - Burden of Proof
Heldon - It's Always Rock'n'Roll
18.6.2018
Il Bacio della Medusa - Seme
17.6.2018
Temple - Temple
Jack O'The Clock - Repetitions Of The Old City II
Bad Dreams - Chrysalis
Corde Oblique - Back Through The Liquid Mirror
16.6.2018
Sensitiva Immagine - E tutto cominciò così
Pyramid - Pyramid
15.6.2018
Real Ax Band - Just Vibrations - Live at Quartier Latin
Tusmørke - Fjernsyn i farver
Christian Fiesel - The Dark Orb
HAGO - HAGO
14.6.2018
Karmic Juggernaut - The Dreams That Stuff Are Made Of
Not A Good Sign - Icebound
Syrinx Call - The Moon On A Stick
Mike & The Mechanics - Word Of Mouth
Five-Storey Ensemble - Night en Face
ARCHIV
STATISTIK
24718 Rezensionen zu 16918 Alben von 6589 Bands.
SITE MAP
STARTSEITE

Guru Guru

The Birth of Krautrock 1969

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2016 (Meistenteils Aufnahmen von 1969-71)
Besonderheiten/Stil: improvisiert; live; Krautrock
Label: Purple Pyramid
Durchschnittswertung: 9/15 (1 Rezension)

Besetzung

Uli Trepte Bass, Effects
Mani Neumeier Drums, Percussion, Voice, Effects
Ax Genrich Guitar, Effects (Track 8)

Gastmusiker

Keiichi Miyashita Guitar (Track 6)

Tracklist

Disc 1
1. Mescalito A 3:07
2. Mescalito B 2:23
3. Mescalito C 8:59
4. Mescalito D 9:41
5. Mescalito E 1:28
6. UFOlove 5:08
7. Pulsing Roots 4:39
8. Space Ship   (live 1971) 16:31
Gesamtlaufzeit51:56


Rezensionen


Von: Achim Breiling @


Möchte jemand der Geburt des Krautrocks lauschen? Mit dem hier rezensierten Album kann der geneigte Leser dies jedenfalls tun. Also, zumindest der Geburt von Guru Guru, eines bedeutenden Urgesteins des Genres.

Ihre erste eigene und gemeinsame Rockband nannten Mani Neumeier (geb. 1940 in München) und Uli Trepte (geb. 1941 in Konstanz) Guru Guru Groove, erweitert um Hans Sachs als Sänger. Die Rockhistoriker sind sich weitestgehend einig darüber, dass der erste Auftritt der Formation im August 1968 in Heidelberg stattfand, im Rahmen einer Veranstaltung namens "Holy Hill Festival". Einen recht wüsten, vom Free Jazz kommenden Schlagzeug-Bass-Rockkrach hatte man da im Angebot, zu dem Sachs allerlei Agitatives rezitierte. In dieser Besetzung war die Gruppe im September desselben Jahres auch auf den legendären Essener Songtagen zu hören.

Anfang 1969 strichen Neumeier und Trepte das Groove aus dem Bandnamen, trennten sich von Sachs, und rekrutierten mit Eddy Nägli einen Gitarristen. Später bediente der Amerikaner Jim Kennedy den Sechssaiter, ehe man 1970 mit Ax Genrich den Posten etwas längerfristiger besetzen konnte. Das klassische Guru-Guru-Trio war geboren, welches noch im selben Jahr das Album "Ufo" veröffentlichte.

Wie nun das hier rezensierte Album belegt, hat man aber schon vorher Musik eingespielt. Das fünfteilige "Mescalito" soll, so ist es hinten auf dem Einlegeblatt zu lesen, irgendwann 1969 in Heidelberg aufgenommen worden sein, in einem unbekannten Studio, von Neumeier und Trepte, unterstützt von weiteren Musikern, an deren Namen sich Neumeier aber, der die Bänder offenbar irgendwo auf seinem Speicher gefunden hat, nicht mehr erinnern kann. Hier ist also eine 1969er-Besetzung von Guru Guru zu hören, ergänzt um weitere anonyme Mitspieler. Guru Guru Groove, oder gar Guru Guru Groove Band (wie auf dem Cover zu lesen), nannte man sich damals sicher nicht (mehr).

Der Klang dieses Mitschnitts ist erstaunlich gut. Unterstützt von einem Produkt der Schweizer Firma Sandoz jammten die Musiker damals frei durcheinander (Zitat aus dem kurzen Beihefttext verfasst von Juergen Engler: "... a sound expedition recorded on LSD"). Bass, Schlagzeug und E-Gitarre sind auszumachen, versehen mit viel Hall, Effekten und Echo, dazu etwas Sax und allerlei wirre Stammeinlagen.

Krautrock? Definitiv! Und vermutlich klingt das hier Gebotene so wie das, was ein Besucher eines Guru-Guru-Konzertes damals auch geboten bekommen hat: Derb-wirres Rockgedöns, wildes freiformatiges Wüten, bestimmt von verzerrten Gitarren, dröhnenden Bässen und wildem Getrommel, immer wieder unterbrochen durch freiformatiges Klangmalen, Hallen und Schweben. Das ist sicher keine leichte Kost, hat aber durchaus Kultfaktor, und spiegelt wieder, was Krautrock damals war, und stellenweise auch heute noch ist. Zudem sind hier keine zugedröhnte Dilettanten am Werk, sondern (zugedröhnte) ehemalige Jazzmusiker, die ihre Instrumente beherrschen.

Drei weitere Nummern sind auf dem Album zu finden. Das ist einmal ein Stück, das Neumeier irgendwann mit dem Gitarristen Keiichi Miyashita eingespielt hat ("UFOlove"), das durchaus ähnliches Hallen und Schallen bietet. Da Miyashita aber offenbar nach einer Quelle im Weltweiten Netz erst 1970 das List der Welt erblickt hat, muss diese Aufnahme weitaus jüngeren Datums sein (siehe auch "Echoshock Krautorock"). "Pulsing Roots" ist dann eine Schlagzeugsolo Neumeiers, für das wiederum keine Aufnahmedaten angegeben sind. Vom Klang her ist auch hier zu vermuten, dass dieses ebenfalls nicht um das Jahr 1970 herum eingespielt wurde. Es macht aber trotzdem Spaß Manis dynamischem Getrommel zu lauschen.

Zum Abschluss des Albums gibt es schließlich einen Livemitschnitt der auf dem Guru-Guru-Zweitling "Hinten" zu findenden Nummer "Space Ship" aus dem Jahre 1971 auf die Ohren. Hier ist die oben erwähnte klassische Triobesetzung der Band zu hören, die sich ebenso wüst und dynamisch in einem langen, krautig-freiformatigen Bass-Schlagzeug-E-Gitarren-Exkurs ergeht. Der Klang ist ok, etwas muffig und rumpelig, aber für eine semi-professionelle Konzertaufnahme ganz ordentlich.

"The Birth of Krautrock 1969" ist alles in allem eine durchaus interessante Sammlung für den Krautrockliebhaber und Guru-Guru-Adepten. Hier, also in den ersten 5 Tracks, kann man durchaus nachhören, wie der Krautrock entstanden ist, oder zumindest, wie er 1969 geklungen hat. Und die weiteren Stücke sind auch nicht schlecht. Wer die frühe Musik von Guru Guru schätzt, und zudem freiformatiges Bass-Schlagzeug-E-Gitarren-Rockgedöns (siehe z.B. "German Oak"), der sollte diese Scheibe seiner Sammlung einverleiben.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 3.3.2018
Letzte Änderung: 16.4.2018
Wertung: 9/15

Zum Seitenanfang

Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Guru Guru

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1970 Ufo 9.50 2
1971 Hinten 10.00 1
1972 Känguru 11.00 1
1973 Guru Guru 9.00 1
1973 Don't Call Us (We Call You) 6.00 2
1974 Dance of the Flames 10.50 4
1975 Mani und seine Freunde 8.00 2
1976 Tango Fango 7.00 1
1977 Globetrotter 3.00 1
1978 Guru Guru Live 10.00 1
1979 Hey Du 4.50 2
1993 Shake well 5.00 1
1995 Wah Wah 5.50 2
1995 Guru Guru & Uli Trepte (Live & Unreleased) 10.00 1
1997 Moshi Moshi 4.50 2
1998 98 Live - 30 Jahre Live - 6.00 2
2000 2000 Gurus 9.00 1
2005 In The Guru Lounge 10.00 1
2007 Wiesbaden 1972 10.00 1
2007 Krautrock Classics: Guru Guru - Notwehr - 1
2008 psy 11.00 1
2011 Doublebind 10.00 1
2013 Electric Cats 11.00 1
2014 45 Years Live 11.00 1
2016 Live in Concert 12.00 1
2018 Rotate! 10.00 1

Zum Seitenanfang

© 1999-2018; Das Copyright aller Texte liegt bei den jeweiligen Autoren; Datenschutzerklärung - Haftungsausschluss
Site Map - Startseite - FAQ - Reviews - Leitfaden - Lesestoff - Kontakt - Links
RSS | Impressum