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Dieter Feichtner

Anthology Vol.1

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2005 (Aufnahmen von 1982-93)
Besonderheiten/Stil: instrumental; Elektronische Musik; Krautrock
Label: Canto Crudo
Durchschnittswertung: 13/15 (1 Rezension)

Besetzung

Dieter Feichtner Synthesizers, Organ, Keyboards, Electronics, Effects

Tracklist

Disc 1
1. Fliegenpilz 1 21:52
2. Fliegenpilz 2

1. Orgelstück 2:31
2. Fliegenpilz 10:39

13:09
3. Der Heimkehrer 10:23
4. Jenseits von Hollywood 12:07
Gesamtlaufzeit57:31
Disc 2
1. 6 Episoden

1. Episode 1 3:41
2. Episode 2 7:07
3. Episode 3 'Der Radiobastler' 3:37
4. Episode 4 'Lunte und Zunder' 8:05
5. Episode 5 3:41
6. Episode 6 'Der Schmied seines Glücks' 7:58

34:07
2. Ball der steinernen Herzen 11:33
3. Euphorismus 1 24:48
Gesamtlaufzeit70:28
Disc 3
1. Unverblümt 21:26
2. Mü der Wanderer 3:44
3. Euphorismus 2 15:32
4. Friede freundlicher Fremder

1. Friede freundlicher Fremder 5:32
2. Der Zenmeister 3:11
3. Bartoks Traum als Stravinsky 6:11
4. Der Testpilot 6:46

21:40
Gesamtlaufzeit62:22


Rezensionen


Von: Achim Breiling @


Ein recht seltsamer Kauz muss er gewesen sein, der Dieter Feichtner. Aber auch ein großer Musiker. Der 1943 in Innsbruck geborene Tastendrücker hat sich vor allem in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts in Jazzkreisen einen Namen gemacht, als er mit Jon Surman, Barre Phillips und Stu Martin auftrat, und für das ECM-Label aufnahm. Seit den frühen 80er Jahren bastelte er auch, eher zurückgezogen, an eigener, meist elektronischer Musik.

Eine Auswahl davon erschien 1989 auf einer Doppel-CD namens "Euphorismen". 2005 wurde dann vom Label Canto Crudo mit dem hier rezensierten "Anthology Vol. 1" ein Album mit gesammelten elektronischen Werken Feichtners veröffentlicht, die auch das Material von "Euphorismen" beinhaltet, versehen zudem mit dem Untertitel "Direct Recordings 1982-1993". Ein offenbar geplanter zweiter Teil ist bis dato nicht erschienen.

Aufgenommen wurde die hier vorzufindende Musik – der Untertitel sagt es ja schon – in den Jahren 1982 bis 1993, meist auf dem Anwesen des mit Feichtner befreundeten österreichischen Komponisten Günther Rabl. Ein Soloalbum sollte eingespielt werden, direkt und spontan, ohne Studionachbearbeitung, also live von Feichtner an seinem vernetzten Instrumentarium aus Synthesizern (Minimoog, Polymoog, EMS AKS), Farfisa Orgel, weiteren Keyboards und Sequenzern. 1989 wurde dann das oben schon erwähnte Album veröffentlicht. Doch hat Feichtner – wie diese erweiterte Sammlung zeigt – bis 1993 noch allerlei weiteres elektronisches Material eingespielt. Danach wand er sich wieder verstärkt dem Piano zu. 1999 starb Feichtner, der immer wieder gesagt hatte, dass er eigentlich keine große Lust hätte das neue Jahrtausend zu erleben, in Salzburg.

Gut drei Stunden an recht eigener Elektronischer Musik ist auf "Anthology Vol. 1" zu finden, die erstaunlich vielschichtig, abwechslungsreich und klangvoll geraten ist. Eher extravagant und experimentell kommt dieselbe aus den Boxen, meist ziemlich kantig, sich in ausladenden Klangbildern langsam entwickelnd, sich dabei oft dynamisch steigernd, bisweilen auch schwebend klangmalend, sakral orgelnd, filigran plingend, verspielt singend, vertrackt knirschend, düster knurrend, oder freiformatig wütend. Nach den 80er Jahren klingt hier kaum etwas, bis auf ein paar Midi-Streichersounds in den späten Nummern auf CD3 (eigentlich nur in "Bartoks Traum als Stravinsky"). Vornehmlich beherrschen klassisch-elektronische, aus den 70ern stammende Sounds das Geschehen.

Daher erinnert diese Musik vor allem an die Hervorbringungen der klassischen Krautelektronik, an die frühen Experimente von Klaus Schulze z.B. (wobei Feichtner deutlich dynamischer und abwechslungsreicher zu Gange ist), an die Musik von Kluster, Conrad Schnitzler oder Seesselberg, am ehesten vielleicht an die 70er- bzw. Früh-80er-Werke von Asmus Tietchens (siehe "Nachtstücke" und vor allem "AK7+"). Aber, im Grunde zelebriert Feichtner hier seinen ganz eigenen Stil, erzeugt sehr abwechslungsreiche, dicht verwobene, sperrig-abenteuerliche, farbig-verspielte, knurrend quietschende, mysteriös wabernde, bedrohlich brummende, glockig tropfende, hallend perlende, einsam heulende, verzerrt zischende, giftig fauchende, gespenstisch flirrende, symphonisch schwebende, pulsierend wogende, pfeifend fiepende, elektrisch-maschinelle Soundgemenge, die gelegentlich auch in sphärisch-kosmische Gefilde geraten. Das alles wirkt sehr spontan und frisch, sehr authentisch und direkt, immer ein wenig seltsam, abgefahren und exzentrisch. Eigentlich gibt es hier genau die Musik zu hören, die man nach einem Blick auf das Feichtner inmitten seines Tastenarsenal zeigende Coverbild erwarten würde.

Die drei CDs kommen in einer handlichen schwarzen Hochglanz-Papp-Box, versehen mit einem dicken Beiheft, in dem der schon erwähnte Günther Rabl einiges über Feichtner, seine Klangerzeuger, und seine Klangerzeugnisse erzählt. Zudem gibt es diverse Bilder (die teils aus dem familiären Fotoalbum Feichtners zu stammen scheinen), und verschiedene Aquarelle und Tuschezeichnungen Feichtners zu sehen.

(Kraut)Elektronik-Adepten, die die oben umrissene, etwas experimentellere Spielart des Genres schätzen, sollten sich dringend nach "Anthology Vol. 1" von Dieter Feichtner umsehen. Diese Musik hätte es verdient bekannter zu sein; zumindest unter Liebhabern des Genres. Kultig!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 5.3.2018
Letzte Änderung: 1.6.2018
Wertung: 13/15

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