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Frequency Drift

Letters To Maro

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2018
Besonderheiten/Stil: ArtPop; New Artrock
Label: Gentle Art Of Music
Durchschnittswertung: 10.33/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Irini Alexia vocals
Andreas Hack keyboards, synthesizers, bass, guitar, mandolin
Nerissa Schwarz electric harp, mellotron,synthesizers
Wolfgang Ostermann drums, wavedrum

Gastmusiker

Michael Bauer additional guitars, live guitars
Marco Geipel live bass

Tracklist

Disc 1
1. Dear Maro 6.22
2. Underground 5.02
3. Electricity 4.52
4. Neon 6.09
5. Deprivation 3.35
6. Izanami 5.09
7. Nine 6.10
8. Escalator 4.26
9. Sleep Paralysis 6.03
10. Who's Master? 9.16
11. Ghosts When It Rains 3.05
Gesamtlaufzeit60:09


Rezensionen


Von: Marc Colling @ (Rezension 1 von 3)


Seit ca. 10 Jahren besteht diese Band oder besser gesagt, dieses Kollektiv aus stets wechselnden Musikern ausser den beiden Komponisten Andreas Hack und Nerissa Schwarz. Letztere hat vor ca. 2 Jahren ein sehr gelungenes Soloalbum veröffentlicht, wo sie sich selbst als dunkle und melancholische Musikerin geoutet hat. Eine ähnliche Umschreibung könnte man auch für das neue Werk von Frequency Drift gebrauchen. Das hat mit dem ungewöhnlich unterkühlten Sound, mit den selten aus sich heraus gehenden Kompositionen und dem Gesangsstil von Irini Alexia zu tun. Partylaune entsteht hier jedenfalls nicht und auch der Fuss wippt nur selten im Takt mit. Dazu ist die Musik viel zu verschroben und zu verhalten, ja teils regelrecht der Welt entrückt.

Das Album funktioniert also mehr durch seine Atmosphäre, seinen schwebenden und unnahbar kunstvollen Klang sowie diese seltsam anmutende künstliche Produktion als durch seine Kompositionen. Obwohl diese sicher nicht schlecht sind. Es befindet sich kein Füller auf dem Album und der berühmte Faden existiert stets. Dennoch fehlt den Tracks oft der berühmte Funken, der sogenannte "Wow" Effekt. Sie bleiben nicht im Ohr, können zwar gefallen doch einbrennen tun sie sich nicht.

Das liegt auch daran, dass die Band das Tempo nur manchmal moderat anzieht, wie in NINE. Doch auch hier sind das nur kurze Momente, bevor die Musiker wieder die melancholische Seite ausspielen. Und genau da liegt der Knackpunkt: im Laufe der Zeit klingt das meiste doch recht ähnlich und gleichförmig. Es reicht halt nicht hier und da mal kurze, verblüffende Klangkörper einzubauen, wenn das Gesamtkonstrukt nicht stimmig ist.

Dennoch werden die Freunde von sphärischem und eher gepflegtem ArtRock Gefallen an diesem Album finden. Eben wegen dieses vollen Formats, dieser Breitwandmusik, dieser traumwandlerischen Bilder die sie im Kopf erzeugt. Diese süßen Klänge sind für Melancholiker wie ein warmes Bad, wo man sich drin suhlen kann. Mir persönlich hätte der eine oder andere saure Drop besser gefallen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 19.5.2018
Letzte Änderung: 19.5.2018
Wertung: 9/15
süss wie Honig

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Von: Siggy Zielinski @ (Rezension 2 von 3)


Frequency Drift setzen auf „Letters to Maro“ auf reichhaltig und vielschichtig arrangierte Mischung aus Artpop, Postrock und Artrock. Und es gibt – mal wieder - eine neue Sängerin, die durchgehend zu überzeugen weiß. Laut den Musikern hat man sich bemüht, das Album so dynamisch wie möglich zu halten. Sollte heißen, man wollte die Kontraste zwischen lauten und leisen Passagen möglichst deutlich herausarbeiten.

Beim genauen Hinhören entdeckt man in der cineastisch und atmosphärisch angelegten Klangwelt von Frequency Drift eine ausgeprägte Liebe zum Detail, die sich nicht nur in dem gefühlvollen Damengesang, sondern auch in den detailreich ausgearbeiteten und kreativ umgesetzten Kompositionen versteckt.

Neben der charismatischen Stimme der Sängerin fallen mir hier vor allem die oft deutlich präsenten Harfen- Marimba- und Cello-Klänge sowie der elektronische Anstrich vieler Stücke auf. Kaum zu überhören sind auch die komplexen und die in den eher seltenen temperamentvolleren Momenten vom Schlagzeug groovend vermittelten Rhythmen. Für den Progger in uns, der nach meiner Überzeugung mehrheitlich komplexe Rhythmen zu schätzen weiß, ein wahres Fest. Die Rolle der geschmackvoll eingesetzten Tasteninstrumente kann auf diesem Album nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Es überwiegen gefühlt bedächtigere Tempi und nachdenkliche Stimmungen. Allerdings darf auch nicht die leicht bedrohlich wirkende, die leicht unheimliche Facette in der Musik übersehen werden. Wer aber unbedingt immer etwas zum Mitwippen braucht, der wird mit dem Werk wahrscheinlich nicht glücklich werden. Einige besonders entrückte Gesangparts und Passagen wurden schon mal – nicht ganz ohne Grund – mit Dead Can Dance verglichen. Mir kommt noch die Ähnlichkeit mit The Gathering aus der Zeit von „Souvenirs“ in den Sinn.

Für etwas mehr Abwechslung sorgen auf dem Album einige temperamentvolle Zuspitzungen. Ganz besonders gefallen mir in diesem Zusammenhang die leicht bedrohlichen und dissonanten Töne in „Izanami“. In dem überraschend experimentell eingefärbten „Escalator“ zeigt die Sängerin verstärkt die theatralische, die Musical-artige Seite ihres Könnens. Die Seite, die übrigens auch in dem streckenweise temperamentvollen und dicht gespielten „Who’s Master“ wesentlich zu dem optimalen Gesamteindruck beiträgt.

Die das Artwork bildenden Bilder und Fotos wurden scheinbar in Japan aufgenommen, oder sollten etwas vom Flair dieses Landes vermitteln. Zumindest anhand der spärlichen Promo-Version war es mir unmöglich feststzustellen, wer denn die traurige, rot gekleidete Japanerin auf den Fotos sein soll. Ist das vielleicht die im Titel genannte Maro, die die musikalischen Briefe von Frequency Drift bekommen soll?

Wer die auf dem atmosphärischen Artrock basierenden, originell und einfallsreich arrangierten, cineastisch konzipierten Klänge mit Damengesang zu schätzen weiß, der sollte „Letters to Maro“ kennenlernen.

Anspieltipp(s): Who's Master?
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 28.5.2018
Letzte Änderung: 28.5.2018
Wertung: 11/15

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Von: Gunnar Claußen @ (Rezension 3 von 3)


Auf der Band-Seite über Frequency Drift steht hier immer noch (Stand: 8. Juni 2018): "Deutsche Newcomer aus dem oberfränkischen Bayreuth. Da die Musik und die Geschichte der Alben im Vordergrund stehen sollen, ist die Band sparsam mit Informationen über sich." Nun, zehn Jahre nach dem ersten "Personal Effects"-Teil, sieht das natürlich alles ganz anders aus: Frequency Drift sind etabliert, haben eine Reihe ansprechender Platten vorgelegt, und die beteiligten MusikerInnen konnten sich auch mit anderen Konstellationen, i.e. Nebenprojekten oder Soloaufnahmen einen Namen machen, und die erwähnten damals offenbar noch spärlichen "Informationen" hat die Band in Form ihrer Biografie nunmehr selbst geschaffen.

"Letters To Maro" also. Der Einstieg mit dem "Dear Maro", dessen Text dem Namen entsprechend in Gestalt eines Briefes abgefasst ist, legt den Hintergrund eines Konzeptalbums nahe, ebenso wie die optische Präsentation (es wird wohl kein Zufall sein, dass sich Bandfotos und Plattencover bezogen auf Farbkomposition und Setting stark ähneln). Eine diesbezügliche Information - da wären wir dann doch wieder - ist im Zusammenhang mit der Veröffentlichung von "Letters To Maro" allerdings nicht zu finden gewesen, wohl aber die Tatsache, dass Neu-Sängerin Irini Alexia sogleich in der Verantwortung für sämtliche Texte steht. Entsprechendes wäre also wenn überhaupt dort in Erfahrung zu bringen. Ein definitives Merkmal, dass sich aus dieser Herangehensweise ableiten lässt, liegt jedoch auf der Hand: Nicht nur in "Dear Maro", sondern auch später in "Escalator" gibt es melodisch relativ frei agierenden Sprechgesang (in "Who's Master?" schließlich sogar eine Art wütenden Rap), den Alexia jedoch oft genug mit rein gesanglichen Passagen kontrastiert.

Mit dieser Tatsache einher geht allerdings auch eine gewisse Änderung des Musikstils. War "Last" unter der Mitwirkung von Melanie Mau noch relativ rockig ausgefallen, dominieren auf "Letters To Maro" hingegen wieder luftigere Sounds. Auffällig ist, dass kaum noch die Gitarre zum Einsatz kommt, sehr viel üblicher sind an dieser Stelle Motive und Begleitfiguren auf Nerissa Schwarz' Harfe, wobei dennoch die rhythmische Komponente vor allem von Seiten des Schlagzeugs (später allerdings werden beispielsweise in "Izanami" auch Loops verwendet) stets präsent ist. Dafür sorgen neben der Harfe auch immer wieder perkussive, teils leicht nervöse Ostinato-Motive von den Tasteninstrumenten, womit "Letters To Maro" einen Touch von reinem Keyboard-Prog in der Art der Soloalben von Peter Bardens oder Iain Jennings erhält - andererseits weckt bei mir beispielsweise "Electricity" die Assoziation, dass so eine jüngere Alternative-beeinflusste Version von Saga klingen könnte.

Es versteht sich von selber, dass die Dynamik in dieser Musik auch mit den entsprechenden Mitteln erzeugt wird. Und zwar gibt es öfters mal sowas wie Bombast, wenn sich mehrere Keyboardstimmen übereinander schichten und damit bedrohliche Wirkungen erfüllen - und es versteht sich, dass Frequency Drift die entsprechende Routine beweisen, für derartige Passagen die richtigen Punkte zu finden. Das ist aber natürlich nicht alles. So erzeugt "Underground" trotz eher gemächlicher Rhythmik durch minimale Variation bereits einen gewissen Druck, und in "Deprivation" entsteht während der Strophen aus einem balladesken Anfang doch ein recht quiriliger Sound - den man per Break aber alsbald ordnet. Der Rap in "Who's Master?" wurde bereits erwähnt, nicht übersehen sollte man dabei aber, dass interessanterweise bereits der Einstieg mit einem Arpeggiomotiv auf der Gitarre und einer Steigerung (mit nettem Shuffle) an Postrock gemahnt.

Ebenfalls bemerkenswert wäre noch "Sleep Paralysis", das relativ nervös mit einer Art Xylofon-Motiv beginnt und diese Nervosität auch dem Gesang anhängt, was hier ein bisschen an Arcturus' "Nocturnal Vision Revisited" erinnert. Ein Break hingegen motiviert dann einen Part mit einförmigen und rhythmisch geraden Melodien, was wohl dem Titel geschuldet wäre - und nur durch ein weiteres Break aus dieser programmatischen Stasis gelöst werden kann und schließlich den Song in eine bewegtere zweite Hälfte führt. Was auch zu vermerken wäre: Zwar gibt's im Songwriting immer wieder eingängige Passagen, i.e. Strophen und Refrains, aber wenn's gerade passt und ein anderes Ziel in Aussicht steht, verlassen Frequency Drift diese Pfade auch gerne und entwickeln ihre Songs üblicherweise zielstrebig in andere Richtungen weiter.

Interessanterweise ist es dieser Charakterzug, der dazu führt, dass auch schwächere Passagen relativ einfach übergangen werden können. So schleppt sich "Izanami" anfangs etwas, findet dann aber durch seinen Instrumentalpart noch eine gelungene Wendung, und auch "Nine" hat zwar sich in die Länge ziehende Passagen, aber auch feierliche Momente und schließlich einen eher unerwarteten Groove-Rock-Abschluss. "Who's Master?" wiederum als längstes Stück des Album zeigt schließlich bei näherer Beobachtung, dass die Länge vor allem dadurch zustande kommt, dass die ausgefeilten instrumentalen Manöver zwischen den verschiedenen eingängigen Abschnitten zwar ihre Zeit brauchen, diese dann aber auch recht gehaltvoll verstreichen lassen. Alles in allem demonstrieren Frequency Drift somit, dass sie es verstehen, auf unkonventionelle Weise mit landläufig als "modern" zu bezeichnenden Klängen tendenziell ruhige, aber bis auf kleinere Schwächen dennoch sehr abwechslungsreiche Musik zu erzeugen. Wie eingangs geschrieben: Man ist eben etabliert, und das nicht zu Unrecht.

Anspieltipp(s): Electricity, Dear Maro, Who's Master?
Vergleichbar mit: immer ähnlich, aber nie gleich
Veröffentlicht am: 9.6.2018
Letzte Änderung: 9.6.2018
Wertung: 11/15

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2010 Personal Effects (part two) 9.67 3
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2014 Over 12.00 2
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