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Gazpacho

Soyuz

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2018
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; New Artrock
Label: Kscope
Durchschnittswertung: 11/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Jan-Henrik Ohme vocals
Jon-Arne Vilbo guitars
Kristian Torp basses
Thomas Andersen keyboards
Mikael Krømer violin, mandolin, guitar
Robert R. Johansen drums

Tracklist

Disc 1
1. Soyuz One 6:19
2. Hypomania 3:46
3. Exit Suite 3:42
4. Emperor Bespoke 7:45
5. Sky Burial 4:28
6. Fleeting Things 4:25
7. Soyuz Out 13:27
8. Rappaccini 4:08
Gesamtlaufzeit48:00


Rezensionen


Von: Peter Meyer @ (Rezension 1 von 2)


Gazpacho, die norwegischen Artrocker, haben also ihre Schwermut beibehalten. Ich wurde vorgewarnt, diese Musik erschließe sich nicht bei der ersten und auch nicht bei der zweiten „auralen Konfrontation“, es könne etwas länger dauern. Klar, man muss den Inhalt dieser Verpackung in blutroten Farbtönen mehrfach hören (die warmen Farben des „kalten Krieges“ (???) wie jemand textete: „Artwork, designed by painter Antonio Seijas, is inspired by Russian Cold War colours“).

Mehrfach hören und sich darauf einlassen, auf die Mischung aus experimentellen Texturen, merkwürdig anmutenden Melodien, Monk´s Chant (Exit Suite), Balladeskem (Fleeting Things, Rappaccini, Emperor Bespoke) oder etwas nervigem Ethno-Gebrabbel (Sky Burial). Wer natürlich Tempo und richtig abgefahrene solistische Einlagen präferiert - negativ formuliert: Zur Schau gestellte technische Höchstleistungen - sollte sich etwas anderes suchen. Gazpacho kommen ohne aus und sind auf Dauer für manch definitiven Progger entweder zu melancholisch oder insgesamt zu eintönig. Andere werden das Werk als ausgewogen, vielschichtig und differenziert empfinden. Die Band aus Oslo weiß jedenfalls ihre musikalischen Konzepte mit beträchtlicher Kreativität umzusetzen, ich kann die teilweise sehr hohen Wertungen, auch auf dieser Site, nachvollziehen.

Die Idee von „Soyuz“ ist die Darstellung verschiedener Epen mit kultureller Bedeutung aus unterschiedlichen Epochen, die sich mit der Vergänglichkeit von Momenten befassen, seien sie nun von bewegender, schöner oder tragischer Natur. Geschichten von Menschen werden miteinander verwoben, etwa eine Kurzgeschichte von Nathaniel Hawthorne mit dem Erklingen der ersten Tonaufnahme aus dem Jahr 1860 (Rappaccini). Oder es geht um ein buddhistisches Bestattungsritual in Tibet (Sky Burial), die Vertonung des Andersen-Märchens „Des Kaisers neue Kleider“ (Emperor Bespoke). Der textliche und musikalische Schwerpunkt liegt im titelgebenden Soyuz (Soyuz One, Soyuz Out): Die sowjetische Raumkapsel Sojus 1 geriet im April 1967 auf dramatische Weise auf der Erdumlaufbahn außer Kontrolle. Durch Konstruktions- und Fertigungsfehler wurde die Kapsel bei der außerplanmäßigen Landung nicht genügend abgebremst und schlug mit etwa 145 km/h auf. Der an Bord befindliche Kosmonaut, der 50-jährige Wladimir Komarow, war der erste Mensch, der bei einer Weltraummission ums Leben kam. Vorher mussten nur Hunde dran glauben.

Soyuz One ist mit seinem elegischen 3/4 Takt ein gutes Beispiel für die musikalische Verpackung: Zurückhaltende Percussion, Klaviermelodie, klagender Gesang, gelegentlich werden folkloristische Motive eingestreut oder E-Gitarrenakkorde packen unvermittelt zu. Überhaupt zeigen Gazpacho ein Faible für 3/4-Takte (Emperor Bespoke, Fleeting Things, Soyuz Out).

Letzgenannter Track ist neben dem sehr gelungenen Artrock-Epos Hypomania mit 13:27 das Filetstück, wohingegen Sky Burial und vor allem Rappaccini durch Umständlichkeit bzw. Ereignislosigkeit abfallen. Der Longtrack beginnt geräuschhaft/quietschend und mit knacksiger Percussion, die folgende Gesangslitanei beschäftigt sich metaphorisch mit dem havarierten „Cold war messenger“. Der Refrain ("The wolves of the hour are howling outside…") ist charakteristisch, ein Ohrwurm. Das Stück nimmt einen unerwarteten Verlauf durch zunehmende Dramatik, Empathie mit dem verlorenen Kosmonauten („In a metal widow´s frame ….The shields are burning….Out of control….There’s no more next time“). Es bleibt dabei dicht arrangiert, melodisch und eingängig, immer unterbrochen durch ungewöhnliche Klangstrukturen. Die Melodieteile vereinen Motive aus Jazz, Klassik und Prog; sie sind auf interessante Art ineinandergefügt. So erzielen die Norweger eine Eigenständigkeit, die ursprüngliche Parallelen zu Bands wie Marillion zunehmend verblassen lässt.

Anspieltipp(s): Soyuz Out, Hypomania
Vergleichbar mit: Demon
Veröffentlicht am: 27.5.2018
Letzte Änderung: 27.5.2018
Wertung: 10/15

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Von: Christian Rode @ (Rezension 2 von 2)


„Soyuz“ ist ein Album zum Zuhören. Wenn man will, kann man Ähnlichkeiten zu Marillion, Talk Talk, Muse, Radiohead oder sonstwem entdecken. Aber in der Tat machen Gazpacho seit Jahren schon ihr ganz eigenes Ding. Nach einigen großartigen, den typischen Bandsound allerdings erst vorbereitenden Alben, hatten die Norweger ihren Stil endgültig mit „Night“ (2007) gefunden. Seitdem variieren sie ihr Schema voller tiefgründiger, romantischer, mystisch-melancholischer Momente, die wie in einem langen Fluss durch den Hörer hindurchziehen.

Wunderbar, wie sich „Soyuz One“ rhythmisch ins Album hineintastet. Locker groovende Rhythmik war schon auf dem Debut von Gazpacho vor 15 Jahren eine der großen Stärken der Band. Verhalten in der Instrumentierung und mit warmem, gedehntem Gesang gibt der Song bereits eine Ahnung vom Ganzen. Durch immer wieder eingebaute druckvolle Abschnitte gelingt es Spannung aufzubauen. „Hypomania“ ist dann bereits der durchgängig rockigste Song des Albums. Ich bin mir nicht sicher, ob mehr Stücke dieser Wucht dem Album gut getan hätten. Aber als stilistischer Tupfer hat er in jedem Fall seine Berechtigung.

Die folgenden Stücke sind wieder mit mystischer Melancholie durchzogen. Die „Exit Suite“ lässt einem Schauer den Rücken hinunter laufen und wirkt modern und antiquiert zugleich. Geige und Piano nebst geheimnissender Percussion ergänzen den klagenden Gesang Ohmes perfekt. „Emperor Bespoke“ hat so eine ganz seltsame Gesangslinie, und Rhythmik sowie Geige tragen ein Übriges zum skurrilen Eindruck bei, den dieser Song hinterlässt. Höhepunkt des Albums aber ist dann der Longtrack „Soyuz Out“. Hier kommt in epischer Breite alles zusammen, was die Band so ungemein hörenswert macht, inklusive Druck und Spannung. Zurücklehnen und lauschen.

„Soyuz“ erinnert mich in seiner ruhigen Art an „March of Ghosts“ (2012). Es soll Hörer gegeben haben, die bereits damals den Eindruck hatten, dass Gazpacho auf der Stelle treten. Die Band erfindet sich auf „Soyuz“ auch keinesfalls neu, erfreut aber mit einer Reihe wunderschöner Songperlen mit ganz, ganz viel schwermütiger Atmosphäre. Die anspruchsvollen Texte, die oft das Scheitern thematisieren, runden das Bild ab. Doch, da ist Gazpacho mal wieder ein feines Album gelungen. Und wieder einmal sind diese Jungs nicht gescheitert. Wahrscheinlich wissen die gar nicht, wie das geht...

Anspieltipp(s): Soyuz One, Soyuz Out
Vergleichbar mit: Marillion, Talk Talk, Muse, Radiohead
Veröffentlicht am: 31.5.2018
Letzte Änderung: 31.5.2018
Wertung: 12/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Gazpacho

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2003 Bravo 11.00 2
2004 When earth lets go 10.00 1
2005 Firebird 11.00 3
2007 Night 10.67 6
2009 Tick Tock 9.40 5
2010 Missa Atropos 9.75 4
2010 A Night At Loreley (DVD/CD-Box) 12.00 1
2011 London 12.00 1
2012 March of Ghosts 11.00 4
2014 Demon 12.60 5
2015 Night of the Demon 12.00 1
2015 Molok 10.75 4

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