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Christian Fiesel

The Dark Orb

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2018
Besonderheiten/Stil: Ambient; Elektronische Musik; Krautrock
Label: Essentia Mundi Records
Durchschnittswertung: 10.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Christian Fiesel

Tracklist

Disc 1
1. Downfall 5:54
2. Of Passing And Clocking Time 9:07
3. Winds Of East II 7:04
4. Cinematic 8:48
5. Crystal Drops 6:55
6. Jumping Shadows 6:05
7. Antarctica 1997 4:48
8. The Dark Orb 6:20
9. The Needle Up North 7:11
Gesamtlaufzeit62:12


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @ (Rezension 1 von 2)


Alle Jahre, pardon, Monate wieder erscheint ein neues Album von Christian Fiesel - aber, wie aus dem Begleitschreiben zu folgern ist, nicht etwa, weil sich Fiesel seit dem formidablen Doppel aus "On Water" und "Analogy" zum Jahresbeginn so sehr ins Zeug gelegt hätte, sondern weil auf "The Dark Orb" einmal mehr Aufnahmen aus den vergangenen fünf Jahren zusammengetragen wurden. Zugleich hält Fiesel "The Dark Orb" in seinem selbst verfassten Text für "mein schwierigstes Werk, besonders im Sinne von „Zugänglichkeit"" und es enthalte sämtliche "Zutaten, die aus meiner persönlichen Sicht das Essentielle meiner Arbeit als Instrumentalmusiker/ EMler /Dark Ambient Künstler widerspiegeln".

Recht geben möchte ich Fiesel hier indes nur zum Teil, denn für "The Dark Orb" als Ganzes lässt sich hier festhalten, dass der komplett abstrakte Hardcore-Ambient hier, obschon vorhanden, eine eindeutige Ausnahme darstellt. Lediglich "Winds Of East II" setzt komplett auf jene sattsam bekannten Soundeffekte zwischen Rattern, Schnalzen und Rauschen sowie vor allem tiefem, fülligen Röhren in unterschiedlichen Schattierungen - mal wärmer und runder, mal kälter und schroffer. Zugleich demonstriert Fiesel hier aber im weiteren Verlauf, dass die Strukturierung dieser Klangcollage eigentlich gar nicht so viel anders abläuft wie bei "richtiger" Musik: Die schnalzenden Klänge werden vorübergehend als rhythmische Motive eingesetzt und erzeugen entsprechende Bewegung, und zum Schluss wird "Winds Of East II" wieder ruhiger und dröhniger. Auch hier gibt es also nachvollziehbare Entwicklungen und einen dramaturgischen Aufbau, nur eben keine tonalen Klänge.

Auffällig ist das an "Winds Of East II" aber vor allem deshalb, weil die übrigen Stücke in diesem Sinne tatsächlich sehr musikalisch ausgefallen sind. Gerade das davor stehende "Of Passing And Clocking Time" legt hiervon ein deutliches Zeugnis ab. Schon am Anfang gibt es einen gehaltenen Chor-Akkord auf dem Mellotron, aus den zirpenden Soundeffekten dazu entwickeln sich sehr bald echoende Motive, und dazu schwellen im Wechsel mit einer sehnsüchtigeren Stimmung immer wieder wohlige Klänge an und wieder ab. Später gibt es auch noch eine langsame Basssequenz, die diese - ja! - Musik ordnet und harmonisch führt, und mit einem klassischen Oboen-artigen Synthesizer wird ein ausgiebiges Solo gespielt. Das ist schon ziemlich nah an ruhigeren 70er-Sachen wie Tangerine Dreams "Mysterious Semblance At The Strand Of Nightmares". Tatsächlich ist - mit Ausnahme vom genannten "Winds Of East II" - die komplette erste Hälfte von "The Dark Orb" von diesem Stil geprägt, auch wenn "Of Passing And Clocking Time" sowas wie den anderen Extremfall darstellt.

"Downfall" jedenfalls ist mit wehendem Mellotron-Orchester zu wabernden Klängen, verfremdeten Sprach-Samples und einem rhythmischen Wummern jedenfalls schon wieder abstrakter und archaischer ausgefallen, erzeugt am Anfang aber dennoch einiges an Schwung. "Cinematic" hingegen klingt mit kuriosen Orgelklängen, einem basslastigen Synthesizer und später wieder Feierlichkeit in Form von Mellotron-Chor und -Streichern wieder sehr viel tonaler, auch wenn's in Tangerine-Dream-Verhältnissen eher an "Zeit" & Co. denken lässt. "Crystal Drops" schließlich fällt klanglich insofern aus dem Rahmen, dass die einleitende und prägende Delay-Sequenz eher arhythmisch ausgefallen ist und zudem das Gesamtbild angesichts eines Verzichts auf Basstöne vergleichsweise luftig ausgefallen ist. Leider erzeugt dann zu hörende Solostimme (wieder dieser Oboen-Sound) keinen nennenswerten Drive, was das Stück dümpelig wirken lässt. In der Mitte jedoch schießt sich die Melodie auf ein elegisches Thema ein, aus der Tiefe kommen Flächensounds hinzu, und am Ende gibt's ein hymnisches Thema - eine nette Wendung, die "Crystal Drops" letztlich rettet.

In der zweiten Hälfte des Albums tritt indes nach und nach die Ambient-Komponente wieder stärker in den Vordergrund, auch wenn "Jumping Shadows" davon noch nichts erahnen lässt - eine eigenartige Wirkung hat dieses Stück aber doch, zumal hier der von der fröhlich-modernen Sequenz vorgegebene Beat nicht von den Solostimmen aufgenommen wird, was beides eigenartig separat tönen lässt. "Antarctica 1997" hingegen markiert dann genau die Rückkehr: Streicher und Motive sind vorhanden, werden aber sukzessiv von rauschenden Wasserfall-Sounds übertönt - wobei ein rhythmisch eingesetztes, Percussion-artiges Rasseln etwas penetrant wirkt. Der folgende Titeltrack hingegen fängt mit einem stampfenden 2/4-Takt zu jubilierenden Motiven wieder musikalisch an und wirkt anfangs gar krautig, aber auch das wird nach ca. drei Minuten von wummerndem Ambient überlagert - aus dem sich nichtsdestotrotz immer wieder melodische Motive erheben. "The Needle Up North" pflegt anschließend einen minimalistischen Hintergrund aus Knarzen und Röhren, ist ansonsten aber überraschenderweise von einer E-Gitarre geprägt, natürlich mit viel Hall und Extrem-Delay. Leider schleppt sich diese Abschlussnummer aber etwas dahin.

Fazit also: In größten Teilen ist "The Dark Orb" dann eben doch überraschend musikalisch und entgegen der Ankündigung sogar vergleichsweise zugänglich ausgefallen. Ich habe zwar den vagen Verdacht, dass ich diese Formulierung in fast jedem Text zu Fiesel schreiben werde, zumal der Kontrast zu "A Passage Through Time" als persönlichem Erstkontakt natürlich enorm ist, aber dennoch ist diese Eigenschaft auch im Vergleich zu "Analogy" oder "Transform To Dust" schon ziemlich ausgeprägt. Somit verwundert es vielleicht sogar ein bisschen, dass der bekannte Ambient auf einer Platte, die Fiesel selber im genannten Schreiben als "wie ein Best Of angelegt" bezeichnet, gemessen am sonstigen Schaffen des Musikers etwas zu kurz kommt. Andererseits aber überrascht "The Dark Orb" mit seinen genannten Elektronik-Referenzen trotz einiger Längen positiv.

Anspieltipp(s): Of Passing And Clocking Time, Cinematic
Vergleichbar mit: mehr 70er-Elektronik der Tangerine-Machart als Ambient
Veröffentlicht am: 15.6.2018
Letzte Änderung: 16.6.2018
Wertung: 10/15
Nicht ganz so stark wie "On Water", aber nah dran

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 2 von 2)


Christian Fiesels musikalische Produktivität ist schon erstaunlich, ist doch The Dark Orb sein mindestens drittes Album (ich weiß nicht, wie vollständig seine Diskographie auf unseren Seiten ist) im Jahre 2018 - und als es erschien (Ende Mai), war das Jahr nicht einmal zur Hälfte vorbei! Aber wie eine Rezension höher schon zu lesen ist, sind hier Aufnahmen aus den letzten fünf Jahren versammelt.

Der Infozettel des Labels bezeichnet die Musik als „cinematic dark ambient“, eine durchaus passende Kategorisierung, bei der das „cinematic“ allerdings meist im Vordergrund steht. Über weite Strecken wirkt die Musik geradezu abweisend, und auch in den Momenten, wo die Musik Form annimmt, sich eine melodische Struktur herausbildet, scheint sie von Einsamkeit und Verlorenheit zu künden. Wie die akustische Umsetzung eines Schneetreibens klingt etwa Of Passing Clock and Time, bei dessen später einsetzender, Oboen-artig klingender, elegischer Melodie über einem stoischen Mellotron-Chor man sich vorstellen kann, selbigem aus einer nicht gut beheizten Hütte heraus zuzuschauen. Und bei den mächtigen, dunkel und drohend wabernden Mellotron-Klängen von Cinematic, die noch von einem klagenden Cello begleitet werden, fühlt man sich endgültig mitten in einer nächtlichen Schneelandschaft. Beide Stücke zeigen übrigens deutliche Reminiszenzen an die frühen Tangerine Dream, also ihrer Prä-Sequenzer-Zeit; diese Einflüsse zeigen sich auf diesem Album immer wieder mal.

Gänzlich oder zumindest weitgehend abstrakt wird es in Winds of East II, das phasenweise schon wie eine Geräuschcollage anmutet, wenn sich seltsames Rasseln oder Klackern in den Vordergrund schiebt. Ansonsten steht die Musik im Spannungsfeld zwischen melodischen und Ambient-artigen Klängen, wobei letztere in den drei abschließenden Stücken noch einmal verstärkt zur Geltung kommen.

Somit ist The Dark Orb ein schönes Werk elektronischer Musik, das geschickt bis ins Abstrakte reichende Dark-Ambient-Klänge mit Einflüssen aus der Frühzeit deutscher Elektronik verbindet. Auf Bandcamp kann man reinhören und neben der Download-Variante auch die auf 50 (!) Exemplare limitierte CD erwerben.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 7.7.2018
Letzte Änderung: 7.7.2018
Wertung: 11/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Christian Fiesel

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2012 A Passage Through Time 10.00 1
2012 Ode To AEM 11.00 1
2013 Smile With An Ambience 10.00 1
2013 Signal For Fire 10.00 1
2013 After the Flood 10.00 1
2015 Mechanic Falls 10.00 1
2015 The Forrest 11.00 1
2015 This Is The Dark House 10.00 1
2015 The Hunting Game 10.00 1
2017 Hagen's Delight 10.00 2
2017 Transform To Dust 8.00 1
2018 Analogy 10.00 1
2018 On Water 11.00 1

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