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24546 Rezensionen zu 16782 Alben von 6536 Bands.
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Klaus Schulze

Dig It

(Siehe auch: Leitfaden "Elektronische Musik")
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1980 (erweiterte Remaster-Version 2005 bei Revisited Records)
Besonderheiten/Stil: instrumental; Elektronische Musik
Label: Brain
Durchschnittswertung: 10/15 (4 Rezensionen)

Besetzung

Klaus Schulze G.D.S. computer

Gastmusiker

Fred Severloh Schlagzeug ("Death of an Analogue")
Tommy Betzler Schlagzeug ("Stahlsinfonie")
Arbeiter des Stahlwerks der Voest-Alpine ("Stahlsinfonie")

Tracklist

Disc 1
1. Death of an analogue 12:16
2. Weird caravan 5:03
3. The looper isn't a hooker 8:17
4. Synthasy 22:36
5. Esoteric Goody   (Bonustitel der 2005er Ausgabe) 28:21
Gesamtlaufzeit76:33
Disc 2
1. Linzer Stahlsinfonie   (Bonus-DVD der 2005er Ausgabe, live 1980) 62:22
Gesamtlaufzeit62:22


Rezensionen


Von: Siggy Zielinski @ (Rezension 1 von 4)


1980 hatte bei Klaus Schulze die digitale Technologie in Gestalt eines Crumar GDS Musikcomputers Einzug gehalten. Das bedeutete, dass die Musik auf "Dig it" ausschließlich von der Festplatte kam und ohne herkömmliche Instrumente entstand. Wer daraufhin kalte Technoklänge fürchtet, sieht sich getäuscht: der Sound von "Dig it" is zwar kristalklar, aber keineswegs abweisend.

Dem Anlaß angemessen zelebriert Schulze auf dem ernsthaft und traurig anmutenden Opener "Death of an analogue" diese Veränderungen. Zu diesem Stück könnte man sich tatsächlich gut einen Trauerzug vorstellen, der einem analogen Synthesizer gilt. Auf "Death of an analogue" hört man eine stark verfremdete Stimme, die einen meist schwer verständlichen Text in englischer Sprache vorträgt. Es reicht nur soweit, um die Titelbezogenheit dieses Sprechgesangs erkennen zu können. Zum vollen Bild dieses Stückes muss man noch gesampeltes Schlagzeugkit, Keyboard-(oder eher Computer-?)-Tupfer und gelegentliche Cellosounds erwähnen.

Kaum zu glauben, das der pumpende Bass sowie der komplexe Schlagzeugrhythmus von "Weird Caravan" nur virtuellen Ursprungs sein sollen. Der zerfließende, bisher ungehörte Keyboardsound dieses Tracks kann dafür seine digitalen Wurzeln kaum verbergen.

Die gleichen Elemente machen auch "The looper isn't a hooker" ziemlich lebendig. Nur die starken Bässe wurden durch wie echt wirkenden, flirrenden Synthies verdrängt. Improvisatorisch dominiert hier wieder der einmalige Computersound, dem wir die schwimmenden "Keyboard"-Klänge zu verdanken haben.

"Synthasy" scheint ein Versuch zu sein, mit neuen Soundmitteln ein für die 70er typisches Schulze-Stück vorzutragen. So bleibt es einem bei "Synthasy" nichts anderes übrig, als der klanglich neuartigen Ausgabe des Altbekannten zu lauschen. "Synthasy" wird wohl ein Entgegenkommen an die Alt-Fans bedeutet haben, deren Geduld durch die groovigen Stücke von "Dig it" schon genug strapaziert war. Titelmäßig wird ja auch eine Verschmelzung ("Synthasy"), in diesem Fall wohl zweier Welten suggeriert. Ebenso einfallsreich wird mit dem wortspielerischen Plattentitel "Dig it" zugleich die Technologiebeschreibung und die darauf bezogene Genuß-Einladung ausgesprochen.

"Dig it" dokumentiert einen interessanten Neuanfang für Schulze. Gleichzeitig findet hier mit "Synthasy" auch eine Art Vergangengheitsbewältigung statt.

Anspieltipp(s): Weird Caravan
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 27.8.2002
Letzte Änderung: 27.8.2002
Wertung: 11/15

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 2 von 4)


Auch "Dig It" liegt nun in einer Remaster-Ausgabe von Revisited Records vor, und diesmal gibt es besonders reichhaltiges Bonusmaterial: neben einem fast 30-minütigen, bisher unveröffentlichten Stück ist noch eine DVD mit über 60 Minuten Schulze live dabei! Zunächst aber zu den "regulären" Stücken der CD.

Der Titel "Dig It" ist natürlich eine Anspielung auf "digital", denn hier hat Klaus Schulze sein analoges Instrumentarium gegen einen G.D.S. Musikcomputer eingetauscht, von dem hier (fast) alle Klänge kommen. "Dig" bedeutet aber auch "(ver)graben", was man als begraben der Analogtechnik interpretieren kann. Diese Thematik nimmt das eröffnende "Death of an Analogue" auf, eine Art Trauermarsch mit klagendem Vocodergesang. Der stampfende Rhythmus dieses Stücks ist das einzige, was auf "Dig It" nicht computergeneriert ist, er stammt von Schlagzeuger Fred Severloh.

Die kürzeren, ziemlich flotten Stücke "Weird Caravan" und "The Looper isn't a Hooker" schlagen dann ganz neuartige Töne an. "Weird Caravan" überrascht gar mit "funky" Klängen, getrieben von einem synthetischen, aber coolen Bass. Fans des "alten" Schulze mussten da sicher kräftig schlucken! Für "Weird Caravan" bediente sich Schulze übrigens eines Schlagzeug-Samples der NDW-Formation Ideal (!), deren erste Schallplatte von Klaus Schulze produziert wurde und auf dessem eigenen IC-Label erschien. Das folgende "The Looper isn't a Hooker" ist ganz ähnlich aufgebaut, allerdings fehlt hier der "funky" Bass.

Im abschließenden "Synthasy" greift Klaus Schulze dann doch noch auf seinen alten Stil zurück. Es ist zunächst von ähnlich düsterer Stimmung wie "Death of an Analogue" und besteht aus einer sanft wogenden Klangfläche, die von einzelnen Trommelwirbeln begleitet wird. Im weiteren Verlauf wird "Synthasy" etwas flotter und rhythmischer, und es ist wieder etwas Vocoder-Stimme zu hören.

Das Bonusstück mit dem hübschen Titel "Esoteric Goody" zeigt Klaus Schulze von einer ganz abstrakten Seite. Ohne Rhythmus oder Melodie, besteht das Stück praktisch nur aus freien elektronischen Geräuschen, die meist düster und bedrohlich klingen. Nur ab und an schält sich eine Klangfläche wie ein feierlicher elektronischer Chor heraus, verschwindet aber nach kurzer Zeit wieder. Dieses Stück erinnert etwas an das Titelstück des 1979er Albums "Dune".

Die Bonus-DVD enthält schließlich eine Komposition mit dem Titel "Linzer Stahlsinfonie", die Klaus Schulze am 8. September 1980 zur Eröffnung der Ars Electronica im österreichischen Linz aufführte. "Begleitet" wurde er dabei von Arbeitern des Stahlwerks der Voest-Alpine, deren Klänge über verschiedene Telefonleitungen live eingespielt wurden. Auch ein Schlagzeuger ist dabei. Das Stück selbst ist noch im "alten" Stil gehalten und - zumindest überwiegend - auf analogem Instrumentarium gehalten (man sieht hier mal den großen Moog live!). Abstrakte Klänge wechseln sich mit flotten Sequenzerrhythmen ab, dazu die metallischen Klänge aus dem Stahlwerk - eine beeindruckende Mischung. Da es optisch auf Dauer etwas langweilig wäre, immer nur Herrn Schulze (mit Helm und Schutzbrille!) inmitten seiner Geräte zu sehen, gibt es immer wieder mal Bilder aus dem Stahlwerk und psychedelische Farbspiele zu sehen.

Mit "Dig It" ist Klaus Schulze der Sprung ins digitale Zeitalter problemlos geglückt. Das umfangreiche Bonusmaterial macht die Neuausgabe auch für Besitzer der alten CD-Version lohnenswert!

Anspieltipp(s): Weird Caravan
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 23.4.2005
Letzte Änderung: 23.4.2005
Wertung: 11/15

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Von: Udo Gerhards (Rezension 3 von 4)


Digitalen Synthesizern, gerade aus den 80er Jahren, stehe ich - zu sehr gebranntes Kind durch schrecklich Glöckchenklänge und käsige Plastikbläserfanfaren - grundsätzlich skeptisch gegenüber. Dementsprechend hat mich "Dig It" eher positiv überrascht: trotz digitalen Ursprungs besitzt die Musik genügend Wärme, und die relativ starke Einbeziehung perkussiver Klänge - sei es vom Loop- oder Live-Schlagzeug, sei es aus dem Rechner - tut Schulzes Musik gut.

Hauptsächlich war ich aber neugierig auf die Bonus-DVD der 2005er "Revisited Records"-Ausgabe: die Verbindung von Live-Klängen aus dem Stahlwerk, Live-Elektronik von Schulze, Live-Schlagwerk und Videomanipulationen klang mindestens nach einem interessanten Experiment. Leider ist es mit der einen Seite des Experiments nicht so weit her, wie ich es mir erhofft hatte: zwar werden Anfangs einige Sounds aus der Stahlproduktion zugespielt, aber den allergrößten Teil des Konzertes kommen sämtliche Klänge von Schulzes (optisch jedenfalls beeindruckenden) Synthesizerarsenal und dem dramatisch hantierenden Schlagzeuger Tommy Betzler. Dadurch wirkt es etwas seltsam, dass nach dem Auftritt die zwischenzeitig eilig in den Konzertraum gekarrten Stahlarbeiter mit Beifall überschüttet werden, insbesondere, da auch Schulzes Beiträge mit dem, was ich mir unter Stahlwerkklängen vorstelle - nämlichen brachialen, urgewaltigen Krach und stampfend-brutale Rhythmen - nichts zu tun hat. Die Musik als solche ist zwar durchaus angenehme, klassische, sequencerbasierte Elektronik mit ein bisschen Sologenudel, aber recht sanft und fliessend gelagert. Schulze, der mit Stahlarbeiterbrille bewaffnet im Schneidersitz zwischen seinen Gerätschaften hockt und Knöpfchen dreht, zuzuschauen ist nicht unaufschlußreich, aber trotz eingespielter Bilder, digitaler Videoeffekte und so fort zieht sich das Ganze auf die Dauer einer Stunde ganz schön in die Länge.

Im grossen und ganzen würde ich das Experiment also als eher mäßig gelungen ansehen, trotzdem hat die "Linzer Stahlsinfonie" als Frühachtziger Multimedia-Happening durchaus zeittypischen Charakter, die als Zeitdokument die Frage nach dem künstlerischen Gelingen in der Rückschau als nicht wirklich wichtig erscheinen läßt.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 2.5.2005
Letzte Änderung: 2.5.2005
Wertung: keine

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Von: Andreas Pläschke @ (Rezension 4 von 4)


Nun habe ich meine alte sehr gut klingende LP gegen die Neuausgabe eingetauscht und bin trotz aller Bonusmaterialien einfach enttäuscht.

Der Grund ist nicht die Musik, die ich mir wirklich gefällt, sondern die Klangqualität. Unterm Kopfhörer sind deutliche Verzerrungen und andere Störgerausche zu hören, besonders im langen "Synthasy", was mir das Hören fast unmöglich macht. Dagegen klingt meine alte LP geradezu hervorragend.

Das ist sehr schade, diese erste digitale LP/CD von Schulze besitzt nämlich eine hohe Qualität. Obwohl der Sound knochentrocken und fast schon metallisch wirkt, vermeidet er auf dieser Scheibe für meine Ohren die Sterilität von Werken wie En=Trance. Beispielhaft ist der Einsatz eines echten Drummers auf dem ersten Stück. "Synthasy", das wie meine Vorschreiber schon erwähnten, eine gelungene Mischung aus alt und neu ist. Beim Bonustrack selbst gibt es "Zitate" vom ersten Stück aus dem 1977-Meisterwerk Mirage. Für mich mehr als nur Bonusmaterial.

Die beigelegte DVD der "Stahlsinfonie" ist recht schön, aber das Bild leider nur im NTSC-Format mit manchen Störungen. Bildlich recht nett für die damalige Zeit, war es für mich mal wieder interessant zu sehen, wie viel von dem Material schon vorab "programmiert" war. Schulze selbst spielt live "nur" einige Solostimmen. Auch hier ist die Tonqualität eher bescheiden, die Aufnahme rauscht doch merklich. Da klingt der Mitschnitt der Jubilee Edtion deutlich besser. Musikalisch ist die Aufnahme sehr stark an den frühen "analogen" Schulze angelehnt, sphärische lange Melodiebögen, teilweise untermalt von einem echten Percussionisten, der auf dem Balkon gegenüber der Bühne positioniert war.

Fazit: von der Musik hui, in der Ausführung zumindest meiner Pressung pfui. Booklet und Cover allerdings sind wieder wunderschön gestaltet.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 8.5.2005
Letzte Änderung: 3.12.2006
Wertung: 8/15
deutlicher Punktabzug wegen der Soundqualität

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Klaus Schulze

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1972 Irrlicht 10.00 5
1973 Cyborg 11.00 3
1974 Blackdance 8.00 3
1975 Picture Music 10.00 2
1975 Timewind 12.33 3
1976 Moondawn 11.00 3
1977 Body Love Vol. 2 12.00 3
1977 Mirage 12.20 5
1977 Body Love 10.67 3
1978 X 13.00 5
1979 Dune 11.67 3
1980 ...Live... 10.67 3
1981 Trancefer 12.33 3
1983 Dziekuje Poland 11.50 2
1983 Audentity 11.33 3
1984 Angst 9.33 3
1985 Inter*face 9.50 3
1986 Dreams 10.00 3
1988 En=Trance 9.50 4
1990 The Dresden Performance 12.00 1
1990 Miditerranean Pads 8.50 2
1991 2001 - 1
1991 Beyond Recall 11.00 2
1992 Royal Festival Hall Volume 2 11.00 1
1992 Royal Festival Hall Volume 1 11.00 1
1993 The Dome Event 12.00 1
1994 Totentag 13.00 1
1994 Das Wagner Desaster - Live 9.67 3
1994 Le Moulin De Daudet 11.00 2
1994 Goes Classic - 1
1995 In Blue 8.50 2
1996 Are you sequenced? 7.33 3
1997 Dosburg Online 9.50 2
2000 Jubilee Edition Second Part 10.00 1
2000 Jubilee Edition Third Part 9.00 1
2000 The Ultimate Edition - 1
2000 Jubilee Edition First Part 10.00 1
2000 Historic Edition 12.00 1
2000 Silver Edition 13.00 1
2000 Contemporary Works 1 13.00 1
2001 Live @ Klangart 1 + 2 11.00 2
2002 Contemporary Works 2 12.00 1
2002 Virtual Outback 10.00 1
2005 Moonlake 9.50 2
2005 Vanity of Sounds 11.50 2
2006 Ballett 2 10.00 1
2006 Ballett 1 10.00 1
2006 The Crime of Suspense 10.50 2
2007 Kontinuum 7.67 3
2007 Ballett 4 9.00 1
2007 Ballett 3 8.00 1
2009 La Vie Electronique 4 11.00 1
2009 La Vie Electronique 2 11.00 1
2009 La Vie Electronique 3 11.00 1
2009 La Vie Electronique 1 11.00 1
2010 Big in Japan (Live in Tokyo 2010) 10.00 2
2010 La Vie Electronique 8 11.00 1
2010 La Vie Electronique 6 11.00 1
2010 La Vie Electronique 5 11.00 1
2010 La Vie Electronique 7 11.00 1
2011 La Vie Electronique 9 10.00 1
2013 Shadowlands 10.00 1
2016 Another Green Mile 7.00 2
2017 Ballett 3&4 6.00 1
2017 Androgyn 9.00 1
2017 Eternal. The 70th Birthday Edition 10.00 1

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