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24088 Rezensionen zu 16461 Alben von 6399 Bands.
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The Flower Kings

Unfold the Future

(Siehe auch: Leitfaden "Retroprog")
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2002
Besonderheiten/Stil: RetroProg
Label: insideout
Durchschnittswertung: 10.36/15 (12 Rezensionen)

Besetzung

Roine Stolt vocals, guitars, keyboards
Jonas Reingold bass
Zoltan Csörsz drums
Hasse Froberg vocals
Tomas Bodin piano, keyboards

Gastmusiker

Hasse Bruniusson percussion
Ulf Wallander saxophone
Daniel Gildenlöw vocals

Tracklist

Disc 1
1. The Truth Will Set You Free 30:40
2. Monkey Business 4:20
3. Black And White 7:40
4. Christianopel 8:30
5. Silent Inferno 14:25
6. The Navigator 3:15
7. Vox Humana 4:30
Gesamtlaufzeit73:20
Disc 2
1. Genie In A Bottle 8:10
2. Fast Lane 6:35
3. Grand Old World 5:10
4. Soul Vortex 6:00
5. Rollin The Dice 4:15
6. The Devils Danceschool 3:55
7. Man Overboard 3:40
8. Solitary Shell 3:10
9. Devils Playground 24:30
10. Too late for tomatoes   (Bonustrack auf der Limited Edition) 7:02
Gesamtlaufzeit72:27


Rezensionen


Von: Ralf J. Günther @ (Rezension 1 von 12)


Flower Kings oder Flaues Klingen? Nach "Space Revolver" und "Rainmaker" durfte man sich diese Frage mit einer gewissen Besorgnis stellen. Nicht, daß die genannten Alben schlecht gewesen wären. Aber eine neuerliche Veröffentlichung auf diesem Level hätte den Spannungsbogen der Flowerkings-Discographie doch in bedenklicher Weise absinken lassen. Die Hoffnung, daß da noch einmal etwas Großes (oder wenigstens Größeres) kommen würde, sie wäre - wie schon bei so mancher einstmals wichtigen Band - auf unerfreulich kümmerliche Sparflamme gesetzt worden.

Doch siehe da: Mit "Unfold the Future" sind die Flower Kings endlich wieder zu jenen Höhen aufgebrochen, auf denen wir sie sehen und vor allem hören wollen. Ob es unbedingt wieder eine Doppel-CD mit weit ausgereizter Spieldauer sein mußte, darüber läßt sich sicher trefflich streiten. Ohne Zweifel gibt es diesmal jedoch weit weniger Füllmaterial als auf vielen Vorgänger-Alben. Die Palette ist vielmehr so breit, daß hier nicht nur für jeden - wie es immer so schön heißt - "etwas dabei sein dürfte", sondern daß dieses "etwas" den geneigten Lauschern auch in ausreichender Länge zur Verfügung steht.

Ich gehöre zu der Minderheit(?) der Flowerkings-Hörer, die nicht "Stardust we are", sondern CD 1 von "FlowerPower", also konkret den "Garden of Dreams" für den Höhepunkt im Schaffen der Gruppe halten, wohl wissend, daß dieses Stück mehr eine lose gereihte Suite als eine in sich geschlossene Komposition darstellt (ich finde es halt trotzdem spannend, ätsch). Über "Unfold the Future" - die Prognose wage ich - werden sich jedoch die meisten Flower Kings-Hörer die Hände schütteln können. Diese Doppel-CD befindet sich eindeutig auf der guten Seite. Mein Favorit ist dabei nicht der dreißigminütige Opener "The Truth will set you free", sondern der "Devils Playground", der die nicht limitierte Version des Albums abschließt.

So - weiter gehe ich nicht in die Details. Denn wo bleibt ihr, Mitrezensenten? Ich kann´s nicht glauben, daß ich der erste bin, der sich hier äußert.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 2.12.2002
Letzte Änderung: 2.12.2002
Wertung: 12/15

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Von: Udo Gerhards (Rezension 2 von 12)


Das hätte ich von den Flower Kings nicht mehr erwartet: dass sie es schaffen, ein von vorne bis hinten vergnügsames, abwechslungsreiches (sogar Doppel-)Album rauszuhauen, das zudem den Flower Kings Soundkosmos erweitert und keine unerträglichen Längen aufweist. Respekt. Es besteht also auch noch Hoffnung für Yes...

Musikalisch gibt es zwar Altbekanntes wie den symphonischen, hymnisch-verspielten Longtrack-Prog von "The Truth Will Set You Free" (hier mit starken Yes-Anleihen) oder "Silent Inferno". Aber es gibt eben auch verstärkt neue Zutaten: Jam-Nummern zwischen den komponierten Stücken, Miles-Davis-auf-Speed-Fusion ("Devil's Danceschool"), humorige Zappa-Reminiszenzen ("Devil's Danceschool"), eine neue Sangesstimme (Daniel Gildenlöw von Pain of Salvation, besonders auffällig bei "Fast Lane"), dazu der neue Drummer Zoltan Csörz mit einem weniger erdigen, aber verspielteren Stil als Vorgänger Jaime Salazar, der sich hervorragend mit Bassmonster Jonas Reingold ergänzt, was eine der besten Rhythmus-Abteilung im aktuellen Progbereich ergibt.

Diese Frischzellen-Kur im Flower Kings-Sound rührt sicher auch daher, dass verstärkt die anderen Bandmitglieder am Songwriting beteiligt werden, allen voran Tomas Bodin, der wie gewohnt mit unheimlich farbigen, abwechslungsreich einfallsreichen Keyboard-Arrangements glänzt.

Unter dem Strich ergibt sich das beste Flower Kings-Album seit Retropolis, vielleicht sogar das beste. Weiter so!

Anspieltipp(s): Genie in a bottle, Fast Lane, Devil's Playground
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 5.12.2002
Letzte Änderung: 22.7.2003
Wertung: 12/15

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Von: Horst Straske @ (Rezension 3 von 12)


Kaum eine andere Progband war in den letzten Jahren derart präsent wie die Flower Kings und hat die Fans in absoluter Regelmäßigkeit mit neuen Alben beglückt. Dabei haben die Schweden konsequent einen unverkennbaren eigenen Stil herausgearbeitet, wobei gewisse Reminiszenzen an die großen Vorbilder der 70er Jahre natürlich auch immer vorhanden waren. Mittlerweile scheint sich die Beharrlichkeit der Mannen um Ausnahmegitarrist Roine Stolt auszuzahlen, was die sehr positiven Zuschauerzahlen der gerade vergangenen Deutschland-Tour eindrucksvoll beweisen. Dabei ist zu unterstreichen, dass im Fall der Flower Kings die Experimentierfreudigkeit der Band auch nach zahlreichen Studioalben ungebrochen zu sein scheint, was von den Fans auch honoriert wird.

Mit der Ausnahme des etwas kommerzieller orientierten Werkes "The Rainmaker" sind sich die Schweden stilistisch stets treu geblieben und haben von Zugeständnissen in eine massenkompatiblere Richtung entschieden Abstand genommen. Dahingehend ist die aktuelle Situation im Progressive Rock im Gegensatz zu den stets verklärten 70er Jahren auf jeden Fall zu loben, da auch ein Label wie Insideout solch einer Band ein großes Maß an stilistischer Freiheit gewährt. Dies wäre in den Siebzigern über einen Zeitraum von mittlerweile rund acht Jahren, wie im Fall der Flower Kings, undenkbar gewesen.

Das aktuelle Album "Unfold The Future" ist ein eindrucksvolles Zeugnis des unerschöpflichen Ideenreichtums der Flower Kings. Diese Doppel-CD ist erstaunlich experimentell und im Gegensatz zu dem Vorgängeralbum bisweilen reichlich unkommerziell geraten. Dabei ist offensichtlich, dass die Band keinesfalls auf der Stelle tritt und sich wie viele andere Bands aus dem erweiterten Genre des Progressive Rocks in selbstgefällige Wiederholungen flüchtet. Nein, die Schweden ruhen sich mit ihrem aktuellen Output nicht auf ihren Lorbeeren aus, sondern haben mit "Unfold The Future" eines ihrer bisher stärksten Alben vorgelegt.

Besonders die perfekt agierende Rhythmussektion hat dem Sound eindeutig neue Impulse gegeben. Vor allem Bassist Jonas Rheingold scheint gerade seit dem Neuzugang in Person von Zoltan Csorsz am Schlagzeug regelrecht über sich hinauszuwachsen. Beide beleben mit ihrer Vorliebe für den Jazzrock bzw. Fusion gerade das neue Werk der Blumenkönige in beeindruckender Manier. Dabei ist die Verschmelzung der symphonisch melodischen Ausrichtung der Schweden mit diesen jazzigen Einflüssen perfekt gelungen.

Die Herzstücke von "Unfold The Future" sind zweifellos die drei Longtracks "The Truth Will Set You Free", "Silent Inferno" und "Devil´s Playgound", die perfekt über das Album verteilt sind. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass sich diese Titel langfristig zu den absoluten Highlights im Repertoire der Flower Kings etablieren werden. Gerade der energiegeladene Song "Silent Inferno" muss schon jetzt ohne Übertreibung als einer der absoluten Highlights der mittlerweile über 30 Jahre währenden Geschichte der progressiven Rockmusik überhaupt gewertet werden. Diese Behauptung mag zwar schon ein wenig kühn anmuten, ist aber ernst gemeint. Ohne jeden Zweifel liegt hier ein Jahrhunderttrack vor! Wenn dann im ersten Instrumentalteil nach rund fünf Minuten Roine Stolt zu einem traumwandlerischen solistischen Ausflug an seine Gitarre ansetzt und dabei von dem quirligen Bass seines Mitstreiters Rheingold vorangetrieben wird, liegt eine der absoluten Sternstunden des Progressive Rocks vor. Sagenhaft!

Angesichts dieser drei alles überragenden Longtracks kommt aber dem Rest keinesfalls die Funktion des schmückenden Beiwerks zu, sondern sowohl die gejammten Stücke wie "Christianopel", "Soul Vortex" und "The Devil´s Danceschool" als auch die eingängigen Songs wie "Monkey Business", "Vox Humana", "Fast Lane" oder "Man Overboard" tragen zum Gelingen dieses Gesamtkunstwerkes bei. An dieser Stelle sei auch noch auf eine solch unauffällige Perle wie den Song "Grand Old World" mit hinreißendem Saxophonspiel durch Ulf Wallander hingewiesen.

Anspieltipp(s): Silent Inferno
Vergleichbar mit: die Blumenkönige aus Uppsala!
Veröffentlicht am: 8.12.2002
Letzte Änderung: 8.12.2002
Wertung: 14/15

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Von: Jörg Schumann @ (Rezension 4 von 12)


"Unfold the future" ist das beste Flower Kings-Album überhaupt und MEIN Album des Jahres 2002. Die Kompositionen sprühen vor Abwechslung, Einfallsreichtum und Spielfreude, wie ich sie auf den letzten Alben vermisst bzw. nur in Ansätzen gefunden habe. Alleine der beinahe 31-minütige opener ist so spannend, vielseitig und "ergiebig", dass man daraus locker alleine ein ganzes Album hätte machen können. Von YES-Anleihen mit Wakeman`schen Keyboardläufen und Gesangsharmonien ("from the source") oder Howe`schen Gitarrenlinien ("move on uphill") über FloKis-typische schräge Farbtupfer, von athmosphärisch dichten, bombastischen Momenten (grande finale ab 29:12) über feine, ruhige Passagen präsentieren uns Stolt und Band erstklassigen Progrock mit teilweise jazzigem Einschlag. Sowohl kompositorisch als auch handwerklich ist dieses Album hervorragend. Mir gefällt vor allem das druckvolle, virtuose und variantenreiche Schlagzeugspiel von Zoltan Csorsz. Der Mann kann grooven, rocken oder nur sanft und wohldosiert unterlegen. Man höre sich nur einmal die Passage ab 23:20 bis 24:41 an. Aber auch das anschliessende Keyboardsolo von Tomas Bodin ist grossartig, wie überhaupt sein gesamtes Spiel. Dazu gesellt sich der diesmal sehr virtuos zu Werke gehende Jonas Reingold am Bass (tolles Solo live !). Über Roine Stolt muss ich nicht viele Worte verlieren : wunderschöne, stimmige Soli mit viel Gefühl und unverkennbarem Sound, dazu die cool-relaxte Stimme.

"Black & White" wird nach einem ruhigen Einspiel mit Klavier und Gesang zu einem treibend-pulsierenden Instrumentalstück mit hervorragendem, virtuosem Bass- und Schlagzeugspiel. Einem Interludium mit futuristischen Synthesizerklängen und Perkussion folgt wieder die pumpende Rhythmusfraktion. Ebenfalls ein highlight des Albums.

"Christianopel" ist ein zuerst ruhiges, sehr spärlich instrumentiertes Stück, welches langsam in ein grooviges, einer Improvisation gleichendes, Jazz-Spiel übergeht.Interessant und kurzweilig.

"Silent inferno" beginnt bombastisch-rockig. Monotoner Bassgroove, wilde Gitarrenriffs und -läufe, druckvolles Schlagzeug und schräge Keyboardtupfer blasen einem aus den Boxen entgegen. Zwerchfellfaktor 10. Im Mittelteil gibts viel Bombast und Beckengewitter, Mellotron, Orgel und Gefrickel, dazwischen immer wieder ruhige entspannte Passagen mit Stolt`schem Gesang "Marke Ultracool". Ab 9:45 folgt ein tolles, temporeiches Schlussboukett mit latino-groove, beinahe Squire`schem Bassspiel und Schlagzeugsolo. Der Schluss ist monumental. Nach "the truth..." die zweite Perle des Albums.

Die übrigen Stücke der ersten CD sind rockig-gradlinig (monkey business), lieblich-verspielt (navigator) und heile-Welt-mässig (vox humana). Und alle mit Ohrwurmcharakter.

"Genie in a bottle" ist knochentrockener Rock im langsamen 5/4-Takt, gefolgt von 6/8. Nach einem ruhig Zwischenspiel folgt eine grossartige Harmonien- bzw. Tonfolge (von 5:28 bis 6:06). Zum Ausklang Bodin an der Hammond-Orgel.

"Fast Lane" ist genauso, wie der Title vermuten lässt : Hohes, treibendes Tempo, erst 4/4, später im frickeligen Mittelteil im 7/8-Takt, wieder mit herrlich-groovigem, vielseitigem Schlagzeugspiel, dazu mit starkem, eindringlichem Gesang von Hasse Fröberg.

"Grand old world" nimmt das "truth"-Thema wieder auf, um es in einem ruhig-fliessenden Stück mit Saxophon-Einlagen und Stolt`schem Gesang nochmals sehr athmosphärische zu verarbeiten. Ebenfalls gut gelungen.

Nach einigen kürzeren Stücken verschiedenster Art, unter anderem wilder Free-Jazz in "devil`s danceschool", komponiert von Csörsz und Reingold (genial!) und dem sehr stimmungsvollen "man overboard" folgt mit "devil`s playground" der zweite Mammuttrack der Platte. Der Beginn könnte aus einem Sci-Fi-Film stammen. Es wird Spannung aufgebaut, dann kraftvoll im 5/4-Takt losgerockt. Wieder finden sich hier alle Elemente eines grossen Progopus : tolle Melodien, vertrackte Rhythmen und Krummtakte sowie erfrischende breaks, virtuose Arbeit an den Instrumenten, viel Bombast, im richtigen Moment gesetzte Pausen und Tempovariationen, mal wird Spannung aufgebaut, dann darf der Hörer sich wieder entspannen. Langeweile Fehlanzeige. Höhepunkt ein free-jazziges Saxophonsolo vor dem Hintergrund eines wilden Schlagzeug-Bass-Zwiespiels. Dabei spielt die Rhythmusfraktion einen 11/12-Takt. Grandios !

Ich hatte nach den letzten Alben mit einer Fortsetzung des eher "einfachen-gradlinigen-songorientierten" Stils gerechnet, aber nicht mit dieser Vielfalt an neuen Elementen, jazzigen Einschlägen, virtuosem Spiel und Einfallsreichtum. Mir scheint, dass sich Jonas Reingold und Zoltan Csorsz mehr in die Komposition und Entwicklung der Stücke eingebracht haben als Salazar und Reingold dies je zuvor getan haben.

Abschliessend als Bonus-track das brilliante "too late for tomatos". Wer kennt BrandX ? Die standen Pate. Ich kann von diesem Album nicht genug kriegen und hoffe, dass das nächste diesen Stil fortführt.

Anspieltipp(s): the truth will set you free
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 8.5.2003
Letzte Änderung: 21.3.2015
Wertung: 14/15

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Von: Ralf Damaschke (Rezension 5 von 12)


Als Roine Stolt & Co. merkten, daß ihre Anbiederungsversuche an die Metal- und Mainstream-Audienzen auf "Space Revolver" und "The Rainmaker" nicht in merklich höheren Verkaufszahlen resultierten, sondern höchstens ihre Fans vergraulten, dachten sie sich wohl: "OK, dann machen wir halt jetzt was richtig proggiges, dann können wir zumindest unsere alten Sympathisanten mal wieder begeistern." Das scheint ihnen angesichts der bisherigen Rezensionen mit "Unfold The Future" auch ganz hervorragend geglückt zu sein.

Nur nicht bei mir. Selbst "The Rainmaker" hatte immerhin noch ein paar nette Melodien und ansatzweise lockeren Rock zu bieten, aber hier zündet wirklich rein gar nichts mehr. Egal, ob es nun Aufgüsse des klassischen Flokis-Stils sind oder ob die Herren sich an Gejammtem, Zappaeskem oder Pseudo-Pain-of-Salvationigem versuchen, stets klingt das Ergebnis völlig uninspiriert und langweilt mich ungeheuer. Ganz besonders stören mich ich die reichlich beliebigen Gesangslinien, die bisweilen an den Singsang von Kindergartenkindern erinnern, und die oft ekelhaft plakativen Lyrics (schlimmstes Beispiel: "Monkey Business").

Vielleicht liegt es zum Teil an einer nach den enthusiastischen Reaktionen meiner lieben Mitrezensenten gnadenlos überzogenen Erwartungshaltung, aber ich kann mit dieser Doppel-CD überhaupt nichts anfangen. Möglicherweise lege ich sie ja in ein paar Monaten noch einmal auf und finde sie dann genau so großartig, doch bis das passiert, kann ich hier ehrlicherweise nicht mehr als eine 6/15 vergeben.

Anspieltipp(s): Devil's Playground
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 14.5.2003
Letzte Änderung: 17.10.2013
Wertung: 6/15

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 6 von 12)


So, das ist also RetroProg ... ich gebe es zu, "Unfold the Future" war eine meiner ersten Begegnungen mit diesem Genre. Den "klassischen" Prog der 70er hatte ich, ein Jahrzehnt später, nachträglich durchgearbeitet. Nachdem ich Ende der 70er angekommen war, und mich "Going for the One" von Yes, oder "Danger Money" von UK nicht mehr sonderlich überzeugt hatten, habe ich den guten alten Prog eigentlich zu den Akten gelegt und mich anderen Gefilden zugewand (Jazz, Jazzrock, Canterbury, Zeuhl, RIO, "Avantgarde", zeitgenössische Klassik, Experimentellem im weitesten Sinne, Wave/Indipendent ... etc.). Als ich hier die mitunter euphorischen Rezensionen zu den Flower Kings gelesen hatte, und mir dann die Limited Edition von "Unfold the Future" in die Hände fiel, dachte ich, ich riskiere mal ein Ohr.

Ja, ganz nett eigentlich. Klassischer Prog und Jazzrock der 70er neu aufgekocht. Sehr gut gemacht, die Musiker sind virtuos, verstehen ihr Handwerk und der Klang ist grandios. Aber, der musikalische Inhalt ist eben irgendwie schon mal dagewesen. "The Truth Will Set You Free" klingt penetrant nach Yes, "Silent Inferno" könnte fast von UK sein (wer auch immer hier singt, er klingt wie John Wetton) und Mitte der 2. CD scheint Miles Davis dem Grab entstiegen zu sein und es wird fusionesque und jazzrockig! Stile der 70er im Soundgewand des neuen Jahrtausends? Nun zumindest erzeugt man so ständig Deja Vu (Deja Ecouté) - Erlebnisse. Aber das macht wohl Retro-Prog aus. Nur, so gut man es auch mischt und das Rezept verändert, die Ingredienzen bleiben halt die gleichen. Und, irgendwie klang es in den 7zigern roher aber auch frischer, nicht so aufgebläht und glattproduziert. Dazwischen gibt es einige ziemlich poppig-rockige, "eingängige" Songs die man sich auch hätte sparen können. Ich würde wohl nichts vermissen, wenn man nur eine CD mit den "komplizierteren" Titeln aus Unfold the Future machen würde.

Also, schlecht ist diese CD sicher nicht! Wer nicht genug von Yes, UK, Genesis, King Crimson etc. bekommen kann, zur Auflockerung ein paar geradlinigere Rocksongs verträgt und sich in dem Ganzen noch eine gehörige Prise Jazzrock vorstellen kann, möge hier zugreifen. Wer allerdings nach irgendetwas Neuem oder Innovativem sucht, wird wohl - wie ich - enttäuscht werden.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 19.5.2003
Letzte Änderung: 13.4.2014
Wertung: 8/15

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Von: Thomas Thielen @ (Rezension 7 von 12)


Auch für mich gilt: Dieses Album hat eigentlich kaum einen Kritikpunkt. Es ist toll komponiert, durchdacht, brilliant arrangiert, versiert und ideenreich eingespielt, hat viele Facetten, hangelt sich von JazzJams zu operesken Parts... und lässt mich vollkommen kalt.

Die Melodien zünden nicht, die Parts wirken oft zusammengewürfelt, es gibt ne Menge wirklich langweiliger oder voraussehbarer Tracks ("Monkey Business"), und überhaupt war vieles (nicht die Jams!) schon mal besser da. Eine Ansammlung verkopfter, kalkulierter Noten ohne Seele.

Anspieltipp(s): Christianopel
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 7.7.2003
Letzte Änderung: 7.7.2003
Wertung: 6/15

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Von: Thorsten Gürntke @ (Rezension 8 von 12)


Back Again! Alle Jahre wieder beglücken uns die FLOWER KINGS mit einem neuen Output. Das war ganz und gar nicht zur Freude der Fans der ersten Stunde. "Space Revolver" und "The Rainmaker" wiesen einen Weg in eine deutlich andere Richtung und tauschten die althergebrachten Flower Kings Trademarks wie ausgedehnte Instrumentalpassagen und verspielte Arrangements gegen neuere, straightere und damit für viele auch wesentlich uninteressantere Songs. Und nun kommt mit "Unfold The Future" auch noch das wohl am wenigsten nach FLOWER KINGS klingende Album daher.

Und das ist nicht zuletzt auch ein Verdienst von Neuschlagwerker Zoltan Csörsz und Bassist Jonas Reingold, die eine derart furztrockene, dennoch aber von Vielseitigkeit geprägte Rhythmusarbeit abliefern, dass es einfach nur Spaß macht ihnen zu lauschen - da haben sich wohl zwei gefunden. Zudem bekommt man durch (für den klassischen Progrock) untypische Instrumente wie Trompete (Man lausche nur "The Devils Danceschool" - Nils Petter Molvaer wäre sicherlich neidisch) oder Saxophon auch mal andere Einflüsse präsentiert. Dass diese Passagen dann stellenweise in rein improvisierte Jazzpassagen münden (Christianopel, Soul Vortex), lockert das Album und vor allem die Strukturen auch solcher Longtracks wie "The Truth Will Set You Free" ungemein auf. Auch wenn es Stimmen gibt, die gerade den Opener als sehr YES lastig bezeichnen gibt es doch auf "Unfold The Future" noch wesentlich mehr zu entdecken als nur dies.

Da wären die Gastsängerauftritte von Daniel Gildenlöw von PAIN OF SALVATION zu nennen, der in einigen Stücken mit der eher weichen Stimme von Roine Stolt wunderbar aneinanderprallt. Da sei nur mal beispielhaft das abschließende "Devils Playground" genannt, welches ich mittlerweile wohl als einen der großartigsten Longtracks bezeichnen möchte, die die Welt je gehört hat - nicht nur aufgrund des Gesangs, sondern auch durch die sehr getragene Atmosphäre, die ihr i-Tüpfelchen durch Percussion und ein Tenorsaxophon sondersgleichen erfährt. Zahlreiche dieser Momente gibt es auf "Unfold The Future" zu nennen. Da bleibt es allerdings auch nicht aus, dass sich auf einer Doppel CD hier und da Schwächen einschleichen. Besonders die erste CD hätte in meinen Ohren verkürzt werden können und zeigt auf Distanz einfach nicht das Durchhaltevermögen und vor allem die Klasse der zweiten CD. Nichts desto trotz kann man wohl von dem besten FLOWER KINGS Album seit "Stardust We Are" reden.

Um dies zu würdigen, solltet ihr euch also schnell ein Highlight des laufenden Jahres besorgen gehen und darin versinken. Hier gibt es wesentlich mehr zu entdecken, als nur gute Musik. Die FLOWER KINGS sind zurück und präsentieren sich ungewöhnlich jazzig und vielseitiger denn je. Zudem bekommt man mit "Silent Inferno" und dem bereits angesprochenen "Devils Playground" einfach zwei Hämmer erster Klasse um die Lauscher gehauen ... Prog Herz, was willst du mehr?

Anspieltipp(s): Monkey Business, Silent Inferno, Genie In A Bottle, Fast Lane, The Devils Danceschool, Devils Playground
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 8.7.2003
Letzte Änderung: 9.1.2004
Wertung: 13/15
Die Flower Kings, jazzig und verspielt wie lange nicht mehr!

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Von: Andreas Pläschke @ (Rezension 9 von 12)


Noch eine Besprechung zu diesem Album. Mir geht es ähnlich wie Achim und Thomas.

Im Unterschied zu ersterem kannte ich die FlowerKings schon länger, und ich mag sie besonders auf ihren Liveaufnahmen ganz gern. Aber inzwischen werde ich den Verdacht nicht los, Stolt produziert zu viel zu schnell.

Schon der lange Opener ist trotz schöner Momente einfach ein Sammelsurium diverser Ideen (was mir bei den meisten Longtracks der FlowerKings oder auch bei Transatlantic so geht). Eine zündende Idee, die er durchhält, gibt es meines Erachtens nicht. Track 2 spielt ein wenig mit Gentle Giant, anderes leiht bei YES, Zappa, U.K. und so weiter. Aber alles klingt retro und bleibt bei aller Raffinesse nicht hängen.

Die eingestreuten Jams wie "Christianopel" oder Shorttracks a la "Vox humana" sind mir da fast schon lieber, weil sie da eine Idee wirklich ausarbeiten. Letzterer Titel ist allerdings für mich etwas zu süss.

Die zweite CD gefällt mir allein schon ob der Kürze der Songs besser. Auch die Jazzanleihen sind eine schöne Ergänzung. Aber auch sie krankt an fehlenden guten Songideen. Positiv: der Keyboarder, klasse Sounds und Ideen.

Fazit: spieltechnisch gut, aber es fehlt auch mir der zündende Funke.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 6.1.2005
Letzte Änderung: 6.1.2005
Wertung: 8/15
CD 2: 9

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Von: Thomas Kohlruß (Rezension 10 von 12)


Braucht "Unfold The Future" noch eine zehnte Rezension? Na ja, vielleicht nicht... aber dies ist meine 500. Meinungsäußerung auf diesen Seiten und da dachte ich mir, da kann ich mir diesen Spaß schon mal gönnen. Außerdem ist "Unfold..." in der Punktewertung immer noch ein bisschen unterbewertet.

Zudem bin ich seit 2002 (hmmm.... schon wieder ganz schön lange her) am Grübeln, was nun das beste Flower Kings-Epos ist. Eine Entscheidung zwischen "Stardust We Are" und "Unfold The Future" ist mir nicht möglich... also sind das für mich die beiden Spitzen, die aus dem hochklassigen Output der Blumenkönige herausragen.

Während "Stardust We Are" allerdings so etwas wie die Blaupause des Flower Kings-Sounds präsentiert, so stellt "Unfold The Future" sicherlich das ungewöhnlichste Album der Schweden dar. Eingerahmt von den besten Longtracks, die den Flower Kings in ihrer Karriere bisher gelungen sind, dem majestätisch-sinfonischen "The Truth Will Set You Free" und der Jazz-Rock-Explosion "Devil's Playground", rocken, jazzen, träumen, improvisieren sich die Jungs durch immer wieder mitreißendes und überraschendes Songmaterial. "Silent Inferno" und "Fast Lane" sind sozusagen Zwischenhochs. Dabei kann ich auch nach 4 Jahren und unzähligen Durchläufen immer noch neue Aspekte entdecken, so farbig und vielgestaltig sind die Arrangements und Ideen.

Neben den üblichen Verdächtigen wie Stolts extraordinärem Gitarrenspiel, Bodins geschmackvollen Keyboards und der explosiven Rhythmusfraktion Reingold / Czörsz, kann mich zum Beispiel die vertrackte Percussion von Hasse Bruniusson, besonders auf CD1, begeistern. Daniel Gildenlöw tritt hier noch sehr banddienlich auf und setzt schöne, neue Gesangsakzente. Im Nachhinein wirkt "Rollin' The Dice" wie ein Vorbote von "A Vampire's View"....

Das besonders Besondere von "Unfold..." ist sicherlich die CD2 mit ihren jazz-rockigen Ausflügen, die es so nie wieder bei den Flower Kings gab.

Und hier beginnt der einzige Ansatz leiser Kritik: Später hat sich Roine Stolt gerade von diesen Jazz-Rock-Ausflügen ein bisschen distanziert und diese quasi als "Irrweg" abgetan. Schade, dass der Schwede hier seine eigene Genialität ein Stück weit ad absurdum führt und sich damit künstlerisch einschränkt. Dies und die Tatsache, dass mir "Christianopel" und "Vox Humana" nicht so zusagen, lässt mich "nur" zu 14 Punkten greifen.

Fazit: Ein zeitloses Meisterwerk der Flower Kings... genießen!

Anspieltipp(s): Wer viel Zeit hat nimmt "Devil's Playground", kürzer kann man sich auch mit "Fast Lane" infizieren (lassen)
Vergleichbar mit: den Höhepunkten der goldenen 70er Jahre vom klassischen Prog bis zum Jazz-Rock ;-)
Veröffentlicht am: 25.4.2006
Letzte Änderung: 22.6.2012
Wertung: 14/15

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Von: Marc Colling @ (Rezension 11 von 12)


„The truth will set you free, with this heart bigger than America“. Das ist der Refrain aus dem Überlongtrack THE TRUTH WILL SET YOU FREE. In über 30 Minuten werden viele Ideen manchmal passend, manchmal nicht so passend, aneinander gereiht. Da sind zwar einige richtig gute Momente dabei, aber beim öfters wiederkehrenden Refrain fällt mir die Kinnlade runter. Findet das wirklich jemand gut? Kann doch nicht sein. Das ist doch purer Kitsch. Wobei die Flower Kings diesen tatsächlich auch in manch anderen Motiven dieses Longtracks, ja sogar der ganzen Doppel-CD, streifen. Da stellt sich dann doch die eine oder andere Müdigkeit beim Hören ein. Hätte mir doch öfter mal die Band in härteren Graden gewünscht.

MONKEY BUSINESS oder BLACK AND WHITE sind ebenfalls zahnlose Tiger. Ersteres ist totaler Mainstream, das zweite besitzt eine unspektakuläre und teils schmalzige Melodie mit diversen Percussions und einem abrupten Ende. Vom improvisierten CHRISTIANOPEL reden wir lieber gar nicht. Lückenfüller mit Jazzversatzstücken, aber das hab ich schon besser gehört.

Mit SILENT INFERNO kommt dann endlich ein erster Kracher, und das sogleich über 14 Minuten. Viel Abwechslung, schnell und vertrackt, toller Bass, interessante Keyboardläufe und ein Stolt in Hochform. Die ruhigen Passagen klingen einwandfrei, die härteren rütteln auf und am Ende dann noch Rhythmus pur. Der Schluss von CD 1 mit THE NAVIGATOR und VOX HUMANA ist dann aber wieder unspektakulär und kann nicht begeistern. Es fehlt einfach an Pep, plätschert gemütlich dahin wie ein ruhiger Bach. The Flower Kings spielen hier Retroprog mit teils interessanten, teils aber belanglosen Songs. Da spielt natürlich auch die Dauer des Albums eine Rolle. Bei über 145 Minuten Laufzeit schleichen sich eben Längen ein. Die CD bildet dadurch keine Einheit. Da können auch die mehr oder weniger gelungenen Jazzpassagen auf CD 2 nicht viel daran ändern. Sicher ist THE DEVIL'S DANCESCHOOL gut, allerdings käme so ein Song noch viel besser auf einem einzelnen Silberling zur Geltung. Und wenn mit DEVIL'S PLAYGROUND auch noch einmal ein vertrackter Longtrack mit guten Soli auf Gitarre und Saxophon gespielt wird sowie richtig guten Ideen im Arrangement, tröstet das nur wenig über die allgemein mäßige Darbietung hinweg.

So schließe ich mich eher den Skeptikern unter meinen Kollegen an, die dieses Werk ebenfalls nicht in den Himmel loben. Geschmäcker sind halt verschieden. Wie Achim schon schrieb: die CD ist nicht schlecht. Doch es fehlt ihr in meinen Ohren das Gen, das sie mich lieben lässt.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 26.6.2017
Letzte Änderung: 26.6.2017
Wertung: 7/15
zu lang, zu normal

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Von: Jörg Schumann @ (Rezension 12 von 12)


Kurz vor Weihnachten erscheint das limitierte 10-CD-Box-Set A Kingdom of Colours (1995-2002), in welchem die nach Kritikermeinung besten sieben Alben der schwedischen Retroprogger versammelt sind. Die Box enthält neben den Alben ein Interview mit Bandleader Roine Stolt, zusätzliche Liner Notes sowie als "Zuckerl" für Fans ein handschriftlich nummeriertes Zertifikat, welches die Box als rares Sammlerstück ausweist. Zudem wurde das vermeintlich beste Album der Band, Unfold the Future, neu in 24bit/96kHz re-mastered und drei Stücke The Truth Will Set You Free, Black & White und Devil`s Playground von Stolt komplett neu re-mixed.

Unfold The Future wurde dieser Tage als 2017-Reissue quasi als "amuse bouche" zur Box schon mal vorveröffentlicht. Und zwar so, wie sich das heutzutage gehört: auf Vinyl. Zu den drei Schallplatten hat man für alle nicht-Analogophilen noch zwei CDs beigelegt. Ich fand von allen FK-Covers dasjenige von UTF aufgrund seiner Farbwahl immer schon das Schönste. Diese Pracht kommt nun als grosses LP-Cover noch besser zur Geltung.

Auf Unfold The Future sass erstmals Zoltan Csörsz, der u.a. am Jazz Institute in Malmö ausgebildet worden war und zuvor schon mit Tomas Bodin an einigen Projekten mitgearbeitet hatte, am Schlagzeug der FloKis. Bodin war von den Fähigkeiten des Ungarn so beeindruckt, dass er ihn Stolt als Nachfolger von Jaime Salazar vorschlug. Eine sehr gute Wahl. Csörsz brachte nicht nur eine neue Note in die Musik der Flower Kings ein, sondern prägte das Album durch sein variables Spiel wesentlich mit. Zwei der Stücke auf diesem Album sind gemäss Stolt "free-form on the spot-jams", welche ohne die brillianten improvisatorischen Fähigkeiten von Csörsz nicht möglich gewesen wären. Neben Csörsz gab hier auch Daniel Gildenlöw seinen Einstand als Gastsänger und späteres Vollzeit-Tour-Mitglied der Band.

Zum Remix. Stolt fand die Dynamik des ursprünglichen Mix zu komprimiert, den Klang zu rauh und bisweilen schmerzhaft brutal. So suchte er sämtliche alten Sound-Files zusammen und schuf diesen neuen Mix, welcher detailreicher und ausgewogener sein soll.

Mir ist der Klang des Originals nie negativ aufgefallen. Im Gegenteil. Was ist im neuen Mix nun anders? In den drei remixten Stücken fallen immer wieder kleinere Retouchen auf. Mal fehlt hier eine Keyboardlinie, mal ist dort eine Harmonie eingefügt, mal ist ein Instrument leiser, mal lauter, als im "Original". Das ist an einigen Stellen interessant, da man etwas Neues zu hören kriegt, mitunter nimmt es den Stücken aber auch die eine oder andere lieb gewonnene Facette. Natürlich ist es schwierig, ein Album dieser Länge parallel bezüglich kleiner klanglicher und soundtechnischer Unterschiede auseinander zu nehmen und zu vergleichen. Ich habe mich daher auf einige Passagen beschränkt, die ich an diesem Album speziell schätze. Eine davon findet sich im Opener ab 23:20. Hier spielt Csörsz im Original einen tollen, mit verschiedenen Percussion-Elementen garnierten Groove über einem instrumentalen Fundament der übrigen Instrumente. In der remixten Version ist es umgekehrt: das Schlagzeug wird in den Background geschoben, die Gitarre und das Keyboard stehen spürbar lauter im Vordergrund. Diesen Eindruck gewinne ich auch an anderer Stelle. Der noch in den liner-notes gelobte Csörsz war im 2002-Mix präsenter als jetzt, was mir persönlich besser gefallen hat. Auch scheint mir der Bass insgesamt im "alten" Mix etwas tiefer in den Keller zu steigen, als dies hier der Fall ist.

Wie dem auch sei. Das Album bleibt ein Meilenstein im Schaffen der Flower Kings und auch des Retroprog, den man kennen darf.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 4.11.2017
Letzte Änderung: 4.11.2017
Wertung: keine siehe oben

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von The Flower Kings

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1995 Back in the world of Adventures 10.67 3
1996 Retropolis 11.40 5
1997 Stardust We Are 12.00 4
1998 Scanning The Greenhouse 11.00 2
1998 Edition limitée Québec 1998 7.00 2
1999 Flowerpower 8.20 6
2000 Alive on Planet Earth 12.00 2
2000 Space Revolver 10.17 6
2000 Fan Club CD 2000 7.00 2
2001 The Rainmaker 8.40 5
2002 Live in New York - official bootleg 10.00 2
2002 Fan Club CD 2002 10.00 2
2003 Meet the Flower Kings: live recording 2003 11.25 4
2003 Meet the Flower Kings: live recording 2003 (DVD) 8.33 3
2004 Adam & Eve 8.25 8
2004 BetchaWannaDanceStoopid!! 10.50 3
2005 Fan Club CD 2005 (Harvest) 8.50 2
2006 Paradox Hotel 8.50 6
2006 Instant Delivery (DVD) 10.00 2
2007 The Sum of no Evil 9.20 5
2007 The Road Back Home 7.67 4
2008 Carpe Diem 10.33 3
2011 "Tour kaputt" Live 11.00 2
2012 Banks Of Eden 8.00 4
2013 Desolation Rose 7.20 5

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