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24288 Rezensionen zu 16601 Alben von 6470 Bands.
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Amon Düül II

Yeti

(Siehe auch: Leitfaden "Krautrock")
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1970
Besonderheiten/Stil: Krautrock; sonstiges
Label: United Artists Records / Revisited Records
Durchschnittswertung: 11/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Peter Leopold drums
Shrat bongos,vocals
Renate vocals, tambourin
John Weinzierl guitar,12-string-guitar,vocals
Chris Karrer violin,guitar,12-string-guitar,vocals
Falk Rogner organ
Dave Anderson bass

Gastmusiker

Rainer guitar,vocals on 10
Ulrich bass on 10
Thomas flute on 10

Tracklist

Disc 1
1. Soap Shop Rock

1. Burning Sister 3.41
2. Halluzination Guillotine 3.05
3. Gulp A Sonata 0.45
4. Flesh-Coloured Anti-Aircraft Alarm 5.53

2. She Came Through The Chimney 3.56
3. Archangels Thunderbird 3.30
4. Cerberus 4.18
5. The Return Of Ruebezahl 1.35
6. Eye-Shaking King 6.37
7. Pale Gallery 2.11
8. Yeti (Improvisation) 18.00
9. Yeti Talks To Yogi (Improvisation) 6.06
10. Sandoz In The Rain (Improvisation) 8.55
Gesamtlaufzeit68:32


Rezensionen


Von: Siggy Zielinski @ (Rezension 1 von 3)


Für viele gelten Amon Düül 2 als unumstrittene Vertreter des psychedelischen Krautrock. Mag sein, vielleicht mal anders gesagt, kultiviert die Band auf "Yeti" gepflegte kollektive Improvisation, die mitunter an die frühen Hawkwind (siehe auch Bassist Dave Anderson) , Pink Floyd oder sogar Cream erinnernd, um Orientalisches und Schräges erweitert wurde. Zum Letzteren zählen neben verschiedensten Zusatzeffekten auch die Gesangparts, die, meistens ziemlich originell angelegt, gelegentlich nur als Beiwerk dienen. Als Krautrock, also als eventuell typisch für progressive Musik aus Deutschland Anfang der 70er, könnte man am ehesten wohl die ersten Stücke des Albums bezeichnen, die bisweilen straff rockend, zugleich entrückt und im positiven Sinne archaisch anmuten. Das vierteilige "Soap Shop Rock" schmücken die z.T. operettenhaften weiblichen Gesangparts, die mit der männlichen Stimme ein Duet bilden. Es gibt auch einige akustische Passagen, die wie beispielsweise auf "Sandoz in the rain" mit akustischer Gitarre, Geige und Flöte dienen, als Hippie-Folk damals fast unerläßlich schienen, und hier zusammen mit dem launischen Gesang so etwas wie den letzten Song des Albums bilden. (Fragt sich, ob man z.B. "Eye-shaking king" mit seinen knappen, stark verfremdeten Gesang als Song bezeichnen möchte).

Nach einer längeren Pause bin ich eigentlich angenehm überrascht, dass die Musik auf "Yeti" immer noch so frisch und kreativ rüberkommt.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 21.4.2003
Letzte Änderung: 21.4.2003
Wertung: 11/15

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 2 von 3)


Für uns ist es die Entdeckung einer neuen Dimension der Popmusik: eines fanatischen Surrealismus, eines neuen Schauspiels.

So schrieb das französische Magazin "Rock & Folk" über "Yeti", das zweite Album von Amon Düül II. Dieses Zitat ist auch im Beihefttext des neuesten CD-Reissues - verfasst von Michael Fuchs-Gamböck - von Revisited Records zu finden. Darauf folgt dort ein kurzer Ausschnitt aus einer Rezension zum Album aus der Münchner Tageszeitung: "Man wird fast erschlagen von der Klangfülle, von Motiven, die sich motorisch durch verschiedene Musikebenen bewegen, dazu Singstimmen, wie abgewrackte Wagnersänger. Die Titel, übersetzt etwa "Brennende Schwester" und Rübezahls Rückkehr", sind so originell wie die Musik, die Musik so raffiniert und undurchschaubar wie die Seele einer Frau. Es ist erholsam, auf dem mittlerweile überfüllten Popmarkt mal etwas wirklich Neues zu hören."

Offenbar haben die zweiten Düül 1970 mit "Yeti" im In- und Ausland für gemäßigtes Aufsehen gesorgt. Ein Jahr später wurde die Scheibe im Pop-Poll der Zeitschrift Musik Express von den Lesern gar zum Album des Jahres gekürt und die Gruppe selbst zur besten Nachwuchsband gewählt. Amon Düül II waren damit zu beginn des Jahrzehnts eine der bekanntesten, wenn nicht die bekannteste deutsche Rockband. Es begann der kurze Höhenflug des Krautrock (der damals wenn überhaupt dann in England so bezeichnet wurde, und das war dann durchaus abfällig gemeint).

Auf "Yeti" hatten es die Münchner nach dem dilettantisch-konfusen Durcheinander ihres Erstlings (die Besetzung ist fast identisch) geschafft ein stimmiges, durchaus gekonnt musiziertes und gleichzeitig ausgesprochen fantasievolles Album einzuspielen, welches auch in produktionstechnischer Hinsicht überzeugen konnte. Zwei Wochen Zeit hatte die Band für die Aufnahmen (für "Phallus Dei" waren es offenbar nur 2 Tage), die so harmonisch und inspiriert abliefen, dass die Gruppe am Ende viel mehr Material eingespielt hatte, als für eine LP nötig war. United Artists hat die Gruppe einfach machen lassen - so hat es zumindest den Anschein - und sich am Ende auch nicht daran gestört, dass das Ganze ein teures Doppelalbum wurde. Auch Plattenfirmen waren damals noch bereit zu experimentieren.

Zur Musik! Psychedelischen Rock gibt es auf "Yeti" zu hören, in der zweiten Hälfte des Albums weitestgehend improvisiert, den man in die Nähe zu den frühen Pink Floyd stellen kann, der aber auch Vergleiche mit diversen amerikanischen Formationen der späten 60er aushält, z.B. The Velvet Underground, The Chocolate Watch Band, Jefferson Airplane oder auch The Thirteenth's Floor Elevators. Allerdings ist die Musik der Düül um einiges kantiger, freier, ideenreicher und vielseitiger ausgefallen. Psychedelische Rocksongs mit Hitpotential ("Archangels Thunderbird"), stehen neben freien Rockexkursen ("Cerberus"), seltsamen, folkig-psychedelischen Liedern mit bizarrem, etwas gewöhnungsbedürftigem Gesang ("Soap Shop Rock" - hier gibt es die abgewrackten Wagnersänger zu hören) und langen, ausladenden Improvisationen (die letzen drei Tracks, darunter das fast 20-minütige, beeindruckende Titelstück). Amon Düül II spielen hier frisch und befreit drauflos, rocken ungezwungen, gelegentlich schon noch ein wenig holprig dahin und lassen ihrer Spielfreude freien Lauf. Gitarren, die elektrisch verstärkte Violine Chris Karrers, Bass und allerlei Perkussion stehen im Mittelpunkt der Klänge, Falk Rogner hält sich mit seiner Orgel eher im Hintergrund auf.

"Yeti" ist neben dem Nachfolger "Tanz der Lemminge" das Beste, was die Düüls je auf Tonträger gebannt haben. Auf dem Nachfolger haben Tasteninstrumente eine bedeutendere Rolle, gibt es etwa anders gewichtete, augefeiltere und komplexere Kompositionen zu hören (weswegen mir jenes Album auch eine Spur besser gefällt). "Yeti" ist dagegen roher (man könnte wohl auch "primitiver" sagen), frischer und wirkt noch ungezwungener. Kurzum: "Yeti" ist eine wirklich wichtige Scheibe in der Krautrockhistorie und sollte zur Grundausrüstung einer entsprechenden Sammlung gehören. Zudem macht es wirklich Spaß, sich das wilde Treiben der Band anzuhören!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 28.1.2007
Letzte Änderung: 10.11.2011
Wertung: 11/15

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Von: Sal Pichireddu @ (Rezension 3 von 3)


Den vorangegangenen Bemerkungen ist nicht mehr viel hinzuzufügen. Resümierend nur so viel: Amon Düül II debütierten 1968 mit dem damals als bahnbrechend eingeordnetem Album Phallus Dei, das, zum ersten Mal in der deutschen Popkultur, auch in Großbritannien Beachtung fand. Der legendäre John Peel und der meinungsmachende Melody Maker waren beeindruckt von so viel Eigenständigkeit aus dem musikalischen Entwicklungsland Deutschland. Dabei war Phallus Dei alles andere als ein sauber eingespieltes Album, im Gegenteil: Musikalischer Dilettantismus ("Wer üben muss, hat's wohl nötig") und Genialität lagen hier eng beieinander. Überzeugend war wohl vor allem das radikal künstlerische (und gänzlich unkommerzielle) Konzept: Surrealismus in Rockmusik. Erst auf "Yeti" sollte die Band beginnen, wie eine Gruppe von Musikern vorzugehen (und so sollten sie sich langsam, aber stetig von der urwüchsigen Kraft des anarchischen Kollektivs lösen).

Auf "Yeti" behielten sie ihre kompromisslose Melange bei, die psychedelische Einflüsse mit langen Solo-Läufen, Folk und 'teutonischem' Gesang mixte, doch das frenetische "Yeti" wirkt rückblickend musikalisch deutlich ausgereifter, als das Debüt, dessen Faszination wohl eher als Phänomen der Epoche zu verstehen ist (und weniger als musikalische Errungenschaft): Plumperquatschender Dilettantismus als Stilmittel hätte wohl auch kein zweites Mal gewirkt. Yeti ist also auf halben Weg zwischen Anarchie und Musik genau das, was heute musikalisch am überzeugendsten wirkt und geradezu archetypisch für das Feeling und den Sound des Krautrocks oder mit einem Wort: Essentiell.

Die Wiederveröffentlichung auf Revisited Records kommt in einer edlen Aufmachung: Ein Digipak mit aufwendiger Drucktechnik, gutes Remastering (das war gewiss nicht leicht, bei dem Krach!) und ausführlichen Liner Notes sind gewiss weitere Gründe, um zuzugreifen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 28.1.2007
Letzte Änderung: 29.1.2007
Wertung: 11/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Amon Düül II

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1969 Phallus Dei 10.67 3
1971 Tanz der Lemminge 11.00 2
1972 Carnival in Babylon 9.00 2
1972 Wolf City 10.00 2
1973 Vive la Trance 9.00 2
1973 Live in London 11.00 1
1974 Hi-Jack 8.00 1
1975 Made In Germany 9.00 3
1976 Pyragony X 5.00 1
1977 Almost Alive 6.50 2
1978 Only Human 5.00 2
1981 Vortex 8.33 3
1995 Nada Moonshine # 9.00 1
1996 Kobe (Reconstructions) 11.50 2
2000 Manana 9.00 1
2003 Amon Düül II play Phallus Dei (DVD) - 2
2010 Bee As Such 7.00 1
2014 Düülirium 10.00 1

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