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Sahara

Sunrise

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1973 (CD-Reissue 1993, Ohrwaschl Records)
Besonderheiten/Stil: Jazzrock / Fusion; Klassischer Prog
Label: PAN
Durchschnittswertung: 10.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Hennes Hering Keyboards
Michael Hofmann Holzblasinstrumente, Mooog, Mellotron, Gesang
Alex Pittwohn Harmonica, Tenorsaxophon, Gesang
Harry Rosenkind Schlagzeug, Percussion
Stefan Wissnet Bass, Gesang
Nicholas Woodland Gitarre

Tracklist

Disc 1
1. Marie Celeste 7:35
2. Circles 4:38
3. Rainbow Rider 7:40
4. Sunrise 27:20
Gesamtlaufzeit47:13


Rezensionen


Von: Horst Straske @ (Rezension 1 von 2)


Unter neuem Bandnamen Sahara veröffentlichten vier der ehemaligen Musiker von Subject Esq. 1973 das Album "Sunrise", das noch größtenteils den Stilmix der Vorgängerformation bietet. Die Songs wechseln zwischen moderatem Jazzrock und traditionellen Rockstrukturen. In diesen spannenden Soundmix sind aber zunehmend symphonisch-komplexe Elemente eingeflochten. Hierzu zählen gekonnte Moogeinsätze, ein dezentes Mellotron und kraftvolles Orgelspiel. Insbesondere der wunderbar dröhnende Bass verleiht den Kompositionen ein großes Maß an Dynamik.

Schon der Opener "Marie Celeste" vereint alle Elemente des impulsiven Stils der Bayern. Nach einem kurzen Klassikeinschub setzen markante Gitarrenriffs ein und treiben den Song in fast schon gieriger Manier nach vorne. Hierzu gesellen sich dann auch noch markante Bläsereinsätze. Plötzlich beendet aber elegisches Orgelspiel dieses fast schon zügellose Treiben und es schleicht sich ein zunehmend getragener Bombast ein. Es setzt melancholischer Gesang ein, der in Verbindung mit zurückhaltendem Spiel der Band ganz behutsam wieder an Dynamik gewinnt. Zwischenzeitlich sorgt auch ein Saxophon für die jazzige Komponente. Ein pumpender Bass leitet dann aber zusammen mit quirligem Flötenspiel wieder einen kraftvollen Part ein.

"Circles" tendiert dann ganz unverhofft in West Coast Gefilde und hat anfangs mit seinem Mundharmonika-Spiel sogar einen leichten Country-Touch. Dieser Titel fällt somit völlig aus dem Rahmen, stellt aber auch keinesfalls einen überflüssigen Fremdkörper dar.

"Rainbow Rider" beginnt gar als schmissiger Rock´n´Roll, um dann ziemlich abrupt in einen wiederum getragenen Part zu münden. Dieser gekonnte Stilwechsel wirkt sehr flüssig und macht gerade den Reiz des Albums aus.

Im zentralen Titelsong "Sunrise" wird dieser vielfältige Sound auf die Spitze getrieben. Spielerisch wird in diesem Instrumental zwischen leichtfüßigem Jazzrock und bombastischen Progressive Elementen gewechselt. Insbesondere sphärische Moogeinsätze manövrieren den Sound von Sahara eindeutig in den Bereich des typischen Progsounds. Die großflächigen Synthieflächen tendieren da aber fast schon in die Gefilde der deutschen Elektronik. Abstrakte Gitarrenriffs sorgen dann aber zusammen mit einem wunderbar dröhnenden Bass für einen kraftvollen Gegenpol. Dieses stilistische Wechselbad setzt sich im weiteren Verlauf fort und es wird wahrlich progressive Rockmusik in Reinkultur geboten.

Anspieltipp(s): Marie Celeste, Sunrise
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 31.8.2003
Letzte Änderung: 31.8.2003
Wertung: 12/15

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 2 von 2)


Auch der Debutscheibe von Sahara musste ein engagierter Schreiberling einen bedeutungsschwangeren Hüllentext beifügen:

Wer dies erste Album der "Sahara" hört, vergisst besser alles, was er über tiefsinnigen "Krautrock" gelesen hat. Der Ehrgeiz dieser Gruppe eilt dem eigenen Könnnen nicht hörbar um Lichtjahre voraus. Hier spielen Profis, die das Handwerk des Improvisierens beherrschen. Alle Ausflüge in die Werkstatt des Tonsetzers, der unbekannte Klänge finden will, haben eine sinnliche und sinnvolle Struktur. Die Songs sind präzis durcharrangiert, aber nie steril. .... Wer glaubt, dass britische Bands wie Traffic oder Yes ein im Rock fundiertes Jazz-Feeling gepachtet haben, wird durch die Musik dieser Platte eines Besseren belehrt.

In der englischen Version des Textes kommt sogar der Name Stockhausen vor:

With all their excursions into a Stockhausen-like workshop, they want to find unknown sounds, that have a structure which is at the same time sensual and rich in expression."

Nach den unbekannten Klängen haben Sahara wohl vor allem im langen Titeltrack gesucht. Die ersten drei Stücke bieten nämlich keine sonderlich abenteuerlichen Soundexkursionen.

Mit "Marie Celeste" geht die Scheibe jedenfalls schön proggig los. Mit heftigem Bassgeriffe, jaulender Gitarre, treibendem Schlagzeug und kräftigen Saxophonfanfahren, ehe sakral die Orgel erklingt. Auch der Rest dieser 7 Minuten bieten abwechslungsreiche Musik, die zwischen recht erdigem, klassischen Symphoprog und eher jazzig-rockigen Klängen hin und her wechselt.

Leider lässt die Platte mit den nächsten beiden Stücken (die einzigen mit richtigem Gesang) dann deutlich nach. Die locker-fröhliche Country-Westcoastnummer "Circles" ist hier - da muss ich Horst doch widersprechen - etwas fehl am Platz. Zumindest beweisen Sahara damit, dass man solche Musik auch ausserhalb von Kalifornien machen kann. "Rainbow Rider" bieten grösstenteils zeittypischen Mainstream-Rock, auch wenn gegen Ende für kurze Zeit feinnerviger Jazzrock erklingt. Die beiden Nummern sind nicht unbedingt ein Ausbund an Originalität, zeigen aber durchaus, dass die Gruppe ihre Instrumente beherrscht und dass sie - was für die bundesdeutsche Rockjournaille wohl sehr wichtig war - durchaus wie zeitgleiche angloamerikanische Bands klingen können.

Schliesslich folgt das gigantische Titelstück. Auf dieses Stück beziehen sich wohl hauptsächlich die euphorischen Liner Notes. Hier wird nämlich improvisiert. Nach gemässigt jazzrockigem Beginn klingen die Instrumente frei durcheinander, bauen sich auf dezenten Klangflächen von Mellotron, Orgel und Synthesizer langsam jazzig-rockige Improvisationen auf (die wirklich ab und zu an Yes erinnern), gelegentlich aufgelockert durch Tonbandeinspielungen und Soundeffekte. Das Stück ist ganz interessant, doch ein wenig zu lang. Es fehlt an einem durchgehenden Konzept. Etwas zufällig reihen sich hier die einzelnen Abschnitte aneinander, so dass sich kein durchkomponiertes Gesamtwerk ergibt. Zudem kann ich keine wirklichen Höhepunkte ausmachen. Hier wurde eine Sammlung von netten Ideen auf fast eine halbe Stunde ausgedehnt.

Trotzdem ist "Sunrise" eine ordentliche Scheibe, die zeigt, wie der Krautrock langsam erwachsen geworden ist. Die Experimentierfreude der ersten Stunde weicht soliderer, handwerklich perfekter und hervorragend produzierter Musik. Leider gingen dabei auch die innovativen, mitunter dilettantisch-erfrischenden Ideen weitestgehend verloren. Fast wünsche ich mir, dass der Ehrgeiz der Musiker ihrem Können wieder Lichtjahre vorauseilen würde!

Anspieltipp(s): Marie Celeste
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 26.2.2005
Letzte Änderung: 10.11.2011
Wertung: 9/15

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