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24289 Rezensionen zu 16602 Alben von 6470 Bands.
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Il Balletto Di Bronzo

Ys

(Siehe auch: Leitfaden "Italienischer Prog der 70er Jahre")
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1972
Besonderheiten/Stil: Klassischer Prog
Label: Polydor
Durchschnittswertung: 13/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Vito Manzari Bass
Gianchi Stringa Schlagzeug
Lino Ajello Gitarre
Gianni Leone Vocals, Orgel, Piano, Mellotron, Moog, Spinett, Celesta

Tracklist

Disc 1
1. Introduzione 15:11
2. Primo Incontro 3:28
3. Secondo Incontro 3:06
4. Terzo Incontro 4:33
5. Epilogo 11:30
6. La tua Casa Comoda   (Bonustrack) 3:47
Gesamtlaufzeit41:35


Rezensionen


Von: Udo Gerhards (Rezension 1 von 3)


Vor den Siebziger Jahren hatte die Rock-Musik in Italien kaum eine Rolle gespielt. Die erste populäre Musik, die dort richtig einschlug, war - tatsächlich! - Progressive Rock. Bands wie "Van Der Graaf Generator", aber auch "Genesis" waren dort in den frühen Siebzigern fast oder tatsächlich erfolgreicher, als in Grossbritannien selbst. So entwickelte sich auch schnell eine hervorragende und sehr selbständige italienische Prog-Szene, die viele klassische Alben hervorbrachte.

Dazu gehört auch "Ys" vom "Il Balletto Di Bronzo" aus dem Jahr 1972. Nachdem die Band 1970 ein wohl eher durchschnittliches Psychedelic Rock-Album aufgenommen hatte ("Sirio 2222"), gelang ihr gleich mit der zweiten Platte ein Klassiker.

Wie eigenständig die italiensche Szene schon damals war, kann man daran erkennen, dass sich "Ys" kaum mit anderen - zumindest mir bekannten Bands - vergleichen lässt. Am ehesten kämen wegen Keyboardlastigkeit und dem ein oder anderen Riff noch "ELP" a la "Tarkus" in Frage, aber "Il Balletto Di Bronzo" geben sich weder so pompös noch so klassik-beeinflusst wie jene. "Ys" scheint eine Art Konzept-Album zu sein, mangels Italienisch-Kenntnisse weiss ich aber nicht, worum es geht (vielleicht kann Sal mich mal bei Gelegenheit aufklären).

"Introduzione" und "Primo Incontro" fliessen ineinander über und teilen obendrein noch musikalisches Grundmaterial, also handelt es sich effektiv um einen Song. Auch "Secondo Incontro" und "Terzo Incontro" gehen ohne Pause ineinander über. Die Band wechselt fliessend und häufig zwischen mysteriös-ruhig Teilen und heftigem, schrägem Riffing in krummen Takten. Dabei schichtet Keyboarder Leono oft zwei, drei Keyboard-Spuren (Orgel, Klavier, Synthies, Mellotron) übereinander, oben drüber heult gelegentlich die Gitarre (diese spielt im Allgemeinen aber eine eher untergeordnete Rolle) oder ein Keyboard-Solo ergibt sich. Die Stimmung ist eher düster, und es ist kaum Platz für Romantik oder Bombast. Gianchi Stringa bedient sein Schlagzeug virtuos aber mannschaftsdienlich und erinnert mich von der Spielweise her manchmal an Michael Giles auf "King Crimsons" "In The Court Of The Crimson King". Dazu der engagierte Gesang von Leone - sehr italienisch im Sound -, mysteriöse Frauenvocals, mal ein hardrockigerer Ausflug, Jazzanleihen in swingendem Rhythmus, faszinierende, hupende Mellotron-Extravaganza (siehe "Secondo Incontro"; das Instrument wird hier agressiver benutzt als nur zum Flächen legen), quasi-klassisches Spinett, eruptive Hammond-Arbeit, zirpender Moog.

Der Bonustrack ist übrigens ein etwas straighterer, aber immer noch düsterer Song aus dem Jahr 1973; nichts wirklich Aufregendes, aber auch sicherlich kein Ärgernis.

Dies ist sicher keine Plate für jeden Prog-Freund, aber für 1972 wahrlich eine kompromisslose Meisterleistung. Meine einzigen Beschwerden: der mysteriöse, fast freie Teil in "Epilogo" dauert vielleicht ein bisschen zu lange, und manche der Spielereien mit dem Stereobild der Instrumente klingen heute nicht mehr ganz zeitgemäss. Ansonsten: Meilenstein!

Anspieltipp(s): Secondo Incontro, Terzo Incontro
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 4.4.2002
Letzte Änderung: 4.4.2002
Wertung: 13/15

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Von: Horst Straske @ (Rezension 2 von 3)


Udos positiver Kritik zu diesem Meilenstein des italienischen Progressive Rock aus dem Jahr 1972 kann ich voll und ganz zustimmen. Es handelt sich um eines der außergewöhnlichsten Alben in der Geschichte des Prog. Mit fällt spontan wirklich kaum eine andere Veröffentlichung ein, die solch eine magische Atmosphäre verbreitet. Die Keyboards von Gianni Leone sind unglaublich und selten haben mich die alten Tasteninstrumente wie das Mellotron oder der Moog so in den Bann gezogen. Neben dem ebenfalls sehr eigenwilligen, aber hervorragenden Gesang, sind auch die leichten Jazz-Ausflüge und die gelegentlichen Hardrock-Einflüsse sehr interessant. Daher kommt mir als Vergleich auch noch die ebenfalls hervorragende italienische Band Museo Rosenbach in den Sinn, welche das Niveau von Il Balletto Di Bronzo jedoch nicht ganz erreicht.

Auf jeden Fall kann man diese Art von Musik nicht kompromißloser spielen und die teilweise gespenstische Atmosphäre wurde von kaum einer anderen Band bisher wieder erreicht. Bei diesem Album gibt es wirklich nur zwei Varianten: Entweder man haßt es abgrundtief oder man verfällt der Magie dieser einzigartigen Veröffentlichung hoffnungslos.

Der Keyboarder Gianni Leone hat übrigens in den Jahren 1977 und 1981 unter dem Pseudonym "Leo Nero" noch zwei Soloalben veröffentlicht. Mir ist aber nicht bekannt, wo diese Alben stilistisch einzuordnen sind. 1992 hat das italienische Label Mellow Records englischsprachige Versionen von zwei Titeln des Albums "Ys" auf Mini-CD veröffentlicht. 1995 hatte Gianni Leone einen kurzen Gastauftritt auf dem ebenfalls sehr ansprechenden Debüt der italienischen Band Divae.

Mittlerweile ist es ja auch zu einer Reunion von Il Balletto Di Bronzo gekommen. Von der Urbesetzung ist jedoch nur noch der bereits mehrfach erwähnte Gianni Leone dabei. Am 18.06.2000 hat man auf dem NEARFest in den USA gespielt.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: etwas Museo Rosenbach
Veröffentlicht am: 4.7.2002
Letzte Änderung: 4.7.2002
Wertung: 13/15

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Von: Kristian Selm (Rezension 3 von 3)


Ich kann mich eigentlich vorbehaltlos den begeisterten Kritiken meiner "Vorschreiber" anschließen, denn "Ys" ist definitiv einer der Meilensteine des Italo Progs der 70er.

Was mich vor allem an diesem Album fasziniert, ist die Tatsache, welch kompromisslose, völlig eigenständige Musik es enthält, für die man fast nichts Vergleichbares findet und wie fortschrittlich, wirklich progressiv Il Balletto Di Bronzo zu jenem Zeitpunkt agierten, ihrer Zeit eigentlich voraus waren. Hinzu kommt eine eigenartige Stimmung und spannende Interaktionen zwischen Keyboards und Gitarre, die in dieser Intensität nur auf wenigen Alben zu finden sind. Ein echter Klassiker!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 27.11.2004
Letzte Änderung: 25.4.2012
Wertung: 13/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Il Balletto Di Bronzo

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1970 Sirio 2222 5.00 1
1990 Il Re Del Castello 4.00 1
1999 Trys 7.00 1
2011 On The Road To Ys (...and beyond) 10.00 1

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