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24716 Rezensionen zu 16917 Alben von 6589 Bands.
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Dün

Eros

(Siehe auch: Leitfaden "Zeuhl")
(Archiv-Tipp 10/2012)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1981 (CD-Reissues 2000 und 2012, Soleil Zeuhl)
Besonderheiten/Stil: instrumental; RIO / Avant; Zeuhl
Label: Eigenverlag
Durchschnittswertung: 12.67/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Laurent Bertaud drums
Jean Geeraerts electric guitar, acoustic guitar
Bruno Sabathe piano, synths
Alain Termol percussions
Thierry Tranchant bass
Pascal Vandenbulcke flutes

Gastmusiker

Philippe Portejoi sax (Tracks 5-9)

Tracklist

Disc 1
1. L'Epice 9:29
2. Arrakis 9:38
3. Bitonio 7:13
4. Eros 10:29
5. Arrakis (Demo, 1979)   (Tracks 5-9, Bonustracks CD-Reissues) 5:47
6. Bitonio (Demo, 1979) 10:24
7. Arrakis (Demo, 1978) 5:12
8. Eros (Demo, 1978) 7:16
9. Acoustic Fremen (1978) 6:27
Gesamtlaufzeit71:55


Rezensionen


Von: Udo Gerhards (Rezension 1 von 3)


Es ist immer wieder erstaunlich, welche Juwelen ein Kramen in der Mottenkiste der Prog-Geschichte herverzaubern kann. Wiedereinmal gelungen ist dies mit der Wiederveröffentlichung von "Eros", der einzigen Platte der französischen Band "Dün". Die Wurzeln der Band reichen zurück bis in Jahr 1976, bis sich schliesslich 1978 die Band "Dune" formierte, die ihren Namen dann noch in "Dün" umänderte. 1981 schaffte man es, in einem durch die befreundeten "Univers Zero" empfohlenen Schweizer Studio eine selbstfinanzierte Platte aufzunehmen, die in einer Auflage von 1000 Stück gepresst wurde. Erst dieses Jahr wurde sie in einer ebenso kleinen Auflage auf CD veröffentlicht (mehr Infos auf der "Soleil Homepage"), was bei der Qualität der Musik eigentlich Anlass zur Verwunderung gibt. Auch die Soundqualität ist absolut professionell.

Am Bandnamen und Titeln wie "Arrakis" oder "L'Epice" kann man leicht erkennen, dass die Bandmitglieder Fans von Frank Herbert SciFi-Epos "Dune" ("Der Wüstenplanet") waren. Die musikalischen Vorbilder waren kaum weniger epochal: das "Mahavishnu Orchestra" (anfangs spielte man sogar "Mahavishnu"-Cover), "Frank Zappa", "Henry Cow" und - nicht zuletzt - "Magma". Aus dem Sound "Düns" lassen sich diese Vorbilder nur bedingt herauslesen. Tatsächlich kenne ich kaum eine Band, die ähnlich klingt. Das liegt sicher auch an der Besetzung und deren Umsetzung in den Arrangements: Flöte und Percussion (ich weiss nicht genau, welche Instrument hier benutzt wird; es klingt ein bisschen wie hohe Marimba-Register oder auch ein Glockenspiel) teilen sich schräge, zerissene Linien, manchmal plus Gitarre, dazu schroffe Piano-Akkorde, kraftvolle Bass-Riffs und druckvolles Schlagzeugspiel. Die Musik ist anspruchsvoll, dissonant, aber meist kraftvoll und mitreissend, auch wenn sich gelegentlich ruhige Passagen einschleichen. Die Melodien sind komplex und die Stücke stark durcharrangiert (abundan hebt auch mal ein jazzrockiges Solo - Gitarre, auch Synthie - ab, aber eher selten).

Gelegentlich kann man die Einflüsse der oben genannten Bands erkennen: der Anfang von "Arrakis" könnte mit seinen ruhigen, seltsamen Klavier-Harmonien auch ein "Henry Cow"-Stück einleiten, der Einsatz der gestimmten Percussion erinnert an Zappa. Aber hauptsächlich "Magma" scheinen durch (für die "Dün" auch mal als Vorgruppe auftraten): kräftige, treibende Bass-Riffs mit peitschenartiger Drum-Begleitung und steigerndem Tempo tauchen immer wieder auf, aber insgesamt sind "Düns" Kompositionen verfrickelter und verspielter als die von "Magma", und auch der hymnische Gesang fehlt. Hier geht es rein instrumental anspruchsvoll zur Sache. "Dün" wären auch fast der RIO-Bewegung von Chris Cutler beigetreten und pflegten auch freundschaftliche Kontakte zu beteiligten Bands wie "Art Zoyd" oder "Etron Fou Leloublan". Musikalisch hätten sie sicher gut zu diesen gepasst.

Die ersten drei Bonus-Tracks sind (auch soundmässig) gute Demo-Versionen von Album-Stücken, die teils radikal anders klingen, als die endgültigen Aufnahmen. Zum einen liegt dies an der anderen Besetzung (ohne Percussion, aber mit Sax), zum Teil wurden die Kopositionen auch stark überarbeitet. So klingt "Eros" in der Demo-Version viel jazziger, fast Canterbury-mässig, mit rasenden Läufen in Flöte und Gitarre, die in der Album-Version fehlen. "Acoustic Fremen" ist eine ruhigere Nummer, die aber hauptsächlich deshalb "ruhiger" ist, da sie nur in Dreierbesetzung eingespielt wurde: Gitarre, Sax, Flöte. Denn auch hier fehlten schräge Ausbrüche nicht. "Acoustic Fremen" diente wohl bei den Live-Auftritten als Ruhepunkt zwischen den heftigeren anderen Nummern.

Insgesamt ist "Eros" eine tolle Entdeckung für Freunde schrägerer Klänge, und macht wieder einmal Hoffnung, dass noch mehr solcher Schätze obskurer Bands wieder ans Tageslicht gelangen werden.

Anspieltipp(s): Bitonio
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 22.4.2002
Letzte Änderung: 22.4.2002
Wertung: 12/15

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Von: Andreas Pläschke @ (Rezension 2 von 3)


Ich lese Udos Kritiken immer sehr gern und wenn er auch noch MAGMA erwähnt, werde ich natürlich schwach, daher habe ich Udos Worten vertraut und mir die CD quasi blind gekauft.

"Schräg" & "französisch klingend" waren meine ersten Eindrücke für die Musik. Auch wenn ich von den bei Udo genannten Vorbildern nur MAGMA und das MAHAVISHNU ORCHESTRA kenne (minmale Kenntnisse von Henry Cow sind nicht der Rede wert), kam mir RIO sofort in den Sinn.

Die Musik ist für meine Ohren seltsam vertrackt, sehr perkussiv und immer wieder leicht abseits der üblichen Harmonielehre, als ob die Band etwas gegen die Regeln spielen würde (anders kann ich das als Nichtmusiker leider nicht ausdrücken). Das macht die Stücke ungemein spannungsgeladen, was durch den hohen Grad an "Frickelei" und den Leadinstrumenten noch verstärkt wird. Mich läßt das Ganze ziemlich sprachlos zurück, ich bin völlig hingerissen von diesem Stil. Erfreulich ist, das es ab und an etwas ruhiger für mich zugeht, um mich an diese ungewohnten Klangwelten zu gewöhnen.

Fazit: "Faszinierend" wie ein bekanntes Spitzohr sagen würde, wieder einen Schritt weiter in die noch unentdeckten Gefilde von RIO, die mich bisher eher geängstigt haben ;-) Das Werk ist wirklich eine Entdeckung.

Anspieltipp(s): Acoustic Fremen, Arrakis
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 31.10.2004
Letzte Änderung: 31.10.2004
Wertung: 12/15

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 3 von 3)


Es gibt nicht viele Alben in meiner nicht ganz kleinen Musiksammlung, die ich mir dreimal gekauft habe; nicht aus Schusselichkeit meinerseits, sondern in voller Absicht. "Eros" von Dün ist eines davon (ein anderes z.B. "In The Court Of The Crimson King"). Die LP lief mir vor ewigen Zeiten auf einer Plattenbörse über den Weg (und zum Glück wusste ich auch, was ich da für ein Schätzchen in Händen hielt - sowohl in musikalischer als auch plattensammlerischer Hinsicht). Um meine wertvolle LP zu schonen und natürlich wegen des Bonusmaterials war dann die CD-Version von Soleil Zeuhl aus dem Jahre 2000 (die dritte Produktion des Labels) die zweite Investition in diese Musik.

Im Sommer 2012 wurde das Album erneut auf CD aufgelegt, wieder von Soleil Zeuhl, wohl wegen der großen Nachfrage, denn die Erstauflage war lange vergriffen. Und auch diese Version musste dann nach kurzem Überlegen von mir erworben werden. Das hatte zwei Gründe: Das Material ist von Udi Koomran remastert worden und es gibt eine weitere Bonusnummer. War die Neuauflage die erneute Investition wert?

Nun ja, im Grunde schon. Vorweg: Ich halte "Eros" für eine der besten Scheiben die im Bereich Jazzrock/Jazzprog/Zeuhl/Avantprog nicht nur in den 70er Jahren veröffentlicht wurde. Somit mag bei meiner Kaufentscheidung in nicht geringem Maße ein gewisser Mangel an Zurechnungsfähigkeit aufgrund extremen Fantums eine Rolle gespielt haben. Trotzdem fand ich den Klang der ersten CD-Version, insbesondere im Vergleich zu der exzellent produzierten LP, etwas muffig. Das kann man über Udi Koomrans Version sicher nicht behaupten, die zudem etwas differenzierter und rauscharmer aus den Boxen kommt. Beim neuen Bonustrack handelt es sich um eine weitere Version der Albumnummer "Arrakis" (mit exzellentem Klang), eingespielt 1979, also ein-zwei Jahre vor der Albumversion. Nett, aber sicher kein wirklicher Kaufgrund für Besitzer der ersten CD-Version.

Letztere brauchen die Neuauflage von "Eros" also nur, wenn auch sie etwas am Sound der Erstauflage auszusetzen hatten bzw. einer etwas irrationalen Sammelleidenschaft bezüglich dieses Albums zuneigen.

Wer diese CD allerdings unbedingt braucht sind alle, die bisher keine Version der Scheibe in ihrem Besitz hatten! Meine beiden Vorschreiber haben schon mehr als das Wesentliche zu dieser tollen Musik festgestellt. Trotzdem will ich auch darauf hinweisen, dass hier ein ausgesprochen virtuoser und abwechslungsreicher Jazzprog mit Zeuhleinschlag geboten wird, getragen von einem wunderbar knurrender Bass und einer wuseligen, doppelt besetzten Schlagwerkabteilung, über deren Klangerzeugnissen Tasten, Gitarre und Flöte ihre dichten Soundnetzte spinnen. Besser wurden Jazz, Prog und Zeuhl selten miteinander vermengt! Muss man haben! Zumindest einmal.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 7.10.2012
Letzte Änderung: 22.3.2014
Wertung: 14/15

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