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Opeth

Lamentations (DVD)

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2003
Besonderheiten/Stil: live; DVD; Dokumentation; Metal; New Artrock; sonstiges
Label: Music For Nations
Durchschnittswertung: 10/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Mikael Akerfeldt vocals, guitars
Peter Lindgren guitars
Martin Mendez bass
Martin Lopez drums

Gastmusiker

Per Wiberg keyboards, backing vocals

Tracklist

Disc 1
1. Windowpane
2. In my time of need
3. Death whispered a lullaby
4. Closure
5. Hope leaves
6. To rid the disease
7. Ending credits
8. Harvest
9. Weakness
10. Master's apprentices
11. The drapery falls
12. Deliverance
13. The leper affinity
14. A fair judgement
15. Documentary: The making of Deliverance & Damnation


Rezensionen


Von: Henning Mangold @ (Rezension 1 von 2)


Wer sich zwischen zwei Stühle setzt, rutscht mittendurch ins Nichts: Das war das Erste, was mir zu dieser DVD-Veröffentlichung einfiel.

Wir erinnern uns: Opeth hatten nach sechs ziemlich deftigen Death-/Grunt-Metal-Alben eine Überraschung in Form des Albums "Damnation" vorgelegt. Ich will hier nicht meine Rezi zu dem Teil wiederholen, also ganz kurz: "Damnation" ist 'ne Weichflöte und als solche einerseits weitgehend gelungen und andererseits volle Absicht der Band.

Nun stand die "Lamentations"-Tournee an, und da beginnt der schizophrene Teil: Was setzt man den Fans vor, und vor allem: welche Fans werden kommen? Die Band ging da offenbar von einem recht wahrscheinlichen Szenario aus, das mir wohl auch so ähnlich durch den Kopf gegangen wäre: Da werden einerseits die Metalheads kommen, und die werden davon ausgehen, dass der Name der Band ja schließlich für ein Image-Versprechen steht, das auf einem Konzert ohne Wenn und Aber eingelöst werden muss; andererseits werden aber auch Leute dort sein, die auf jedes Konzert gehen, wenn sie von der Band kürzlich mal gehört haben, und kürzlich mal gehört hat man von einer Band meistens durch deren neues Album – dies ist der Hörerkreis, der sich an der Vorspieltheke eines Ladens bildet und aus dem sich nur in den seltensten Fällen eine Schar echter neuer Fans bildet; aber da sogar das trotzdem mal passieren kann, muss auch dieser Zuhörerkreis bedient werden – allein deshalb, weil es sich ja um Hörer des aktuellen Albums handelt.

Daraus entstand in der Band die Idee, das Konzert in 2 Sets aufzuteilen: der erste beinhaltet das komplette aktuelle Album, und zwar Song für Song, dann gibt's eine kleine Pause, und im zweiten Set werden dann ältere, aggressivere Songs aus dem Horrorkabinett gespielt (umgekehrt ließen sich die Sets natürlich nicht ordnen, denn dann wäre die Gefahr zu groß, dass die Hörer nach dem Heavy-Teil alle gelangweilt nach Hause gingen).

Eine so blöde Idee ist das ja alles gar nicht, nur kann es passieren, dass man die Rechnung ohne den Wirt macht, bzw. die Setlist ohne das Publikum. Das ist in der Tat das unterschwellige Ergebnis dieses Konzepts geworden – im ersten Set gibt's tatsächlich die komplette "Damnation", sogar erweitert um den Song "Harvest" vom "Blackwater Park"-Album, was durchaus passt, da der Song schon fast auf "Damnation" vorauszuverweisen scheint, und dann kommen die harten Auszüge aus "Deliverance" bzw. "Blackwater Park. Und es kommen während des Konzerts subtile, aber deutliche Probleme auf. Mikael Akerfeldt wirkt auf der Bühne so unsicher wie ein Referendar bei seiner ersten Lehrprobe: er macht vor jedem Song eine (oft unnötig unterbrechende) Ansage, klingt fast entschuldigend, wenn er vor "Rid the disease" sagt, ein "dark and evil song" müsse ja nicht unbedingt laut sein, er kontert das Brüllen eines Mannes aus dem Publikum (bei dem ja nicht ganz eindeutig hörbar ist, wieso der gebrüllt hat), mit den Worten "Give us a bigger scgream, will you?", er leitet schließlich den zweiten Set hammerhart ein, fragt dann aber vorsichtig an: "This is really what we sound like; it's not too heavy for you...?".

Ich kann mir nicht helfen, aber zwei Sets sind für mich zwei Stühle, wenn sie dermaßen unterschiedlich ausfallen. Und der Versuch, es hier jedem recht zu machen, misslingt total, wenn auch die Band selbst es sich wahrscheinlich recht gemacht hat, indem sie zu ihrem etwas anderen neuen Album steht. Das ist gut, aber ich bin der Meinung, dass eine CD wie "Damnation" einfach nicht komplett Live gespielt werden sollte, wenn die Band sonst für ganz andere Musik bekannt geworden ist – außer, es wäre ein Konzeptalbum, aber das einzige Konzept auf Damnation ist die durchgängige Sanftheit der Klänge, und das muss man einem Publikum wirklich nicht eine geschlagene Stunde lang vorsetzen. Ein paar Songs daraus, um zwischen den Heavy-Knallern für Auflockerung zu sorgen, das wäre okay gewesen und hätte auch gereicht.

Zum Schluss noch was Positives: der Sound dieser DVD ist absolut superb (in 5.1. und DTS), und die besten Songs von "Damnation" ("Death whispered a lullaby", "Closure" und "Rid the disease") kommen hier viel proggiger rüber als im Original: es ist auch schwer beeindruckend, wie präzise die Jungs das Timing ihrer beiden Gitarren hinbekommen, vor allem in den ruhigeren Passagen. Und "Closure" hat hier im Mittelteil fast was Floydiges: da muss ich doch glatt an "Set the controls for the heart of the sun" denken, aber durchaus mit viel Begeisterung.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 13.1.2004
Letzte Änderung: 7.10.2013
Wertung: 9/15
Für die Musik würde ich mehr geben, aber die Dramaturgie zieht's für mich runter...

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Von: Jan Hamm (Rezension 2 von 2)


Lamentations beinhaltet ein 2-teiliges Konzert im Londoner Shepherd's Bush Empire, welches den Status Quo der Band 2003 reflektiert. Sowohl das Konzert, als auch die angehängte Studio-Dokumentation zu den Aufnahmen von Deliverance und Damnation, sind sehr aussagekräftig und alleine daher schon für Opeth-Interessierte einen Blick wert. Ich sage 'für Opeth-Interessierte', weil die Band sich verändert hat, und man den Blick auf die heutigen Opeth braucht, um die DVD richtig einordnen zu können.

Zum Konzert: Mikael (Gitarre, Gesang) ist verunsichert. Der Ort und die Menge sind überwältigend für ihn und er ist aufgrund der laufenden Kameras nervös. Das versucht er garnicht zu verbergen, er erwähnt es sogar zwischendrin. Das stört mich nicht, im Gegenteil: er wirkt schlicht ehrlich und authentisch. Und das wichtigste: die Darbietung der sanften und anmutigen Damnation-CD leidet kein Stück darunter. Er singt präzise, gefühlvoll und später, dem zweiten Set (welches die Prog-Death Kehrseite betont) entsprechend, urgewaltig. Der Rest der Band hält sich zurück, unterstützt den Fronter aber mit absolut souveränem Musikertum. Amüsanterweise geht der damalige Neuzugang Per Wiberg am Keyboard am ehesten aus sich raus und rockt über seine dezenten aber geschmackvollen Piano-, Hammond- und Mellotronläufe.

Gerade die sind es auch, die der Musik einen Hauch Retrofeeling geben, der unerwarteterweise perfekt auf die Opeth'sche Mischung aus hart und weich passt. Gut, dass er nach der Tour festes Mitglied wurde. Das letzte Album, Ghost Reveries, hat enorm davon profitiert. Mit dieser leichten Variation im typischen Opeth-Sound kommt es in der Mitte des ersten Sets zum Höhepunkt: Closure. Das Stück bekommt einen psychedelischen Mittelteil mit perfekt getimtem Aufbau spendiert und steigert sich in eine Ekstase, die das gemütliche Finale des Studiosongs wie eine Kaffeefahrt wirken lässt. Erstklassig! Das zweite Set bietet sauber gespielte Highlights und lässt andere aufgrund der Durchschnittslänge der Stücke zwangsweise aus. Schade, aber logisch.

Zur Dokumentation: Die Musiker inklusive ihres Produzenten Steven Wilson (Porcupine Tree) wirken angespannt. In späteren Interviews hat Mikael oft betont, wie anstrengend die Aufnahmen waren, vor allem aufgrund fehlerhafter Geräte und unfertigem Songwriting. Die Doku ist eine nette Beilage, die Fans nicht langweilen wird. Dagegen stehen die heutigen Opeth, denn wie eingangs erwähnt, hat sich einiges getan.

Mit der Kritik an der Set-Trennung schließe ich mich Henning an. Inzwischen sind Opeth dazu übergegangen, die ruhigen Stücke organisch in die Setlists einzuflechten. Organisch deswegen, weil auch die harten Stücke immer ruhige Interludien innehaben und sich alles problemlos verbinden lässt. Mikael ist inzwischen sichtbar gereift. Er bannt das Publikum durch fast stand up-Comedy-artige Bühnenpräsenz und macht die Übergänge zwischen den Stücken mit Sarkasmus, einem unmittelbaren Publikumskontakt und viel Spontanität unverzichtbar. Martin Axenrot, der den auf Lamentations spielenden Martin Lopez am Schlagzeug ersetzt hat, hat sich nach einem zähen Start (im Gegensatz zu Lopez ist er ein Death Metal-Drummer und hatte mit filigranen Stellen anfangs große Probleme) bestens integriert. Und Per Wiberg ist heute um einiges präsenter als auf dieser DVD und deckt die deftigen Riffgewitter mit apokalyptischen Hammondwällen und die Akkustikparts mit perlenden Pianos ein.

Die Opeth auf Lamentations stehen auf der Schwelle. Die bald erscheinende DVD, die ebenfalls in London, im Roundhouse, aufgenommen wurde, wird Opeth heute zeigen und den Kontrast deutlich machen. In jedem Fall aber bietet Lamentations jetzt schon eine enorm zielsichere und angenehm unhektische Kameraführung, tolles Musikertum und eine satte Gesamtspielzeit von 188 Minuten. Wer also selbstsichere Fronter, fein abgestimmte Setlists und Partyatmosphäre sucht, sollte auf die Roundhouse-DVD warten. Alle anderen Opeth-Interessierten (!) bekommen hier die Vollbedienung, bis die zweite DVD mit einer bis auf Windowpane komplett neuen Tracklist einschlagen wird!

Anspieltipp(s): Closure, Hope Leaves, The Drapery Falls
Vergleichbar mit: Camel-Reminiszenzen im ersten Set
Veröffentlicht am: 14.6.2007
Letzte Änderung: 14.6.2007
Wertung: 11/15
verunsicherte Band, toll gespieltes und gefilmtes Konzert

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Opeth

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1995 Orchid 12.00 1
1999 Still Life 8.00 2
2001 Blackwater Park 12.50 2
2002 Deliverance 11.00 1
2003 Damnation 10.17 6
2005 Ghost Reveries 13.50 2
2007 The Roundhouse Tapes 10.00 1
2008 Watershed 13.33 3
2011 Heritage 10.00 6
2014 Pale Communion 11.17 6
2016 Sorceress 10.40 5
2017 Opeth/Enslaved Split EP 7.00 1

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