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24717 Rezensionen zu 16917 Alben von 6589 Bands.
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Ash Ra Tempel

Ash Ra Tempel

(Siehe auch: Leitfaden "Krautrock")
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1971 (CD-Reissue 2000, Spalax)
Besonderheiten/Stil: instrumental; Krautrock
Label: Ohr
Durchschnittswertung: 9.67/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Hartmut Enke Bass
Manuel Göttsching Gitarre, Stimme, Elektronik
Klaus Schulze Schlagzeug, Elektronik

Tracklist

Disc 1
1. Amboss 19:40
2. Traummaschine 25:24
Gesamtlaufzeit45:04


Rezensionen


Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 1 von 3)


Auf dem ersten Album von Ash Ra Tempel finden sich mit Manuel Göttsching und Klaus Schulze zwei herausragende Persönlichkeiten der deutschen Elektronik-Szene. Allerdings wird hier keine elektronische Musik geboten; Göttsching beschränkt sich meist auf Gitarre, Schulze sitzt, wie schon einige Jahre zuvor bei Tangerine Dream, überwiegend am Schlagzeug. Zusammen mit dem Bassisten Hartmut Enke entstand eines der wichtigsten Alben des Krautrock.

Enthalten sind nur zwei lange Instrumentalstücke, deren Titel jeweils schon einiges über die Musik aussagen. Da ist zunächst "Amboss", das sich nach dem sanften Auftakt zu einer unglaublichen psychedelischen Orgie entwickelt, getrieben von Göttschings ausgeflippter Gitarre und Schulzes wildem Getrommel.

Ganz anders "Traummaschine": ein strukturloses Stück, bestehend zunächst aus langgezogenen Klangschleifen, die von etwas textlosem Gesang begleitet werden. Kosmische Musik im Stil der frühen Tangerine Dream. Nur gelegentlich gewinnt das Stück an Fahrt, Rhythmusgitarre und Handtrommeln setzen ein, und schließlich entwickelt sich ein typisch krautiges Gitarrensolo. Danach fällt "Traummaschine" stets wieder in das anfängliche Wogen sanfter Klänge zurück.

Leider klingt die CD-Ausgabe von "Ash Ra Tempel" ein klein wenig dumpf. Als Krautrock-Interessent kommt man um dieses empfehlenswerte Album dennoch nicht herum.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 11.2.2004
Letzte Änderung: 11.2.2004
Wertung: 11/15

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 2 von 3)


Ich sah die besten Köpfe meiner Generation vom Wahn zerstört hungrig hysterisch nackt im Morgengrauen durch Negerstrassen irrend auf der Suche nach einer tüchtigen Spritze Süchtige mit Engelsköpfen lustentbrannt nach uralter sphärischer Verbindung zum Sternendynamo in der Maschinerie der Nacht die arm zerfetzt hohläugig und blau im übernatürlichen Dunkel von Armerleutswohnungen rauchend sassen schwimmend über dem Häusermeer in Musikekstase die unter der S-Bahn ihr Hirn dem Himmel entblössten und mohammedanische Engel auf Mietskasernendächern erleuchtet taumeln sahn die durch die Universitäten gingen mit strahlend kühlen Augen mit Träumen mit Drogen mit aufpeitschendem Alpdruck Alkohol Schwanz und endlosen Hoden

... ist auf der Innenseite des zweiten linken Flügels des komplizierten Klappcovers der LP-Ausgabe von "Ashra Tempel" zu lesen. Auf dem zweiten rechten Flügel gibt es denselben (mehr oder weniger) Text auf Englisch. Dass es sich hierbei um den Anfang des Gedichts "Howl" von Allen Ginsberg handelt, wird allerdings nirgends verraten. Aber vermutlich wussten das 1971 die potentiellen Käufer des Albums noch, was in etwa auch den Hörerkreis umreißt, den Ash Ra Tempel damals angepeilt haben. Was auch immer uns Ginsberg und die Band mit dieser Botschaft mitteilen wollten, an Musikekstase gibt es zumindest im ersten Stück auf der Scheibe einiges. In einem Interview sagte Göttsching, dass mit "Amboss" das Lebensbild des körperlichen Menschen gezeichnet werden soll, das schön naiv beginnt, lebhafter wird, allmählich in Aggression und Hysterie übergeht und schließlich in panische Angst abreißt. Dass dies aber mit dem 20-minütigen, recht eintönigen, psychedelisch-spacigen Gitarrenjam, der sich hinter "Amboss" verbirgt, gelungen ist, mag ich bezweifeln. Eine lange E-Gitarrenimprovisation ist das, die mitunter orgiastische Züge annimmt, begleitet von Schulzes mehr oder weniger abwechslungsreichem Getrommel und einem recht unbeteiligt im Hintergrund dahindümpelnden Bass. Das ist ganz nett, aber viel zu stark in die Länge gezogen und auch nicht sonderlich originell. Unzählige Psychedelicgruppen haben Ende der 60er Ähnliches geboten, mitunter aber um einiges interessanter und abwechslungsreicher. Da gefällt mir der zur selben Zeit entstandene, durchgeknallte Free-Rock von Guru Guru doch um einiges besser.

Mit dem zweiten Stück der Scheibe soll dem Hörer die innere Ruhe des Kosmos geschenkt werden - so Göttsching im selben Interview. Das ist schon eher geglückt. Die Musik fließt hier recht zäh über 25 Minuten dahin, besteht hauptsächlich aus an- und abschwellendem Gitarrengeschrammel, das sich selten steigert und wenn doch fast die Intensität, wie sie in "Amboss" zu finden ist, erreicht. Dazu gibt es dezente Perkussionsbegleitung und einen kaum hörbaren Bass. Die innere Ruhe wird der Hörer dabei bestimmt finden, wenn er nicht gleich ganz einschläft.

Eines der wichtigsten Alben des Krautrock? Nun, eine sehr typische Krautrockscheibe ist das Debüt von Ashra Tempel bestimmt. Etwas dilettantisch, angefüllt mit lang gezogenem, meditativem Klangwabern, drogengeschwängerter Atmosphäre und mit einem kopfigem, intellektuellen Anspruch (siehe den Hüllentext), der sich nicht unbedingt in der Musik wiederspiegelt. Irgendwie sympathisch ist mir das Ganze trotzdem und es ist auch der Wille der Musiker spürbar etwas eigenes, von den angloamerikanischen Vorbildern unabhängiges zu schaffen (was wohl nur im zweiten Stück gelungen ist). Es gab Anfang der 70er aber um einiges interessantere Krautrockhervorbringungen (siehe z.B. Can, Amon Düül II, Kraftwerk, Cluster, Guru Guru, Embryo und auch Xhol). Trotzdem sollte man die Scheibe wohl aus historischen Gründen kennen, wenn man sich denn für Krautrock interessiert!

Göttsching hat das Album übrigens inzwischen selbst remastert und 2011 auf seinem eigenen Label MG.ART wieder veröffentlicht!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 25.9.2004
Letzte Änderung: 24.5.2013
Wertung: 9/15

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Von: Jürgen Gallitz-Duckar @ (Rezension 3 von 3)


Ash Ra Tempels Debut ist eine zwiespältige Angelegenheit für mich. "Amboss" der wilde Freak-out Jam rauscht leider doch ziemlich am Ohr vorbei. Ein paar Momente, in welchen Göttschings Gitarrenklänge/-effekte mich aufhorchen lassen und mein Gefallen finden, hat es. Das ganze Stück aber wirkt auf mich wie der Mittelteil eines live gespielten Songs einer damaligen Hardrock-Band.

So als ob sie den Song drumrum weggelassen hätten und nur den Jam genommen haben. Durch die fehlende Einrahmung und die meist phantasielosen Schrubbereien wird's aber schnell langweilig. Auch ist noch nix von Göttschings sehr einfühlsamen Gitarrenkünsten späterer Jahre zu hören.

Ganz anders "Traummaschine". Das kann mich sehr begeistern. Sehr floydig-entspannt, sehr spacig-psychedelisch treibt es die 25 Minuten vor sich hin. Wird aufgelockert durch die Percussion-Einsätze und lebt von den durchweg interessanten, sanften Echo-Effekten auf Göttschings Gitarre. Das ist die Art Musik, auf die ich immer kann und bei der ich nie und nimmer einschlafen könnte, dazu finde ich diese Space-Reise viel zu schön.

Anmerken möchte ich noch zwei Dinge: - Enke ist auch für mich nirgendwo wirklich zu vernehmen. - Der Sound der Spalax-CD ist dumpf. Vor allem beim Jam-Stück fällt das ins Gewicht, weil ich da doch manchmal das Gefühl habe mit besserem Sound, gar mit einer evtl. Erocisierung könnte mir das Stück doch besser gefallen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 10.5.2006
Letzte Änderung: 10.5.2006
Wertung: 9/15
"Amboss" Note: 5, "Traummaschine" Note: 12 macht 8,5. Aufrundung wegen Stück 2

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Ash Ra Tempel

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1972 Schwingungen 9.50 2
1973 Seven up 8.33 3
1973 Join Inn 10.33 3
1973 Starring Rosi 7.00 1
1993 Le Berceau de Cristal 5.50 2
2000 Gin Rosé at the Royal Festival Hall 10.00 1

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