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Egg

The Polite Force

(Siehe auch: Leitfaden "Canterbury")
(Archiv-Tipp 5/2014)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1971 (Eclectic Discs Remaster 2004)
Besonderheiten/Stil: Canterbury
Label: Decca / Eclectic Discs
Durchschnittswertung: 11/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Mont Campbell bass, vocals on 1 & 2, french horn on 5, organ & piano on 4
Dave Stewart organ, piano, tone generator
Clive Brooks drums

Gastmusiker

Mike Davis trumpet on 2
Bob Downes tenor sax on 2
Tony Roberts tenor sax on 2
Henry Lowther trumpet on 2

Tracklist

Disc 1
1. A Visit To Newport Hospital 8:26
2. Contrasong 4:25
3. Boilk (incl. Bach: Durch Adams Fall Ist Ganz Verderbt) 9:21
4. Long Piece No. 3: Part 1 5.08
5. Long Piece No. 3: Part 2 7.38
6. Long Piece No. 3: Part 3 5.02
7. Long Piece No. 3: Part 4 2.52
Gesamtlaufzeit42:52


Rezensionen


Von: Udo Gerhards (Rezension 1 von 2)


Eggs zweites Album zeigt eine gegenüber dem heutzutage recht angestaubt klingenden Erstling deutlich gereifte Band. Alle typischen Zutaten (komplexe Kompositionen, Stewarts Vintage-Orgel-Sound, Campbells Hippie-eske Vocals, jazziges Proto-Canterbury-Feeling) sind immer noch vorhanden, aber alles klingt souveräner, und vor allem die Produktion der Platte ist deutlich professioneller.

Los geht's mit zwei Songs im typischen, oben beschriebenen Egg-Sound, wobei besonders das treibende Contrasong durch den Einsatz einer Bläsergruppe hervorsticht, die mit messerscharfen Einwürfen zusätzliche Würze verleiht. Ansonsten handelt es sich dabei um die üblichen Nummern, die hauptsächlich aus heftig krummtaktigen Riffs aufgebaut sind, die den experimentellen Charakter der Band und ihren Pionier-Status (und auch Anspruch!) unterstreichen - schliesslich befinden wir uns im Jahr 1971! Allerdings wirken die schrägen und mit 'unregelmässigen Taktarten' (der Fachbegriff für 'krumme Rhythmen' - hallo Ralf J.G.) manchmal etwas bemüht und etüdenhaftig. Dies kommt mir besonders im abschliessend "Long Piece No.3" so vor, in dem verschiedene rhythmische und harmonische Ideen in vielerlei Variationen ausgearbeitet werden, wobei allerdings eine zwingende melodische Linie zu fehlen scheint.

Abgerundet wird das Album durch "Boild", das ähnlich wie "Bulb", "Boil" und "Blane" (entdecken wir da ein System in der Namensgebung...?) von "Egg" ein ausgiebiges Experiment mit Soundeffekten und Tonbank-Manipulationen ist und ziemlich an Lennons berühmt-berüchtigtes "Revolution No.9" vom "Weissen Album" der Beatles erinnert, allerdings mit weniger 'nicht-musikalischen' Quellen als Ausgangsstoff.

Alles in allem ist dies das wohl beste Album einer Band, die vor allem als Startpunkt für Dave Stewarts Karriere in keiner gutsortierten Canterbury-Sammlung fehlen darf. Leider ist es im Moment nur als teurer Japan-Import erhältlich, allerdings erinnere ich mich düster, dass eine Wiederauflage des Egg-Oevres mit evtl. Bonusmaterial in naher Zukunft geplant ist. Wollen wir's hoffen.

P.S. (12/2004): Inzwischen sind die ersten beiden Egg-Alben, darunter "The Polite Force" von Eclectic Discs auf CD von den Original-Masterbändern remastert wiederveröffentlicht worden.

Anspieltipp(s): Contrasong
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 24.4.2002
Letzte Änderung: 28.12.2004
Wertung: 10/15

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 2 von 2)


Dann werd' ich mal Werbung für dieses Album machen. Udo schreibt über "Long Piece No.3", es enthalte "verschiedene rhythmische und harmonische Ideen in vielerlei Variationen". Das will ich mal präzisieren, und sei es nur, um Metrumfreaks ein paar offene Münder zu bescheren: "Long Piece No.3" beginnt mit einem Teil, in dem die Drums einen 3/8-7/8-11/8-15/8-19/8-Zyklus vier mal spielen, die Orgel eine 7/8-11/8-15/8-19/8-23/8-Sequenz drei mal spielt, wobei beim letzten Mal der 23/8-Takt durch einen 18/8-Takt ersetzt wird, und der Bass eine 5/8-9/8-13/8-17/8-21/8-Sequenz drei mal spielt, wobei am Ende ein 5/8-, ein 9/8- und ein 11/8-Takt angefügt werden. Nach Adam Riese ergibt das insgesamt jeweils 220 Takte: nach denen die drei Instrumente dann wieder zusammenkommen. Dabei bleibt die Melodie auf der Strecke? Herrje, worauf soll ich mich denn noch alles konzentrieren!

Nein, im Ernst, hören kann man das nicht. Oder nur, wenn man beim Mitzählen eine Hirnblutung riskieren will. Ich selbst hab das nachgelesen, hier - aber verdammt noch mal, ist das geil! Oder "Contrasong": Kaum swingt man in dem groovigen 12/8-Takt des Anfangs (den krieg' ich grad noch selbst gezählt), fangen die Witzbolde an, dem Takt unnötigerweise weitere Schläge hinzuzufügen, so dass auch der progtrainierteste Mitwipper durcheinanderkommt. Verantwortlich dafür ist eine der zu Unrecht vergessenen Prog-Größen: Mont Campbell, Hauptkomponist von Egg und ein Frickelgenie, das nie richtig gewürdigt wurde. Dieses Zeug, Leute, ist der extremste Shit, den 1971 irgendwer in England in ein Stück Vinyl geritzt hat und schlägt ähnlich klingende Bands wie The Nice und ELP in Sachen metrische Krässe um Längen. Klar: "Long Piece No.3" fehlt jegliche Kohärenz, aber das ist auch bei den allermeisten Retroprogsachen so - und wer zur Hölle gibt darauf einen Shit, wenn es dafür ordentlich zu zählen gibt! Speerspitzenprog.

Anspieltipp(s): 3/8-7/8-11/8-15/8-19/8, 7/8-11/8-15/8-19/8-23/8, 5/8-9/8-13/8-17/8-21/8
Vergleichbar mit: The Nice und den feuchten Träumen deines Mathelehrers
Veröffentlicht am: 23.5.2011
Letzte Änderung: 15.5.2014
Wertung: 12/15
Kaufen, mitzählen, hirnbluten!

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Egg

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1970 Egg 9.00 3
1974 The Civil Surface 9.67 3
2007 the metronomical society 10.00 1

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