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Liquid Scarlet

Liquid Scarlet

(Tipp des Monats 8/2004)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2004
Besonderheiten/Stil: Independent / Alternative; RetroProg
Label: Progress Records
Durchschnittswertung: 12.33/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Olov Andersson guitar, clarinet, tambourine
Johan Lundström drums, percussion, acoustic guitar, church organ, tin whistle, backing vocals
Markus Fagervall voice, guitar
Joel Lindberg bass, screaming
Frida Lundström piano, hammond, keyboards

Tracklist

Disc 1
1. greyroom 5:23
2. hesitating in the foyer 4:39
3. citta nuova 8:32
4. molok 5:16
5. talking in ashes 6:42
6. comes near, lingers far 8:25
7. the red stairs 5:52
8. one last masquerade 8:13
Gesamtlaufzeit53:02


Rezensionen


Von: Jörg Schumann @ (Rezension 1 von 3)


Aufgepasst: es gibt wieder etwas zu entdecken. Liquid Scarlet, eine junge Band aus Nordschweden, die als musikalische Vorbilder King Crimson, Yes, Genesis, Zappa und Björk angibt und einen erfrischenden Mix im Stile von Änglagård und Anekdoten spielt.

Das gleichnamige Album sprüht vor Spielfreude, ist modern, frisch, äusserst abwechslungsreich und trotz hörbarem Einfluss der genannten Vorbilder sehr eigenständig. Da gibt es Fripp`sche Gitarre, Squire`schen Bass, schwedische Melancholie, Mellotron satt und das ganze in einem zeitgemässen Gewand. Wenn ich den Vergleich mit Anekdoten und deren letztem output Gravity ziehe, dann hat dieses Album bei weitem die Nase vorne.

Gleich zu Beginn werden einem in Greyroom mächtige Mellotronsalven, flankiert von hartem Riffing und krachenden drums entgegengeschleudert, dass man mit offenem Mund dasteht. Ruhige Interludien lassen einem kurze Verschnaufpausen, dann wieder die volle Breitseite. Hatte auf mich beim ersten Hören etwa die Wirkung wie "darkness" von Peter Gabriels Up.

"Hesitating in the foyer" beginnt mit verzerrten Gitarrenriffs, ist anfänglich sehr straight, um im weiteren Verlauf immer wilder zu werden, breaks und fill-ins und Instrumenten-Soli wechseln sich ab, bevor das Stück am Ende wieder mit dem einleitenden Thema ausklingt. "Citta nuova" ist ein ruhiges, fliessendes Stück, das mich an Steve Hackett erinnert, der vor einem Strassencafe spielt. Hin und wieder wird die Grundstimmung von schrillen Klängen zerrissen, mal gibts ein tolles treibendes Basssolo, welches in einen uptempo-part des ursprünglichen Themas mündet. Ein herrliches Gitarrensolo, gefolgt von einem Keyboardsolo runden das Stück ab. Highlight!

Der nächste Höhepunkt ist das Instrumental "Molok". Stampfende Akkorde zu Beginn, gejagt von wildem drumming, einer schrillen Gitarrenlinie, geht das Stück in einen erhabenen Mittelteil über, der von einer simplen, divinen Gitarrenlinie, unterlegt von einem auf einer Tonhöhe hämmerndem Bass, dominiert wird. Die übrigen Instrumente steigern sich langsam, ähnlich dem Stück "pendulum swing" von Anekdoten. Grossartig!

"Talking in ashes" ist eine ruhige Ballade, wirkt teilweise beinahe wie ein Kinderlied, und wartet mit schönem Klarinetten- und Flötenspiel auf. Zum Schluss gibts dann aber doch noch die volle Bombast-Kante mit Hammond, schwirrendem Bass und krachenden drums. Liquid Scarlet beherrschen die leises Töne ebenso gekonnt wie die lauten.

"Comes near, lingers far" wirkt zuerst wie die Fortsetzung von "Molok" um dann mit einem lockeren, beinahe jazzigen groove zu glänzen, dazu gibts entspannten mehrstimmigen Gesang. Die Harmonie wird durch Änglagard`sche Schrägheit wieder aufgebrochen, bevor es wieder ultracool weitergeht. "The red stairs" bringt wieder Mellotron satt und das abschliessende "one last masquerade" ist der bombastische Abschluss dieses hervorragenden Debutalbums, welches für mich DAS Album des Jahres 2004 ist.

Die Höchstnote spare ich mir noch auf, bis das Album den test of time durchlaufen hat.

Anspieltipp(s): greyroom, molok
Vergleichbar mit: Änglagard, King Crimson
Veröffentlicht am: 21.7.2004
Letzte Änderung: 22.7.2004
Wertung: 14/15
Album des Jahres 2004

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Von: Christian Rode @ (Rezension 2 von 3)


Dieses Album macht mir richtig Spaß. Und es ist mal endlich wieder ein Retroprog-Album, das Spaß macht. Und das trotz der eher düsteren Texte. Besonders erwähnenswert erscheint mir hier die dunkle SF-Geschichte Citta Nuova. Aber auch One last Masquerade hat morbiden Charme. Und auch das skurille Hesitating in the Foyer ist originell. Selten genug, dass mir Texte eines Albums etwas geben.

Die Vergleiche zu Änglagard und Anekdoten treffen auch nach meinem Eindruck zu. Dabei wirken Liquid Scarlet weniger artifiziell im Sound als Änglagard. Anekdoten hingegen entwickeln - wenn ich mal das Album NUCLEUS zum Vergleich bemühe - mehr Druck, Aggressivität und Düsternis. Gegenüber beiden Bands ist der Sound von Liquid Scarlet auch weniger einheitlich. Dafür klingen sie eben vielschichtiger und bieten neben King Crimson auch zahlreiche Anklänge an die frühen Genesis. Und ähnlich wie Anekdoten haben sie auch dieses Alternative Rock-Feeling drin. Liquid Scarlet wirken einfach auch verspielter, wenngleich man ihnen die Ernsthaftigkeit sicher nicht absprechen kann.

Liquid Scarlet bringen einfach gekonnt diese klassische Prog-Mischung aus folkmäßiger Hirtenromantik und wilden, schrägen Rockausbrüchen rüber, angereichert noch durch einen Alternative-Touch, der vor allem über den Gesang rüberkommt.

Als altem Crimson-Fan hat mich gleich das dominante Mellotron in einigen Songs beeindruckt, auch wenn es z.T. Schlagzeug und Gesang an die Wand drückt. Aber dem Gesamtbild schadet es nicht. Der Sound insgesamt ist eher warm und nicht irgendwie technokratisch-perfekt. Die Songs sind wundervoll abwechslungsreich, bevor etwas langweilig werden kann, setzt eine neue Idee an. Das Album insgesamt bietet auch einen gelungen Wechsel von Songs unterschiedlichen Tempos.

Dennoch glaube ich, dass sich die Band noch steigern kann. Denn es klingt noch etwas häufig nach den genannten Vorbildern und immer wieder nach Bands, die mir grade nicht einfallen wollen... D.h. ein bisschen mehr Eigenständigkeit könnte dem Bandsound noch gut tun. Auch lässt Liquid Scarlet gegenüber Änglagard etwa noch etwas an Tiefe missen.

Aber vergessen wir nicht: es ist ein Debut, ein wirklich fantastisches Debut. Und es macht Spaß.

Anspieltipp(s): Citta Nuova, Comes near lingers far
Vergleichbar mit: King Crimson, Genesis, Änglagard, Anekdoten
Veröffentlicht am: 9.8.2004
Letzte Änderung: 8.3.2012
Wertung: 12/15

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Von: Horst Straske @ (Rezension 3 von 3)


Meine beiden Vorredner hieven das Debüt der Schweden Liquid Scarlet wirklich in absolute Höhen, wonach hier fast schon ein "Jahrhundert-Debüt" vorliegen müsste. Angesichts der wahren Lobeshymnen von Jörg bin ich auf die Schweden erst aufmerksam geworden und hörte kurz darauf den Song "Greyroom" auf dem Empire-Sampler, wo besagtes Album in einer schludrig geschriebenen Kritik schlecht wegkam. Auch dort kam schon der Vergleich mit Änglagård auf, die aber rein gar nicht dem Geschmack des Empire-Rezensenten entsprechen.

Der angesprochene Song "Greyroom" konnte mich aber mit schönen Mellotronpassagen durchaus überzeugen und ließ Hoffnungen auf ein schönes Retroalbum in der besten skandinavischen Tradition aufkeimen. Diese positive Erwartungshaltung bewahrheitete sich auch nach dem erstmaligen Anhören des Albums. Hier liegt ein sehr stimmungsvolles Werk mit sorgsam ausgearbeiteten Instrumentalpassagen vor. Der sonore Gesang harmoniert effektvoll mit der Schweden-Melancholie. Auch wenn durchaus dezente Alternative-Ansätze vorhanden sind, ist der schwermütige Gesamtsound doch eindeutige in traditionellen Gefilden angesiedelt.

Wie es sich für Retrorock aus nordischen Breiten gehört, kommt der Sound ein wenig blechern und kratzig daher, was sicherlich nicht im Sinne von Klangfetischisten ist, aber letztendlich zur Authentizität beiträgt. Insgesamt kann ich mich der positiven Meinung durchaus anschließen. Der Vergleich mit Änglagård hinkt aber doch schon ein wenig, da zu keiner Zeit deren symphonische Komplexität erreicht wird. Anekdoten passen da schon viel mehr als Vergleich, wobei fast schon ein Stilmix zwischen dem crimsonesken "Vemod" und dem viel gescholtenen aktuellen Output "Gravity" vorliegt. Liquid Squarlet pendeln nämlich zwischen geradlinigen Harmonien und bratzig-komplexen Ausbrüchen. Hinzu kommt dann auch noch besonders im Titel "Talking In Ashes" eine ganz unerwartete Vorliebe des Gitarristen für die symphonische Eleganz eines Steve Hacketts zum Tragen.

Es sei aber erlaubt, ein wenig auf die Euphoriebremse treten zu dürfen, da manches Arrangement doch noch ein wenig holprig und noch nicht bis in das letzte Detail ausgefeilt erscheint. Die unbestrittene Brillanz der Schweden blitzt insbesondere im Instrumental "Molok" hervor, das mit einer Mixtur aus einer erdigen Spontaneität und einem majestätischen Bombast zu begeistern weiß. Von einem Geniestreich zu sprechen, der fast schon an der Schwelle zur Höchstbewertung angesiedelt ist, scheint mir aber doch übertrieben und setzt die Latte für den weiteren Werdegang einer noch jungen Formation in Schwindel erregende Höhen.

Anspieltipp(s): Greyroom, Molok
Vergleichbar mit: Anekdoten
Veröffentlicht am: 17.10.2004
Letzte Änderung: 28.9.2011
Wertung: 11/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Liquid Scarlet

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2005 II 10.00 3
2005 Killer Couple Strikes Again (EP) 8.00 3

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