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24969 Rezensionen zu 17122 Alben von 6671 Bands.
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Can

Tago Mago

(Siehe auch: Leitfaden "Krautrock")
(Archiv-Tipp 2/2012)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1971
Besonderheiten/Stil: Krautrock
Label: Liberty/United Artists Records - Spoon
Durchschnittswertung: 13.67/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Holger Czukay Bass
Michael Karoli Gitarre
Jaki Liebezeit Schlagzeug
Irmin Schmidt Keyboards
Damo Suzuki Gesang

Tracklist

Disc 1
1. Paperhouse   (LP-Seite 1) 7:29
2. Mushroom 4:08
3. Oh Yeah 7:22
4. Halleluhwah   (LP-Seite 2) 18:32
5. Aumgn   (LP-Seite 3) 17:22
6. Peking O   (LP-Seite 4) 11:35
7. Bring Me Coffee or Tea 6:47
Gesamtlaufzeit73:15
Disc 2
1. Mushroom (live 1972)   (Bonus-CD, 40th Anniversary Edition) 8:42
2. Spoon (live 1972) 29:55
3. Halleluwah (live 1972) 9:12
Gesamtlaufzeit47:49


Rezensionen


Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 1 von 3)


Auf ihrem zweiten Werk entwickelten die Kölner Avantgarde-Rocker ihren ureigensten Stil. "Tago Mago" enthält einerseits strukturierte Stücke wie "Paperhouse" und "Mushroom", bei denen über einem ziemlich gleichförmigen Grundrhythmus Michael Karoli der Gitarre die merkwürdigsten Töne entlockt und Sänger Damo Suzuki eigenartige Wort- oder Satzfetzen ins Mikro schreit, hustet, flüstert.

Auch das lange "Halleluhwah" (die Titelgebung ist genau so abgedreht wie die Musik) gehört in diese Kategorie. Wie eine etwas stotternde Maschine setzt es mit einem stampfenden Rhythmus ein, und dieser durchzieht das gesamte Stück. Und wieter quietscht und zirpt die Gitarre, vereint mit Suzukis beeindruckender Vokalakrobatik.

Andererseits sind mit "Aumgn" und "Peking O" zwei Freiformstücke enthalten. Die Anfangssequenz von "Aumgn" erinnert an die kosmische Musik der frühen Tangerine Dream, im weiteren Verlauf entwickelt sich das Stück zu einer Abfolge scheinbar zusammenhangloser Instrumentalsequenzen. "Peking O" ist dann zumindest streckenweise wieder etwas rhythmischer aufgebaut. Der Sänger steigert sich hier geradezu in Ekstase!

Nach dieser geballten Ladung Atonalität klingt es mit "Bring me Coffee or Tea" wieder etwas sanfter aus. Der ruhige, fast schon schwebende Song erinnert schon ein bisschen an frühe Pink Floyd Sachen.

Wie immer bei Can (zumindest in der frühen Phase) haben die Texte, so weit überhaupt richtige Worte verwendet werden, keine große Bedeutung. In einem Stück besteht der Text einfach aus den Titeln aller Songs dieser Platte...

"Tago Mago" ist für mich ein Höhepunkt nicht nur der deutschen Prog Szene, in seiner Radikalität und Kompromnisslosigkeit ist es aber sicherlich nicht leicht verdaulich.

Anspieltipp(s): Paperhouse, Halleluhwah
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 28.4.2002
Letzte Änderung: 29.4.2002
Wertung: 13/15

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Von: Udo Gerhards (Rezension 2 von 3)


Gross. Kompromisslos. Aber irgendwie seltsam, dabei oft gar nicht mal so seltsam.

Seltsam.

Ich wiederhole mich.

Halleluhwah ist eine Zumutung, eine Übung in Monotonie und Selbstbeschränkung. Schlagzeuger Liebezeit gibt sich alle Mühe, seinem Ruf als menschliches Metronom gerecht zu werden: 18 Minuten lang, die sich schon nach 7 Minuten wie 30 Minuten anfühlen, der gleiche-damn fucking damn-gleiche Rhythmus. Ich wiederhole mich. Faszinierend, anstrengend, gross. Ich wiederhole mich.

Aumgn und Peking O dagegen sind einfach nur seltsam.

Ich wiederhole mich.

Gross.

Anspieltipp(s): Halleluwah, die ganzen damn fucking damn 18 Minuten, und keine weniger
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 4.6.2002
Letzte Änderung: 4.6.2002
Wertung: 13/15

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 3 von 3)


Es gibt Musik, die ist einfach anders. Es gab Zeiten, die waren einfach anders. 1971: Im Herbst steigt "Tago Mago" von Can auf Platz 38 der deutschen LP-Charts! Aus heutiger Sicht erscheint das fast unglaublich. Unglaublich: Ein grausliger Sänger, der unverständliches Zeug ins Mikrophon haucht, labert, stottert und schreit. Monotoner, maschineller Krach. Ein Schlagzeug, welches metronomartig dahintackert, schräg verzerrte Gitarren, ein stoisch dahinwummernder Bass, einlullende Orgelklänge im Hintergrund, elektronische Sounds wabern herum ... und immer dieser kaputte Japaner, der da krank herumnölt - manchmal sogar rückwärts ("Oh Yeah"). So etwas gab es vorher nicht ... so etwas gab es nachher nicht. So etwas hat man nicht in England und nicht in Amerika gemacht, damals. Kaputt, anders, seltsam, eigenartig ... Can.

Wer schrubbt da so schief auf einer Geige herum, in der zweiten Hälfte von "Halleluhwah"? Das Stück rumpelt fast 20 Minuten mit demselben Rhythmus dahin - bis auf ein paar Sekunden, mit einem fast jazzigen Abschnitt mit Piano, irgendwo in der Mitte -, ist aber unglaublich spannend und abwechslungsreich. Von mir aus könnte das noch eine Stunde so weitergehen! "Aughm" ... über eine Viertelstunde dröhnen da Klänge herum ... Irmin Schmidt singt dazu, langgedehnt "Auuuuughmmmmmmmmmmmmm", Jacki Liebzeit spielt Kontrabass, alles gedehnt, Gitarren hallen, gespenstisch, wie in Zeitlupe. Ein magisches Ritual? "Peking O" ... ja, Udo hat recht, ist einfach nur seltsam. Die ganze Platte ist einfach nur seltsam. Dass das Album überhaupt in die Charts kam ist einfach nur seltsam. Dass sich die Platte, jetzt sogar als SACD, bis heute gut verkauft ist einfach nur seltsam. Dass Jochen und Udo dieser Platte 13 Punkte geben ist auch einfach nur seltsam. Dass Jochen und Udo der Platte nur 13 Punkte geben ist noch viel seltsamer ... groß! Ja, ganz groß!

Nachtrag Herbst 2011: Nachdem schon im Jahre 2004 "Tago Mago" remastert als SACD wieder veröffentlicht worden war, legt Spoon Records nun eine "40th Anniversary Edition" des Albums vor. Das Ganze kommt als aufwändig verpackte Doppel-CD. Ein Mini-LP-Replikat des originalen Albums, wie es z.B. 1971 in Deutschland veröffentlicht wurde (mit dem oberen der oben gezeigten Cover), steckt zusammen mit dem Beiheft in einem Pappfaltteil, welches der Version des Albums nachgebildet ist, in der die LPs damals offenbar in England ausgeliefert wurden (mit dem unteren der oben gezeigten Cover). Nett!

Neben dem originalen, remasterten Album auf CD1 gibt es eine Bonus-CD, welche knapp 48 Minuten an 1972 aufgenommenem Livematerial beinhaltet. In den Beihefttexten, die Lobpreisungen des Albums seitens dreier britischer Musikjournalisten darstellen, wird auf diese Nummern nicht weiter eingegangen. Auch sonst erfährt man nicht viel über die Stücke, nur eben, dass sie 1972 aufgenommen wurden. Die Klangqualität ist gut, nicht sehr gut, aber besser als das Meiste, das auf der Live-Doppel-CD zu finden ist. Im Zentrum des Geschehens steht eine ausgedehnte Improvisation über das Stück "Spoon" (von "Ege Bamyasi"), in welchem die Band zwischen wüstem Jammen und dezenten Klangmalereien alle Facetten ihrer Ausdrucksmöglichkeiten präsentiert. Kraftvoll und wüst, ausgesprochen druckvoll und hypnotisch gleitet das abschließende "Halleluwah" aus den Boxen, um dann nach etwas über 9 Minuten ausgeblendet zu werden. Bei den Kilometern an Livebändern, die angeblich im Hause Spoon gebunkert werden, verwundert (ärgert) es etwas, dass man nicht eine komplette Version des Stückes für diese Bonus-CD ausgewählt hat. Einen überzeugenden, stellenweise mitreißenden Eindruck der Livetätigkeit der Band bekommt man hier allerdings trotzdem.

Wer eines der wichtigsten Alben die jemals in Deutschland aufgenommen wurde noch nicht sein eigen nennt, der sollte nun mit dieser "40th Anniversary Edition" den Mangel abstellen. Wer das Album schon hat, insbesondere die hervorragend klingende SACD-Version, der sollte hier nur investieren, wenn er ein unstillbares Verlangen nach einer guten Dreiviertelstunde an qualitativ durchaus hochwertigem, wenn auch nicht extrem gut klingendem Livematerial von Can hat. Spoon haben allerdings angekündigt, dass demnächst ein Album (oder gar eine Box) mit bis dato unveröffentlichtem Studio- und Livematerial der Band erscheinen wird. Vielleicht ist es in Bezug auf Konzertmaterial lohnender darauf zu warten. Verrückte Fans (wie der Rezensent) kaufen eh alles der Idole und werden mit einer netten und neuartigen CD-Verpackung belohnt!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 19.11.2011
Letzte Änderung: 2.5.2014
Wertung: 15/15
Durchhören! Nach dem zweiten Mal tuts nicht mehr weh!

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Can

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1969 Monster Movie 13.00 3
1970 Soundtracks 11.33 3
1972 Ege Bamyasi 13.00 3
1973 Future Days 12.50 2
1974 Soon Over Babaluma 13.00 2
1975 Landed 11.00 2
1976 Unlimited Edition 12.00 2
1976 Flow Motion 7.00 2
1977 Saw Delight 10.50 2
1978 Out Of Reach 8.00 2
1979 Can 8.00 2
1981 Delay 1968 11.00 2
1989 Rite Time 10.00 2
1995 The Peel Sessions 12.00 1
1999 Can Live 10.50 2
1999 The Legendary Can 8.50 2
2003 DVD - 1
2012 the lost tapes 12.00 1
2017 The Singles 12.00 2

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