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Leitfaden: Rock In Opposition (RIO)
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Aksak Maboul

Un peu de l'âme des bandits

(Siehe auch: Leitfaden "Rock In Opposition (RIO)")
(Archiv-Tipp 12/2005)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1980
Besonderheiten/Stil: RIO / Avant
Label: Atem / Crammed Discs
Durchschnittswertung: 13.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Michel Berckmans Oboe, Bassoon, Voice
Chris Cutler Drums, Percussion, Radio
Fred Frith Guitars, Bass, Violin, Viola
Marc Hollander Sax, Bassclarinet, Dumbeg, Keyboards, Tapes
Catherine Jauniaux Vocals
Denis Van Hecke Cello, Guitars, Voice
Frank Wuyts Drums, Keyboards, Recorder, Flipper, Percussion, Voice

Tracklist

Disc 1
1. A modern lesson 5:01
2. Palmièrs en pots 3:24
3. Geistige Nacht 5:20
4. I viaggi formano la gioventù 5:13
5. Inoculating rabies 1:59
6. Cinema

1. Ce qu'on peut voir avec un bon microscope 7:25
2. Alluvione 5:27
3. Azinou Crapules 7:05
4. Age Route Brra! (Radio Sofia) 2:48

23:04
7. Bosses de crosses (The Honeymoon Killers)   (Bonustrack CD-Reissue) 7:02
Gesamtlaufzeit51:03


Rezensionen


Von: Achim Breiling @ (Rezension 1 von 2)


"Un peu de l'âme des bandits" - ein bisschen Banditenseele? Die zweite LP von Aksak Maboul, hier erstmals eine richtige Band, ist eine sehr verwirrende Scheibe. Das fängt schon damit an, dass da Aqsak Maboul auf dem Cover steht, auf dem eine offenbar unbekleidete Dame einem Hund (?) ob gewisser aufgerichteter Tatsachen die Augen zuhält. Wenn man die LP herumdreht, sind da die Stücke aufgelistet: "A modern lesson", "Palmieres en pots", "Geistige Nacht", "I viaggi formano la gioventù", "Inoculating rabies" auf Seite 1 und die vierteilige "Cinema"-Suite auf Seite 2. Zieht man die LP aus der Hülle und studiert das Label, stellt man verwundert fest, dass dort für Seite 1 die Stücke "Bo Diddley", "Trio/Tango", Rondo", "Truc Truc" und "Pogo" und für Seite 2 eine lange Nummer namens "Knokke" aufgeführt sind. Zudem sind auch noch die beiden Seiten vertauscht. Wenn man die mit "Side One (five dances)" bezeichnete Seite auflegt, bekommt man nämlich die Suite zu hören, wie man an den drei die vier Stücke separierenden Trennrillen (die älteren, LP-erfahrenen Leser wissen, was ich meine) sofort erkennt. Die fünf Tänze (vier Rillen) sind dagegen auf der anderen Seite, "Side Two (over)".

Ähnlich wirr wie die Aufmachung, ist auch der Inhalt der Scheibe. "A modern lesson (Bo Diddley)" ist ein seltsam schräger Rocker, mit repetitivem, klapperndem Rhythmus (zum Teil bestehend aus Geräuschen eines Flippers), überlagert von einer Vielzahl von Instrumentallinien- oder Ausbrüchen und Catherine Jauniaux' hysterischem Gesang. "Palmiers en pots (Trio/Tango)" ist erst ein getragenes Fagott-Violinen-Piano-Trio, ehe es sich in einen Kaffeehaus-Tango verwandelt. "Geistige Nacht (Rondo)" bietet eine typische Fred Frith-Nummer, hektisch vorantreibend, klanglich dicht, getragen vor allem vom verzahnten Durcheinander von Cello, Sopransax, Oboe und Fagott und zusammengehalten vom brummenden Bass und den diversen Klängen eines Synthesizers. Dazu tobt sich Cutler am Schlagzeug aus. Ein ziemlich durchgeknalltes Fagott-Solo gibt es in dem Stück auch noch zu hören. Mit "I Viaggi" kommt Ethno-Stimmung auf. Orientalische Perkusssion, ein nölendes Cello, trötiges Sax, Oboe, ein Instrument namens Dumbeg und entsprechend getragener Gesang versetzen den Hörer auf einen arabischen Basar. Unterlegt ist das Ganze von einem wabernden Synthesizerbrummen, welches der Nummer eine ungemein hypnotische Atmosphäre verleiht. "Inoculating rabies (Pogo)" ist schließlich ein wüster Punker, zu dem Bassklarinette und Fagott herumdudeln. Klasse!

Seite 2 (oder Seite 1?) der LP bietet schließlich die lange "Cinema (Knokke)"-Suite. Das Stück enthält eine abwechslungsreiche Mischung aus akustischer Ensemblemusik, Ambientklängen, treibendem Kammerprog, improvisiertem Klingen und Plingen, schrägem Soundchaos, Stimm- und Tonbanddurcheinander und minimalistischen Miniaturen. Mal klingt es hier nach einem zeitgenössischen Kammermusikwerk, mal nach aleatorischem Klangkrach bzw. Schweben, mal nach der Canterbury-RIO-Mutterband Henry Cow, mal nach dem düster-bedrohlichen Kammerprog der belgischen Kollegen von Art Zoyd oder Univers Zero, meist aber nach irgendetwas anderem. Beeindruckend!

Auf dem CD-Reissue ist noch ein Bonustrack namens "bosses de crosses" zu finden. Dieser stellt eine der (die) erste(n) Aufnahme(n) der Aksak-Maboul-Nachfolgeformation The Honeymoon Killers dar, wie sich die seit 1974 existierende Band Les Tueurs de la lune de miel nannte, nachdem sich Hollander derselben 1980 angeschlossen hatte. Hier ist zwar weitestgehend eine ganz anderer Besetzung zu Gange (wenn auch mit Hollander als zentralem Kopf), doch fügt sich die Nummer recht nahtlos an die Aksak-Maboul-Stücke an.

"Un peu de l'âme des bandits" ist eine grandiose Scheibe mit ausgesprochen abwechslungsreichem und hervorragend musiziertem RIO-Avant-Prog, die ich jedem Klangabenteurer nur wärmstens empfehlen kann. NPWEer oder Melodic-Rock-Afficionados sollten allerdings einen sehr großen Bogen um diese Platte machen!

Anspieltipp(s): Cinema
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 8.11.2004
Letzte Änderung: 16.8.2016
Wertung: 14/15

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Von: Thorsten Gürntke @ (Rezension 2 von 2)


Wenn RIO für dich nur die Stadt am Zuckerhut ist, werden dir Aksak Maboul fremd erscheinen. Anders. Besonders. Außergewöhnlich. Denn das Dargebotene übertrifft alle Erwartungen an Atonalität, Klangexperimenten und Komplexität. Rock In Opposition – so schimpft sich das, kurz RIO – und da erlaubt man sich einfach alles. Ich halte diese Scheibe für einen perfekten Einstieg in die Komplexität dieser Musikrichtung. Warum? Weil du hier nicht limitiert wirst und schlicht jeder Song ein eigenes Klanguniversum darstellt.

Und genau da liegt der Reiz dieser Musik. So auch auf diesem Klassiker, der nun in einer umfangreichen Wiederveröffentlichung mit viel Bonusmaterial erneut verlegt wird. Wenn ich das richtig sehe, dann fehlt der Wiederveröffentlichung der in Achims Rezension angesprochene Bonustrack. Soll heißen, das Album kommt in ursprünglicher Form erneut heraus, wurde von den alten Analogbändern remastert und mit einem umfangreichen 24-seitigen Booklet aufgehübscht, in dem sich vieles nachlesen lässt. Aber damit nicht genug.

Eine zweite Scheibe namens „Before and After Bandits“ bringt dann jede Menge extra Material. Neben einigen unveröffentlichten Stücken, improvisiert und spielfreudig, findet sich die Originalaufnahme von „Cinema (Knokke)“ sowie einige Liveaufnahmen, die die Energie der Band eindrucksvoll belegen. Dabei ist die Scheibe sicher nicht nur etwas für den Fan, da hier auch die Bandgeschichte in unterschiedlichen Besetzungen aufgezeigt wird. Nicht zuletzt dadurch wird eine gewisse Form der Diversität erreicht, die ein ums andere Mal besonders klingt. Nicht weniger als 17 Musiker sind an den Aufnahmen beteiligt, die bis auf einen Song (Paysage Vole, 2015) in den Jahren 1977-1980 entstanden.

Der Begriff ROCK in Opposition trifft es bei Aksak Mabouls Musik nicht richtig. Hier wird nicht nur gerockt. „Musik ohne Grenzen“ würde es eher beschreiben. Hier gibt es einfach alles: Rockmusik, Jazz, Tango, Orientalisches, Elektronik, Punk, Orchestration, Klassik… Das geht sogar soweit, dass dem Progressive Rock eher fremde Ohren gespannt hinhören. Plötzlich finden sich Ankerpunkte, die das Unerwartete in eine neue Dimension zerren und Aufmerksamkeit erzeugen.

Rock In Opposition ist mir als Genre nicht fremd. Nicht alles freilich berührt mich, manches verschreckt mich. Aksak Maboul nehmen mich mit. Ich habe damit ein großartiges Stück Musikhistorie entdeckt, das aufgrund seiner Einzigartigkeit auch fast 40 Jahre nach Erstveröffentlichung noch zeitgemäß klingt. Das gelingt nicht jeder Band. Eine absolut sinnvolle Wiederveröffentlichung, danke!

Anspieltipp(s): Geistige Nacht
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 4.2.2018
Letzte Änderung: 4.2.2018
Wertung: 13/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Aksak Maboul

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1977 Onze danses pour combattre la migraine 9.00 1
2014 Ex-Futur Album 12.00 1
2016 16 Visions of Ex-Futur 12.00 1

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