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Morphelia

Prognocircus

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Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2003
Besonderheiten/Stil: HardRock; Neoprog; Progmetal
Label: Eigenproduktion
Durchschnittswertung: 11/15 (1 Rezension)

Besetzung

Kurt Stwrtetschka lead vocals
Guido Fröhlich guitar, backing vocals
Günter Grünebast keyboards
Renko Rickerts bass, backing vocals
Elmar de Groot drums

Tracklist

Disc 1
1. Midnightsun 10:13
2. Love of an old man 9:15
3. Hazard 6:39
4. A winter's tale 7:42
5. It's time for a change 8:40
6. Dream of Jerusalem 8:48
7. The Russian fail 9:40
8. Virginhood's end 11:08
Gesamtlaufzeit72:05


Rezensionen


Von: Henning Mangold @


In Deutschland scheint sich seit einiger Zeit eine besondere Progszene einzubürgern, die auf progressiven Hardrock setzt, der sich ein wenig Marillion-orientiert gibt – jedoch eigenständiger, als es zahlreiche ausländische Bands im Laufe der Jahre geboten haben. Nach „Jack Yello“ nun also Morphelia: die Marschrichtung ist ähnlich, und gerade das gefällt mir ziemlich gut: die Musik ist durchgehend sehr kompakt angelegt und in ihrer Härte äußerst melodisch, und das so überzeugend innerhalb ihrer niveauvollen Songstrukturen, dass ich hier keineswegs das böse AOR-Wort fallen lassen kann: aber es ist schon witzig, wie die Band einerseits bekannte Pfade beschreitet, dabei aber andererseits ihren eigenen Schritt an den Rändern der Wege findet und die ausgelatschte Mitte geschickt vermeidet.

Freilich findet sich hier schon das eine oder andere Altbekannte, und das geht über typische Rock-Riffs hinaus (und auch über den kleinen und sicher zufälligen Scherz, dass der Kurzrefrain „In the midnight sun“ des Openers an den James-Bond-Song „The living daylights“ von A-Ha erinnert): das Intro zu „Midnight Sun“ ist einmal mehr eine bombastische Variation von Gustav Holst’s „Mars“ – das hat man ja inzwischen so oft gehört, dass sich glatt mal ein Prog-Sampler mit dem Titel „Mission to Mars“ lohnen könnte. Aber was soll’s: das ist nun mal ein Prog-Gassenhauer geworden, der nicht mehr wegzudenken ist und immer wieder für ausschmückende Zwecke eingesetzt werden kann – es kommt drauf an, was man draus macht.

Im Falle von Morphelia fällt so was für mich in die Kategorie: man muss auf dem eng gewordenen Markt dem Hörer ja gleich etwas bieten, was ihm die Sicherheit gibt, dass er es mit echtem Prog zu tun hat; in die gleiche Kerbe schlägt auch der Schriftzug des Bandnamens auf dem CD-Cover und natürlich der Albumtitel. Über Prog als Marke mit Wiedererkennungswert mag man geteilter Meinung sein, aber ich kann es einer sich selbst produzierenden Band aus einer eher dünn besiedelten Landschaft Deutschlands nicht verübeln, wenn sie mit ein wenig Nachdruck auf ihr erstes Produkt zeigt.

Apropos selbst produziert: ich weiß es besonders zu würdigen, wenn eine Band selbständig etwas aus ihrer Musik macht, ohne einen Spezialisten, der womöglich die Effekte gegenüber dem Handgemachten betont. Morphelia betonen auf ihrer Website, dass alle Musiker bei ihnen völlig gleichberechtigt spielen, und eben das hört man der Produktion auch an, gerade daraus ergibt sich ein symphonischer Sound aus allen Beigaben, der auf trickreiche Orchestral-Programmierungen verzichten kann und trotzdem symphonisch rüberkommt.

Vor der Gründung dieser Band hatten sich einige der Musiker ja ausgiebig mit Saga beschäftigt – selbstverständlich klingt diese Vergangenheit hier nach: besonders die Gitarre hat einen unverkennbaren Saga-Touch; vor allem „Dream of Jerusalem“ könnte im Zusammenwirken von Gitarre und Keyboard fast als Saga-Cover durchgehen (es klingt auch aufnahmetechnisch nicht ganz so transparent wie der Rest, ist wahrscheinlich älter), wären da nicht – und darauf kommt es bei Morphelia besonders an – die erfreulichen Härten einerseits und daneben die immer wieder überraschenden proggigen Einschübe und unerwarteten Wendungen.

Diese zeichnen z.B. auch einen Song wie „A winter’s tale“ aus, der zwar einen recht süßlichen Refrain hat, sich damit aber nicht zufrieden gibt (obwohl sich daraus mühelos eine Hitsingle zimmern ließe), sondern einen instrumentalen Schnörkel nach dem anderen einfügt: kein Wunder, dass die Tracks so lang geworden sind, weil viel aus ihren Strukturen herauszuholen ist, was hier an keiner Stelle auch nur langweilig zu werden droht.

Auch „Love of an old man“ ist ein gelungenes Beispiel für Unerwartetes: zunächst grummelt der Song atmosphärisch, cool und angenehm dahin, bis er plötzlich eine überraschende Metal-Hürde in die Mitte baut, die an Dream Theater erinnert, aber nur für sehr kurze Zeit, dann folgt die nächste Erweiterung des Songgerüsts: in der Tat, so sollte Prog komponiert sein!

Ebenso die unermüdlichen Piano-Girlanden in „The Russian fail“ neben dem schweren Rhythmus sind so ein Beispiel, auch die an Marillion erinnernde Bombast-Konsequenz in „Virginity’s end“ – hier wirkt die Stimme auch am stärksten Fish-orientiert (im Ganzen jedoch etwas dunkler – ich denke da ein wenig an Merchants Vice).

Ich spreche jetzt mal nicht dieses abgedroschene „Muss man haben“ aus: man muss ja so viel haben, und immer wieder kommt Neues hinzu. Aber ich empfehle jedem, sich auf der Band-Website mal die MP3-Auswahl anzuhören: wem gefällt, was er dort hört, der muss das Album am Ende doch noch haben – der Rest ist nämlich genauso gut! Und über 70 Minuten lang so gut unterhalten zu werden ist ja auch keineswegs eine Selbstverständlichkeit.

Anspieltipp(s): alles außer dem zu Saga-lastigen “Dream of Jerusalem”
Vergleichbar mit: ein wenig Jack Yello mit Saga-Gitarren, aber doch sehr eigenständig
Veröffentlicht am: 5.1.2005
Letzte Änderung: 5.1.2005
Wertung: 11/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Morphelia

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2009 Waken the Nightmare 10.50 2

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