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Wobbler

Hinterland

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2005
Besonderheiten/Stil: RetroProg
Label: Laser's Edge
Durchschnittswertung: 9/15 (6 Rezensionen)

Besetzung

Lars Fredrik Frøislie Hammond C3 with Leslie 122, Minimoog Model D, Mellotron M400 S, Petrof Grand Piano, Berggren Og Engzon Reed Organ and Glockenspiel, Wurlitzer A 200, Rhodes Mark II Stage Piano, Hohner Clavinet D6, Zuckerman Harpsichord, ARP Pro Soloist, ARP Axxe, Sol
Martin Nordrum Kneppe Ludwig Special Drums and Percussion
Kristian Karl Hultgren Bass and Saxophones
Morten Andreas Eriksen Electric and Acoustic Guitars
Tony Johannessen Lead vocals

Gastmusiker

Ketil Vestrum Einarsen Flutes and Backing Vocals
Ulrik Gaston Larsen Theorbe and Baroque Guitar
Pauliina Fred Recorder
Aage Moltke Schou Percussion

Tracklist

Disc 1
1. Serenade For 1652 0:41
2. Hinterland 27:47
3. Rubato Industry 12:45
4. Clair Obscur 15:37
Gesamtlaufzeit56:50


Rezensionen


Von: Udo Gerhards (Rezension 1 von 6)


"Wobbler": dieser Name klingt gleichzeitig etwas albern (mehr zu anderen Albernheiten später), ebenso wie er durchaus programmatisch ist, ob bewusst oder nicht. Ein Wobbler ist eine beim Angeln verwendete Köderart, die einem Fisch nachgebildet ist (und taumelnde Bewegungen ausführt, eben "wobbles"). Und so wie ein Wobbler einen Beutefisch simuliert, eifern die Wobbler großen Namen nach. Die Frage ist: gelingt es damit, den Hörer an den Haken zu bekommen?

Die kurze Antwort: jein.

Die längere:

Von Retro-Retro-Bands, Egosäuen, die keine sind, 10 deplatzierten Mikros, davon, warum 250 Zeichen weniger sind als gedacht, und anderen Albernheiten
oder
Vade retro, Satanis

Dem ein oder anderen ist vielleicht aufgefallen, dass die Instrumentenauflistung oben bei Keyboarder Lars Fredrik Frøislie mitten im Wort abbricht. Das ist deshalb der Fall, weil ich versucht habe, sein ausuferndes Instrumentarium komplett aus dem Booklet abzutippen. Offensichtlich reichen dafür 250 Zeichen nicht. Und ich werde den Teufel tun, die fehlenden Angaben in irgendeiner Form zu ergänzen. Denn wer als Hörer eine solche alberne (da simma wieda) Liste wirklich braucht, der ist womöglich noch bekloppter als der Musiker, der sie in sein Booklet packt, und verdient es nicht anders.

Frøislies Bookleteintrag ist in mehrerer Hinsicht vielsagend.

Hammond, Minimoog, Mellotron, Piano, E-Piano etc. etc. etc., dies macht mehr als deutlich: Retro-Prog-Sound herrscht vor. Während des Hörens von "Hinterland" gibt es ständig Aha-Momente: "Oh, Premiata Forneria Marconi. Oh, Genesis. Oh, Emerson, Lake & Palmer. Oh, Yes. Oh, Gentle Giant. Oh, King Crimson. Oh, Rick Wakeman solo." Musik aus der - man verzeihe mir das schlechte Wortspiel, ich konnte nicht widerstehen - Retrote eben. Diese Abfolge von Namen zeigt auch: gerade im Titelstück gibt's Stückwerk. Hier werden dutzende Parts in verschiedenen Stilistiken hintereinander gereiht, ohne dass die Gruppe dabei wirklich aus den Puschen kommt. Zwar hält der durchgängige Grundsound das Ganze geradeso zusammen, aber die kürzeren - und immer noch satt langen - "Rubato Industry" und "Clair Obscur" funktionieren wesentlich schlüssiger und flüssiger.

Im Vergleich zum "Retro"-Prog will ich sogar noch einen Schritt weitergehen: "Wobbler" sind der erste Höhepunkt dessen, was man - wenn er nicht so hässlich wäre - mit dem Begriff "Retro-Retro-Prog" umschreiben müsste: sie klauen nicht nur bei den großen alten Bands des Genres, sondern auch bei großen jungen. Zwar gab es sowohl für Änglagård als auch für Anekdoten bereits Epigonen - etwa Sinkadus und Book of Hours -, aber diese waren zeitlich zu nahe an den Veröffentlichungen der Originale dran. Inzwischen sind seit den besten - und leider teils einzigen - Alben dieser beiden Gruppen gut 10 Jahre vergangen, so dass sie schon fast selbst als Oldies und Klassiker gelten können. Und von beiden sind Wobbler deutlich, deutlich inspiriert. NB: ein Änglagård-Klon, so wie es die beiden Wobbler-Demos fast vermuten ließen, sind sie nicht; dafür scheinen viel zu viele andere Vorbilder durch. Änglagård hört man vor allem in den elegischeren, ruhigeren Stellen durch. Anekdoten stehen Pate für Passagen mit jaulenden Gitarrenarpeggios, scharrendem Bass und Mellotronteppich (allerdings ist dies auf dem Umweg über Schweden wieder auf King Crimson zurückzuführen).

Was der Booklet-Eintrag auch klar macht: "Hinterland" ist ein stark keyboardlastiges Album. Zwar wird auch gesungen - durchaus gut und angenehm übrigens und weit entfernt von dem Hardrock-Geshoute, das den Würzburger Auftritt Wobblers im Jahr 2004 so unschön prägte -, gebasst, geschlagzeugt usw. Aber die omnipräsenten Keyboards in allen möglichen analogen Variationen drücken der Musik hauptsächlich den Stempel auf. Vor allem die Gitarre leidet darunter: Zwar spielt Morten Andreas Eriksen viel und auch sehr kompetent, aber wirkliche Akzente setzt die Gitarre nur, wenn es an ganz ruhige, akustische Passagen geht. Und dann kommt ausgerechnet auch noch stellenweise Gastgitarrist Ulrik Gaston Larsen zum Zug. Damit möchte ich aber nicht andeuten, dass Frøislie sich egoistisch in Szene setzt: ellenlange selbstverliebte Keyboard-Soli oder Ähnliches sucht man etwa vergeblich, auch die testosterontriefende Tastendominanz wie bei Emerson und ELP gibt es nicht.

Der einzige, der im Begleitheft übrigens ebenfalls mit der Marke seines Instruments gelistet ist, ist Schlagzeuger Martin Nordrum Kneppe an den "Ludwig Special Drums". Und hier liegt der Fall genau andersrum. Das - ebenfalls kompetent gespielte - Schlagzeug klingt auch retro, und hier ist ein bedingungsloses "leider" angebracht. Dünn, drucklos (vor allem die Snaredrum), ohne Wucht und den entscheidenden Kick in den Momenten, in denen ein echter perkussiver Ausbruch den intendierten Bombast der Kompositionen und Arrangements unterstützen müsste. Das ist jedenfalls ein Punkt, den sich Wobbler besser bei Änglagård abgeguckt hätten. Laut ihrer Website haben Wobbler die Orgel mit 12(!) Mikrophonen aufgenommen. Vielleicht hätten für die Hammond auch zwei gereicht, und man hätte dem Schlagzeug ein paar mehr spendieren können?

Kollege Achim hat bei anderer Gelegenheit "Hinterland" als "albern" bezeichnet. "Albern" dabei nicht im Sinne von kichernd komisch gemeint, sondern: "eigentlich ist es albern, Passagen aus 10 Siebziger Jahre Platten zu klauen und hintereinander zu hängen". Ja, damit hat er recht. Trotzdem macht mir das Album Spaß. Ja, mein ganzes Gemecker hält mich nicht davon ab, "Hinterland" zu geniessen; insbesondere ab dem zweiten, dritten Hördurchlauf, als ich mich an den bescheidenen Schlagzeugsound gewöhnt und entdeckt hatte, dass die beiden "kürzeren" Stücke die deutlich stärkeren sind, obwohl natürlich ein Monsterlongtrack zum Beginn (vom kurzen Mellotronintro "Serenade For 1652" mal abgesehen) den ersten Eindruck des Albums stark prägt. Aber: Wenn Wobbler das Schlagzeugsound-Problem in den Griff bekommen und ihren anfürsich sehr edlen analogen Retro-Grundklang mit weniger offensichtlich durch von bestimmten einzelnen Vorbildern inspirierten, sprich eigenständigeren Kompositionen verbinden: Dann würd's noch mehr Spaß machen.

P.S. Das Album erscheint zwar offiziell erst am 6.9.2005, kann aber bis zum 8.7. in Vorbereitung des kommenden Nearfest-Autritts Wobblers direkt beim Label Laser's Edge bestellt werden und wird auch ausgeliefert. Nach dem Nearfest verschwindet "Hinterland" wieder bis zum September.

Anspieltipp(s): Rubato Industry
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 28.6.2005
Letzte Änderung: 29.6.2005
Wertung: 9/15

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Von: Thomas Kohlruß (Rezension 2 von 6)


Die Norweger Wobbler sitzen offensichtlich in einer selbstgemachten Falle: Als völlig unbekannte Band haben die Jungs zwei Demos auf ihrer Website veröffentlicht, die damals in kürzester Zeit für Furore sorgten. Seitdem lastet auf der Band eine Erwartungshaltung, die anscheinend lähmend wirkt. Und dazu noch bei den Fans immer wieder zu Frusterlebnissen führt. Vom eher missglückten Auftritt beim "Freakshow-Festival 2004" war ja schon die Rede... und nun liegt mit "Hinterland" das zwischen Hoffen und Bangen erwartete Debütalbum der Band vor.

Ich will nicht allzuviel wiederkäuen: Wobbler haben sich auf ihrem Debütalbum, wie auch bei ihren Demos, vollkommen dem RetroProg verschrieben. Sicherlich könnte diese Musik so auch in den goldenen 70er Jahren 'unserer' Musik entstanden sein. Dominant sind dabei analoge Tastensounds in jedweder Couleur, Mellotron-Alarm aller Orten. Dabei sind die Tastenklänge einfach "so da" und werden noch nicht mal durch besonders auffällige Soli besonders betont. Sie sind einfach die Musik. Alles andere ist weitgehend Beiwerk. Auch wenn die Gitarre in einigen Momenten mal schön bratzeln darf und in anderen Momenten schöne, barocke Zwischenspiele liefert. Auch wenn der Bass immer mal wieder scharrt und rumpelt. Auch wenn das Schlagzeug durchaus mit Verve gespielt wird. Es ist ein Keyboard-Album.

Dabei ist es selbst für mich, der sich von den alten Klassikern ein Stück weit entfernt hat, kaum möglich die vielen Anspielungen, "Inspirationen" und Versatzstücke zu ignorieren, welche Wobbler von den Klassikern in ihre Musik integriert haben. Dies führt gerade im titelgebenden Longtrack zu einem ziemlich zerrissenen Eindruck. Und in der Tat: Diese Aneinanderreihung von sozusagen Prog-Klischees kann man auch als ziemlich nervig (oder eben albern) empfinden. Dies wird noch verstärkt durch die Tatsache, dass die Band ziemlich gehemmt wirkt und selten einfach wirklich frisch, fromm, fröhlich, frei losrockt. In diesen seltenen Momenten allerdings, z.B. zu Beginn von "Hinterland" (so knapp die ersten 2 Minuten) und dann wieder am Schluss (so ab Min. 23 etwa), zeigen sie das Gesicht, welches von den Demos bekannt ist und können begeistern. Wirklich schön sind auch die elegant ins Klangbild integrierten Flötentöne.

Viel besser gelingt Wobbler der Spagat zwischen lyrischen Parts, die Spannung aufbauen, und bombastischen Tastenorgien in den beiden "kürzeren" Tracks. Von denen kann "Rubato Industry" sogar richtig begeistern. Aber auch "Clair Obscur" hat viele mitreissende Momente und klingt vielleicht sogar ein bisschen moderner, also zumindest mehr nach Anekdoten und Co. als nach 70er Jahre.

Sänger Johannessen hat wenige, aber dafür gute Einsätze. Gesang irgendwie Marke "Anekdoten", aber wesentlich ausdrucksstärker und tonsicherer. Kaum zu glauben, dass das derselbe Sänger sein soll, der auf der Freakshow dieses eher peinliche HardRock-Shouting und -Gepose abgeliefert hat. Aber dem Bild im Booklet nach zu urteilen, muss ich das wohl glauben.

Mir macht dieses Album trotz aller Schwächen zunehmend Spass... und den Longtrack kann man immer noch als Suchspiel "Finde alle Tastensounds" nutzen. Wenn auch dieses Debütalbum wieder ein ganzes Stück hinter den Erwartungen zurückbleibt und man sich sicher ärgern kann, dass es Wobbler anscheinend nicht gelingt ihr Potential wirklich auszuschöpfen, sollte man die Band noch nicht abschreiben. Vielleicht platzt der Knoten jetzt, nachdem der Anfang einmal gemacht ist, und dann kann das schon noch 'was werden. Bis dahin sollten zumindest ausgewiesene Retro- und Tastenklänge-Fans durchaus Spass mit "Hinterland" haben.

Ach ja, wer eines der Wobbler-Demos in brilliantem Soundgewand geniessen will (und vielleicht lange Download-Zeiten scheut): Besorgt Euch den Progday-Support-Sampler! Dort gibt es neben Wobbler noch einiges weitere an guter Musik und ihr tut ein gutes Werk, in dem ihr eines der raren Prog-Festivals unterstützt...

Anspieltipp(s): Rubato Industry
Vergleichbar mit: den 70er Jahren des Prog
Veröffentlicht am: 3.7.2005
Letzte Änderung: 3.7.2005
Wertung: 10/15
...knapp und mit etwas wohlwollen ;-)

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Von: Ralf J. Günther @ (Rezension 3 von 6)


Diese Rezension schreibe ich, um die Wobbler-CD noch einmal kurz in den Blickpunkt zu rücken. Mir scheint nämlich, dass die Platte mehr als andere die Frage aufwirft: Ist das Objekt unserer Begierde - Prog - wirklich noch lebendig? Oder betreiben wir Mumienkult?

In dieser Hinsicht haben sich Wobbler an einem neuralgischen Punkt angesiedelt, denn sie präsentieren Retro-Exzesse in einem Moment, in dem einem die Masse der Retro-Veröffentlichungen wahrhaftig zum Halse heraushängt. Gefeierte Helden wie Stolt und Co. haben sich längst ausgepowert und bedienen nur noch einen Markt, anstatt frische Musik zum Leben zu erwecken. Unzählige Bands tun so, als sei nie etwas gewesen, und erfinden Woche für Woche sämtliche Progklischees neu, weil sie entweder selbst an Amnesie leiden oder auf die Amnesie ihrer Hörer rechnen.

Da kommen Wobbler mit einem Album, das wie kaum ein anderes den Proghörer da zu packen versucht, wo er es braucht. Hier gibt es jedenfalls alles, wonach man zu lechzen glaubte. Oder wie es ein Ex-Rezensent auf diesen Seiten ausdrückte: "ich will verdammt noch mal diesen perfekten Retro-Sound geniessen".

Denn so siehts aus: Wobbler haben sich raffiniert aufgebretzelt mit allem, was einem gefällt - aber erleben die Ohren dabei auch wirklich eine gewaltige Erektion?

Wie das so ist, kann die Frage nur jeder für sich selbst beantworten. Aber ich kenne kaum eine Platte, die sich dermaßen für den Prog-Selbsttest eignet. Als solchen würde ich das Album jedermann warm empfehlen. Die Tastenklänge "sind einfach die Musik", wie Thomas zutreffend schreibt - und sie sind überwältigend schön. Die Klangwelt der Platte insgesamt ist beeindruckend (das etwas in den Hintergrund geratene Schlagzeug stört mich nicht so sehr, obwohl Udos Kritik nicht unberechtigt ist). Diese Klangwelt ist allerdings alt. Ist sie auch verbraucht? Ist die Klangwelt eines Symphonieorchesters verbraucht? Oder behält sie eine einmal erworbene Gültigkeit?

Ob die Wobbler-CD wohlige oder übel aufstoßende Erinnerungen wachruft, wie es bei Christian heißt, ob sie vielleicht sogar "albern" ist, wie Achim findet - der Eindruck ändert sich während des Hörens immer wieder. Denn wer so in die Retrokiste greift, der ist bei aller Klangmeierei letztlich doch von der Qualität der Kompositionen abhängig. Im zusammengebosselten Track 2, der beim Hörer deutlich das Gefühl auslöst "das ist gar kein wirklicher Longtrack", sind die Zweifel groß, ob man hier nicht an einen Fall besonders dreister Musik-Prostitution geraten ist. Natürlich kann einen auch das scharf machen. Aber in den Tracks 3 und 4, die besser funktionieren, ists nicht mehr der reine Fetischismus, der da auf einen eindringt, nicht nur Kunstfertigkeit sondern auch künstlerische Fertigkeit. Und dabei fühlt man sich besser.

Ich bin sehr gespannt auf das nächste Wobbler-Album. Dieses hier habe ich schon sehr oft gehört.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 17.10.2005
Letzte Änderung: 4.8.2011
Wertung: 10/15

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Von: Marion Schoger @ (Rezension 4 von 6)


Über dieses Album ist schon so viel treffendes geschrieben worden. Danke Udo, Thomas, Christian und Ralf für eure passenden Beschreibungen.

Daher nur noch eine kleine Ergänzung von mir:

Diese Platte durchzuhören, und das auch noch mehrmals, war wirklich ein hartes Stück Arbeit. Schließlich musste ich mich ständig daran hindern, meinem wohlverdienten Schlaf nachzugehen. Besonders bei Hinterland sind mir immer wieder die Augen zugefallen und das bestimmt nicht, um so besser die Musik genießen zu können. Nach einigen vergeblichen Anläufen, bei denen ich die Musik nicht einmal mehr wahrgenommen habe, hat mir dann freundlicherweise immerhin das Booklet geholfen, denn hier konnte ich meinen Blick auf die Buchstaben fixieren und somit vermeiden, bald friedlich schlummernd dazuliegen.

Schade eigentlich. Die Platte ist eigentlich keineswegs schlecht, nur hat man das bei etlichen anderen 70er-Proggern schon besser und auch zusammenhängender gehört. Was wirklich neues wird hier leider nicht mehr geboten.

Dennoch lasse ich mir die Hoffnung auf ein gutes neues Werk Wobblers nicht so schnell nehmen. Mit mehr Eigenständigkeit und Kreativität wird das schon noch was.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 5.12.2005
Letzte Änderung: 29.6.2011
Wertung: 6/15

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 5 von 6)


Eine Platte, deren Wirkung offensichtlich sehr unterschiedlich ist - obwohl sie für jeden dieselbe Musik enthält - hier sollten manche objektiv-subjektiv-Spezialisten ins Grübeln kommen. Marion (hallo Marion!) hat recht, wenn sie sich darüber beschwert, die Platte sei unzusammenhängend: Genau das ist sie. Nix Aufbau, nix Spannungsbogen zu oft nur Reihungen, und selbst die haben wir in den 70ern von Genesis besser gehört.

Aber man braucht sich nur vorzustellen, wie eine Platte klänge, die, sagen wir, John Wetton, Ian Anderson, Rick Wakeman, Steve Hackett, Flavio Premoli, Carl Palmer und Ian McDonald heute zusammenbekämen, und man hat, wie ich, viel Spaß mit diesem Album. Ganz so gruselig wie bei "The Watch" geht's hier nicht zu, aber wer hier seine Jugend wiederzufinden sucht, sei an die Originale verwiesen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 6.12.2005
Letzte Änderung: 7.12.2005
Wertung: 9/15

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Von: Jörg Schumann @ (Rezension 6 von 6)


Was ist ein Wobbler? Udo hat den Begriff im Dunstkreis des Angelsports gefunden. Petri Dank. Wobble steht aber auch für "das Wobbeln" bzw. to wobble bedeutet flattern, schlenkern, schwanken, schwabbeln oder gar wobbeln. Was ist denn bitte wobbeln? Erstmals tauchte der Begriff wohl Mitte des 17. Jahrhunderts auf, stammt wahrscheinlich von dem deutschen Wort wabbeln ab und ist dem altenglischen "wǣfre" verwandt, was ruhelos bedeutet. Hier noch eine weitere Definition von "wobble":

1 a: a hobbling or rocking unequal motion (as of a wheel unevenly mounted) b: an uncertainly directed movement 2: an intermittent variation (as in volume of sound)

Alles klar? Also irgendwie gehts da um Wackeln und Schwanken, um Eiern oder (etwas bösartig übersetzt) Rumeiern, um nicht ganz zielgerichtete Bewegung und um Variationen. "Wobbler" wackeln tatsächlich zwischen vielen Stilen respektive stilprägenden Vorbildern hin und her, man weiß nicht genau, wohin die Reise geht und man variiert sich durch die Geschichte des Prog im Generellen und des klassischen Prog im Speziellen.

Ich möchte die lange Liste der Bands, an die man auf Hinterland erinnert wird noch um einige erweitern: Liquid Scarlet, Schicke Führs Fröhling, Sinkadus und selten gar die Flower Kings.

Im zu lang geratenen Titelstück gelingt die Fusion all dieser Einflüsse nicht, wirkt das Ganze zu sehr wie eine Aneinanderreihung vieler Ideen. Dadurch zerfasert der Titel als Ganzes und kann den Hörer nicht durchgehend bei der Stange halten, obwohl die Musik gekonnt dargebracht wird.

Die beiden kürzeren Titel sind gelungen. Rubato Industry ist härter, erinnert aufgrund seiner Dissonanzen und des Mellotroneinsatzes stark an Schicke Führs Fröhling und Änglagård, die Gesangslinie könnte von den Blumenkönigen stammen. Fette Hammondakkorde, betörende Mellotronschwaden, treibendes Drumming (toller Snaresound!), harte Gitarrenriffs, scharrender Bass, mehrstimmiger Chorgesang; Retroherz, was willst Du mehr.

Das abschließende Clair Obscur beginnt wunderschön mit zerbrechlichem Mellotron, ein Piano übernimmt mit zarten, leicht schräg angeschliffenen Akkorden, eine liebliche Flöte gesellt sich dazu, Akkorde werden aufgebrochen, es wird metrisch unübersichtlicher, es gibt harsche Dynamiksprünge, kurz: es wird tüchtig "gewobbelt".

Wenn dann ab 9:20 nach einem typischen Schicke Führs Fröhling-Mellotron-Teil noch der klagende, absteigende Terminator Zwo-Akkord folgt, ist man definitiv am Angelhaken. Clair Obscur ist der Höhepunkt eines guten Albums, das ich allen Retroproggern ans Herz legen möchte.

Anspieltipp(s): Clair Obscur
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 3.10.2012
Letzte Änderung: 3.10.2012
Wertung: 10/15

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2009 Afterglow 11.00 3
2011 Rites at Dawn 10.80 6
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