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Centipede

Septober Energy

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1971
Besonderheiten/Stil: improvisiert; mit Orchester; Canterbury; Jazz; Jazzrock / Fusion
Label: RCA
Durchschnittswertung: 12/15 (1 Rezension)

Besetzung

Wendy Treacher, John Trussler, Roddy Skeaping, Carol Slater, Louise Jopling, Garth Morton, Channa Salononson, Steve Rowlandson, Mica Gomberti, Colin Kitching, Philip Saudek, Esther Burgi Violins
Wilf Gibson Lead Violin, Conductor
Michael Hurwitz, Timothy Kramer, Suki Towb, John Reese-Jones, Katherine Thulborn, Catherine Finnis Cellos
Peter Parkes, Mick Collins, Ian Carr, Mongesi Fesa, Mark Charig Trumpet, Flugelhorn, Cornet
Elton Dean, Jan Steel, Ian MacDonald, Dudu Pukuwana Alto Sax, Flute, Soprano Sax
Larry Stabbins, Gary Windo, Brian Smith, Alan Skidmore Tenor Sax
Dave White, Karl Jenkins, John Williams Baritone Sax, Bass Sax, Oboe, Clarinet
Nick Evans, Dave Amis, Dave Perrottet, Paul Rutherford Trombone
John Marshall, Tony Fennell, Robert Wyatt Drums, Percussion
Brian Godding Guitars
Brian Belshaw, Roy Babbington, Jill Lyons, Harry Miller, Jeff Clyne, Dave Markee Basses
Maggie Nicholls, Julie Tippetts, Mike Patto, Zoot Money, Boz Vocals
Keith Tippett Piano
Robert Fripp Producer

Tracklist

Disc 1
1. Septober Energy - Part 1 21:43
2. Septober Energy - Part 2 23:34
Gesamtlaufzeit45:17
Disc 2
1. Septober Energy - Part 3 21:21
2. Septober Energy - Part 4 18:45
Gesamtlaufzeit40:06


Rezensionen


Von: Achim Breiling @


Fünfundfünfzig Musiker sind auf "Septober Energy" zu hören, also eigentlich hundertundzehn Füsse. Aber auch die tierischen Hundertfüsser, die Keith Tippett offenbar zu dem Namen seines Jazz/Rock-Orchesters Centipede inspiriert haben, nehmen es mit der Anzahl ihrer Extremitäten nicht so genau. Die kann nämlich, je nach Art, zwischen 30 und über 300 schwanken. Im Herbst 1970 stellte Tippett, der damals ansonsten in seiner Keith Tippett Group in die Pianotasten griff, Centipede zusammen, um das vierteilige Mammutwerk "Septober Energy", welches er zusammen mit seiner Frau Julie Tippetts (geborene Driscoll) komponiert hatte, live zu präsentieren. Im Juni 1971 begab sich das "Orchester" für drei Tage ins Studio, um das Monstrum auf Tonträger zu bannen. Neben einer umfangreichen Streicherabteilung rekrutierte Tippett eine Ladung Blech- und Holzbläser, Basssisten und Schlagzeuger, die damals zum Teil in namhaften, britischen Jazz- und Rockformationen tätig waren, unter anderem bei Soft Machine, King Crimson und Nucleus. Dazu kamen noch einige Sänger (darunter Mike Patto und Boz), Brian Godding an der E-Gitarre und - last but not least - Robert Fripp als Produzent.

Vier jeweils seitenlange Teile hat "Septober Energy", die 1971 auf einer Doppel-LP von RCA veröffentlicht wurden. Die britische Version, erschienen auf dem Neon-Unterlabel und war in schlichtem Weiss gehalten, während in Amerika eine Ansammlung von bunten Flaschen das Cover zierte. Letzteres ist auch auf dem CD-Reissue von BGO zu sehen.

In musikalischer Hinsicht wird auf "Septober Energy" durchaus Buntes, aber auch recht Komplexes geboten. Eine wilde Mischung aus Jazz, Canterburyartigem, Brass- und Jazzrock haben die Tippetts hier zusammengebraut, angereichert mit einer Prise crimsoneskem Prog (à la "Islands"), etwas moderner Klassik und einem guten Schuss Experimetell-Seltsamem. Natürlich sind nicht alle 55 Musiker ständig zu hören. Meistenteils wird die Musik von einem Kern von 4 bis 5 Instrumentalisten bestimmt, Schlagzeug und Bass meist, zuzüglich einiger Solisten (Piano, Gitarre, meist auch ein Blasinstrument), die jazzig dahinrocken. Ab und an steigert sich das Ganze allerdings, die Streicher und weitere Bläser setzen ein, gelegentlich auch ein hysterischer Chor, und es entwickelt sich ein mitunter sehr wüstes Klangdurcheinander, das man als symphonischen Free-Jazz-Brass-Rock bezeichnen könnte. Dann gibt es noch eher getragene Abschnitte, in denen die Sänger solistisch zum Einsatz kommen, das Piano soliert und Karl Jenkins' Oboe erklingt, und schwebend-meditative Momente, in denen der Chor geheimnisvolle, langgezogenen Töne hervorbringt, zu denen gestrichene Bässe brummen und Streicherteppiche wabern. Selten kommt auch eine Violine zu solistischen Ehren. Alles in allem ist das Ganze aber recht "free" und schräg und offenbart Tippetts Wurzeln, die fest im Free-Jazz verankert sind.

Von Kritikerseite wurde das Werk bei Erscheinen meist als überambitioniertes, richtungs- und stilloses Durcheinander verrissen. Ein paar Längen hat "Septober Elegy" durchaus, ein bisschen zusammengewürfelt wirkt die Suite auch, aber ansonsten wird hier sehr überzeugend und virtuos musiziert. Es war aber wohl so, dass den eher konservativen Jazzkritikern der frühen 70er ein solches Stilkonglomerat übel aufgestossen ist, insbesondere wenn es von Popmusikern präsentiert wird, zu denen Tippett, Fripp und Kollegen damals gezählt wurden. Nachdem das Werk nun 30 Jahre auf dem Buckel hat, werden versöhnlichere Töne angestimmt. Mancher spricht inzwischen von einem stilvereinenden, experimentellen Meisterwerk.

Wie auch immer, ich empfinde "Septober Energy" als ein sehr faszinierendes, aber auch sehr anstrengendes Stück Musik, welches auf interessante und anspruchsvolle Weise die Welten des Jazz und des Rock symphonisch miteinender vereint. Wer die Musik von Soft Machine und Nucleus schätzt, keine Abneigungen gegen viele, trötende Blasinstrumente, Atonalität und Free-Jazz hat, dem sei "Septober Energy" sehr empfohlen. Erstaunlich bleibt bis heute, dass dieses Album, welches auch schon 1971 eher "starker Tobak" war, bei einem Major-Label wie der RCA erschienen ist. Einige Jahre später wäre ein solches Vorhaben von fast jeder Plattenfirma als absolut unkommerziell abgelehnt worden (Tippetts ebenso ambitioniertes ARK-Projekt erschien 1978 dann auch auf dem kleinen Jazzlabel Ogun). Anfang der 70er aber waren die Zeiten wohl noch andere!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 5.11.2005
Letzte Änderung: 30.3.2015
Wertung: 12/15

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