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Patrizio Fariselli Project

lupi sintetici e strumenti a gas

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2001 (2004 neu auf Edel/Italia)
Besonderheiten/Stil: Jazz; Jazzrock / Fusion; RIO / Avant; Zappaeskes
Label: Curved Light
Durchschnittswertung: 10.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Patrizio Fariselli piano, keyboards
Angela Baggi vocals
Marco Micheli bass
Roberto Cecchetto guitar
Giovanni Giorgi drums

Gastmusiker

Rolando Cavasassi drums
Massimo Manzi drums
Federico Sanesi percussion
Rocco Zifarelli mand-out
Marino Paire vocals
TI-SHA-MAN-NAH saxophone quartett
Amanita Lozano saxophone
Francesco Moneti violin
Franco D'Aniello flute
Alberto Cottica akkordeon
Roberto "Freak" Antoni vocals

Tracklist

Disc 1
1. Pangea 4:36
2. Lupi sintetici e strumenti a gas 3:37
3. Risonanze 4:34
4. I dadi di dio 4:24
5. Signora dei viaggi 5:06
6. Felice Lichene (in memoriam Franciscii Zappae) 6:24
7. Acufeni 3:45
8. 7 bells 3:59
9. Refoli 6:32
10. Luglio agosto settembre (nero) 3:28
11. Non tira un filo d'aria 1:11
12. [13] ah! 0:13
Gesamtlaufzeit47:49


Rezensionen


Von: Ralf J. Günther @ (Rezension 1 von 2)


Zu den ganz großen Entdeckungen, die man in der Rockmusik der 70er Jahre machen kann, gehören zweifellos die Alben der italienischen Band Area - vorausgesetzt die eigene musikalische Sehnsucht reicht etwas weiter als bloß bis zur nächstbesten Alan Parsons-Platte.

Was Area in den 70ern eingespielt haben, ihre furiose, immer unterhaltsame Verquickung von Jazz, Rock, Stimmexperimenten, orientalischer Ornamentik und freiem Experiment, all das hinterlässt beim angefixten Hörer unweigerlich das Gefühl: bitte - mehr davon!

Voller Hoffnung wird man also eine CD von Patrizio Fariselli in den Player legen, denn der war immerhin Gründungsmitglied von Area und steht auch heute noch für ambitionierte musikalische Projekte. Die CD heißt in diesem Fall "lupi sintetici e strumenti a gas" und stammt aus dem Jahr 2001. 2004 ist sie neu erschienen. (Dass sie hier besprochen wird, verdankt sich übrigens dem Hinweis von BBS-Leser Roland, auf dessen Anraten hin ich sie mir zugelegt habe.)

Bevor eine Hoffnung sich erfüllt, gibt es immer Momente des bangen Wartens. Aber die sind diesmal nicht lang. Das Fariselli Projekt hält in jeder Hinsicht, was seine Herkunft verspricht. Area-Liebhaber dürfen entzückt sein. Doch auch wer diese Platte einfach so hört - offenen, ein bisschen jazzfähigen Ohres - wird kaum enttäuscht sein.

Fariselli legt 11 Stücke und eine Schlusspointe vor (Track 12 besteht einfach aus dem Ausruf "ah!"). Gleich mit der Eröffnungsnummer war ich schon gefangen. Ein folkloristisch getöntes Stück, dessen scheinbare Einfachheit und tänzerische Leichtigkeit mit einer gar seltsamen, an Yezda Urfa erinnernden Gesangsmelodie kombiniert wird. Mitglieder der "Modena City Ramblers" agieren dabei als Gastmusiker an Violine, Flöte und Ziehharmonika.

Track 2 ist der Titeltrack. Die "synthetischen Wölfe" (zu Beginn heulen sie dumpf) sind eine Bezugnahme auf das Märchen von Rotkäppchen, mit dem Unterschied, dass diesmal der Wolf sämtliche Nervtöter inklusive des Jägers auffrisst. Schon diese Nummer mit ihrem teilweise exaltierten Gesang und ihrer raffiniert verarbeiteten rockigen Grundstruktur ist des Zappaesken schwer verdächtig. Aber sie ist in dieser Hinsicht nicht der Haupttäter auf der Platte. Außerdem atmet sie trotz weiblicher Stimme auch den Geist von Area-Sänger Demetrio Stratos.

Die Stücke 3 bis 5 sind Gesangsnummern mit Jazzfeeling. Trotz temporärem Lalala-Gesang - brillante Fusion a là DFA ist zum Glück nie weit. Am meisten schwächelt das zu lang geratene "Signora dei viaggi", für meine Begriffe das am wenigsten gelungene Stück der CD.

Es folgt mit Track 6 eine Nummer "in memoriam Franciscii Zappae". Die Hauptmelodie scheint mir bekannt aus dem Kinderlied "Alles was Du kannst, das kann ich viel besser". Sie zieht sich als Leitmotiv durch einern wahrhaft begeisternden Sechsminüter, der sich ganz zappaisch gibt. Komplex, verschachtelt, mit grimmig humorigem Gesang (neben Zappa grüßt Stratos wieder) und zappatypisch instrumentiert. Wobei die charakteristischen Instrumente wie Posaune und "gestimmte Perkussion" allesamt aus den schwarzweißen Tasten zu stammen scheinen. Egal - das Stück mit seinen fantastischen Jazzeinsprengseln ist einfach ein Treffer. Grandios.

Track 7 - Acufeni - ist eine sehr getragene, langsame Gesangsnummer, die aber trotzdem sofort Area-Feeling verbreitet, weil sie auf der akustischen Gitarre einprägsame Intervalle der "Hommage à Violette Nozieres" vom Area-Album 1978 gli dei se ne vanno... anklingen lässt.

"7 bells" bringt die DFA-artigen Ansätze, die sich bereits in den Nummern 3 und 4 entfalteten (und die ja eigentlich ebenfalls alte Area-Ansätze sind), voll zur Geltung. Metren zum Genießen, wieder mit ein bisschen Zappa.

Folgt Nr. 9: Refoli - eine langsame Jazznummer mit Kontrabass und weiblichem Gesang (der auf dieser Platte häufiger als die Männerstimmen die lead vocals übernimmt). Hinzu tritt ein vollmundiges Klavier. Es entwickelt sich ein stimmungsvolles retardierendes Element vor dem folgenden special Schmankerl in Track 10.

Nämlich: Extrakte aus der berühmten Nummer "Luglio, agosto, settembre (nero)" vom 73er Area-Debüt arrangiert für Saxophonquartett. Da muss man zweimal Hinhören, da der Charakter der Musik sich in dieser Bearbeitung erheblich verändert. Also alles andere als ein Aufguss, vielmehr ganz neuer Geschmack.

Vor dem Schluss-"ah" ertönt noch das gut einminütige "Non tira un filo d´aria". Ein Antikriegsstück im Marschrhythmus mit Anklängen an die "Internationale" - auch dies unweigerlich Area-Assoziationen erweckend.

Rezensionen, die sämtliche Stücke einer CD einzeln abarbeiten, sind normalerweise nicht mein Fall. Hier lohnt es sich. Die Platte ist langsamer als die temporeich übersprudelnden Alben der 70er, an denen Fariselli mitwirkte. Dass sie trotzdem so gut funktioniert, liegt an der reichen Abwechslung, die sie bietet. Ich registriere das Faktum dankbar und reiche es als Empfehlung weiter.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 12.11.2005
Letzte Änderung: 12.11.2005
Wertung: 13/15
Fast zu schön, um wahr zu sein.

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 2 von 2)


Ich bin vermutlich nicht ganz so von den Area-Produktionen aus den 70er Jahren begeistert wie es mein Vorschreiber offenbar ist, so dass ich nicht unbedingt nach mehr lechze. Da ich die Arbeit von Stratos und Kollegen aber durchaus schätze, mit Alan Parsons nicht allzu viel anfangen kann und die von Ralf im Feld "Besonderheiten/Stil" angegebenen Begriffe durchaus in von mir geschätze musikalische Gefilde tendieren, habe ich die Empfehlung meines Rezensentenkollegen aufgegriffen und mir "lupi sintetici e strumenti a gas" zugelegt.

Nun bin ich doch etwas enttäuscht, insbesondere angesichts der hohen Punktzahl, die Ralf für diese Scheibe vergibt. Hier wird zwar auf sehr hohem Niveau musiziert, doch mir gefällt das Endergebnis einfach nicht so recht. Was mich am meisten stört ist der Gesang. Soulig-affektierter Damen-Jazzgesang ist einfach nicht mein Ding, eine persönliche Aversion, und auch mit dem gelegentlichen, exaltierten männlichen Sprechgesängen kann ich nicht so furchtbar viel anfangen. Aber auch in rein musikalischer Hinsicht bin ich nicht sonderlich begeistert. Über weite Strecken bietet das Album gut gemachten, aber unspektakulären Jazzrock, mitunter fast glatten Jazzpop (die Tracks 3-5, 7, 9). Seltsam und interessant sind eigentlicht nur der Titeltrack, "felice lichene", das Saxophonquartett (Track 10) und das abschliessende "non tira un filo d'aria". Erstere beiden Nummern erinnern recht stark an Zappa, sind dadaeske Spassstücke, kantig, nervös, komplex instrumentiert, mitunter aber auch nervend (der Gesang, ich wiederhole mich). Ich denke, Zappa selbst hat das doch besser hinbekommen und um einiges cooler herübergebracht. Das Quartett ist dagegen wirklich interessant, ein nettes "aus alt mach neu", während die satirische Marschmusik von "non tira un filo d'aria" die Platte ganz witzig zuende bringt. Die stellenweise etwas quitschig-künstlichen Tastenklänge von Fariselli sind übrigens auch nicht so recht mein Ding.

Also, bei mir funktioniert "lupi sintetici e strumenti a gas" lange nicht so gut wie offenbar bei Ralf. In technischer Hinsicht gibt es hier nichts zu meckern, aber ich finde dieses Konglomerat aus Jazz, Pop, Zappa und Rock nicht überzeugend genug (als Umschreibung für: es gefällt mir aus irgendeinem Grund halt nicht) und stellenweise einfach zu langweilig, um Ralfs Empfehlung weiterzureichen. Interessierte sollten wohl versuchen hier erst einmal reinzuhören!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 9.12.2005
Letzte Änderung: 10.12.2005
Wertung: 8/15

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