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Talis

Cities

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2006
Besonderheiten/Stil: ArtPop; Melodic Rock / AOR; Neoprog; Rock / Pop / Mainstream
Label: Eigenverlag
Durchschnittswertung: 11.67/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Steffen Conrad keyboards, vocals (2,9,10)
Carsten Groß vocals (1,2,3,6)
Jimi bass, drums (3,7,9,10)
Michael Kohlmannslehner guitar
Michael Maas drums (1,2,3,4,5,6,8,11), vocals (7)
Miriam Scherer vocals (3,7,8,11)
Christina Staub vocals (2,4)
Bernd Wilms violin (6,7)

Tracklist

Disc 1
1. Trees 6:16
2. Breaking Glass 5:03
3. Streets 7:43
4. The Race 5:26
5. Cities 4:23
6. Time 10:08
7. Fade 5:36
8. A Gentle Place 6:46
9. Self-Portrait 6:56
10. Decisions 8:54
11. The Sky 6:56
Gesamtlaufzeit74:07


Rezensionen


Von: Thomas Kohlruß (Rezension 1 von 3)


Neues aus deutschen Landen: Talis. Eine Band oder ein Projekt oder was auch immer, welches im Kern aus Steffen Conrad (Hauptverantwortlich für die Tasten und gelegentlich auch am Gesang) und Michael Kohlmannslehner (Gitarre) besteht. Steffen Conrad ist als geschätztes Mitglied der [progrock-dt], als eifriger Chatter im Chat derselben und nicht minder eifriger Konzertbesucher unter Umständen kein ganz Unbekannter ;-) Und damit beginnt auch das Problem des Rezensenten: Wie soll man einigermassen unvoreingenommen und objektiv über ein Album schreiben, wo man zumindest einen der beteiligten Musiker einigermassen gut kennt und man die Entwicklung schon vorher so ein bisschen mitverfolgen konnte (einige Songs des Albums erblickten im Rahmen des berühmt-berüchtigten [progrock-dt]-Adventskalenders bereits - teils in alternativen Versionen - das Licht der Welt)? Aber was soll's: Rezensionen sind schliesslich immer subjektiv (zumindest wenn sie einen Nutzen für den Leser transportieren sollen... Klingt widersprüchlich? Einfach mal drüber nachdenken!) und das Talis-Debüt "Cities" macht es mir ziemlich einfach, denn....

...es gefällt mir so gut, dass es keinen Unterschied macht, ob die Musiker aus Deutschland, Timbuktu, Schweden oder sonst woher kommen und ob ich sie kenne oder nicht ;-) Damit habe ich zwar schon einiges vorweggenommen, aber etwas genauer möchte ich schon noch werden:

Zunächst machen Talis Musik, die sich nicht so einfach festmachen lässt, da hat eine Band ihren eigenen Stil gefunden und das ist in der heutigen Zeit aus meiner Sicht schon eines der grössten Komplimente, welches man verteilen kann. Talis haben sich melodischer Rockmusik verschrieben, die sicherlich nicht übertrieben verfrickelt oder komplex daherkommt, aber vor allem mit durchdachten, farbigen Arrangements begeistern kann. Dabei kann man Talis weder in die Neo-, noch Retro-Prog-Schublade stecken, auch wenn sicherlich Einflüsse aus diesen Stilen vorhanden sind. An NeoProg lässt dieses typische Klanggewand aus präsenten Keyboards und rockigen, aber nicht rotzigen Gitarren denken. Die Melodienseligkeit und die Gesangseinlagen entspringen dem Melodic Rock, ohne aber in den Kitsch des AOR abzutauchen. Die Melodien wirken teilweise eher verträumt und melancholisch, aber es gibt natürlich auch hymnisch-erhabene Parts. Letztlich erinnern die durchdachten Arrangements an die Epen der 70er Jahre, ohne Retro-Sounds zu reproduzieren. Im Gegenteil, man baut gelegentlich sehr moderne, fast elektro-poppig klingende Parts ein (siehe beispielsweise die fast techno-artige Percussion in "Fade"). Und natürlich darf auch ein kleines Klassik-Zitat nicht fehlen ;-)

Ausladende Helden-Soli gibt es eher selten, zumindest landen sie nicht so im Vordergrund, sondern werden mit Gefühl in die Songs integriert. Talis pflegen sozusagen fragilen und verspielten Melodic Rock. Klingt komisch, ist es vielleicht auch, macht aber unbändig Spass. Gitarre und Keyboards schälen sich immer wieder mit prägnanten Einlagen sozusagen aus "Klangwolken" heraus, schnappen sich kurz die Aufmerksamkeit und ziehen sich dann wieder ins melodische Gerüst der Songs zurück. Ein Manko hier: Gelegentlich dürfte die Gitarre etwas mehr "rotzen", um den Rock-Charakter der Musik deutlicher zu unterstreichen. Die Keyboards produzieren eine Menge an interessanten Klängen, Soli, Flächen und Zwischenspielen, womit man mal wieder sehen kann, dass es schon eine grosse Palette vollkommen unpeinlicher Tasten-Sounds gibt. Man muss sie eben nur geschickt anwenden.

Die Violine sorgt in den beiden Songs, in denen sie vorkommnt, für eine schöne zusätzliche Klangfarbe und Gänsehaut beim Rezensenten (gerade am Anfang von "Time"). Die hätte ruhig öfter zum Einsatz kommen dürfen. Etwas blaß bleiben für meinen Geschmack Schlagzeug und Bass. Bis auf gelegentliche Ausbrüche hätte hier etwas mehr "Schmackes", gerade beim Bass, gut getan und die Drums klingen gelegentlich sehr elektronisch, fast programmiert. Das tut dem Genuss des Albums aber nur einen kleinen Abbruch. Was man eventuell als weiteren kleinen Minuspunkt anführen könnte, ist eine gewisse Sterilität, die sich hin und wieder breit macht. Ich meine damit, dass man gelegentlich den Eindruck hat, dass die Musik durch und durch geplant und arrangiert ist und so das Spontane ein bisschen zu kurz kommt. Wer weiss vielleicht hat die Band etwas zu lange an den endgültigen Versionen gefeilt? Aber andererseits: Wer wird nun den Eindruck einer gewissen Perfektion als Vorwurf erheben? Das ist auch irgendwie unfair...

Sehr ungewöhnlich hingegen sind viele Gesangsarrangements geraten. Dies fügt vielen Songs, sei es durch ungewöhnliche Intonation, Gesangslinien "gegen den Strich" oder durch gelungene Chorpassagen (gerade der mitreissende Beginn von "Breaking Glass" ist hier ein gutes Beispiel), noch das gewisse Etwas hinzu. Aber es soll nicht verschwiegen werden, dass sich möglicherweise der eine oder andere Hörer an den Gesangseinlagen, die vordergründig manchmal "falsch" klingen, reiben könnte. Viele unterschiedliche Sänger führen ja oftmals zu einem zerrissenen Eindruck, dies ist hier anders. Talis schaffen es über die Musik eine gewisse Geschlossenheit zu erzeugen und nutzen die unterschiedlichen Sänger dann geschickt als bewusstes Aufbrechen der Klang-Schemata.

Nun, wer sehr melodische, interessant gestaltete Rockmusik mag, der sollte diesem sehr gelungenen Debüt in jedem Fall ein Ohr leihen. Vergleiche sind aufgrund der Eigenständigkeit von Talis eher schwierig, aber um einen Eindruck zu geben: ScapeLand Wish meets Kino meets Poor Genetic Material meets Yes (West) oder so ;-) Meinen musikalischen Nerv haben die Jungs und Mädels in jedem Fall getroffen und mit "Breaking Glass" und "Time" zwei Hymnen geschaffen, die sich in meinen Gehörgängen förmlich festgebrannt haben...

Das Album ist in Eigenregie entstanden und über die Homepage der Band erhältlich. Dort gibt es auch Hörproben.

Anspieltipp(s): Breaking Glass, Streets, Cities
Vergleichbar mit: Für Freunde von Kino, Poor Genetic Material, Styx, ScapeLand Wish, Ray Wilson, Yes mit Rabin und so weiter...
Veröffentlicht am: 15.3.2006
Letzte Änderung: 16.3.2006
Wertung: 11/15

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Von: Marcus Kästner @ (Rezension 2 von 3)


Sicher, wie Thomas bereits erwähnt, ein Werk, das aus dem eigenen Umfeld stammt, ist nicht einfach zu bewerten, wenn man nicht den Eindruck erwecken möchte, in irgendeiner Form befangen zu sein. Von daher denke ich, dass es das beste ist, wenn ich zuvorderst meine kritischen Einwände darlege.

Der Klang des E-Schlagzeugs ist reichlich matt und kommt im Mix gar nicht gut weg, was auf die Dauer schon einen kleinen Wermutstropfen darstellt. Wenn die Sangeskünstler allein gefragt sind, erscheinen sie mir oft blass, weniger ausdrucksstark und teilweise sogar ungewollt komisch, besonders durch den verstärkten Einsatz des De-Essers in 'Breaking Glass', der den armen Herrn Conrad lispelnd wiedergibt. Bei aller melodischen Glückseligkeit vermisse ich auch hin und wieder ein paar brachiale Gegentöne, zum Beispiel nach dem genialen Intro zu 'Cities', dort gefällt mir der Schwenk hin zur Melodie gar nicht.

Aber ich verstricke mich hier sichtlich in Kleinlichkeiten. „Cities“ ist, nach so langer Produktionszeit, ein richtig starkes Album geworden!

Warum ich die Produktionszeit erwähne? Nun, es ist deutlich spürbar, wie lange Talis an ihrem Werk gefeilt und getüftelt haben. Auf der randvollen CD – fast 75 Minuten Spieldauer – gibt es keinen in die Länge gezogenen Moment; alles wirkt durchdacht und homogen. Den „Vorwurf“ der Perfektion möchte ich Talis nicht machen. Die Kompositionen wirken nicht überladen sondern tiefgründig und abwechslungsreich, selbst nach dem zehnten Durchlauf fallen mir noch neue Feinheiten auf und ich bezweifle nicht, dass es beim zwanzigsten auch noch der Fall sein wird. Als Beispiel sei hier der Anklang an Bachs wohltemperiertes Klavier in 'Time' genannt – man beachte das wundervolle Zusammenspiel zwischen Gitarre und Bass.

„Cities“ fordert mich als Hörer. Ich bin kaum in der Lage, mich anderen Dingen zu widmen, sobald ich den Abspielknopf betätige. Durch viele Emotionen hindurch, werde ich in das kurzweile und facettenreiche Großstadtleben eingesogen. Die Texte spiegeln Schicksale und Eindrücke wieder, das lose Konzeptwerk steht dem Album ausgezeichnet, das schicke Artwork trägt zu dem intensiven Hörerlebnis bei. So lasse ich mich denn gerne treiben und tauche ein in die talis'sche Klangwelt.

Die beiden Hauptakteure, Michael Kohlmannslehner und Steffen Conrad beeindrucken durch ihre Variabilität. Zwar wird auf „Cities“ zuweilen heftigst gefrickelt, das ereignet sich aber in einem derart dezenten Rahmen, dass es die Kompositionen weder sprengt noch das Gefühl von eitler Zurschaustellung entsteht. Conrad ist sehr mutig, was die Wahl seiner Tastenklänge angeht, bleibt aber immer auf einer geschmackvollen, der Stücke dienlichen Linie, gelegentliche Ausbrüche, wie das Solo in 'Trees' oder auch die modernen elektronischen Klänge in 'Fade' machen das Album spannender und vielfältiger. Kohlmannslehner zeigt darüber hinaus, was ein Gitarrist alles aus seinem Instrument herausholen kann. Mal bratzig, rockig, dann wieder elegisch und verträumt, stets präsent und doch nicht aufdrängend. Mir scheint, als könnte so manche Größe des Rocks und Progs noch etwas von den beiden Pfälzern – im wahren Leben sind sie Lehrer bzw. Finanzbeamter – lernen.

Auch die eingangs gescholtenen Sänger darf ich an dieser Stelle loben. Die harmonischen Gesangslinien wirken am intensivsten in einer der zahlreichen mehrstimmigen Passagen, die fast ayreon-haftige Ansammlung an verschiedenen Stimmen lässt Abwechslung aufkommen.

Den ersten bestellten Ausgaben von „Cities“ liegt zudem eine Bonus-CD bei, die das ganze Artwork ohne Text und hoch aufgelöst präsentiert, ein Video zu 'Cities' enthält, das auch schon einmal im Adventskalender der [progrock-dt] zu begutachten war und nicht zuletzt eine kleine Ansammlung von Alternativversionen der Stücke und das urkomische 'Making Of' beeinhaltet, bei der die Musiker sich selbstironisch und humorvoll zeigen, inklusive Pfälzer Dialekt – das sollte man gehört haben!

Ich möchte nicht näher auf die einzelnen Stücke eingehen, da diese musikalische Abenteuer- und Entdeckerreise jedem selbst überlassen sein sollte. Hoffe aber, dass der Leser hier einen guten Eindruck von diesem nuancenreichen Kleinod aus deutschen Landen bekommen hat. So ganz nebenbei: Bis auf das Schlagzeug habe ich am Klang nichts zu mäkeln. Im Gegenteil, durch das exzellente Mastering von Eroc haben die Stücke unglaublich an Energie gewonnen.

Insgesamt haben wir hier also ein Album, das hörbar viel Zeit und Geld in der Entwicklung verschlungen hat, das unglaublich liebevoll aufgemacht und produziert wurde und das aufgrund seiner durchdachten Kompositionen einen Platz in den oberen Rängen mehr als verdient hat!

Daher: 15 Euro inklusive Versand mit Bonus-CD ist ein denkbar günstiges Angebot. Kaufen!

Anspieltipp(s): Die Stücke von der Talis-Seite
Vergleichbar mit: Talis sind nicht vergleichbar
Veröffentlicht am: 30.3.2006
Letzte Änderung: 30.3.2006
Wertung: 13/15
Melodisch, komplex, spannend - jenseits von ausgetretenen Pfaden!

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Von: Sal Pichireddu @ (Rezension 3 von 3)


Erstaunlich, dass mir dieses Album gefällt: Diese sehr eigene Mischung aus RetroProg, NeoProg, Melodic Rock (allein die letzten beiden Begriffe würden mich normalerweise ins freiwillige Exil zur Mückenzucht nach Jekaterinenburg bewegen), Mainstream-Rock, Eighties-Pop, leichte Folk- und Elektronik-Elemente (!), dazu mehrstimmiger Gesang, seltsame, zumeist analoge Keyboard-Sounds und fröhlich bratzelnde Gitarren passt von den einzelnen Zutaten so gar nicht in mein Beuteschema. Von der absurden Mischung einmal abgesehen (für Absurdes bin ich immer zu haben), ist es also nicht das "Was", sondern das "Wie", das bei mir gezündet hat.

Talis klauen nicht nur schamlos in der Musikgeschichte (inkl. einem fugenhaften Quasi-Bach-Zitat in Time), sie dosieren selbst ihre Hauptzutaten in veränderlichen Gewichtsanteilen für jeden Song neu, je nach Geschmack.Mit diesem Rezept entstanden elf höchst abwechslungsreiche Songs, die eben noch nach "Kansas meets Jean-Michel Jarre meets Human League" (auf Fade), dann schon wieder nach "Mostly Autumn meets Rainbow meets frühe Saga" (auf The Sky) klingen. Man hat ständig irgendwelche Deja-vu-Erlebnisse, ohne dass man die einzelnen Partikel wirklich zuordnen kann. Auf eine charmante, augenzwinkernde Art plündern Talis den Fundus der Musik und mixen Altbekanntes zu einer überraschenden und überraschend neuen Mischung zusammen. Ich bin nicht taub: Ich höre durchaus die Schwächen des Albums, v.a. der (notgedrungen) nur mäßige e-Drums-Sound ist nicht immer beglückend, wurde aber durch ein exquisites Mastering (von Eroc, der auch schon Trigon auf der Emergent klangtechnisch aus der Patsche half) zumindest erträglich gemacht; die Gesangslinien sind auf den ersten Hinhörer immer recht ungewöhnlich (was den flüchtigen Hörer dazu verleiten könnte, dass hie und da falsch gesungen wird, was nicht stimmt), ich hätte mir manchmal weniger Schnörkel gewünscht, aber wenn man sich erst einmal in diese ganz eigene Klangwelt hineingehört hat, dann bleibt man nicht mehr daran "hängen". Den Schwächen stehen vor allem die komplexe Musikalität und die ausgetüftelten Kompositionen gegenüber, die gerade von Steffen Conrad an den Tasten variantenreich in Szene gesetzt werden.

"Cities" von Talis ist das beste Debütalbum aus Deutschland, dass ich seit langem gehört habe.

Anspieltipp(s): Streets, Fade, Big Sky
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 28.4.2006
Letzte Änderung: 28.4.2006
Wertung: 11/15

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