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Areknamés

Love Hate Round Trip

(Tipp des Monats 9/2006)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2006
Besonderheiten/Stil: RetroProg
Label: Black Widow
Durchschnittswertung: 12.5/15 (4 Rezensionen)

Besetzung

Michele Epifani organ, synth, mellotron, electric & grand piano, vocals, recorder
Piero Ranalli bass
Stefano Colombi electric and acoustic guitar
Simone Antonini drums

Gastmusiker

Luigi Belfatto trumpet (Track 5 und 8)
Lucy speech (Track 6)

Tracklist

Disc 1
1. The Skeletal Landscape of the World 6:42
2. Deceit 10:15
3. Outcast 4:04
4. La Chambre 7:27
5. Snails   (Gnidrolog-Cover) 7:31
6. Yet I must be something 5:15
7. Ignis Fatuus 11:23
8. Stray Thoughts from a Crossroad 7:25
9. A grotesque Gift 1:23
10. Someone lies here 4:43
11. Pendulum Arc 6:50
12. The Web of Years 5:09
Gesamtlaufzeit78:07


Rezensionen


Von: Georg Heep (Rezension 1 von 4)


Ein Loch in der Erde, wo das wohl hinführt...?

Die Finger bekommen die Sprossen einer eisernen Leiter in Form eines düsteren, abwärtsgewandten Doom-Riffs zu fassen, und vorsichtig steigt man in die Tiefe. Am Ende angelangt weitet sich der Schacht, eine Höhle gibt den Blick auf einen unterirdischen Mellotron-Ozean frei, über dem eine unheilsschwangere Stimme zu schweben scheint. Sie verkündet "Voices vibrate in the air", und fast vermutet man, dass man am Ufer von einer "figure in black" erwartet wird. Aber man bleibt allein. Das letzte, schwache Licht von oben ist längst nicht mehr zu sehen, als ich weiter nach unten krieche. Es wird wieder eng, es riecht nach feuchter Erde, schmierigem Gewürm und uralten Orgel-Sounds. Wo führt das hin? Plötzlich beginnt in der Dunkelheit an den Wänden etwas magisch zu glitzern. Obskure Gentle Giant-Figuren zeichnen sich dort ab, ELP-Synthie-Soli flackern auf, während ich im Weg hängende düster-pastorale Genesis- oder VdGG-Motive vorsichtig beiseite schiebe. Wo um Himmels willen bin ich hier nur hinein geraten?

In eine Geisterbahn, ein Gruselgeschichten-Kabinett, ein umfassenderweise "Love hate round trip" bezeichnetes Düster-Kaleidoskop, in das alles mitaufgenommen zu sein scheint, was in den proggigen 70ern irgendwie Schwere hatte oder zumindest nach unten gezogen werden konnte. Als Gastgeber fungiert bereits zum zweiten Mal Michele Epifani und seine italienische Band Areknamés. Bereits ihr erstes Engagement, das Debut von 2003, war beachtlich, aber Epifani hat sich in der Rückschau durch die gleichzeitige Übernahme aller Tasteninstrumenten (organ, synth, mellotron, piano) und der Gitarre übernommen. Eine (limitierende) Nähe zu Atomic Rooster, die Thomas in seiner Rezension zu "Areknamés" anspricht, war die Folge. Nunmehr hat der Kopf der Gruppe die Gitarre an Stefano Colombi delegiert, der auf dem selbstbetitelten Debut bereits während eines Liedes mitwirken durfte, und auf diese Weise gewinnt das Klangbild der Band Balance und Tiefe. Auch wenn nunmehr weiter ausgeholt werden kann, so bleibt "Love hate round trip" doch immer noch ein Tastenalbum. Epifanis Wirken an seinen Instrumenten ist auch weiterhin Basis und Motor von Areknamés.

In der Dunkelheit scheinen Entfernungen aufgehoben und alles möglich zu sein. Von der deutlich von Gentle Giant beeinflussten Hexenbeschwörung in Form des Gnidrolog-Covers "Snails" sind es nur wenige Schritte bis man sich in der fiebrigen Alkoholphantasie "Outcast" befindet, in der eine verzerrte Stimme sehr ähnlich dem Stück "Tiny Streams" auf Psychotic Waltz' Into the everflow (genau!) eine beflügelte und doch verlorene Stimmung transportiert. Geisterirrlichter (Ignis Fatuus) bauen sich zu für die Ewigkeit geschaffenen VdGG-Kolossen auf, in deren Schatten im schwebenden "Stray thoughts from a crossroad" ein Trompetensolo in eine völlig freie Klangcollage ausläuft. Ganz unten aber, im mit einem mittelalterlichen Text ausgestatteten "Someone lies here", huldigt man dem ganz großen Pathos. While Heaven Wept Fans werden hier Tränen in den Augen stehen.

Der "Love hate round trip", von dem ich ehrlich gesagt gar nicht mehr runter kommen möchte, zeigt beide Seiten, die ich an schwerer Rockmusik - sei es bedeutungsschwerer Prog oder schicksalsschwerer Doom - so mag. Er vermittelt das Gefühl eines großen Ganzen, einer Fülle, einer reichen Tradition aufgebaut auf den Werken all' der Bands der letzten Jahrzehnte - und erzählt dennoch von Individualität und Einsamkeit in ihren extremeren, womöglich nicht ganz gesunden Formen. So finden sich eine Vielzahl vertonter gedanklicher Absonderlichkeiten auf dieser Platte: Religionshafte Drogenerfahrungen, Allmächtigkeits-Tagträumereien, Weltschmerz und Lebensmüdigkeit, um nur einige zu nennen.

Areknamés ist mit dieser Platte die verspätete, südeuropäische Antwort auf die frühen Anekdoten CDs der 90er Jahre gelungen. Auch wenn "Love hate round trip" eingängiger ist - da melodiöser und weniger crimsonesk - und bei Areknamés die Tasten und nicht die Saiten den Ton angeben, so reicht das Album durchaus an die Klassiker des skandinavischen Prog heran. Offen bleibt nur, ob es ein Einzelstück bleibt oder tief im Süden noch mehr solcher verzaubernder Reisen zum Mittelpunkt der Prog-Welt schlummern.

Oberfreak Charly, der die Band bereits im Februar 2005 für ein Konzert nach Deutschland holte, wird übrigens eigens in der Thanks-List der Italiener gewürdigt. Dort heißt es "Thanks to Charly and crew at Cafe Cairo & and all the nice people we met in Wurzburg". (Äh, wo war ich eigentlich im vorletzten Februar? Schande!)

Einen besonderen Hinweis hat sich die LP-Version dieses Meisterwerks (so, jetzt ist es raus) verdient. Jedes Seite des sowieso schon wunderschön gestalteten CD-Booklets liegt dem Doppel-Vinyl als eigener kleiner Karton bei.

Ein ganz großer Wurf!

Anspieltipp(s): Deceit, Snails, Someone lies here
Vergleichbar mit: man folge den links im Text
Veröffentlicht am: 25.7.2006
Letzte Änderung: 29.2.2012
Wertung: 14/15

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Von: Thomas Kohlruß (Rezension 2 von 4)


Das Retro-Tasten-Album 2006 kommt aus Italien... auf der nach oben offenen Wobbler-Skala erreichen Areknamés mit "Love Hate Round Trip" eine neue Höchstmarke. Der poetischen Rezension des Kollegen Georg wäre eigentlich nicht mehr viel hinzuzufügen, ausser: Recht hat er, größtenteils ;-)

Letztlich hat das Album mit dem seltsamen Cover (man sieht eine Straßenszene, auf einer Ziegelmauer steht der Album-Titel als Graffitti, die Schilder an den anderen Gebäuden sind komischerweise spiegelverkehrt... was immer uns das sagen will) nur ein richtiges Manko: Areknamés mussten unbedingt die CD-Laufzeit fast ausschöpfen. Das hat den unangenehmen Nebeneffekt, dass man nach komplettem Genuss des Albums echt angestrengt ist, leichte Kost ist es ja nun nicht. Ausserdem haben sich dann doch ein paar Längen eingeschlichen.

Aber das war schon der ganze Mecker... Ein guter Zug ist die Hinzunahme eines Vollzeit-Gitarristen. Da hat die Tastengewalt von Bandcheffe Epifani endlich mal einen richtigen Antagonisten. Zumal Stefano Colombi dunkel-düster-heftig rifft wie weiland Tony Iommy. Das gibt der Musik von Areknamés nochmal so richtig den Düster-HardRock-Kick. Schon der Opener lässt den Hörer keinesfalls im Unklaren und schlägt ihm ein paar harte Kanten um die Ohren.

Michele Epifani hingegen tut was er kann: Er schichtet Tastenorgie um Tastenorgie aufeinander, bis ein unglaubliches Gebirge aus analogen Keyboard-Klängen von Orgel über Piano bis hin zum unvermeidlichen Mellotron aufgetürmt ist. Und dann kommt Colombi und schlägt mit seiner Elektro-Axt die Täler hinein. Eine echte Retro-Sound-Orgie...

Epifanis Gesang ist eher unspektakulär (auch wenn er zuweilen aus sich herausgehen kann), wie das Spiel von Bass und Schlagzeug. Aber alles kommt solide und irgendwas muss ja letztlich so ein Album auch "erden". Das Fundament passt also auch.

Interessant aufgelockert wird diese Düster-Orgie aber durch allerlei leicht angejazzte Läufe, die Epifani vor allem vom Piano lässt. Dazu kommt der Gasttrompeter, der zweimal wirklich schräge Reizpunkte setzt, welche nicht zuletzt diese beiden Songs zu den Höhepunkten des Albums macht.

Retrofreaks, die besonders auf tastenlastigen Hard-Prog mit Schmackes stehen, die sich eine Kombination aus Atomic Rooster meets Black Sabbath meets Van der Graaf Generator gut vorstellen können, müssen hier fast zuschlagen. Eine der Überraschungen des Jahres...

Anspieltipp(s): Deceit, Snails
Vergleichbar mit: Atomic Rooster meets Black Sabbath meets VdGG
Veröffentlicht am: 31.7.2006
Letzte Änderung: 12.3.2013
Wertung: 12/15

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Von: Thorsten Gürntke @ (Rezension 3 von 4)


Blöd - da will man eine Rezi schreiben zu ner Platte, wartet aber lieber noch ein paar Tage. Denkt sich - hm, im Vergleich zur Meinung von Kollege Heep gibt es nur geringe Abweichungen. Macht sich im Hinterstübchen Notizen dazu und will seinen Text verfassen - und dann steht der da schon - und zwar vom Kollegen Kohlruß verfasst.

Nun gut, eine Arbeit gespart. Ich gehe 99% konform mit Thomas' Rezi. Auch ich empfinde das Album als mindestens 10 Minuten zu lang und bemerke besonders im Mittelteil immer wieder, dass ich "raus" bin. Glücklicherweise steigt die Qualität dann wieder an und man kann den Faden wieder aufnehmen. Die erste Hälfte des Albums empfinde ich dennoch als erheblich stärker, weil einfach mehr Groove und mehr Linie erkennbar sind. Das wirkt sich auch bei den Anspieltipps aus. Da muss ich einfach auf das Psychotic-Waltz-Feeling setzen und schrei unverblümt nach dem zäh doomigen Outcast oder dem wuchtigen Opener The Skeletal Landscape Of The World. Ein Hammeralbum!

Anspieltipp(s): Outcast, The Skeletal Landscape Of The World
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 2.8.2006
Letzte Änderung: 2.8.2006
Wertung: 12/15

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Von: Thomas Schüßler @ (Rezension 4 von 4)


Wohl dem, der am 22.2.2005 im legendären Café Cairo im verschneiten Würzburg zugegen war. Wenn mich meine Erinnerung nicht zu sehr im Stich lässt, war dieser Abend ungewöhnlich schwach besucht. Wäre jeder Besucher einzeln in der Dankesliste aufgeführt gewesen, wäre sie nicht wesentlich länger geworden. Das wäre dann auch das erste Mal, dass ich (zwar nicht namentlich, aber immerhin) in einem Booklet bedankt wurde.

Im Vergleich zum Debut wird besonders deutlich, dass die starken Canterbury-Einflüsse fast vollständig verschwunden sind. Stattdessen setzt Michele Epifani nun vermehrt auf "herkömmliche" Retro-Klänge mit viel Hammond, Moog und Mellotron. Die dauerhafte Hinzunahme des Gitarristen Stefano Colombi trägt ebenso dazu bei, dass Areknamés nun ihren Stil gefunden zu haben scheinen. Schöne Akzente werden auch vom Gasttrompeter gesetzt.

Thomas und Thorsten haben bereits den Schwachpunkt festgestellt: dass "sich ein paar Längen eingeschlichen" und dass die zweite Hälfte etwas schwächer ist. Michele Epifani schreibt dazu im Booklet: "This album was first conceived as a 2LP set (tracks 1-6 & 7-12). Keep this in mind when listening...". Und so ist die zweite Hälfte denn auch deutlich weniger düster und heftig. Leider lässt dadurch der Spannungsbogen gegen Ende nach. Zwei Songs weniger hätten dem Album nicht geschadet!

Dennoch zählt diese Platte zu den Highlights dieses an guten Alben sicherlich nicht armen Jahrgangs.

Anspieltipp(s): The Skeletal Landscape of the World, Someone lies here
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 8.8.2006
Letzte Änderung: 8.8.2006
Wertung: 12/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Areknamés

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2003 Areknamés 11.00 1
2007 Live at Burg Herzberg Festival 2007 11.00 1
2010 in case of loss... 11.00 2

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