Close To The Edge
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Informationen
Allgemeine Angaben
Besetzung
| Jon Anderson |
Vocals |
| Steve Howe |
Guitars, Vocals |
| Rick Wakeman |
Keyboards |
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| Bill Bruford |
Percussion |
| Chris Squire |
Bass, Vocals |
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Tracklist
| Disc 1 |
| 1. |
Close To The Edge
1. The Solid Time Of Change 2. Total Mass Retain 3. I Get Up I Get Down 4. Seasons Of Man
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18:50
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| 2. |
And You And I
1. Cord Of Life 2. Eclipse 3. The Preacher The Teacher 4. Apocalypse
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10:09
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| 3. |
Siberian Khatru
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8:57
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| Gesamtlaufzeit | 37:56 |
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Rezensionen

Nach dem "Yes" 1972 uns schon das hervorragende Album "Fragile" bescherten, ruhten sie sich nicht lange auf ihren Lorbeeren aus, sondern fanden sich schnell wieder im Studio ein, um ein weiteres Album aufzunehmen: "Close To The Edge". Und tatsächlich gelang ihnen auch damit ein grosser Wurf. "Close To The Edge" gehört generell unbestrittenen zu den Meilensteinen des Prog, ein Album, bei dem man sich wirklich anstrengen muesste, um Gründe zum Meckern zu finden.
Gleich die ganze erste Seite der LP gehört dem Titel-Stück, das angeblich ohne vorherigen Plan im Studio Stück für Stück zusammengesetzt wurde (es gibt sogar eine Legende, dass eine Putzfrau über Nacht einige umherliegende Tape-Schnipsel, die eigentlich auch dafür gedacht waren, in den Müll befördert hat). Falls dies stimmt, so kann man nur erstaunt sein, da das Epic sehr organisch und selbstverständlich wirkt. Alle Teile fliessen natürlich und unangestrengt ineinander, vom hektischen Eröffnungsgewirbel mit zwitschernden Keyboards und Steve Howes wirbelnder Spinnengitarre über den gemäßigten aber dichten und drängenden Folgeteil, der später im Stück zum Schluss hin wieder aufgegriffen und auf der Bombastskala ein Stück nach oben geschraubt wird, über das atmosphärische, mysteriöse Zwischenspiel ("I Get Up I Get Down") mit verwobenen mehrstimmigen Gesangstellen und Kirchenorgel, in deren abschliessendes Präludieren ein fetter Minimoog-Sound fährt und über eine schräg-treibende Variation eines vorherigen Themas zu Wakemans hektischem Hammond-Solo führt. Kurz: "Close To The Edge" bietet alles, was das Herz des "Yes"-Fans begehrt: spirituelle Stimmung (übrigens liegt Jon Andersons wie üblich impressionistischen Lyrics wohl Hermann Hesses Siddhartha zugrunde), dichten Satzgesang angeführt von Jon Anderson klarem Alt, dichte, dichte, dichte Gruppenarrangements, Brufords elegantes Schlagzeugspiel, Wakemans symphonische Keyboards. Ein Klassiker.
Aber auch die beiden weiteren Stücke können diesen Status beanspruchen: "And You And I" schlägt etwas gemäßigtere, pastoralere Töne an und gehört zu "Yes" schönsten Momenten mit seinem unverwechselbarem Eröffnungsriff nach dem Intro und schwärmerischen Stimmung sowhl in sanften akustischen als auch symphonisch bombastischen Teilen. "Siberian Khatru" bildet dazu den drängend rockigen Kontrast, inklusive Spinett-Solo...
"Close To The Edge" ist auf jeden Fall eines der Alben, die jeder Prog-Fan kennen sollte. Auch Bill Bruford war sich bewusst, dass es nur schwer zu toppen sein würde. Er liess sich unter anderem deshalb von Robert Fripp zu "King Crimson" locken, weil er das Gefühl hatte, jedes nachfolgende "Yes"-Album könne nur noch "Son Of Close To The Edge" sein. Aber wie sich zeigte, hatten "Yes" doch noch ein paar Asse im Ärmel...
| Anspieltipp(s): |
And You And I |
| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
6.6.2002 |
| Letzte Änderung: |
6.6.2002 |
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Von vielen als das beste Yes-Album gepriesen kann ich mich da im Wesentlichen anschliessen. Mit Sicherheit ist dieses Album ein Meilenstein des Prog und der Vergleich mit den Nachfolgern "Tales" und "Relayer" eher akademischer Natur. Diese 3 Alben sind ein grosses Werk einer grossen Band. Gewissermassen die hervorragendsten Jahrgänge eines Bordeaux premier grand cru. Innerhalb von 26 Monaten haben Yes 3 Kunstwerke für die Ewigkeit geschaffen. Mit Close to the edge nahm diese Trilogie ihren Anfang, deshalb also auch die Höchstnote meinerseits.
Das Titelstück beginnt mit einem verstörenden Klanggewitter aus schrägen Gitarrenriffs, Keyboardläufen, grummelndem Bass und hektischem, beckenbetontem Schlagzeug, welches zerrissen wird von einem irgendwie unwirklichen, fragend-erstaunten "Ahhh" des Sängers.
Dieser erste Teil von Close to the edge (the solid time of change) kommt sehr abwechslungsreich, spannend und dabei locker und leicht daher. Herrlich das virtuose, nie aufdringliche Schlagzeugspiel Bill Brufords, ebenso das omnipräsente, diesesmal aber im Vergleich zum Vorgänger nicht so vordringliche Bassspiel. Der Sound ist dicht, aber immer hell und rein, die Instrumente klar abgrenzbar uns gut ausbalanziert.
Es folgt I get up I get down, ein ruhiger Part, nur spärlich mit kurzen leichten Keyboardakkorden gespickt, endend mit einem Orgelausspiel, gefolgt vom finale, keyboardbetont durch schnelle Läufe, im wesentlichen das Thema des ersten Teils wieder aufnehmend und das Werk rockig-straight abschliessend. Hymnisch-monumental das Gänsehautfinale mit der Textzeile "Close to the edge, down by the river, down at the end, round by the corner, seasons will pass you by".
Der zweite Titel ist für mich das Herzstück des Albums. Die akustische Gitarre zupft einige Akkorde, reiht Töne aneinander, beinahe, als ob Steve Howe sein Instrument stimmen würde. Dann setzt monoton der Bass ein, darüber herrliche Gitarrenakkorde, die Stimmung erinnert an eine weite Frühlingswiese über welche ein Pferd reitet. Der folgende Part (Eclipse) gehört zum allerschönsten, was Yes je geschrieben haben. Perfekte Harmonien, eine fantastische Stimme, überirdisch.
The preacher the teacher (part drei) fliesst wunderschön durch den Hörraum, auch hier perfekt, wie sich die einzelnen Instrumente Raum lassen, immer wieder abwechseln, jedes für sich alleine spannend und mit eigenständiger Melodie und Charakteristik und doch alles zusammenpassend zu einem komplexen Werk.
Mit Siberian Khatru folgt das schwächste Stück der Platte (nicht wirklich schwach, aber einfach schwächer als die beiden Vorgänger). Zum Teil wirkt die Melodie etwas banal, hat einen einfach gestrickten Tralala-touch. Toll dann aber die Offbeats im Zwischenteil (nach over the outboard). Ein witziges Harpsichord-Interludium gefolgt von einer wimmernden, hallenden Gitarre leitet über in einen ruhigeren Teil, dominiert von einer Gesangspassage. Wieder werden diese peppigen Offbeats eingestreut.
Das Ende dann wieder grosser Prog. Trommelwirbel, steigende Stufen und Gitarrenläufe, als Fundament Squires swingendes Bassspiel, aufgelockert und angetrieben von kraftvollem Schlagzeugspiel steigert sich das Stück und wird ausgeblendet.
Fazit : Gehört in jede Sammlung, macht immer wieder Spass, bleibt ewig jung bzw. immergrün und verdient die Höchstnöte.
Nachtrag:
Danke Ralf für den Hinweis auf John Covachs Monster-Artikel "Understanding Rock: Essays in Musical Analysis" (siehe unten). "Close to the edge" hat sich mir nach dieser Lektüre nochmals neu erschlossen. Allerdings benötigt man mehrere Stunden, um die einzelnen Gedanken, Analysen und Hinweise von Covach "nachzuhören" und nachzuvollziehen. Lesen, ff, rew, lesen, ans Klavier, rew, Klavier, lesen...... "Close to the edge" ist ein Meisterwerk, vielleicht das Größte des Prog...
| Anspieltipp(s): |
Close to the edge |
| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
3.8.2002 |
| Letzte Änderung: |
5.12.2011 |
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Der oft bemängelte "chaotische" Eröffnungsteil von "Close to the Edge" scheint mir durchaus essentiell, würde er fehlen, würde ich vielleicht keine 15 Punkte vergeben. Aber zum Glück ist er - und damit ein wesentliches Element der Spannung - ja vorhanden.
Das Titelstück gehört übrigens zu den eher raren Rockstücken, denen die Ehre (für Akademie-Hasser: die Schmach) einer tiefergehenden musikwisenschaftlichen Analyse zuteil geworden ist:
www.lipscomb.umn.edu/rock/docs/Covach1997_Yes.pdf
| Anspieltipp(s): |
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| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
9.5.2003 |
| Letzte Änderung: |
5.12.2011 |
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Eigentlich ist schon alles geschrieben worden, was es zu dieser Platte/CD zu sagen gibt, daher nur noch einige Anmerkungen zum letzten Re-release auf CD.
Ich hatte mir die Scheibe überhört und erst beim Vergleich der diversen Ausgaben kam die alte Liebe zurück. Hier ist kein Ton überflüssig, vom stakkatohaftem Anfang des Titeltracks bis zum Gitarrenstimmen am Beginn von "And You and I" wirkt die Platte auf mich wie aus einem Guß - was auch am "sechsten" Mitglied Eddie Offord liegt, der maßgeblichen Anteil am Sound der Band hatte.
Für die RHINO-Version hat das Label in den Archiven gesucht und neben den Single-Versionen von "America" und "Total mass retrain" gibt es eine alternative Version von "And you and I" sowie einen "Siberia" betitelten Studio-run-through von "Siberian kathru".
"America" ist eine auf 4 Minuten zurechtgeschnittene Edition des im Ursprung neunminütigen Titels, der auf "Yesterdays" zu finden ist und YES besondere Fähigkeit zeigt, Fremdkompositionen perfekt in den eigenen Stil umzubauen. Auch "Total mass retrain" aus dem Longtrack "Close to the edge" wurde lediglich für die Single neu gemixt und bekam den plinkenden Anfang dieses Songs in langsamerer Geschwindigkeit verpaßt - also auch nur was für absolute YES-Fanatics.
Spannender ist da schon eine frühere Version von "And you and I" - Udo schrieb in seiner Besprechung was von "pastoraleren Tönen" - hier gibt es noch etwas mehr davon. Obwohl viele Parts schon fertig sind, gibt es Unterschiede z.B. in der Stimmenführung von Anderson oder der Instrumentierung. So fehlen die verfremdeten Stimmen, die Anderson nach den beiden ersten Strophen begleiten, auch der 1. Refrain ist verkürzt auf ein ohne Begleitung gesungenes "And you and I". Stark verändert auch das Ende der "The preacher the teacher"-Passage, viel frickelige Gitarre, ohne Minimoogsolo, dafür spielt Wakeman eine Endlosschleife auf einem Harpsichord.
"Siberia" ist eine klasse "Liveversion" - ohne Studiomätzchen rockt die Band das Stück runter, tolle Version.
Einziges Manko dieser CD-Ausgabe - der Sound wurde für meine Ohren zu trocken. Die ursprüngliche LP klingt wärmer und auch der Remix von Gastwirt ist da eine Spur besser. Wer aber weder die ursprüngliche LP noch eine andere CD-Ausgabe besitzt kann hier ein Meisterwerk ergattern inklusive liebevoll aufgemachtem Booklet mit ausführlichen Linernotes des Herausgebers der "Notes from the edge" Mike Tiano.
| Anspieltipp(s): |
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| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
10.10.2004 |
| Letzte Änderung: |
10.10.2004 |
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Zu diesem Album von Yes wurde nun wahrlich viel auf diesen Seiten (und vielen anderen, siehe den Link zum Covach-Artikel) geschrieben. Aber es ist Sylvester (2004) und da ist eine Rückschau angebracht. Vor ungefähr 20 Jahren habe ich Yes entdeckt (damals allerdings via "Owner Of A Lonely Heart"). Nachdem ich so nach und nach alle verfügbaren Yes-Alben erworben habe, möchte ich feststellen: Yes ist für mich die klassische Band der progressiven Rockmusik. Ich denke, dass werden sie für mich auch immer bleiben.
Wenn man ein Argument für diesen Standpunkt haben will, dann ist dieses Album genau das erste. "Close To The Edge" ist das perfekte progressive Rock-Album, welches auch nach so vielen Jahren nicht nur begeistern kann, sondern auch immer noch modern klingt. Zeitlose Musik, wie sie besser nicht sein könnte.
Vor einigen Wochen habe ich mir endlich (nachdem ich bisher nur im Besitz der LP-Ausgabe war) das 2003er Re-Issue mit einigen Bonustracks besorgt. Und bin dem Werk auf's neue verfallen.
Ich will die Tracks gar nicht mehr aufdröseln, da haben die Kollegen schon ganze Arbeit geleistet. Ich will nur noch danke sagen, dass ich diese Musik kenne. "Close To The Edge" an sich ist eine wunderbare Komposition, die für mich den Höhepunkt in der Kirchenorgel-Passage nach etwa 13 Minuten hat. "And You And I" ist eine wunderbare symphonische Halbballade und "Siberian Kathru" ein seltsam-verschrobener Rocker. Vielleicht genau das Richtige zum Abschluss dieses Albums.
Die Bonustracks (Singles von "America" und "Total Mass Retain", eine alternative Version von "And You And I" sowie eine Art Demo-Version von "Siberian Kathru") sind nette Beigaben für Fans.
Auch wenn "Drama" sicherlich mein emotionales Lieblingsalbum von Yes bleiben wird, meine Bewunderung gilt diesem Werk. Wer's nicht kennt, kennt den progressive Rock nicht...
| Anspieltipp(s): |
alles |
| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
31.12.2004 |
| Letzte Änderung: |
31.12.2004 |
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"Close To The Edge" vermag sich im epochalen Titelstück völlig von den traditionellen Songstrukturen zu lösen und gleicht einer spirituellen Erfahrungserweiterung. Eine zu Beginn noch im herkömmlichen Liedgut verankerte Formation hat mit diesem Album ein fein gesponnenes Geflecht aus ornamentreicher Klangmalerei geschaffen, die trotz des Anspruchs, die typischen Rockstrukturen völlig neu zu ordnen und hieraus gleichsam eine eigene Kunstform zu kreieren, zu keinem Zeitpunkt intellektuell verkopft wirkt. Im symphonisch-progressiven Prunk haben es die an diesem Meisterwerk Beteiligten verstanden, für eine emotionale Wärme zu sorgen und diese Form von Kunstrock gleichsam mit organischen Strukturen zu versehen.
Yes gelang es, Musik in detailreiche Segmente zu verschachteln und die in den 60er Jahren beheimateten Wurzeln in andächtiger Manier zu verfremden. Daraus ist ein weihevoll-esoterischer Klangkosmos entsprungen, der sich von allen herkömmlichen Stilrichtungen im Bereich der populären Musik entschieden zu distanzieren weiß. Insbesondere der Titeltrack wirkt in sich derart schlüssig und von einer atmosphärischen Dichte bestimmt, als ob die Band sich das Ziel gesetzt hatte, hiermit als musikalische Propheten die Welt positiv verändern zu wollen. Zumindest haben sich hiermit auf den progressiven Rockolymp katapultiert.
| Anspieltipp(s): |
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| Vergleichbar mit: |
Yes |
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| Veröffentlicht am: |
2.12.2011 |
| Letzte Änderung: |
5.12.2011 |
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Über die Qualtität des Titelsongs von "Close To The Edge" kann es keine zwei Meinungen geben. Das ist schlicht und einfach die Definition eines das Genre definierenden Longtracks. Die Struktur ist klar definiert und dennoch jederzeit mitreißend: Da wäre die flirrende Einleitung mit dem Gitarre-Bass-Schlagzeug-Ausbruch nach gut einer Minute und dazu den perlenden Synthieläufen sowie den verschreckenden Pausen mit Andersons "Aaah"-Chören. Dann die Vorstellung des hymnischen Hauptthemas und der rhythmisch perfekt unterlegte Stropheneinsatz zu "The Total Mass Retain". Anschließend der sphärische "I Get Up I Get Down"-Part, Wakemans pompöse Kirchenorgel und der folgende Solopart, in dem der gute Mann scheinbar schneller spielt, als die Hammondorgel die Töne erzeugen kann. Dazu noch die hyperaktive Arbeit von Squire und Bruford, und zum Ende noch die Wiederaufnahme von "The Total Mass Retain", die mit dem wehmütigen Mellotron unterlegt zu einem perfekten Schluss findet. "Seasons will pass you by", aber dieses Stück ist so gut wie zeitlos - ohne "Close To The Edge" wäre die Geschichte des Progressive Rock unter Garantie anders verlaufen.
Aber gilt das auch für das Album "Close To The Edge"? Und da muss ich dann doch gegen die 15-Punkte-Phalanx meiner Vorredner anlaufen. Denn das schwelgerische "And You And I" hackt die ganze Zeit auf den gleichen Themen und Melodien herum und macht lediglich vom Arrangement, nicht aber von der melodisch-harmonischen Arbeit her eine Entwicklung durch, wirkt somit insgesamt also seltsam improvisiert. Kaum verwunderlich, dass das Stück dabei nur für eine kurze Passage nach ca. 7 Minuten die Absprung von seinem trottend-bedächtigen Habitus schafft und sich letztlich doch nicht davon fortreißt. Was übrigens nicht heißen soll, dass ich Yes derartigen pastoralen Bombast komplett übelnehme, denn auf dem ähnlich geprägten "Tales From Topographic Oceans" haut das schließlich bestens hin. Allerdings hat man da auch anderthalb Stunden Zeit, die Ideen genüsslich auszubreiten, in verschiedene Zusammenhänge zu stellen und auf geradezu sinfonische Weise zu verarbeiten.
"Siberian Khatru" nimmt anschließend zwar das Tempo wieder auf, bleibt dabei aber über weite Strecken relativ brav und steht damit klar im Schatten von "Heart Of The Sunrise" oder seinem konzeptionell gesehen großen Bruder "Sound Chaser". Auch hier wird lediglich in kurzen Passagen das verschenkte Potenzial deutlich, etwa sobald Squire und Bruford nach ca. einer Minute diesen furztrockenen Rhythmus spielen und Wakeman und Howie dazu unisono riffen, bei den Instrumentalparts mit Howes Bending-Gitarre und Wakemans Cembalo, oder beim hektischen "Dab-dadadab-dab"-Part am Ende. Abseits davon klingt das für meinen Geschmack leider doch zu sehr nach den schwächeren Sachen vom "Yes Album", geht im Großen und Ganzen aber in Ordnung.
Fazit also: Das Titelstück ist nach wie vor unerreicht und die absolute Yes-Sternstunde. Die B-Seite dagegen fällt qualitativ deutlich ab und illustriert, vor allem bei "And You And I", mehr die kitschig-esoterische Seite der Band. Den Klassikerstatus hat das Album natürlich zu Recht, denn mehr als die Hälfte davon ist ja unverzichtbar. Allerdings kann man's beim Hören auch oft genug bei "Close To The Edge" belassen. Auf Albendistanz betrachtet sind dann "Relayer" und "Fragile" doch besser, und die klangliche Essenz der B-Seite hat man auf dem folgenden "Tales From Topographic Oceans" stringenter inszeniert.
| Anspieltipp(s): |
Close To The Edge |
| Vergleichbar mit: |
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| Veröffentlicht am: |
4.12.2011 |
| Letzte Änderung: |
4.12.2011 |
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Ich hab es versucht, immer und immer wieder. Ein Meisterwerk. Vielleicht sogar DAS Meisterwerk des Prog. Zugegeben, die Cover von Yes fand ich immer toll. Nur leider versprachen sie mir etwas, was die Musik nicht halten konnte. Das verträumt, Mysteriöse endete spätestens am aufdringlichen Bass, der nervösen Gitarre und Andersons Gesang. Und es sind gerade jene Momente, wenn sich diese 3 Säulen zurücknehmen, dem jeweils anderen dienen, dann, ja dann beginnt die Musik zu schweben. Rick Wakeman war mir immer der sympathischste in der Band, vielleicht lag es auch daran, dass mich seine Parts am wenigsten nervten, sie hielten den nervös zuckenden Leib zusammen.
Der Titelsong nimmt Police vorweg. Schlagzeugsound, Rhythmus, Akkorde, sind mehr Reggae als klassischer Prog. Erst mit dem Mantra "Get up, get down"...und der Kirchenorgel packts mich, bevor dann ab Minute 14, der Tex Avery Part startet und mich eine wilde Verfolgungsjagd gähnen lässt.
Der Beginn von "And You and I" ist, wie das schon erwähnte Roger Dean Cover...es zeichnet in wunderschönen Farben eine wunderbare Welt, die sich aber erst nach 4 Minuten mit Rick Wakeman öffnet.
"Siberian Khatru" kann ich auch nach Jahrzehnten nichts abgewinnen, da hilft auch Rick Wakemans Flokati-Teppich nichts. Vielleicht ist es generell, das Unruhig-Nervöse was mir immer den Appetit auf Yes verdarb. Vielleicht stehen sie da Mozart im Geiste ganz nah, auch so jemand mit dem ich nie warm wurde. Es sind immer nur Momente, kurze Augenblicke die das Herz berühren...aber eben im Vorbeigehen, weil die Musik ständig in Bewegung ist. Beethoven und Genesis standen mir da immer näher. Dort verliert man sich nicht in Triolen und Spielerein, reduziert auf das Wesentliche dringt man direkt in die Tiefe. Ja, dann bleibt auch Zeit um das Herz zu packen. Kein Schaulaufen, sondern wahrhaftes Pilgern zum Wesentlichen. Yes wollten schon immer viel, immer mehr als alle anderen, deshalb interessierten sie mich genauso wie ELP, immer am Wenigsten. In den 70ern hatten Yes sicher ihre Berechtigung, waren wichtig und haben bewegt, ebenso wie ihr Ideengeber Hesse, scheinen sie mir aber jetzt überholt. Vieles zu fahrig, zu wenig auf den Punkt, zu sehr der Zeit behaftet um aus der Zeit zu springen und einen zeitlosen Satz zu knüpfen. Bei Yes sind es im Bestfall Worte, die sich wie in einer Buchstabensuppe zusammenfinden. Zu wenig, um davon satt zu werden.
| Anspieltipp(s): |
Der Anfang von "And you and I" |
| Vergleichbar mit: |
Yes |
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| Veröffentlicht am: |
18.12.2011 |
| Letzte Änderung: |
18.12.2011 |
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