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Leitfaden: Nordamerik. symphonischer Prog der 70er Jahre
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Happy The Man

Crafty Hands

(Siehe auch: Leitfaden "Nordamerik. symphonischer Prog der 70er Jahre")
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1978
Besonderheiten/Stil: Canterbury; Klassischer Prog
Label: Arista Records
Durchschnittswertung: 11.75/15 (4 Rezensionen)

Besetzung

Stanley Whitaker 6 and 12 string guitars, vocals
Frank Wyatt pianos, harpsichord, saxes, flute, words
Kit Watkins pianos, harpsichord, Moog, fake strings, clavinet, 33, recorder
Rick Kennell bass
Ron Riddle drums, percussion

Tracklist

Disc 1
1. Service With A Smile 2:42
2. Morning Sun 4:05
3. Ibby It Is 7:51
4. Steaming Pipes 5:42
5. Wind Up Doll Day Wind 7:10
6. Open Book 4:54
7. I Forgot To Push It 3:03
8. The Moon, I Sing (Nossuri) 6:16
Gesamtlaufzeit41:43


Rezensionen


Von: Udo Gerhards (Rezension 1 von 4)


Wow! Ratatatatatatum. Wow! Nein, der Rezensent hat jetzt nicht plötzlich den Verstand verloren (höchstens schon früher...), aber zu ähnlichen Mitgerissenheitsausrufen muss einen der überlebensgrosse, gigantische Drum-Sound des Openers "Service With A Smile", gepaart mit druckvollem Cinemascope 11/8-Bombast, einfach hinreissen. Zwei Minuten und zweiundvierzig Sekunden pure Wonne: der Song ist viel zu kurz! MEHR! (Der Drumsound bleibt übrigens die ganze Platte über so gargantuanisch.)

So, nachdem ich meine überfällige Ration getrocknete Froschpillen eingeflösst bekommen habe, geht es jetzt wohl weniger wirr weiter. Gleich vorweg: "Happy The Mans" "Crafty Hands", ihre zweite und letzte offizielle Platte ("3rd - Better Late..." war eigentlich nur die Demo-Aufnahme für das geplante dritte Album), ist eine grossartige Scheibe mit proggiger Musik, und ich frage mich ernsthaft, warum ich die nicht schon lange kenne!

Als erstes fällt schon mal der phantastische Sound auf: selten habe ich eine in den Siebziger Jahren aufgenommenen Platte gehört, die dermassen lupenrein transparent und nobel klingt: ganze Arbeit von Ex-"Happy The Man"-Keyboarder Kit Watkins beim Remastern dieser 1999er Neuauflage von One Way Records, kann ich nur sagen.

Aber der musikalische Inhalt entspricht der Soundverpackung. "Happy The Man" spielen im wesentlichen instrumentalen Prog, dessen Kompliziertheiten und häufig krumme Rhythmen in sehr leichtfüssigen, harmonischen und melodischen Stücken nie dem Hörer ins Gesicht springen, sondern einfach eine weitere Zutat der Musik sind. Die Songs leben sehr viel vom Zusammenspiel zwischen den beiden Keyboardern Kit Watkins und Frank Wyatt sowie Gitarrist Stanley Whitaker. Oftmals scheint alles mit fluffigen, perlenden E-Pianos, gezupfter Gitarre und sanften Streichern dahin zu fliessen, die Musik ist sehr luftig und schwebend, aber beinah hinterrücks und hinterhältig schleicht sich der Bombast an (wie z.B. im bewegt hüpfend eröffneten "Ibby It Is"), bis sich der Hörer unversehens in einem himmlischen Stück druckvoller Musik wiederfindet.

Auch die natürlich vorhandenen schnellen Nummern sind wenig rockig und rotzig, sondern bestehen aus flink einander zugeworfenen Keyboard-Riffs, manchmal mit leicht burlesken Untertönen (meist durch den Einsatz eines Sax; siehe den Anfang von "Steaming Pipes" oder das hektische "I Forgot To Push It", das nach dem Intro mit durchkomponierter zweistimmiger Gitarren-Hektik über jazzrockiger Begleitung glänzt).

Lediglich "Wind Up Doll Day Wind", das einzige Stück mit - unauffälligem - Gesang von Wyatt, stampft nach dem sanften Intro und burlesker, fast "Supertramp"-mässiger Überleitung etwas fetter daher, aber auch hier wird die verzerrte Gitarre eigentlich von den umspielenden Synthies dominiert.

Keyboarder Kit Watkins ist für die Synthie-Arbeit zuständig, und er ist fantastisch. Seine Virtuosität wirkt nie in den Vordergrund gespielt, tatsächlich gibt es nur recht wenige Soli, die dann auch noch fast im Vorübergehen absolviert werden, aber seine rasende, flüssige Spielweise, sein schlankter Moog-Ton und die perfekte Beherrschung des Pitch-Bends sind dennoch nicht weniger als spektakulär. Beispiele für solche eigentlich monströsen Soli finden sich "Ibby It Is" und auch im nachfolgenden "Steaming Pipes", das von seinen spannenden angeschrägten Arpeggios her fast wie ein Stück einer viel schlankeren, weniger rockenden aber nobler fliessenden Ausgabe des "Mahavishnu Orchestras" klingt.

Noch ein paar Worte zu den Stücken, die bis jetzt noch nicht erwähnt wurden: "Morning Sun" malt in wunderschöner sanfter Steigerung das titelgebende Bild eines Sonnenaufgangs und auch "Open Book" ist eine sanft fliessende Nummer mit schönem akustischen Zwischenteil (Gitarre, Cembalo, Blockflöte), übrigens übernommen vom "Death's Crown"-Projekt ("Part Five"). Auch die Abschlussnummer "The Moon, I Sing", vielleicht das Gegenstück zu "Morning Sun", fliesst sanft dahin mit gezupfter Gitarre, schlanken Synthies und E-Piano.

"Happy The Mans" Musik lässt sich schwer mit der anderer Prog-Grössen der Siebziger Jahre vergleichen, vielleicht steckt ein Schuss "Camel" drin, bei denen Kit Watkins ja auch später in Diensten stand, aber ansonsten gelang der Band mit "Crafty Hands" ein gleichermassen originelles wie wunderschönes wie aufregendes Album. Alles in allem bleibt nur ein Resümee: Classic Stuff!

Anspieltipp(s): Service With A Smile, Ibby It Is
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 8.5.2002
Letzte Änderung: 8.5.2002
Wertung: 14/15

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Von: Ralf Damaschke (Rezension 2 von 4)


Der Begeisterung unseres geschätzten Webmasters kann ich mich in diesem Fall ausnahmsweise nicht ganz anschließen.

Originell? Mit Sicherheit. Ich habe jedenfalls noch keine andere Band gehört, die so klingt wie Happy The Man. Was aber nicht unbedingt etwas gutes heißen muß. Mir kommt "Crafty Hands" nämlich des öfteren wie ein schlecht gewählter Mittelweg zwischen symphonischem Prog und den meditativ wabernden Klangwolken der frühen Elektronik vor: So stark komponiert, daß sie zur entspannenden Klangdusche nicht taugt und so wenig treibend, daß sie nicht mireißen kann.

Wunderschön? Durchaus, durchaus, sehr hübsch und geschmackvoll ist diese Musik auf jeden Fall und der Band gelingt es auch, einige äußerst stimmungsvolle Momente zu schaffen. Für mich zynischen Kotzbrocken wird es hier auf Dauer aber einfach viel zu schöngeistig.

Aufregend? Kein bißchen. Sicher, in den komplexen Kompositionen kann der geneigte Hörer bestimmt viele interessante Details entdecken, aber da die Musik sich für mein Empfinden nur so vor sich hinschleppt, bin ich ihr gegenüber nun einmal eher waagerecht eingestellt.

Es soll hier jedoch keineswegs der Eindruck entstehen, "Crafty Hands" sei ein schlechtes Album. Handwerklich ist die Musik über jeden Zweifel erhaben und als angenehme Hintergrundbeschallung taugt sie allemal. Ich glaube aber, ohne diese Entdeckung würde mir auch nichts fehlen.

Nun, das erste Album soll ja etwas energischer sein; das werde ich irgendwann in Zukunft wohl mal antesten.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 22.8.2003
Letzte Änderung: 25.10.2003
Wertung: 9/15

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Von: Thorsten Gürntke @ (Rezension 3 von 4)


Der Zweitling von Happy The Man kann auch für meine Begriffe den hohen Standard des Erstlings nicht ganz erreichen. Ohne Frage, die Band versteht sich in ihrer Art, schöne und unkonventionelle Musik zu spielen.

Was mir bei diesem Album fehlt ist diese hinreißende Art, mit der jedes einzelne Stück des Debüts verzücken kann. Alles wirkt in sich getragener, geschlossener, gleichförmiger. Das Debüt hingegen wirkt dazu schon sehr unterschiedlich von Song zu Song. Auf Crafty Hands dominieren sehr stark die Keyboards. Da werden Teppiche gelegt und alles scheint schön dahinzuschweben. Harmonisch fügt sich die Gitarre meistens ein, während sie auf dem Debüt für die nötigen Ausreisser sorgte.

Nun mecker ich hier ewig rum und eigentlich wollte ich doch was Gutes zum Album schreiben. Also: Crafty Hands steht dem Debüt etwas nach, doch es kann auch verzaubern und spätestens beim elegischen "Ibby it is" und dem schwergängigen "Steaming Pipes" begeistert wieder diese vertrackte Rhythmik, die man schon auf dem Debüt zu genüge um die Ohren gehauen bekommt. Schön. Mit Open Book zeigt man dann auch mal wirklich folkloristische Ausflüge. Nicht ganz so locker, abwechslungsreich und tiefgängig wie das Debüt aber auch hier gibt es viel zu entdecken.

Anspieltipp(s): Steaming Pipes
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 28.2.2008
Letzte Änderung: 28.2.2008
Wertung: 11/15

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Von: Horst Straske @ (Rezension 4 von 4)


Happy The Man gehören zu den vielen Progbands der 70er Jahre, die leider ein wenig spät kamen und in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts nicht mehr die ihnen gebührende Anerkennung fanden. Auf ihren beiden offiziellen Alben widmeten sich die Amerikaner einem schöngeistigen Sympho-Jazz-Sound, der von einer allgegenwärtigen Eleganz erfüllt ist, die sich in wohl dosierten Klangflächen präsentiert. Das zweite Album "Crafty Hands" wird vom kurzen Instrumental "Service With A Smile" ungewohnt dynamisch mit wohl akzentuierter Leadgitarre und dezenten Keyboardeinsätzen eröffnet, tendiert aber bereits im nachfolgenden "Morning Sun" in Richtung der für die Band so typischen ornamentreichen symphonisch-jazzigen Klangelemente. Anmutige Tasteneinsätze stehen für die entspannte Ausrichtung des Stils von Happy The Man. In diesen geschmeidig perlenden Sound sind von jazzigen Saxophoneinsätzen geprägte Uptempo-Nummern wie "Steaming Pipes" und "I Forgot To Push It" als dynamischer Kontrast eingeflochten. Selbst hier steht die allgegenwärtige instrumentale Eleganz im Sinne von feinfühligen Harmonien im Mittelpunkt und erfüllt den jazzigen Unterton mit emotionaler Wärme.

"Wind Up Doll Day Wind" ist der einzige Gesangstitel und hüllt sich auf sanften Spuren in einen romantisch-zartgliedrigen Wohlklang, der im das Album abschließenden "The Moon, I Sing (Nossuri)" sein denkwürdiges Ende findet. Mit bezaubernden Harmonien verabschiedete sich hiermit eine der großartigsten Bands der zweiten Riege des 70er Jahre Progressive Rocks von der Bühne. Einen schöneren und ansprechenderen Abgang konnten sich die vier Amerikaner wirklich nicht gestalten. Ohne jegliche Übertreibung bleibt hier kein Auge eines Symphonic-Anhängers trocken. Ganz selten wurde eine solche musikalische Schönheit geschaffen, die in verträumten Klangflächen den Raum erfüllt und einen direkten Platz in den Herzen der Hörerschaft beansprucht. Ein womöglich klischeehaftes Resümee für eine absolut klischeefreie Musik.

Anspieltipp(s): Steaming Pipes, The Moon, I Sing (Nossuri)
Vergleichbar mit: elegantem Sympho-Jazzrock
Veröffentlicht am: 22.12.2011
Letzte Änderung: 20.12.2011
Wertung: 13/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Happy The Man

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1977 Happy The Man 12.75 4
1979 3rd: "Better Late..." 8.50 2
1990 Beginnings 9.50 2
1997 Live 10.50 2
1999 Death's Crown 8.33 3
2004 The Muse Awakens 9.50 2

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