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24289 Rezensionen zu 16602 Alben von 6470 Bands.
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Henry Cow

Legend

(Siehe auch: Leitfaden "Canterbury")
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1973
Besonderheiten/Stil: RIO / Avant
Label: Virgin
Durchschnittswertung: 12.67/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Geoff Leigh saxes, flute, clarinet, recorder, voice
Tim Hodgkinson organ, piano, whistle, voice
John Greaves bass, piano, whistle, voice
Fred Frith guitars, violin, viola, piano, voice
Chris Cutler drums, toys, piano, whistle, voice

Tracklist

Disc 1
1. Nirvana for Mice 4:53
2. Amygdala 6:47
3. Teenbeat Introduction 4:32
4. Teenbeat 6:57
5. Nirvana Reprise 1:11
6. Extract From "With The Yellow Half-Moon and Blue Star" 2:26
7. Teenbeat Reprise 5:07
8. The Tenth Chaffinch 6:06
9. Nine Funerals of the Citizen King 5:34
10. Bellycan   (Bonustrack CD-Reissue) 3:19
Gesamtlaufzeit46:52


Rezensionen


Von: Udo Gerhards (Rezension 1 von 3)


Vorbemerkung 1: Von "Legend" gibt es momentan zwei verschiedene Ausgaben auf CD; zum einen die zu erst veröffentlichte CD-Version mit dem Bonus-Track "Bellycan" (ein Ausschnitt aus dem frei improvisierten Material der Cow für die "Greasy Truckers'"-Compilation), die hier besprochen wird. Diese Version der Platte wurde vor der CD-Veröffentlichung von Keyboarder Tim Hodgkinson remixed, und dies wohl recht drastisch, so dass der Sound sich im Vergleich zum originalen LP-Release starkt änderte. Weiterhin wurden in dem Song "Amygdala" Fagott-Passagen von Lindsay Cooper 1990 nachträglich aufgenommen. Dies führte zu Protesten von Fans, die den ursprünglichen Mix bevorzugten, so dass vor kurzen eine weitere Version erschien, die von den Original-Master-Tapes remastered wurde. Bei dieser fehlt auch der Bonustrack.

Vorbemerkung 2: Der Titel der Platte ist ein Wortspiel. "Legend" bezieht sich weniger auf das englische Wort für "Legende", sondern muss als "Leg End", "Bein-Ende", gedeutet werden: siehe die Draht-Socke auf dem Cover. Ob dem Wortspiel ein tieferer Sinn zugrundeliegt, wage ich zu bezweifeln, lasse mich aber gerne belehren, falls jemand es weiss.

Jetzt aber zur eigentlichen Rezi: "Legend" ist das Debüt der "Rock In Opposition"-Legenden "Henry Cow" und setzt als solches gleich Maßstäbe in Sachen Komplexität und 'Sophistication'. Komplexe, polyphone, schräge, total durchkomponierte Stellen, in denen jedes Instrument (auch das Schlagzeug) in einer gleichberechtigten Stimme geführt wird, wechseln sich ab mit schrägen, jazzigen Soli über John Greaves tänzelndem Baß und Chris Cutlers unruhigem Schlagzeug oder mit vollkommen frei improvisierten, klangmalerischen Zwischenspielen oder augenzwinkernden, aber surreal angehauchten Satzstellen. Dabei benutzt die Band typische Rock-Instrumente genau so wie ein ganzes Arsenal nicht so typischer Klangerzeuger: Saxe, Flöte, Klarinette, Blockflöte, Violine, Viola, Fagott. Der Grundsound klingt immer mehr akustisch als elektrisch-rockig und bezieht seine Einflüsse ebenso sehr aus dem Rock wie aus dem Jazz/Free Jazz und der zeitgenössischem Klassik.

"Nirvana for Mice" von Gitarrist Fred Frith z.B. beginnt jazzig mit fließenden Sax-Sätzen über einem Rhythmus, der sich irgendwie dem Hörer zu entziehen scheint, wechselt aber schnell zu einer hektischen, fast freien Sax-Impro, die von Bläser-Schlägen und schrägen Gitarren-Akkorden abgewürgt wird. "Amygdala" von Hodgkinson bringt ausgedehnte polyphon-kontrakpunktisch, fast fugenartige Passagen, ohne dabei in Pseudo-Barock-Modus zu fallen, und sanfte Querflöte-Linien. "Teenbeat Introduction" ist eine freie, ruhige Kollektiv-Impro, in der ersten Hälfte bestimmt von Sax-Sounds, die nahtlos übergeht in "Teenbeat" von Frith und Greaves, das mit einem kleinen Choral beginnt, allerdings kontrastiert durch Cutlers Schlagzeug-Wirbeleien, schließlich über eine kurze burleske, fast Cirkus-Kapellen-mäßige Passage zu einem treibenden Rhythmus mit Wah-Gitarre im Hintergrund und Sax-Einwürfen findet und von dort zu einem ausgedehnten Sax-Solo über uhrwerkartigem Rhythmus geführt wird. "Nirvana Reprise" erinnert kurz an das Material von "Nirvana For Mice" in in mehreren, ruhigen cleanen Gitarren-Stimmen, während "With The Yellow Moon" wieder mit einem fugenmäßigen Aufbau in Geige, Flöte, Sax, Gitarre beginnt. "Teenbeat Reprise" nutzt das Material von "Teenbeat" als Grundlage für ein sägend-schräges, an Robert Fripps zeitgleiche Arbeit mit "King Crimson" erinnerndes Fuzz-Gitarrensolo, wieder mit treibender, geschäftiger Rhythmusgruppe und schrägen Piano-Einwürfen. "The Tenth Chaffinch" startet mir ruhigen, hohen Streicher- und Orgel-Sounds und löst sich dann auf in geheimnisvolle, auf mehreren akustischen Ebenen gesprochene/gesungene/gejaulte Vocals zusammen mit frei improvisiertem instrumentaler Begleitung, wobei 'Begleitung' hier eigentlich falsch ist, das die 'Vocals' genauso gut die Begleitung zu den Instrumenten sein könnten. Das letzte Stück der Platte, "Nine Funerals of the Citizen King" ist das einzige mit 'echten', gesungenen Vocals, begleitet zuerst hauptsächlich von einem Streicherarrangement, und leidet darunter, da die Band offensichtlich keinen besonders guten Sänger hatte. Diese Tatsache zusammen mit den nicht unbedingt einfachen Linien lassen die Stimmen ziemlich unsicher und schräg klingen, ohne das dies wohl so sein sollte. Leider ist dieser, der für mich schwächste Song, der Abschluß der ursprünglichen Platte.

"Henry Cows" Musik gilt als i.a. schwer zugänglich, und in gewisser Weise stimmt dies sicher. Herkömmliche Rock/Pop-Melodik und -Harmonik, wie man sich in zwar aufgepeppter und durchdachterer Version bei den populäreren zeitgenössischem Prog-Größen immer noch fand, gibt es hier nur in Ansätzen. Ich habe auch eine Zeit lang und mehrere Anläufe gebraucht, bis ich diese Platte wirklich zu schätzen wußte, aber die 'Mühe' hat sich gelohnt: hier gibt es bei jedem Hören immer etwas An- und Aufregendes zu entdecken, ohne dass die Musik vollkommen abgespaced und unverdaulich wäre.

Anspieltipp(s): Teenbeat, Extract From "With The Yellow Half-Moon and Blue Star"
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 11.5.2002
Letzte Änderung: 15.8.2003
Wertung: 12/15

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Von: Dirk Reuter @ (Rezension 2 von 3)


So so, Henry Cows Erstling ist also R.I.O, eine "Musikrichtung" (oder eher ein Verbund von Musikern mit ähnlichen Zielen), die erstmals am 12.3.1978 anlässlich des gleichnamigen Festivals "Rock in Opposition" Erwähnung fand? Zur Gründung des R.I.O.-Kollektivs im Dezember 1978 im schweizerischen Kirchberg existierten Henry Cow, die oben als "Rock in Opposition Legende" bezeichnet werden, jedenfalls schon gar nicht mehr.

Gleichzeitig gehört dieses Album auf den BBS zum Leifaden "Canterbury", deren typische Vertreter wie Caravan, Soft Machine oder Hatfield & the North mit R.I.O. soviel am Hut haben, wie Verona Pooth mit deutscher Grammatik. Wer soll das verstehen?

Aber der Reihe nach.

Hört man sich Alben von "echten" R.I.O.-Vertretern wie z.B. Univers Zero an, mag man diese anfangs chaotisch, rau oder vielleicht sogar völlig unmusikalisch finden. Arbeitet man sich dann durch diese Alben durch, könnte es sein, dass sich einem die unheimlich hohe Musikalität der Beteiligten und die Schönheit der Musik erschließt. Legt man danach "LegEnd" in den Player, wird einem vieles bekannt vorkommen, was man gerade noch unter dem Label "R.I.O." vernommen hat. Nun ist mal ganz klar, dass Henry Cow diese Art von Musik viel früher gemacht haben und somit zurecht von Udo als eine Legende der "Rock in Opposition"-Bewegung bezeichnet werden.

Nun zur Einordnung in die Canterbury-Scene. Im Glossar der BBS steht zu lesen: "Eine bestimmte Gruppe von Bands und Musikern, die zum grössten Teil aus dem Raum rund um das englische Canterbury stammen oder zumindest zeitweilig dort lebten, wird als Canterbury-Szene bezeichnet, die von ihnen gespielte Abart des Prog als "Canterbury"." Nach dieser engen und wohl so auch richtigen Definition wären Henry Cow nur mit großen Wohlwollen der Canterbury-Scene zuzuordnen, weil keiner der Gründungsmitglieder und auch keiner der an "LegEnd" beteiligten Musiker aus Canterbury stammt. Obwohl im BBS-Leitfaden "Canterbury" zu finden, ist auf diesen Seiten kein Album der Band dem (Pseudo-)Stil "Canterbury" zugeordnet. Personelle Verbindungen gibt es allerdings zu Robert Wyatt, National Health und Hatfield & the North.

Auch das zeigt mehr als deutlich, dass "LegEnd" sich zwischen alle musikalischen Stühle setzt, kaum wirklich einzuordnen ist und bei Erscheinen schlichtweg so progressiv war, dass sich ein kommerzieller Erfolg für Henry Cow nie einstellte. Und das in dem Jahr, als Prog-Meilensteine wie "Selling England by the Pound", "Tubular Bells" und "Brain Salad Surgery" sich ganz gut in den internationalen LP-Charts hielten.

Henry Cow waren mit "LegEnd" ihrer Zeit also im wahrsten Wortsinne viel zu weit voraus und klingen vielen Prog-Fans auch heute noch zu wenig verständlich. Jazzfans dürften Spaß an den freejazzigen Saxofonausbrüchen eines Geoff Leigh haben, Proggies können sich an Taktwechseln en masse erfreuen, die zeigen, wie sehr Chris Cutler als Drummer immer wieder unterschätzt wird und die Kompositionen von Frith und Hodgkinson sowie deren Beherrschung der Instrumente dürften ohnehin unbestritten sein.

Die CD zu hören ist echte Arbeit, nichts für Anfänger und auch für Fortgeschrittene nicht leicht zu verdauen. Aber wer sich in die Welt von R.I.O., Prog-Jazz oder Avantgarde einarbeiten will, kann an diesem Album nicht vorbei.

Eine echte Frage zu obiger Besprechung bleibt jedoch wirklich offen: "Bellycan" soll aus den Aufnahmen zur "Greasy Truckers Compilation" stammen? "Greasy Truckers" listet als Titel bei Henry Cow "Off The Map", "Cafe Royal", "Keeping Warm In Winter" und "Sweet Heart Of Mine", allesamt live im Oktober 1973 eingespielt, während "Bellycan" am 4.11.1973 in den Manor-Studios aufgenommen wurde. Das passt nun wirklich nicht zusammen.

Anspieltipp(s): Amygdala, Nirvana for Mice
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 19.4.2009
Letzte Änderung: 28.8.2009
Wertung: 12/15

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 3 von 3)


Ein Canterbury-RIO-Klassiker?

Es kommt natürlich immer darauf an, wie streng man mit (mehr oder weniger sinnvollen) Genrebezeichnungen und Stilschubladen umgeht. RIO und Canterbury werden von vielen Musikliebhabern inzwischen (auch von mir) als reiner Stilbegriff verwendet, losgelöst von ursprünglich vorhandenen zeitlichen oder geographischen Bezügen. Canterbury ist, was nach Canterbury klingt, nicht notwendigerweise was aus Canterbury kommt (wobei natürlich die Meinungen darüber, was nach Canterbury klingt, auseinander gehen können). Dabei muss zudem eine Band die Canterbury spielt nicht zwingenderweise zur Canterbury-Szene gehören oder gehört haben. Wie klingt Canterbury? Didier Malherbe, streng genommen kein Canterbury-Musiker im engeren Sinne, meint dazu: "The Canterbury School can be defined musically: certain chord changes, in particular the use of minor second chords, certain harmonic combinations, and a great clarity in the aesthetics, and a way of improvising that is very different to what is done in jazz." Na also!

Mit RIO verhält es sich so ähnlich. Der Stilbegriff RIO, den wir auf den BBS noch um den Zusatz "Avant" erweitert haben, beschreibt inzwischen so allerlei in der Schnittmenge von freiem Jazzrock, Kammerrock, Free-Rock, Artpop, akustischen Improvisationen jeglicher Art und diversen Mischgebilden zwischen moderner Klassik und Rock. Natürlich ist es fast albern einen vage umrissenen Stilbegriff mit weiteren, mitunter ähnlich schwer fest zu machenden Ausdrücken zu erklären - aber, was soll man machen? Vielleicht sollte man auf die kurze, im Beiheft des Albums "Macchina Maccheronica" der Gruppe Stormy Six abgedruckte, Definition verweisen: "Die RIO-Gruppen machen eine Musik, die immer wieder das Hören und Neuhören herausfordert, im Gegensatz zu einer musikalischen 'Masche', mit der der etablierte Musikmarkt das Publikum immer wieder aufs Neue zum Kauf animiert." RIO ist also im Grunde kein Stil, sondern eine bestimmte Herangehensweise ans Musikmachen abseits der etablierten Kompositions- und Produktionsschemata und ohne kommerzielle Kompromisse, nur als unverfälschter Ausdruck der eigenen Kreativität und Virtuosität.

Die Musik der originalen RIO-Bands, der 5 Gruppen, die im März 1978 auf dem von Henry Cow organisierten Rock In Opposition Festival auftraten, und der 7 Gruppen (Henry Cow hatten sich ja im Sommer 1978 aufgelöst), die sich später zum RIO-Musikerkollektiv zusammenschlossen, passt natürlich perfekt in dieses Schema und bildet logischerweise die klangliche Basis für alle späteren, mitunter auch rückwirkenden Zuweisungen ins Genre. Denn letztendlich gibt es schon so einen gewissen, wenn auch schwer definierbaren, ureigenen RIO-Sound.

Wie auch immer, niemand wird wohl in Abrede stellen, dass "Legend", als erstes Album von Henry Cow, auch das erste Album ist, dem man zweifelsfrei den Genrestempel RIO aufdrücken muss. Und dabei ist es auch gar kein Problem, dass es den Begriff RIO zur Entstehungszeit des Albums noch gar nicht gab (Genrebegriffe werden in der Regel immer erst einige Zeit nach dem Auftreten des Stils geschaffen). Aber Canterbury (der Stil) spielt auch eine Rolle.

Dass nämlich Henry Cow zu Beginn durchaus dem Canterbury-Jazzrock nahe waren zeigen z.B. die beiden auf der ersten CD der Henry-Cow-Archiv-Box(en) mit dem Titel "Beginnings" zu findenden Frith-Kompositionen "Rapt in a Blanket" und "Came to See You" (auf nämlicher CD gibt es übrigens auch das komplette "With The Yellow Half-Moon and Blue Star" zu hören). Dieselben, mit ihrem schlichten, songorientierten Jazzpop mit unaufdringlichem Gesang, wären auch auf einem Caravan-Album oder eine LP von Kevin Ayers nicht weiter aufgefallen. Auch finde ich, dass gerade das Cow-Debüt stellenweise noch deutliche Ähnlichkeiten zu den etwas früher entstandenen jazzig-bläserlastigen Soft-Machine-Alben wie "Two", "Third" und "Fourth" aufweist. Anderes dagegen, der Anfang von "Amygdala" z.B., könnte auch von Hatfield & The North stammen. Natürlich kannten sich die jeweiligen Musiker. So waren z.B. in der von Chris Cutler und Dave Stewart organisierten, 1971-72 existierenden ad-hoc Formation Ottawa Music Company neben den Cow-Mitgliedern auch diverse "echte" Canterburymusiker tätig. Daraus kann und sollte man natürlich nicht ableiten, dass Canterburybands auch etwas mit RIO zu tun haben müssen.

Im Grunde mischt "Legend" canterburesken Jazzrock, modern-klassische Schemen und freier improvisierte Teile (Free-Rock) zu einem homogenen, sehr eigenen und (damals) absolut neuartigen Ganzen. Dabei bleibt das Album noch das bei weitem zugänglichste der Band um Frith und Hodkinson. Auf späteren LPs und auf Konzerten, insbesondere nachdem sich "Heulboje" Dagmar Krause der Gruppe angeschlossen hatte, sollte die Musik von Henry Cow um einiges anstrengender und freier werden. "Legend" ist dagegen über weite Strecken noch eine gut hörbare Angelegenheit, ein sehr farbiges, virtuos musiziertes und exzellent komponiertes Album mit unkommerziellem, reichlich komplexem Jazzprog, der sich ab und zu in freiformatige Gefilde bewegt, das sich eigentlich jeder, der ein offenes Ohr für Jazziges im Rock hat zulegen kann (muss). Das Debüt von Henry Cow ist ein Klassiker, ein genredefinierendes Album, welches man, so man das RIO-Genre schätzt, kennen sollte!

Zwei CD-Reissues gibt es inzwischen von diesem Album - Udo hat es weiter oben schon erwähnt. Als das Album Anfang der 90er erstmals auf CD erscheinen sollte, machte sich Tim Hodkinson in bester Absicht daran es nachzubearbeiteten und neu abzumischen. U.a. entfernte er einige von Leighs Saxophonlinien (die ihm unpassend und schrill erschienen) und ersetzte sie durch neu eingespielte Fagotteinlagen Lindsay Coopers. 1999 erschien dann der remasterte, aber originale Mix auf CD. Inzwischen zieht Hodkinson, wie im Beiheft der oben schon erwähnten Box nachzulesen ist, die Originalversion seinem Remix vor.

Ein Bonustrack ist auf der Remix-CD zu finden. "Bellycan" ist ein Fragment der Improvisationen, die Henry Cow für das "Greasy-Truckers"-Album eingespielt haben. Auf demselben ist zwar angegeben, dass die dort zu hörenden Aufnahmen vom Oktober 1973 stammen und bei einem Konzert der vertretenen Bands in der Dingwalls Dance Hall aufgenommen wurden, doch ist das nur die halbe Wahrheit. Die Stücke von Gong und Henry Cow stammen nämlich nicht von jenem Konzert. Die Gongnummern wurden im Sommer 1973 in Tunesien bzw. im Oktober 1973 in der Town Hall in Sheffield aufgenommen (siehe "Live at Sheffield 74"). Offenbar war die Band (oder waren die LP-Produzenten) nicht mit den in Dingswall gemachten Aufnahmen zufrieden. Henry Cow kamen an jenem Abend wegen der bei solchen Veranstaltungen üblichen Verzögerungen so spät auf die Bühne (es war wohl schon nach 2 Uhr), dass der wohl etwas erschöpfte Besitzer der Lokalität nach rund 10 Minuten ihres Auftritts den Club schloss. Die Cow-Seite von "Greasy Truckers" wurde daher eine Woche später, Anfang November, im Manor-Studio improvisiert und ist übrigens in ihrer Gesamtheit auf der "Concerts"-CD zu finden.

Ach ja, auf meiner Original-LP von Virgin (der deutschen Pressung) ist nirgends das Wort "Legend" zu finden (auch nicht "Leg End" oder "LegEnd"). Auf dem Cover und den LP-Labels steht einfach nur "Henry Cow"!

Ein Canterbury-RIO-Klassiker!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 22.10.2009
Letzte Änderung: 6.8.2010
Wertung: 14/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Henry Cow

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1974 Unrest 12.00 2
1975 In Praise Of Learning 12.00 1
1975 Concerts 13.00 2
1978 Western Culture 12.00 1

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